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Jüdische Rundschau · 1904-09-02 · Heft 35 (2.9.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 35 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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ר * י י'■ יי 3יי>! Seite 384. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 35. Rab. Landau teilt mit, dass deren Aufruf direkt jeden Misrachisten von der Teilnahme ausschliesst Zufolge einer Anregung Dr. Nobels wird eine Sammlung für den Nationalfond eingcleitct, um die Versammlung ins Ooldene Buch einzutragen. Del. J a w e t z beantragt die Eintragung Dr. Herzfis (bleibt unentschieden). Hierauf beantragt Rab. Landau folgende Resolution, betreffend die Jugenderziehung: ״Der Misrachi sieht in der Er- Ziehung einen der wichtigsten Punkte der Qegenwartsarbeit. Es sollen daher in allen Städten Kommissionen, womöglich mit dem Ortsrabbiner an der Spitze, zur Ucberwacliung der Chedarim und deren sanitären Verhältnisse, Prüfung und Beaufsichtigung der Lehrer, Erteilung yon profanem Unterricht durch gesetzestreue Lehrer eingesetzt werden. Die Väter mögen ermahnt werden, über die Lektüre der Kinder zu wachen. Die Jungen der ״Jeschibhoth" sollen zu rationellen und zweckmässigen Studien angehaltcn und vom Schnorren für ihren Lebensunterhalt befreit werden. Auch die Mädchen müssen mehr als bisher im jüdischen Geiste erzogen werden (Angenommen.). Es gelangen zur Verlesung die Beschlüsse des Ausschusses für Presse und Iitcratur. Im Namen derselben beantragt Del. Lieben (Prag) folgende Resolution: Als Parteiorgane des ״Misrachi” gelten ״H amisr ach" (hebr.) und das ״Frankfurter I s r a e 1 i t i s c h e F a m i- 1»c n b 1 a 11“. die abonniert und propagiert werden m ü s s e n. ״Hamizpah" (Krakau, hebr.) wird als niisrachiireundliches Blatt empfohlen. Dagegen verdamme der Prcss-Ausschuss die übrige hebräische und Jargon*)־Pressc. die unter dem Deckmantel des Zionismus das Judentum .... (Grosser Lärm und Protestrufe seitens der anwesenden hebräischen Korrespondentcu und Schriftsteller). Bethelhefm: So meinte nur Ja wetz, die anderen kennen die Literatur nicht. Lieben: Diese Posch* em sind nicht unsere Brüder. Dr. Fink: Wir dürfen nicht verurteilen, was wir nicht gelesenhabcn. Dr. Nobel beantragt Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Literaturzeugnisse, bevor dieselben abgeurteilt werden. Es wurden noch eine grosse Menge von Resolutionen und Anträgen eingebracht, besonders von Rab. Fisch mann, der u. a; verlangte, es solle auch die Chalukah unterstützt werden, ebenso das ״Oacssacr Komitee“ (unter der Bedingung misrachisiischer Beaufsichtigung) und die Nationalbibliothck in Jeru• Salem u. m. anderes. Dr. Fink: Man darf einem Pierdc nicht mehr Säcke aufladen, als es tragen kann; ebenso darf man sich mit Annähme so vieler Resolutionen nicht lächerlich machen; er beantragt, die meisten für die nächste Konferenz, die in Basel vor dem Kongresse tagen wird, zurückzustellen. Somit ist die Tagesordnung erschöpft. Es ergreift das Wort Herr S. B e 11 c! h e i m. um die Versammelten, die er freudig begrüsst, ebenso freudig zu verabschieden. Die Konferenz sei eine herrliche Manifestation gewesen und die Opferfreudigkeit seiner Teilnehmer bewiesen, die trotz der rm Wege stehenden Hindernisse gekommen sind. Nur die Schwachen bSeben daheim, die Mutigen seien hergekonimen. Er dankte den Ortsbehörden für das Entgegenkommen und der christlichen Ortspresse für das lebhafte Interesse und den Ernst, mit dem sie den Verhandlungen folgten (Bofall). Unter stürmischem Beifall ergreift das Wort das A.-K.־ Mitglied Dr. Leopold Kahn: Mit einigem Zagen sei er zur Konferenz gekommen, da er befürchtete, es könnte hier zu einem Bruch mit der Gesamtbcw'egung kommen. Er ziehe jedoch mit beruhigten Herzen heim, .ira Bewusstsein, dass hier jenes kostbare Geschenk, das wir von Basel her besitzen, die Einigkeit, nicht angetastet wurde. Wenn ich Rabbiner wäre — rief der Redner, würde ich Euch den Ausspruch unserer Weisen zurufeu: ״Israel wird nicht eher erlöst, als bis cs sich zu einem Bunde vereinigt.** Der erste und grösste Antisemit fand an uns den Tadel, dass wir ein Volk sind, das nicht allein zerstreut ist. <m allen Ländern, sondern auch zerfahren in sich selbst. Die Uneinigkeit wäre uns heute gefährlicher denn je. In der schweren Zeit, wo wir als W a ise n dastehen, dürfen w׳ir nach alttalmudischer Anschauung ״als Waisen uns nicht unserer Anforderungen he• geben.