Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1904)
- Date
- 1904-09-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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s&xxurmjzH: Seile 382. f JÜDISCHE RUNDSCHAU ז r No. 35. Dr. Kahn ist für Ende Februar. Dr. Franz Oppenhe im er beantragt Ende der russischen Weihnachten. Ing. T e m k i n Ist für März oder Mai. Dr. H a n t k e und Prof. W a r b u r g stimmen dem Anträge ן Dr. Oppenheimer zu. SchliessSch wird als Ze'tpunkt die letzte Februanvochc russisehen Stiles, d. h. die zweite Woche des März 1905, angenommen. Das Engere A.-K. und der Erweiterte Aus• schuss werden aufgefordert, bis zum nächsten Kongress cm Organisationsstatut zu entwerfen. Nach einem Anträge üssischkin, der angenommen wird, sind bis dahin wichtige Pläne und Entwürfe in der ״Welt" zur öffentlichen Diskiission*) zu stellen. Das Engere A.-K. und der Erweiterte Ausschuss werden von der Jahreskonferenz beauftragt, einen vom Grossen A.-K. Unterzeichneten Aufruf zu erlassen, i:1 dem erklärt wird, dass alle Arbeiten, auch die politischen Massnahmen, weitergeführt werden ohne Jede Störung, und dass in der zionistischen Tätigkeit keine Pause eingetreten sei. Hiermit endigen de Verhandlungen der Jahreskonferenz. Dr. Tschfenow ergreift das Schlusswort: ״Wir sind zum Schlüsse unserer Beratungen gekommen und wir verlassen bald die Stadt, wo unser grosser Führer für das Jüdische Volk so opferfreudig gewirkt hat, wo er sein junges Leben verzehrt hat. In diesem Augenblicke des Abschiedes, wie in dem ersten, wo wir in dieses Zimmer ciiitraten, in welchem wir noch vor denke, Sie alle haben es gefühlt, wie er uns gefehlt hat. Aber eine Ueberzeugung, denke ich, haben wir alle in diesen Tagen gewonnen: die Sache wird vorwärts gehen. Jetzt müssen wir in de weitere Tätigkeit eintreten. Wir sind auf dem Wege. Unseren Wegweiser haben wir verloren. Auf uns alten liegt die Pflicht, das Volk zu führen, wenn auch nicht so wie er, doch so, wie wir können. Das, w׳as wir geschaffen haben, das Surrogat, war ein Werk der Vorsicht und jetzt ist es unsere allgemeine Aufgabe, uns umzuschauen. Es war alles angepasst den breiten Schuldem und den grossen Fähigkelten des einen Grossen. Jetzt müssen wir die Bewegung mit unseren Kräften führen, und wir w׳erden wahrscheinlich vieles ändern müssen. Es ist unsere erste Aufgabe, uns umzuschauen, wie wir die Bewegung weiter führen können. Wir wollen aber damit nichts beschränken. Herz! sagt in seiner Selbstbiographic: ״Als ich zur zionistischen Tätigkeit trat, dachte ich mir, es gibt hier nicht viel zu diskutieren, cs gilt zu arbeiten." Das hat er auch immer getan. Zu dieser Tätigkeit gehen wir von hier mit dem festen Entschlüsse, zu arbeiten und zu arbeiten. Im Interesse unserer grossen Bcwegung zu arbeiten." Nach Erstattung des Dankes durch Dr. Klee an das Präsidium für die Führung des Bureaus wurde die Jahreskonfercnz geschlossen. einigen Monaten mit ihm gearbeitet haben, und auch während der ganzen Zelt, wo wir ohne ihn tätig waren, haben sich meine und auch II»rc Gedanken an ihn gewendet. Sechs Jahre hatte ich Gelegenheit, unseren Führer zu beobachten, zu studieren und zu bewundern, und ich muss sagen, noch niemals habe ich einen solchen Herzl gesehen, als bei der letzten Sitzung des Grossen A.-K. Noch niemals habe ich an ihn! entgegengesetztere Gefühle von Freude, Trauer und Unruhe wahrgenommen. Sic wissen, nach welcher Zeit wir zusammengekommen sind, und da hat sich Herzl so hoch über alle Streitigkeiten gestellt, wie wir es noch nie sahen. Noch nie .'st sein zionistisches Credo so kihr, so gross, so deutlich gewesen, wie es sich in der letzten Sitzung offenbart hat. Noch nie hatte uns Herzl so gezeigt, wie man auch gross sein könne in klonen Sachen. Sie wissen, er hat in Palästina in der letzten Zeit zu arbeiten begonnen in kleineren Angelegenheiten, und da hatten wir Gelegenheit, zu bewundern, wie weit sein Blick auch in diesen Dingen sei. Was ich noch von Herzl gelernt habe, war folgendes: Sic wissen, wieviel Vorw׳ürfc gegen ihn erhoben wurden. Ich selbst, ich kann es nicht verhehlen, war es, der unrichtige Vorwürfe gemacht hat inbezug auf Arbeiten cn Palästina. Herzl konnte es sehr leicht widerlegen. Er hat aber viel gelitten