Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34. Seit» 372. JÜDISCHE RUNDSCHAU. ■sich dte Kommission mit einer geologischen Expedition be- - ^*chflftigt. Mit dieser Expedition war auch die Ausgestaltung tnebrerer metereologischer Stationen verbunden. Diese be- - stehen In •den Kolonien, werden in absolut fachmännischer ’ Welse geführt und der Nutzen kommt den Kolonien zu gute. ■*' Die - Kommission hat auch die Oelbaumspenden angeregt, die - diesbezügliche Organisation aber noch nicht vollendet Ferner hat sich die Kommission mit Landbegutachtungen abgegeben, V e* liegt auch Jetzt der Plan vor, die Ländereien, die für den .Nationalfond, zur Errichtung der Lehrform, der genossen- ■suhaftlfchen Farm und der Schule für die Kischinewer : Waisenkinder zu prüfen. Ebenso ist die Bildung von zionisti- .sehen Ferialkursen an der technischen Akademie in Köthen in .:Aussicht genommen. Zur praktischen Schulung junger Leute ..sollen ln den Ferien zweiwöchentliche Kurse eingeführt weri den. Die Kommission strebt an, in der Zukunft diese tech- .näche.Akademie zu einem Fachinstitut für Techniker, die in * den Orient gehen wollen, auszugestalten. Dazu gehört abei vor allem die Zustimmung der betretenden Regierung. Re- .ferent schliesst seine Ausführungen mit dem Wunsche, dass das Budget der Kommission erhöht werde und dass ihr für :•den Verkehr mit den andern Kommissionen volle Freiheit ge- .lassen werde. Nach Beantwortung einiger Interpellationen in dieser Sache erstattete Prof. W a r b u r g auch das Referat über die Ostafrika-Kommission. Dieselbe hätte nichts anderes zu tun, als zu beraten, da ihr ein selbständiges Vorgehen . durch den Kongressbeschluss nicht eingeräumt werde. Sie hat es sich ab!er angelegen sein lassen, sofort eine umfassende -Kenntnis des betreffenden Landstriches sich zu verschallen. Wir wissen nunmehr, dass es einsehr gesundes Land ist, -fast unbevölkert. Das Land liegt so hoch, dass die an der ־. Kürste herrschenden Seuchen, z. B. Schlafkrankheit, nicht zu ־. befürchten seien, weil die Fliegen der Infektion, die Fliegen, dort nicht mehr existieren. Das Land würde sich zum Teile für den Ackerbau, zum Teil für die Viehzucht eignen. Allerdings bestehe die grosse Gefahr für eine zukünftige Kolonisa- ^tion in der Arbeiterfrage. Das grosse Angebot biüiger Ar- ...beitskräfte kann dazu führen, dass nicht Kolonisten, sondern .die Schwarzen alle Arbeiten leisten werden. Die Kommission י-.hat ferner die Exportverhältnisse studiert und kann berichten, dass die Tarifsätze für Eisenbahn sehr niedrige seien. So ist .,erst kürzlich am Vlktoria-Niansa eine Baumwolikultur ent- .standen, die trotz der grossen F.ntfernung sehr gute Resultate• erzielt. Die Kommission ist der Ansicht, dass sie die Teilnehmer der Expedition •vorzuschlagen habe, falls die Vorbedingungen erfüllt seien, die Expedition zu entsenden. (Schluss folgt) Zum Thema. ״Frauenarbeit für den Zionismus.“ Martha Baer weist uns Frauen in. Nr. 26 der ״Jüdischen Rundschau" auf grosse Aufgaben für den Zionismus. Ich sehe die wertvollste Frauenarbeit in einer jüdisch-nationalen Er- Ziehung unserer Kinder, da allein an sie die Zukunft des Zionismus gebunden ist. Nur bin ich nicht optimistisch genug, um in der Art, wie man sich bis jetzt in jüdisch-zionistischen Kreisen mit der Jugend zu beschäftigen suchte, einen genügenden Emliuss aui die Bildung ihres Wesens sehen zu können; weder in den Landpartien der Frauenvereine, noch in den Kindernachmittagen der Toynbeenhallcn. Allerdings sind diese Veranstaltungen Feiertage in dem einförmgen Leben der daran teilnehmenden Kinder. Aber dies ist ja gar nicht die eigentliche Absicht der Veranstalter, welche unsre Jugend auf diesem Wege für den Zionismus gewinnen wollen. Nun ist es aber undenkbar, dass Stimmungen, d:e in den Kindern an so wenigen Festtagen erzeugt werden, — Martha Baer gibt a!s Maximum 20 solcher Nachmittage im Jahre an - ein genügendes Schwergewicht gegen die antizionistisehen Beenflussuugcn sein können, denen dieselben Kinder an den Alltagen ausgesetzt sind. Diese gegnerischen Einflüsse kommen aus jüdischem und