Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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י ו No. 34. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 375. : י.*.. Administrator Dr. Lapin wurde Direktor der Siedlungen iii Bra- ^Ilien, dagegen zwei Verwalter wegen ihrer Milde entlassen. Die Abfahrt der Kolonisten — schreibt der Korrespondent des ״Fratad” — ist eine so alltägliche Sache, dass man die Kolonisten bei ihrer Ankunft fragt, .wie lange sie zu bleiben gedenken. Unter den. letzt ,W^gfahrenden. befinden fluch solche, d;e schon in Russland Ackerbau betrieben •haben;! Golusblüten. «■= israelitischer jftiitagstisch ^|ן> im Abonnement 25 M. Bergstrasse'25, .IV. (Aus depi *Hamburger Fremdenblatt“.) Bankbeamter evangelisch, jüdischer Abstammung, wünscht Bekanntschaft mit schöner, bescheidener Blondine von schlanker Figur, zierlichem Wuchs,mittelgroß, zwecks spaterer Heirat. Offerten mögliehst mit Bild, Altersangabe, nicht anonym, L* 4267 an Hauptexped. d. Bt. Welche reclldcnkende . Jüdin heiratet einfachen, . soliden Schneider, (40, schwarz, grosse Nase) konfcssionslös? * Anonym Papierkorb. .Diskretion“ Postamt 12. Aus dem ״Berliner LokaUnzelger“. Für 2 jüdische Herren, Vater u. Sohn wird eine christliche mittl. Alters f. gut bürgerliehen Haush. per 1. Oktober er. gesucht. ־Off; mit Refer., Photogr. u. Gehaltsansp. unt L.W. N. postl. Hirschberg Schl. Aus der ״Breslauer Zeitung“ 2. Beilage vom 6. August 1904. Kleine Chronik. Eta jüdisches Vdlkstheater liess sich Im Berliner Palast- Theater am Sonnabend abend sehen und hören. So erfolgreich wie diesmal ist kein einziges Mal die Reklametrommel für ein solches Unternehmen in Berlin gerührt worden. f Der, grosse Saal des Fcenpalastes war annähernd gefüllt. Der jiauptanzie■: hungspunkt war wohl die Ankündigung des Stückes ״Bobe Jachne. Die Hexe Wainucha aus Kischinew" gewesen.-. Jeder woBte ein Stück über Kischinew sich nicht entgehen lassen. Und das war die erste Enttäuschung. Es. wurde aufgeführt das bekannte Goidfadensche Stück ״K o 1 d u n i a“, das bekanntlich eine der schwächsten Leistungen dieses jüdischen Volksthea'termannes ist. Das Stück sejbst aber, das sich-von acht Uhr abends bis Mitternacht hinquälte, war. eine so.'arge Blamage des jüdischen Volkstheaters, dass damit auf Jahre hinaus alle ähnlichen Unternehmungen im voraus blamiert sind. Mit absoluter Unfähigkeit wurde das Stück, wenn man es euphemistisch so nennen darf, abgehaspelt. Wir bedauerten nur den. Herrn L i p i n e r, der seinen geradezu wunderbaren Tenor in den Dienst dieser Sache gestellt hatte, die auch er mit seinen geradezu gewaltigen Stimmmitteln nicht zu retten vermochte. *Die Blamage wurde noch um ein Erkleckliches dadurch gesteigert, dass man statt des jüdischen Volksdialektes ein sehr fragwüdiges Hochdeutsch ״suppeditiert“ hatte. Sie haben damit den Eehler aller dieser Truppen, das Jüdischdeutsche unnötigerweise in Berlin zu germanisieren, noch weit überboten. Aber das hängt ja mit jener Wertschätzung des Jüdischdeutschen zusammen, die sich in dem Schimpfwoft ״Jargon“ kundgibt. Bei alledem kann man nur auls iierste bedauern, mass so weite Kreise, ein so zahlreiches Publikum den allerschlimmsten Eindruck mit nach Hause nahm, den es leider weniger auf die Rechnung des gewiss bald vergessenen Herrn Lunz (Lenz) setzen wird, als vielmehr dem daran unschuldigen Jüdischen Volkstheatcr aufbürden wird. Herr Lunz hat der. Idee eines jüdischen Volkstheaters einen sehr bösen Dienst geleistet, den es in Berlin wenigstens so bald leider , nicht verwinden wird. ‘ 1 Dass Unwissenheit Über juden und Judentum in allen K1 eisen aller Völker zur ausnahmslosen Regel geworden ist, wissen wir. Aber auch dass die Juden am allerutiwissensten hierin sind, ist bekannt. Sc lässt sich in dem ״Anfjrchlst“, mit dem Motto ״Weder Gott, noch Herr! Weder Autorität, noch ן Majorität“,'ein Jude Siegfried אach rüber die •Grausamkeit' der Juden vernehmen, die tatsächlich beweist, dass er es mit. der Autorität der historischen Wahrheit nicht zu genau nimmt. Zur Belustigung aller derer, die; schon einmal in die Bibel hineingeguckt haben, drucken wir die schöne Stelle ohne jeden Kommentar buchstäblich ab:.