*‘ Sie haben gezeigt, dass Sie die Eiligkeit wahren. •) Mit dem Schimpfwort .,Jargon*‘ ist das Jüdischdeutsche gemeint I nicht eine Organisation innerhalb der Organisation bilden wollen, sondern der Gesamtorganisation neue Kräfte zulühren. Ob meine Kollegen im Wiener Aktionskomitee mit allen Ihren Beschlüssen einverstanden sein werden, weiss ich nicht, hoffe cs aber, die Herren davon zu überzeugen, dass Ihr das Basler Programm gebührend betont habt Ihr seid Zionisten mit einem ״Plus‘*־ dieses Plus, das Ihr betont ist das Religiöse im Judentum. Es freut mich, dass Ihr die Fragen der Erziehung behandelt habt für die auf den Kongressen kein Platz ist. Ich freue mich, dass auch Ihr Männer erziehen wollt. Es sollen keine Ghctto-Cretins mehr entstehen, sondern Juden, die mit geradem Rücken vor die!Welt treten und aufrecht, nicht mit gekrümmtem Rückgrad ihrem Ziele zusteuern — nach Zion! (Stürmischer Beifall.) Dr. Nobel hält ein deutsches Schlusswort auf welches das Schlusswort des Präsidenten, Rab. Re i n c s, im Hebräischen folgte. Die Schlussreden hoben das Niveau der Vcr- Sammlung ein beträchtliches und riefen ungeteilte zündende Bcgeisterung hervor, die sich mit den Schlussworten Dr. Nobels לשנה הבאה בידושלס über den ganzen Saal verbreitete. Nach Schluss der Konferenz fand im Saale ein Kommers statt, bei welchem noch mehrere• Redner sprachen und. besonders von der anwesenden Jeschibhahjugcnd, hebräische Nationalliedcr gesungen wurden. M. B. Repräsentanz und jüdischer Turnverein in Hannover. (Offizielle Mitteilungen des Ausschusses der ״Jüdischen Turner- Schaft“.) Gegen die ״Jüdische Turnerschaft ־ Hannover“ hatte das dortige jüdische Repräsentanten-Kollcg einen ebenso unjüdischen wie unmotivierten und verletzenden Beschluss gefasst. ״Gcmissbilligt“ wurde darin dieses ״sogenannten Vereins“ Name und Aufuahnieparagraph. wonach jeder unbescholtene Jude Mitglied werden kann. Die Resolution der Repräsentanten wurde in der ״Jüdischen Turnzeitung“ einer wohlverdienten scharfen Kritik unterzogen; der Ausschuss der ..Jüdischen Turnerschatt“ hatte an sich aber keinen Anlass, sich in die hannoverschen Zwistigke'ten cinzum sehen: denn der angegriffene Verein Ist nicht Mitglied des jiidschen Turnverbandes und ermangelt eines positiven jüdischen Zweckes. Zu einem offiziellen Eingreifen sah sich der Ausschuss indessen durch die Haltung des ״Israelitschen Famillcnblatts“ genötigt, welches einseitig und parteiisch Bericht erstattete und persönlich-gehässige Angriffe auf die von der ״Jüdischen Turnerschaft" hcrausgcgcbcnc ״Jüdischc Turnzeitung" publizierte. Von der Verbandsleitung beauftragt, sandte der Schriftführer der ״Jüdischen Turnerschaft“ an das ״Israelitische Farn lienblatt" eine ausführliche Sachdar- Stellung. In dieser wurden die aui die Turnzcitung bezüglichen Invektiven und unwahren Behauptungen zurückgewiesen und insbesondere testgestellt: Bisher haben niemals jüdsclie Re- Präsentanten in deutschen Städten den jüdischen Turnern feind! che Resolutionen gefasst. Der Beschluss des hamioversehen Rcpräsentanten-Kollcgs steht einzig da und ist völlig unzureichend begründet. Die jüdischen Repräsentanten in Hannover haben den Stroit tut dem jüdischen Turnverein vom Zaun gebrochen. Diese Feststellungen mussten der Redaktion des Hamburger Blattes wohl recht unbequem gewesen sein, denn sie versagte der oifiz ellen Zuschrift die Aufnahme, indem sie kurzweg die Debatte über den Turnstreit für geschlossen erklärte — dieselbe Redaktion, die erst wenige Tage vorher ״diesen Gegenstand zur Dskussion gestellt" und ausdrücklich zugesichert hatte, dass sie ״selbstverständlich" auch den Freunden der jüdischen Turnsache Raum gewähre! Das illoyaie und wortbrüchige Verhalten der Redaktion des ״Israelitischen Familien- Watts“ richtet sich von selbst. — Jetzt sandte der Schriftführer der ״Jüdischen Turnerschaft“ eine Schilderung der Genesis und Waterentwickelung der hannoverschen Turnfehde an den ״Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums", der sie am 15. VIII. 04 brachte. uuemums , Aber der Kampf ist damit nicht beendet. Noch haben die Repräsentanten ihren Beschluss nicht rückgängig gemacht und noch immer ist zu befürchten, dass private ״jüdische" Kreise wiederum eine heftige Agitation entfachen, lediglich in der Absicht, den jüdischen Turnverein zu sprengen, dessen Existenz sic geniert! Wir wenden uns daher an die jüdische Presse und damit an de jüdische Öffentlichkeit und erbittten den moralschcn Beistand aller derjenigen, die sich jüdisches Empfinden bewahrt haben. Wohin soll es fuiireii, wenn, wie es in Hannover geschehen ist, ein jüdischer Repräsentant die Gründung eines jüdischen Turnvereins ungerügt für eine ״Kühn-

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