Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 34. JÜDISCHE RUNDSCHAU.;r.SeKT373. lassen, damit an den Stellen der bisher üblichen Gefühls- Schwankungen eine feste Grundlage, ein bewusstes Ziel gesetzt wird. Die geistige Tätigkeit der Kinder *besteht fast nur im Aiifnehmen von Eindrücken, und in ihren weichen Seelen haften natürlich die intensivsten und oft wiederholten Eindrücke am tiefsten. Daher rechnen auch grosse Jugcndcrzicher, wie Rousseau, Fröbel, Pestalozzi am meisten mit dem Faktor ״Gewöhnung". Also muss der Zionismus, ־will er die Jugend für sich gewinnen, die Erziehung der kleinsten und grösseren Kinder, in seine Hand nehmen. In von ihm zu gründenden Kindergärten und Nachmittagsheimen müssten die Zöglinge täglich Eindrücke jüdisch-nationalen Lehens erhalten, die stärker und eindringender als die gegenteiligen zu sein hätten. Als Leiterinnen dieser Anstalt dürften nur solche Frauen tätig sein, die in der Pädagogik trefflich ausgebildet, vor allem aber warme, überzeugte Zionistinnen sind. Von der Partei angestellte Lehrerinnen könnten sich mit Damen der wohlhabenden Schichten, die so gern ihre Kräfte in den• Wohlfahrtsdienst stellen, in die Erziehungsarbeit teilen.; . Man‘wird nun mit Recht einwenden, dass solche Er- *ziehungsheime von der jüdischen Bevölkerung* nicht gern frequentiert werden; denn unser eingewurzelter Familiensinn gibt! die Kleinen nur selten eher aus dem Hause, als es der gesetzliche Zwang erfordert, und sieht sie am liebsten nach Schluss des Unterrichts bald wieder daheim. Dieser Auffassung des Publikums käme man dadurch entgegen, dass man diese, Kinderheime nicht als schulmässige Anstalten •ins Leben treten Hesse, sondern das ״Familienprinzip" als einen Hauptbestandteil des Programms aufnfthme. Die Kinder sollten i n dem Heimleben ein interessanteres und erweitertes Familienleben finden; und die -Angehörigen müssten durch Teilnahme an den Ausflügen und Festfeiern in ständigem Verkehr mit den Kindergärten bleiben. Man hätte diese Heime zuerst in ärmeren Stadtteilen zu gründen, wo die Mütter entweder ausser dem Hause auf Broterw’erb gehen müssen, oder ihren Kindern daheim in engen, dunklen, me'st schmutzigen Räumen, in denen die Sorgenschreie dumpf ertönen, keine Möglichkeit zu harmonisch-gesunder Entwicklung geben können.; Man darf mm nicht glauben, ich verlange von der zionLstischen Partei Geld zu Wohltätigkeitszwecken. Im Gegenteil! Der Zionismus wird durch Gründung dieser Kindergärten nur gewinnen, sich die Zukunit sichern: Denn, was die Erzieherin wecket und pflegt, . i Mit erstem sinnigem Spiel und Lied; ־ Was ihre Liebe schützend umhegt. Wirkt segnend fort ins tausendste-Glied. (Fröbel.);; > . Selma -Landau, •Berlin. , 1 1 1...... ......-..«■ Mitteilungen vom Zentralbüro _• ־ der Zionistischen Vereinigung _ für Deutschland. 1. Wir weisen nochmals darauf hin, ’ dass* Postan- Weisungen, Geldbriefe und Einschreibebriefe an unsem Schatzmeister, HerrnMax •Woüstelnef zu •Berlin NW. 23, Holsteiner Ufer 10, persönlich adressiert werden müssen. Andere Briefe bitten wir an das Zentralbüro zu B e r l i n , F r i e d ri c h s t r a s s e 58 II, zu richten. . 2. Wir haben ein neues Flugblatt herausgegeben, das sich zur ersten Agitation unter Nichtzionisten gut eignet. Wir geben dieses Flugblatt zum Selbstkostenpreise von *fPfg. und gegen Ersatz des Portos ab;•Die-Beträge sind zweckmässig bereits bei der Bestellung in Briefmarken einzusenden. Zur Orientierung haben wir. jedem Vertraaensmann der Zionistischen Vereinigung für ,Deutsch- Jand ein Exemplar zugesandt. Sollte es einer der Herren nicht erhalten haben, so bitten wir um Nachricht . 