Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 36. JÜDISCHE RUNDSCHAU. t i Seite 391. werden. Aber trotzdem oder vielmehr deshalb hat es seinen Glauben an die Zukunft nicht verloren. Denn es kann zurückblicken. Auch auf Ruinen, ״zerbrochene Tafeln“. Es hat seinen'Erinnerungstag . . . . tJnd es sieht, wie all das Einzelne, das von manchen vorloren geglaubt ward, auf Irr- und Umwegen dem Ganzen zueilt, um mächtig und stark zu werden.Neues Leben blüht aus den Ruinen. Und Israel betet: ״Erinnere dich unser zum Leben“. * Siehe schon eine ״Erinnerung"! ״Gehen hier die Jahre so schnell dahin oder die Menschen“? ... Theodor Hcrzl hat einmal diese Worte von dem allzu schnell scheidenden Floquet, Präsidenten der französischen Kammer, gebraucht. Nun müssen wir leider diese seine eigenen Worte auf ihn selbst, den Präsidenten des jüdischen Parlaments, anwenden. Für das jüdische Volk war Theodor Hcrzl der Inbegriff der jüdischen Renaissance, die Posaune jüdischer Freiheit. Nun ist er zur Erinnerung geworden. Doch wie ist dies möglich? Erinnerung, nichts mehr als Erinnerung? . . . . Nein. Theodor Hcrzl ist uns mehr. Er ist die Erinncrung, die dem Jüdischen Volke eigen ist. So oft Israel von Freiheit spricht, erzählt cs von seiner ״Erinnerung an den Auszug aus Mizrajim“. So oft Israel um Leben bittet, beginnt cs mit dein ״Tage der Erinnerung“. Leben und Freiheit, das ist das Kriterium der jüdischen Erir.nerung. Theodor Hcrzl hat dem jüdischen Volke beides gegeben. Er ist ein ״Tag der Erinnerung“ in der Nacht des jüdischen Golus. So oft daher Israel 11m Freiheit und Leben beten wird, um jüdisches Volksleben, wird cs an diese Erinnerung ankniipfen müssen: an Theodor Hcrzl. Theodor H e r z 1! wir erinnern uns Deinerzum Leben ........ —ן Aus der Beweguijg. >— Die Lesehalle der Zionistischen Vereinigung im Hestaurant Batimann, Friedrichstr. 5811 ist eröffnet. Literaturbericht. BDcher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion zugesandt werden, finden eingehende Resp'cchung. Vor uns liegt die neue Nummer (No. 9, Jahrg. 2) des ״Schlemiel“. Dies von Max Jungmann redigierte jüdischpolitische Witzblatt hat sich in der ganzen Zeit seines Be- Stehens schon eine so grosse Zahl von Freunden erworben, dass wir es nicht nötig hatten, auf das Blatt noch besonders hinzuweisen, wenn wir nicht betonen wollten, dass auch die zionistische Propaganda sehr wohJ mit dem fördernden Einfluss rechnen müsste, den sie von der kritischen Tätigkeit des Schicmiel erfährt; Die vorliegende Nummer beginnt mit einer Jungmannsehen Ode an Kossack. Darin liegt so viel Spott über die superfore Rasse mit den höheren Kulturanlagen, dass das jüdische NatumalgeUUU gewiss keinen Schaden darunter leidet. Der Wochcnschautc und Chaim Josse!! sind schon heute Bekannte geworden, die auch diesmal nicht hinter sieh seihst zurückgeblieben sind. Besonders geschickt hat aber Jungmann verstanden, in einer feinen Satire die beiden im Vordergründe des Berliner Interesses stehenden Tagesgespräche zu verbinden, nämlich den allgemeinen Berliner klugen Hans und den Spezialiromcr der Berliner Jüdischen Gemeinde. Unsere Leser finden an anderer Stelle dieses Gedicht abgcdruckt, aus dem sic ersehen werden, wes Geistes Kind der Schlemiel Jungmann ist. Wir sind überzeugt, dass der