nichtjüdischem Lager. Jeder Nüchterne sieht die Gleichgiltigkeit, ja sogar Abncigung, der noch in den meisten Familien unsre zionistischen Bestrebungen begegnen. In den Schulen ersticken die deutschnationalen Einflüsse jedes Verständnis für jüdisches Leben. Dem wirkt unser ״konfessioneller״ Religionsunterricht nicht entgegen, denn anstatt den Kindern dort lebendiges jiidisches Empfinden einzuitnpfen, gibt man ihnen ein starres Bild vom Mosaismus. Eine noch grössere Geiahr bilden die Erziehungslieime mit liberaltoleranter •Tendenz, zu deren Gedeihen jüdisches Kapital und jüdische Intelligenz nicht am wenigsten beitragen. Mit ihrer gleichmachenden Behandlung lullen sie die nationale Eigenart unsrer Kinder ein und erzeugen in ihnen dann später Frühreife, Befangenheit und Melancholie, wenn sie unter den ersten Gegensätzen zu ihrer christlich-germanischen Umgebung zu leiden haben. Diesen Zwiespalt, unter dem sogar unsre jüngsten Kinder schon unbewusst leiden, müssen wir beseitigen, da er unsrer Jugend Lebensfreudigkeit untergräbt. Wir müssen den Kindern ein festes Erdreich geben und sie darin tiefe Wurzeln schlagen ~-r aller Zionisten, die nicht nur von einem Tag auf den andern . •agitieren, sieb die Verbreitung und Unterstützung von Jung- ,Juda dringend angelegen sein zu lassen. Alle Zuschriften sind .«».richten an: Philipp Lebenhart, Prag, Ste- .lansgasse Nr. 630, 2. Stock. ־.v. Ost. und .West. Illustrierte Monatsschrift für Modernes i Judentum. Herzl-Nummer. Heft 8/9. Jahrgang IV., August- ,September 190L ־. . Der Tod unseres Herzl hat eine ganze Literatur hervor- . vgerufen.. Jeder seiner Freunde und alle unsere Gegner hatten , .das Verlangen, sich'über ihn vernehmen zu lassen. Besonders; auch die Gegner, die teils das Bedürfnis hatten, den toten .׳ Grossen des Jüdischen Volkes nach Möglichkeit zu loben, < < om sein grosses Werk um so mehr zu verkleinern, schrieben und schreiben, auch um sich zu entschuldigen. Denn sie emipfanden, dass ,mehr .als je heute ihre Gegnerschaft in ihrer ,.sachlichen Ungerechtheit und ihrer persönlichen Eigenschaft : ,־erkannt werden müsste. Zu denen, die sich vor dem jüdischen -,tVplke und insbesondere dem Zionismus entschuldigen zu ...müssen glauben,. wegen der Art ihrer Gegnerschaft, gehört ..;-Rcof. M-Gaste r * der mit Freuden die Gelegenheit beim .;״:Schopfe.,ergriff, die ihm ,die Geschäftsleitung von ״Ost und 4s.West" bot, sich als־den Unschuldigen,hinzustellen, der erst .:*durch ,.das Ostafrikaprojekt gegen Herzl mobil geworden wäre. •Wir Gegner Ostafrikas müssen diese Gemeinschaft mit. Qaster 1 zurflekweisen. Darum waren wir bei aller Meinungsverschiedenheit auch niemals Gegner weder Herzls noch seiner Politik, und selbst ein so scharfer Gegner desHerzlschenOstafrikaplanes wie U s s i s c h k i n darf keineswegs mit Gaster auf eine Stufe gestellt werden. So wird denn von G r e e n b e r g in der letzten Nummer der ״W e 11" Gaster auf frischer Tat festgehalten und ihm zugerufen, dass er kein Recht hatte, sich auf seine Gegnerschaft gegen Ostafrika zu berufen. Jedenfalls war es von Gaster nicht sehr feinfühlig, dass er jetzt in einer Herzlgedenknummer eines freilich nichtzionistischen Blattes sich als Trauernder um Herzl hinstclit. Die einzige Entschuldigung ist vielleicht darin zu finden, dass es ja das ״Ost und West״ der ״Juden von gestern" ist, und dem stand es ia auch nicht mehr an, gerade eine Herzlgedenknummer überhaupt zu geben. Aber ״Ost und West” ist ein Geschäitsunternehmen, und das will anders beurteilt werden als ein Mann wie Gaster, der als Romanist eines europäischen Rufes! sich erfreut. Dass bei der Redaktion der vorliegenden Nummer die. Geschäftsleitung mindestens sosehr mitgeredet I hat wie die sogenannte Schriftleitung, hat auch zur Folge gehabt, dass ein Artikel •des früheren Juden, Prof. H. V a mb 6 r y an die Spitze des Blattes gestellt wurde, der mit einer indirekten Entschuldigung beginnt, dass er als . ehemaliger Jude, sich herablässt, sich mit den Juden zu‘ beschäftigen. 1 indem ihm schliesslich die Anhänger aller ״Religionen" vom *יו**ייי f *?s1.j<yy׳s״ 1wy **&׳״ י *** ••ויי