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Jüdische Rundschau · 1904-08-26 · Heft 34 (26.8.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 34 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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־ Seit• 374. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 34. bifteiTs^höh jetzt Bestellungen an den Verlag ״Jüdische Rundschau“, Berlin N. 54/Auguststr. 49a, oder an das Zentralbüro zu lichten, da wir andernfalls bei den zu erwartende*! ‘starken' Bestelfungen keine Garantie für , die Ausführung übernehmen können. .. .Damen und Herren in Berlin und Vororten, die Schekelblocks zum Einsammeln der'Schekd wünschen, werden hiermit ersucht sich an. Herrn J. H. Wagner,* Ber 1 i n_N, Prenzlauerallee 9 zu wenden. .. .. Berliner Zionistische Vereinigung. r— Rundschau. j Berlin, 20. August. Die ״Oswoboschdenje” veröffentlicht die Verordnung eines Korpskommandeurs, die am 16. März, also etwa fünf Wochen vor Beginn des Krieges, erlassen wurde. Die Verordnung wendet sich gegen die politische Agitation unter den Soldaten, und namentlich unter den jüdischeu Soldaten. Unter anderem heisst es in der Verordnung: .Den Juden muss verboten werden, Briefe in jüdischer Sprache zu erhalten. Solche Briefe dürfen nicht zugestellt. sondern jnüssen׳ sofort an den Divislonsstab geschickt werden. Die in polnischer Sprache geschriebenen Briefe müssen von besonders ernannten Offizieren, die der polnischen Sprache mächtig sind, durchgesehen werden. Die Mannschaften, bei denen Briefe in jüdischer Sprache aufgefunden werden, müssen streng bestraft werden.. Damit solche Briefe den jüdischen 1 Soldaten nicht etwa durch Vermittlung von Verwandten oder ‘ Bekannten zugehen, müssen oft, doch nicht in regelmässigen Zwischenräumen, die Koffer der Mannschaften durchsucht wer- ' den. : Die'Urlaube müssen überhaupt eingeschränkt werden. Denn .die. Marmschaiten treiben sich, wenn sie Urlaub haben, nur in der Stadt herum. Besonders streng muss man dabei .mit den Juden verfahren. .Wenn die Juden zum Gottesdienst kommandiert .werden, so muss der älteste von ihnen das Korn- 'mando. führen, der.die Mannschaft dann nach der Kaserne zurückbringen muss. Einzelnen Juden darf nur mit besonderer ^״Vorsicht Urlaub gewährt werden und nur mit Erlaubnis des Chefs usw. V Von den ״Polen m. K.“. In Monasterzyska (Galizien) veränstalteten die Allpolcri am 7. ä. Mts. ein Sokolfest, an dem .auch" ihre Polen mosaischer Konfession mit' dem Präsiäenfen * der israelitischen ־ Kultusgemeinde Dr. Leon . Chameldes (!) teilnahmen; viele natürlich in der polnischen Nationaltracht. Als sich zwei Judenpolen, die die Herren W. L. und L. Ko., besonders, hervortun wollten und unaufgefordert für das zu erbauende ״dom polski" zu sammein begannen, werden sic vom polnischen Volksschullehrer Ka. aufgefordert, die Sammlung einzustellcn, da sie doch das Geld in ihre Taschen steckten. Herr Ko. forderte von dem sauberen Herrn Ka. Genugtuung, w׳orauf ihm der tapfere ifugendbildner erwiderte, die Juden hätten zwar Geld, aber keine Ehre. Lemberg. Zionistische Kulturarbeit in Galizien. Vor einiger Zeit hat die oberste Sanitätsbehörde - für Oesterreich eine Reihe von Leitsätzen ausgearbeitet, die - der Bekämpfung der Tuberkulosis dienen sollen. Die zlonistisehe ״jfid. Toynbee-Hall“ in Lemberg ist die erste Organisatkm Oesterreichs, die diese. Leitsätze verbreitete. Es wurde . von. genanntem Institut ein Plakat verbreitet, das zur Verteilung in den Schänken, Vereinslokalen etc. kommt. Der : Text ist im Jargon und im Polnischen abgefasst. Dieses Vorgehen einer zionistischen Organisation ist umso schätzensw׳er- •ter, da in Oesterreich ein Siebentel aller Todesfälle auf Tuberkulose zurückzufüluen ist und leider die galizischen Juden, einen hohen Prozentsatz zu dieser Zahl liefern. M. B. J. Die lüdische