י ״Die alten Juden zeigten schon eine ganze :hübsche: Mannigfaltigkeit in den Hinrichtungen. >So gab es die Kreu*־ z i g u n g, das Erwürgen, das Totpeitschen:“ Es soll auch diese Methode sehr beliebt gewesen sein, den ״Schuldigen“; zwischen zwei Bretter zu 1 egen und so znsam•: men durchzusägen; doch war die bekanntermassen allcrgebräuchlichste Todesart für die allergrössten Verbrecher, das heisst die Abtrünnigen und Gottesleugnef, das Steinigen. Es kam noch bis spät ins Mittelalter vor, dass abtrünnige oder ״gottlose“ Juden von ihren Stammesgenossen zu Tode gesteinigt wurden.“ *׳׳''־; ־־ ,. - Die Strafkammer in Osnabrück als Berufungsinstanz fällte,' wie man uns schreibt, ein Urteil, in dem allgemein äusge-’ sprechen wurde, dass für jüdische Kinder eine Verpflichtung zur Teilnahme an dem jüdischen Religionsunterricht nicht bestehe. ■'״' ׳ *•*•׳ Am 5. August starb in Franklurt der Geh. Mediz!n.rRat Prof. Dr. Kar! Weigert, einer der grössten Söhne unseres Volkes. Er war aber nicht nur ein genialer, bahnbrechender Forscher, sondern auch ein charakterfester Jude. Als Weigert in jüngsten Jahren seinen berühmten Lehrer Cohnheltu nach Leipzig begleitete, erkannte man dort bald seine phaenorijenale Begabung und trug ihm deshalb, nach dem kurze Zeit später erfolgten Tode Cohnheims, die ordentliche Professur a'n. Weigert, der religiös durchaus Freigeist war. schlug diesen ehrenvollen Posten aus and nahm eine wirtschaftlich unsichere Zukunft in Kauf, weil er auf die einzige Bedingung: Uebertritt zum Christentum, nicht eingehen wollte. Er sowohl wie sein ihm kongenialer Freund Ehrlich, der Sirius am Himmel der Biologie, haben ihre jüdische Nationalität stets in Ehren gehalten. Mit welchem Unwillen muss es jetzt jeden anständigen, Menschen erfüllen, im.״Berliner Tageblatt“ den, Nachruf des.. Herrn J.'Kaston zu lesen, der nicht!nur ängstlich die Erwäh-. nung von Wcigcrt's jüdischer Religion oder Nationalität,ver-? meidet, sondern auch sich folgenden Satz leistet: ״Die Verband.־ lungen zwischen dem sächsischen Kultusministerium und Karl Weigert wegen Uebernahme der Professur für pathologische Ariatomie’ an der Leipziger Universität zerschlugen sich, indessen, weil Weigert, obgleich ein.Mann von durchaus freisinnigen- Anschauungen, den geforderten' Uebertritt zur. p.f o t e s t a n - tischen Kirche rundweg, ablehnte.“;Natürlich wird;jeder; Leser, da ihm ja nicht mitgcieilt ist, dass Weigert Jude] war, ־ annehmen müssen, er wäre katholisch oder Angehöriger einer•• sonstigen christlichen Sekte gewesen; ist dieses Einverständnis natürlich“von dem Urarier J. Kastan beabsichtigt? Kastan weiss• doch so gut wie wir alle, dass Weigert genau so gut katholisch oder Anglikaner hafte werden .dürfen, um die Frofessur zu be-.• kommen, und dass er aüi sein Lebensideal Verzicht leistete, weil er keine Ueberzeugung heucheln und sein Volk, nicht schmählich, verlassen .wollte. ' Weige/t. war' aber‘;eben nicht nur ejii: Genie, *sondern auch ein 'Cfiarakterf.. .. .7‘-. M. Konstantlnopel, .1JL August. Die Betriebseinnahmen der Anatolischen Bahnen hetrugen in der. 31. Woche: Stammlinie־ 578 Kilometer : .vom 30. Juli bis 3. August 990131 Fr״ V. 7333 Fr., vom I. Januar.bis-5. August 2910876 Fr., w. 293 50-1 Fr. Ergänzungsnetz 445 Kilom.: vom 30. Juli bis 5. August 27 054 Fr., weniger 1129 Fr., vom 1. Januar bis 5. August 837 915־ •Fr., weniger 40t 113 Fr. < Hamidie-Ada-Bazar 9 Kilom.: 31. Wöche vom 30. Juli bis 5. August 2163 Fr.*־mehr 476 Fr.J'Seit 1. Jän. 76884 Fr., mehr 33 095 Fr; Insgesamt 31; Woche: '128298 Fr., weniger 7986 Fr.,• insgesamt seit!. Januar 3 903 597 Francs, wtniger 661 522 Fr. 1 { •-!׳• . - '־ ־ •' -; Non ölet! Zwei reiche, *edle Juden, dier Gebrüder Ettranuei und Isaak Hiüe! Manuäcrr haben im Jahfd 1869 der Bukärester' Universität 100 000 Franken zu Stipendienzwecken• vermacht. Ein edler Gedanke, der tüchtigem mittellosen Jüngern de*r Wissenschaft die Möglichkeit geben soll, ihre Studien an aus-,., ländischen deutschen Universitäten־ zu' vervollkommnen. "* Die7־ Bukärester Universität Wat'sich; erst jetzt bei den' edlen Stfen-' derij -bedankt. .Spät, aber; würdig. In der diesjährigen Ankündigung• der freien Stipendien heisst es, dass die Bewerber Rumänen oder Eingebürgerte sein müssen. Plötzlich, nach 35 Jahren! Warum? Ei! Eil Es scheint, dass wäh- ««PtffiR