Abdruck in der heutigen Nummer dem ״Schlemiel" und zwar mit gutem Recht recht viele neue Freunde und Abonnenten zuführen wird. H. S. Wir fordern unsere Gesinnungsgenossen auf, die Lesehalle recht; fleissig zu besuchen. An jedem Sonnabend Abend, während•der Feste nach Ausgang des Feiertags — findet dort ein gemütliches Beisammensein der Zionisten statt, auf das ganz besonders aufmerksam, gemacht wird. j{ Gäste sind stets herzlich;, willkommen! Alfcnstcln, den 3. September 1901־. Herr Rabb. Dr. Olitzki gedachte in der heutigen Predigt unseres dahingegangenen grossen Führers Theodor Hcrzl. Wohl •j$t Herzl gestorben. Der Mann, der Grosses und Bedeutendes für das Judentum getan, doch sein Geist und seine Werke werden fortbcstehcn. Eine Vereinigung der Juden aller Partciricluungen der ganzen Welt hat Herzi geschaffen, eine Vereinigung, an die zuvor niemand recht hätte glauben können. Erfreulich ist die Einigkeit in der Partei trotz der verschiedenen religiösen Richtungen, wie sic die verschiedenen Verhandlungen auch hach dem Tode des grossen Führers gezeigt haben, wie fiter all man das Endziel nur in Zion erblickt, wo allein für unsere verfolgten und bedrängten Stammesbrüder eine rechtlich gesicherte Heim- Stätte sein wird. K. L — — y. Prag, im September (Flui) 190-i. Die Jüdische Akademische Verbindung ״ß a r i s s i a” in Prag teilt allen gg. Verbindungen und Korporationen die Tatsache ihrer Gründung mit. Der dies, jährige Ferialkonvcnt fand bereits am 11־. und J5. August in Karlsbad statt. Dz. Fcriaiadrcssc: stud. jur. J a r 0 s i a w Stein, Prag, Altstadt, Josefstädterstr. 72. . - Rundschau. An die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Im Herbst dieses Jahres finden die Ergänzungswahlcn für die Repräsentanten-Versamnilung unserer Gemeinde statt. Da turnusinässig dieses Mal die Mehrheit der Re- Präsentanten ausscheidet, so wird das Ergebnis der Wahl einen entscheidenden Einfluss auf die Richtung ausüben, in welcher sich voraussichtlich wahrend der “nächsten sechs Jahre die Verwaltung der Gemeinde bewegen wird. Seit dem Jahre 1865, in welchem 75 Prozent aller Wähler ihre Stimme abgaben, schwankte die Wahlbeteiligung zwischen 25 und 42 Prozent. Für den Gemeindevorstand nicht minder, als für die Repräsentanten-Versamnilung Der kluge Hans und Prof. Geiger. Der kluge Hans ist. wie bekannt. Ein Pferd mit menschlichem Verstand. Im Lesen schlügt er den Magister, Im Rechnen den Fiuanzmiuister, Und wird im Stall und auf dem Hof Geschätzt als weiser Philosoph. Was Wunder, dass ein solches Pierd Dem Menschen gleich zu sein begehrt Und nach erfolgtem Studiendrill Sich kulturell bctät'gcn will? Weis Wunder? — Nun. das edle Ross Erwog den Umstand und beschloss Sich eine Stellung zu bereiten. Entsprechend seinen Fälligkeiten: Doch leider war die Wahl beschränkt. Da unser Hans nicht christlich denkt Und demgemäss der ersten Pflicht Des guten Bürgers nicht entspricht. Ein kluges Pferd »m Deutschen Reich Gilt etwa einem Juden gleich: Es wird zum Schutzmann nicht gemacht Und nicht zum Wächter in der Nacht. Es wird kein Offizier im Heer. Kein Mitglied bei der Feuerwehr. Beim Kriegsminister kein Portier Und kein Gesandtschaftsattache. Kein Staatsanwalt., kein Rcchmmgsrat. . Kein Sekretär beim Magistrat Und bei der Post kein Assistent