Kolonisation in Rio Grande hat, wie man bchauptet, eine beachtenswerte Ausdehnung erreicht. Vor dem Betriebsdirektor der Uruguayana-Bahn, Herrn Gustav Vauthier, kommen jetzt interessante Mitteilungen über eine im Munizip Santa Maria in der Anlage begriffene Kolonie. ״Die Kolonieländere'tm sind unweit Santa Maria in der Ortschaft Pinhal, der ersten Station der Eisenbahnlinie Santa Maria—Passo Fundo, gelegen. Gegründet ist die Kolonie von der ״Jewish Colonisation Association” mit Sitz in Paris und Zweigstellen in verschiedenen Hauptstädten Europas, w׳ovon die bedeutendste in Brüssel der Leitung des Herrn Franz Philippson, eines der Direktoren der belgischen Eisenbahn- Pächter-Gesellschaft in unserem Staat, untersteht. Die angeblichen Erfolge ermutigten die Leiter der ״Jewish Colonisation Association“, in Brasilien einen Kolonisationsversuch, zu machen, und zwar wurde hierzu der Staat Rio Grande do Sul ausersehen, w eil dessen Klima sich dem von Südsvesteuropa am meisten nähert, und weil es dort dem einzelnen Kolonisten nicht schwer fällt, sich durch seiner Hände Arbeit eigenen Grund und Boden zu erwerben. Im Jahre 1900 wurde eine Sachverständigenkommission nach Rio Grande do Sul gesandt, um die Bedingungen für eine dort anzulegendc Kolonie zu studieren. Die eingezogeuen Erkundigungen waren die denkbar günstigsten, und schon im Jahre 1902 kam eil Vertreter der ״Association” aufs neue nach hier. In der Gegend von Pinhal, 25 Kilometer entiernt von Santa Maria, schon auf der Serra, fand Dr. Lapinc einen Landkomplex von ctw׳a zwei Quadratleguas Flächeninhalt, der ihm besonders geeignet erschien. Er kaufte ihn daher an. Jetzt wird an der Vermessung des Landes in Kolonielosc und an den Wegen gearbeitet. ‘ Der Koloniekomplex besteht aus Kampland. Es ist dies der erste grössere Versuch, der in unserem Staate mit Kampkolonisation gemacht wird. Bisher hatte man Kolonien nur im Urwald angelegt. Die jüdische Kolonie wird nur Kamp- Wirtschaft betreiben. Jeder Kolonist erhält allerdings auch auf seinem Lose ein Stück Wald, aber nicht um es niederzuhaucn, sondern um sich sein Brenn- und Bauholz zu holen. Die Kolonisationsgcsellschaft liefert, jeder Kolonistcnfamilic ein Los von annähernd 25 Hektaren und ein Häuschen darauf, sowie Ackerbaugeräte, Sämereien und Zugtiere. Dadurch entstehen der Gesellschaft natürlich grosse Ausgaben, aber man hofft mit Recht, dass der Kolonist auf diese Weise viel schneller in der Lage sein wird, seinen bei Empfang des Kolonieloses cingcgangcncn Verpflichtungen nachzukommen. Die ״Assocration” spielt nur die Vermittlerin, bereitet alles vor und liefert das nötige Anlagekapital, damit der Kolonist sich sofort einer einträglichen Beschäftigung widmen kann. Die kontrahierte Schuld soll binnen einer bestimmmten Anzahl von Jahren ratenweise abgetragen werden, und zwar erhebt die Gesellschaft nur sehr mässige Zinsen und gewährt gewisse Erleichterungen in Fällen von schlechter Ernte oder sonstigem Missgeschick. Aber die Hauptsache ist, dass der Kolonist alles, was er erhält, auch durch seiner Hände Arbeit bezahlen muss. Man wird auf die Entwicklung dieser Ansiedlung, die den Namen ״Kolonie Philippson” erhalten hat, gespannt sein dürfen. Während aber diese Nachricht von der Gründung einer neuen Ikakolonie ״Philippson“, in Brasilien den Weg durch die Blätter nimmt, kommen von Argentinien selbst traurige Nachrichten. Der ״Eraind" verzeichnet die Nachricht des ״Argentinisehen Tagblatts”, dass wiederum 50 Familien die Kolonien ״Klara“ und ״Luncville“ verlassen haben. Die Schuld schreibt das einheimische Blatt der Direktion zu, weiche die Kolonisten wie willenlose Knechte behandle. Die Adm'pustratoren selbst müssen gegen die Bauern rücksichtslos streng sein, sein. Der den Kolonisten wegen seiner Str.enge verhasste

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