Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-09-02 · Heft 35 (2.9.1904) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 35 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651377--01595-2658460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

( No. 35. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 381. Die aufrechten Juden dürfen die Aeusserung Wasserrnanns freudig begrüssen. Mag er auch auf halbem Wege stehen geblieben sein: so echtes Gefühl, so edler Stolz können fortzeugend nur das Rechte wirken. ״Denn alles ist Frucht und alles ist Same“. J e h u d a. Die Jahres-Konferenz. Bericht des Kongressbureaus. 2. Tag. 18. August 1904. Vormittagssitzung. Es gelangt zunächst das Referat Professor Warburgs über das Ostafrikaprojekt zur Debatte. Im wesentlichen bestand diese aus Interpellationen: Welche Autonomie von der englischen Regierung eingerüuint würde, wie das Land beschaffen sei, wann die Expedition sich auf den Weg machen könne, welche Zeit die Expedition zur Erforschung brauche, wie die Bevölkerung gegen die jüdische Einwanderung gesinnt sei, wie die Transportverhältnisse seien. Prof. War bürg gibt die entsprechenden Aufklärungen: Das in Frage kommende Gebiet liegt 5 bis 7 Kilometer nördlich von der Eisenbahn. Es ist zum grössten Teile dicht bewaldet und geht in ein Höhen־ plateau über. Das Land eignet sich teilweise für den Ackerbau, teilweise für die Viehzucht. Es liegt sehr hoch und bietet daher günstige klimatische Verhaltn'sse und ist so gut wie fas: gar nicht bevölkert. Im vergangenen Jahre gab es ungefähr ungefähr 500 Wcisse, derzeit zählt man über 1500. Von der englischen Regierung wurde eine lokale Autonomie zugestanden. Es sind alle Bürgschaften dafür gegeben, dass die Juden auch die Vcrwaltungsämter übernehmen können, selbstvcr ־ stündlich Juden, welche dem englischen Staatsvcrbandc angehören. Die Transportverhältnisse sind günstig. Das beweist das Prosperieren der Gesellschaft in Nairobi, w׳elche Kartoffelanbau treibt und dieselben nach dem Transvaal exportiert. Wie hoch sich die Kosten der Kolonisation stellen werden, hängt von der Art und Weise der Kolonisation ab. Ke Expedition dürfte drei Monate zur Erforschung des Gebietes benötigen. Dr. Franz Oppenheimer ergänzt diese Aufklärungen: Die Kommission betrachtet ihre Aufgabe als eine rein wissenschaftliche. Es war zu untersuchen, ob das Land in klimatischer, landwirtschaftlicher, technischer Richtung geeignet sei. Es waren zu erforschen die wirtschaftlichen Vcr hältnisse, die Möglichkeit des Importes und Exportes. Wird es möglich sein, eine zionistische Ansiedlung in grossem Umfange auf Grund der gegebenen Verhältnisse ins Werk zu setzen oder nicht? Nur mit diesen Fragen hat sich che Kornmission beschäftigt. Alle anderen musste sie ausschalten in Gemässheit des Kongressbeschlusses. Der Bericht \\*a r* burgs ward sodann mit Dank zur Kenntnis genommen. Zum weiteren Punkte der Tagesordnung ergreift der Vorsitzende Dr. Tschlenow׳ das Wort. Das A.-K. w׳ar der Ansicht, dass für die Zeit bis zum nächsten Kongresse ein Provisorium geschaffen werden müsse. In dieser Zeit sollen alle Fragen der Organisation studiert werden, damit man vorbereitet zum Kongresse komme, um dort dauernde Zustände zu schaffen. In Erkenntnis dieses Umstandes hat das A.-K., weil es nicht Imstande war, die grosse Lücke, die der Tod Herzls in־unseren Arbeiten gerissen hat. durch einen Mann zu ersetzen, eine Kommission gewählt, welche dem Engeren A.-K. mit beratender und beschliessender Stimme‘ zur Seite gestellt wird. Die Tätigkeit dieser Kommission wird darin bestehen, sich mit allen Angelegenheiten, die bisher in der Hand des Engeren A.-K. lagen, vertraut zu machen, alle Dokumente zu studieren, alte Vorbereitungen kennen zu lernen und die weitere Arbeit der engsten Parteileitung zu bestimmen. In der ersten gemeinsamen Sitzung des Engeren A.