3. Nachdem nunmehr an sämtliche Vertrauensmänner Schekelblocks für das neue Rechnungsjahr abgegangen sind, bitten wir sämtliche Inhaber von Schekelblocks, umgehend mit der Sammlung der Schekel- und Landesbeiträge zu beginnen. An Orten, an denen Ortsgruppen existieren, sind Schekelblocks vom Vorstande der Ortsgruppe in Empfang zu •nehmen, sonst direkt von uns zu beziehen. Jeder Zionist Ist verpflichtet, d en Schekel zu bezahlen. Es genügt nicht -dass in einer Familie einer den Schekel bezahlt, sondern jeder Zionist und jede Zionistin sind zur Zahlung dieser.Abgabe־ verpflichtet. 4. Sonderabzüge vom Aufruf des •.Zentralkomitees der- •Zionistischen Vereinigung für Deutschland, zu Zwecken der Propaganda sind noch, unentgeltlich, von uns .zu beziehen. ■ Anfang September erscheint eine Jferzl-Sondernummer der ״Jüdischen ■Rundschau“. Der reichhaltige .־Inhalt wird in nächster ,Nummer bekannt gegeben. •Die Sonderausgabe• erscheint 64 Seiten stark, mit Umschlag in Gross-Oktav, auf gutem Rapier und wird im Einzel verkauf mit 30. Pf., den Ortsgruppen dagegen zu dem ermässigten Preise von 15 Pf. abgegeben. Wir humanistischen Standpunkte, den er allein vertrete, ganz gleich nahe wären. Ob es gerade sehr taktvoll ist, an dieser Stelle eine indirekte Polemik gegen die Ausführbarkeit der Herzlscben Ideen fein vorsichtig zu polemisieren, wollen wir dahingestellt sein lassen. - Viel besser hätte die Redaktion getan, der Geschäftsleitung nicht-nachzugeben und Goldbaums hervorragenden Artikel an die Spitze des Blattes zu stellen. Da merkt man, wie sehr ein ehrlicher Mensch die Grösse der Seele Herzls verstehen konnte und musste. Aber es wäre verfehlt, zu tadeln und Einzelnes auszusetzen. - Wenn wir bedenken, dass ״Ost und West" kein zionistisches Blatt ist, so müssen wir gestehen, dass von diesem Standpunkte aus ziemlich das geleistet worden ist, was überhaupt geleistet werden konnte. Mt Geschick sind drei Arbeiten Herzls ausgewählt, die wohl bezeichnend für ihn und seine Entwicklung' sind, ״Die Menorah”, ״Unsere Hoffnung” und ״Mauschel". Zangwill, Nordau, Bertha von Suttner, Eljaschoff, Buber, Zlocisti, York-Steiner sind durch charakteristische Artikel und Gedachte vertreten. Interessant sind natürlich besonders die Briefe, die von Herzl selbst herrühren und von denen Gustav G. Cohen ״Zu den Anfängen Herzlscher Tätigkeif* einige recht interessante In Faksimile mit Bemerkenswerten Bemerkungen mitteilt. Aus Berlin wird von einer andern Seite erzählt, wie Herzl zum ersten Male ln München einem deutschen Juden das Manuskript seines Judenstaates vorlas und wie er damals .-aufgenommen wurde. Aus dem Artikel, der־ alles rheto rische Beiwerk peinlich vermeidet, spricht doch so viel Jüdischnationales Bewusstsein und ein warmes Gefühl, dass auch dieser Artikel des Eindruckes nicht verfehlen wird,־ um so mehr, als er zur Würdigung des historischen Werdeganges in Herzls Entwicklung ein willkommener Beitrag ist. Die Ausstattung des Doppelheftes, das eine grosse Anzahl von* Herzlbildern und zugleich Proben Hirszenbergischer Kunst bietet, ist eine vorzügliche. Eine Luxusausgabe, die zum erhöhten Preise von 1,50 *Mark abgegeben ־ w־i!d, liegt uns* ebenfalls vor. Sie ist eine vorzügliche Leistung und wdr stehen nicht an, sie der ganz besonderen Aufmerksamkeit angelegentlichst zu empfehlen.; -Einen - unendlich tiefen Blick m Herzls *starke, -weiche Seele lässt uns ein kleiner Brief von ihm tun, der an Ephraim Moses Lilien gerichtet ist und am Schluss* des־* Blattes In verkleinertem Faksimile zum Abdruck gelangt. ^Lilien auf dem Felde", redet er fein der* Maler an, dpm -er mit-dieser Anrede ja eigentlich sagt ״WI I d e Lilien".• Aber •wie unendlieh charakteristisch ist das kleine Schlusswort,־ das er unten noch hi.nzufügt: ״Bitte doch auch um ״zweite -Kopleen für meine Mutter, (d.׳ h., sie-kriegt die* erste, und die-zweite bleibt bei mir)." Um - des Abdruckes dieses einen « Briefes allein an den;,liebenswürdigsten Krakehler", •verlohnt es* sich die Nummer zu• besitzen.