und hat geschwiegen, weil er cs im Interesse der Sache für gut Heit. Schweigen, leiden und arbeiten konnten wir von ihm lernen. Und je mehr wir das lernen, desto besser wird es für unsere Sache sein. Als ich das alles kennen gelernt habe, bekam ich viel grössere Hoffnungen für die Zukunft der Bewegung als früher. Aber schon damals habe ich gesehen, dass eine ernste Krise bald stattflnden wird. Leider konnte es sich niemand vorstellen, dass das so rasch geschehen werde, dass wir so rasch unseren lieben, geschätzten, unvergesslichen Führer verlieren werden. Aber es ist geschehen und lässt sich nicht ändern. Und da erinnere ich noch an die *Vlortc unseres Herzl, als er von Kischinew׳ sprach. Er sagte: .,Wir haben nicht das Recht, lange zu trauern, der.;» unsere lebendigen Sorgenmüssen wi r den Lebenden geben." So ist Jetzt auch unsere Lage. Wir haben nicht das Recht zu trauern, dr!־n wir haben eine grosse Aufgabe vor uns, die umso schwerer geworden •st, als wir unseren Führer verloren haben. Jetzt in dieser Jahreskonferenz haben wir den ersten Versuch gemacht, ohne den Führer zu arbeiten, und ich *) Die ״Jüdische Rundschau wird sich selbstverständlich mit besonderer Sorgfalt dieser für das Partcilebcn wichtigsten Organisationsfrage widmen. Die Konferenz des Jisrachi“ in Pressburg. Aufs freundlichste von der lokalen deutschen Presse bcgriisst, wurde Sonntag am 2t. ds., 10 Uhr vormittags die Konferenz der orthodoxen Zionisten eröffnet. Es sind über 100 Delegierte erschienen. Ungarn ist durch 10־ Delegierte vertreten, während alle übrigen aus Russland, Rumänien. Galizcn. auch aus Deutschland erschienen sind. Aus Amerika ist Rabbiner Dr. Gut m a n 11 aus Jersey City als Vertreter des Ncw-Vorker Rabbinerverbandes erschienen. Der Präsident des ״Misrachi", Rabbiner Reines aus Lida, eröffnete die Konferenz mit einer hebräisch gehaltenen Rede, in der er das Verhältnis der Orthodoxie zum allgemeinen zionist sehen Ideal auseinandersetzte. Er muss zugeben, dass der Zionismus, dieses uralte Ideal des jiidisenen Volkes, in seiner neueren Form durch freisinnige Juden einen mächtigen Anstoss zur Wiederbelebung erhalten habe. Das Ideal batte Jahrhundertelang im Volke geschlummert und des Erweckens geharrt, um eine lebendige Bewegung hervorzurufen. Die schwersten Beweggründe sind Exil. Not und Elend, Verletzung der Elite, die die Ocsctzcstrgucn vermöge ihrer Zurückgczogenheit vom Leben weniger als d e Freisinnigen empfunden haben. Und in den Freisinnigen erwachte das jüdische Gefühl, das Bew usstsc n. dass es anders w erden müsse, und s i c schufen diese Bewegung, die nichts anderes ist, als das Bestreben, das Judentum und d e Judenheit aus Schmach und Elend zu befreien. Das Volk, die gesetzestreue jüdische Volks• masse, misstraute dieser Bewegung, die ihr als moderne, freisinnige Neuerung erschien. Die Schuld daran trifft jene Rah* biner, die es unterlassen haben, das Volk über so ne wirkliche Lage im Exil, über seine elende Gegenwart und über die für die Zukunft drohende Gefahr der Auflösung zu belehren. Anders verfuhr einst der grosse Lehrer Mose, der dem Volke keine Moral predigte, bevor er es aus der leiblichen Gefangeiischaft befreite. Um das Judentum zu erhalten, muss für die Judenheit gesorgt werden. Die zionistische Bewegung ist folglich eine im jüdischen Sinne geistige, heilige; diejenigen, die hr den Rücken kehren, laden eine schwere Verantwortung auf sieh. (Stürmischer Beifall.) Nach der Eröffnungsrede beantragte Del. Fischer (Papa), an Se. Majestät den Kaiser und König eine in magyarischer Sprache abgefasste Huidigungsdepesehe zu richten. Man schritt nun zur Wahl des Präsidiums. Per Akklamation wurden gewählt: Rabbiner Reines, Präses: Rabb. Nobel (Leipzig) und Rabb. Landau (Bottuschani) Vize- Präsidenten: Rabb. Griinhaus (Troki) hebr. Schriftführer: Dr. F i n k (Wien) und Red. Rabb. Sally Geis (Frankfurt a. M.) deutsche Schriftführer; S. B c 11 e I h e i m (Pressburg) und F a r b s t e i n als Beis tzer. Rabb. Dr. Nobel, der den Vorsitz führt, begrüsst das anwesende Mitglied des A.-K. Dr. Kahn und widmet dem dahingcschicdenen Führer der zionistischen Bewegung einen tiefempfundenen Nachruf. Darm ergreift Dr. K a h n das Wort namens des Wiener A.-K. Er drückt die Hoffnung aus, dass