-K. und dieser Kommission wurden ferner die Herren Dr. Max Nordau, Dav. Wolffsohn, Dr. Katzeneisohn mit beschliessender Stimme kooptiert. Dieser Beschluss wurde dem Grossen A.-K. zur Genehmigung vorgelegt, dieses stimmte der Kooptierung bei. Nur in der Frage, welche Rechte diesen Herren einzuräumen seien, ob eine beratende oder eine beschKessende Stimme, wurde beschlossen, die Entscheidung der Jahreskonferenz vorzulegen. Des weiteren wurde auch Prof. Warburg für diese Kommission in Vorschlag gebracht. Dr. Kahn und Arch. Marmorek unterstützten die Annahme des Antrages des Engeren A.-K. und der Kommission, da es notwendig sei, die Kontinuität der Verhandlungen zu sichern. י Nach längerer Debatte beschiiesst die Jahreskonferenz, die Herren Dr. Nordau, D. Wolffsohn, Dr Katzen e.l- ״ sohn und Prof. Warburg für den Ausschuss zu kooptieren, und ist mit dem Ausschüsse, der ausser dem Engeren A.-K. auch noch aus den Herren Dr. Tschlenow, Ing. U s s i s c hk i n , Dr. Alex. Marmorek, Dr. Bodenheim'er und Mr. Grecnbcrg besteht, einverstanden. Die Nachmittagssitzung beschäftigte sich mit der Diskussiou über den Ausweis der Kasse. Die Ausweise geben u. esma! kein ganz richtiges Bild von den Schekeleinnahmen im abgelaufenen Verwaltungslahre. Das allgemeine Schekelkonto betrug bisher 51 452,66 Kronen. Die Landcszentralen glaubten bisher, sich mit dem Inkasso und den Rechnungsabschlüssen nicht sehr beeilen zu müssen. Durch den Tod des Führers und die dadurch bedingte frühe Einberufung der Jahreskonferenz überrascht, konnten ein:gc Landcszentralen nicht mehr rechtzeitig mit den Rechnungsabschlüssen fertig werden. Die angeführte Schekelsutnme setzt sich nur aus jenen Beträgen zusammen, welche bis zum 30. Juni an die Zentrale in Wien abgeführt wurden. Aus den seither weiter cingelaufenen Schekelgcidern für das abgelaufcnc Verwaltungsjahr, sowie aus den inzwischen eingesandten Rechnungsab- Schlüssen ist jedoch zu ersehen, dass der wirklich eingesammelte Schekel zirka das Doppelte der ausgewiesenen ־ Summe beträgt. Allerdings erreicht er auch dann bei weitem nicht die Höhe des vorvergangenen Jahres. Dieser Ausfall ist aber durch die Kriegs- und Notverhältnissc in Russland, wo der hauptsächlichste Rückgang zu verzeichnen ist, zur Genüge erklärt. Auch die Parteipresse fand eingehendere Besprechung und von mehreren Seiten wurde darauf gedrungen, den im Organisationsstatute vorgesehenen Pressausschuss zu aktivieren. Die Debatte schliesst mit einer Dccharge an_das Engere A.-K. und einem Dankesvotum an den Kassenverwalter Dr. Kokesch. Die gestellten Anträge wurden dem A.-K. und dem erweiterten . Ausschüsse zur Prüfung überwiesen. 3. Tag, 19. August 1904. Der erste Punkt der Tagesordnung ga^t der Diskussion über die Anträge der Palästinakommission. Es wurde beschlossen, das Verhältnis der Palästinakommission zur A. P. K. durch den erweiterten Ausschuss zu regeln. Sodann wurde zum zweiten Punkte der Tagesordnung, Bestimmung def Zelt und des Ortes des nächsten Kongresses, geschritten. Die Debatte über diesen Punkt gewinnt grossen Umfang. Einerseits wird behauptet, dass die baldigste Einberufung des Kongresses von unbedingter Notwendigkeit sei. Andererseits wurde erklärt, dass der Kongress nicht vor August einberufen wurden könne. Es w ird auch darüber diskutiert, ob auf dem Kongresse nicht nur die Fragen der Organisation, sondern auch die Ostafrikafrage zur Debatte gestellt werde. Die einen sind für die Verbindung dieser beiden Punkte, die anderen wenden sich dagegen. Jede Frage für sich sei zu wichtig, um übers Knie gebrochen oder nur mit Rücksicht auf die andere Frage gelöst werden zu können. Dr. Klee ist für Weihnachten. Dr. Tschlenow für August. Dr. Alex. Marmorek protestiert gegen jede Verlängerung des Provisoriums. Mr. Greenb e r g beantragt einen dringenden Kongress zu Weihnachten, dessen Tagesordnung aber nicht beschränkt werden dürfe. Dav. Wolffsohn ist für die baldige Klärung der Sachlage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.