Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 34. . Seite 371. noch nicht, was aus unserer grossen Sache werden wird. Wir haben noch nicht das richtige Gefühl für den Verlust, den wir erlitten. Wir empfinden es nur dunkel, aber die Sympathien der ganzen Welt mit diesem Unglück, das uns und das jüdische Volk getroffen hat, zeigt uns, wie schwer dieser Schicksalsschlag ist. Die zionistische Bewegung konnte sich auf unseren Führer stützen, wie auf harten Stahl. Wir haben unserem verstorbenen Führer gegenüber die Pflicht, uns in seinem Sinne zu vereinigen und alle, von dem Bande der grossen Idee umschlingen zu lassen, aui dass das Ziel erreicht werde, das er uns am ersten Kongresse vorangestcllt hat. Wir .müssen die Bewegung, die an seiner Person haftete, in das unpersönliche leiten, so dass der Geist Herzl’s über uns schwebe in unserem gemeinsamen Wirken für das jüdische Volk.. Dr. Bodcnheimer schloss mit einem dreifachen Hödüd auf unsere Bewegung und unser Volk. Die Versammlung hörte diesen Nachruf stehend an. ־ Der Vorsitzende ging sodann in die Tagesordnung ein. Architekt Marmorek erstattete den Bericht des Engeren A.-K-, der bereits der Grossen A.־K.־Sitzung vorlag. Gegenstand der Tagesordnung ist Anhören aller Berichte, um sich über die Tätigkeit aller Körperschaften innerhalb der zionistischen Bewegung zu äussern, ihre Ansichten und Beschlüsse nicdcrzulegcn. Die •Jahreskonferenz muss sich vor allem klar werden über die Ziele der nunmehrigen zionistischen Politik, sie wird die Frage entscheiden müssen, ob eine grosszügige Politik weiter geführt werden soll, oder ob man eine Kleinpolitik wird cinschlagcn müssen. Es entspann sich hierauf eine Tagesordnungsdebatte über die Priorität der zu behandelnden Gegenstände. Nach Uebergang zur Tagesordnung über einen diesbezüglichen Antrag erstattet hierauf der Präsident der Kolonialbank Wolffsohn einen Bericht. Nach demselben ist bei gleichem Fortgang der Geschäfte eine sehr günstige Dividende in diesen! Jahre zu erwarten. Referent berichtet auch über alle Versuche ties Direktoriums bezüglich der Errichtung von Filialen in Russland, New-York und in dem Eastend. Dr. Ko k e s ch berichtet über die Tätigkeit des Aufsichtsrates. Diese erstreckt sich einerseits auf die Aufsicht über die Geschäftsgebahrung, andererseits über die Aufsicht in zionistischer Hinsicht. Der Aufsichtsrat beschränkte sich demnach rocht nur darauf, periodisch Auszüge über die Geschäftsgebahrung zu empfangen und zu prüfen, sondern um-' fasste auch in dringenden Fällen Beschlüsse, wenn der Board nicht so rasch .einberufen werden, konnte,. Zur Frage .der Kompetenz-Jahreskonferenz beantragte Dr. .Tschlenow, ״eine Kommission zu wählen, welche bis zum nächsten Kongresse eine Erklärung der Bestimmungen über die. Jahreskonferenz . auszuarbeiten habe. Er findet den hier ausgesprochenen Zweifel, ob die Jahreskonferenz diskutieren, Anregungen .geben, und. Beschlüsse fassen könne, ganz •unbegreiflich. Ueber den.Umfang der Kompetenz der Jahreskonferenz muss aber Klarheit geschaffen werden. Dazu .wifd diese Kommission notwendig sein. Dr. Alexander Marmor-ek verweist auf den § 21 des Statutes, der ausdrücklich von Beschlüssen der Jahreskonferenz spricht. Dr. Fried e nr.a!1 n weist auf den Geist der Bestimmungen hin, die offenbar nichts anderes sagen, als dass man den Kongress durch die Jahreskonferenz ersetzen wolle. Dr. Friedemaiin beantragt, die Berichte lediglich, zur Kenntnis zu nehmen und den gestern gewählten Ausschuss in Verbindung mit dem Engeren A.-K. zur Prüfung und .zur ev. Vorlage an die Jahreskonferenz zu überweisen. . Direktor Wolffsohn kann es nicht begreifen, dass man von?estrigen Beschlüssen spreche, wo doch die Jahreskonferenz erst heute zusammengetreten sei. Aber selbst, w׳cr*n: der Kleine Kongress nur dazu da wäre, um die Beschlüsse des A.-K. anzuhören, so sei der gegenwärtige Augenblick gewiss nicht der richtige, um. eine solche Interpretation. zu üben. Der jetzige Augenblick ist für uns der schwerste, den wir bis jetzt mitgemacht haben. Führerlos sind wir zusammen gekommen. Wir waren und sind keine Führer. ..Wir. wollen es nun werden. Jetzt, müssen wir ieden heränzieheu, von.dem wir etwas für unsere Sache erwarten. * Das kann aber nicht durch Majoritätsbeschlüsse geschehen, sondern man muss versuchen, durch gegenseitige Belehrung zu. einem einheitlichen Beschlüsse zu kommen. Dr. H a n t k c kann nur den ersten Teil.des Antrages Friedemann akzeptieren. Dr. Friedemann akkoinodiert sich dem. Sein Antrag lautet nunmehr: Die Berichte werden lediglich zur Kenntnis genommen. Dieser Antrag wird angenommen. - . . Hierauf erstattet Prof. W a r bu r g den Bericht . der Palästinakomniission. Er hätte eigentlich nichts Neues •zu sagen, da er doch bei der letzten Sitzung des A.-K. ein er,- schöpfendes Referat erstattet habe. Neues habe sich nicht \iel ereignet. Konstituiert hätten sich nunmehr die juridische und technische Sektion. In Bildung begriffen ist die medizinische. Die Kommission nahm auch Anteil an der . Gründung 1 der Palästina-Handelsgesellschaft in Hamburg. Ferner -habe der aufgenommenen Ereignisse folgte er ihm durchaus nicht. Bei Kleist drehte sich aiies um die eine Hermann* schiacht, zu der eigentlich das Drama nur die Exposition ist; Ludwig aber nimmt auf und ״gliedert die ganze Geschichte Armin’s von der Gärung gegen Varus an bis zum Tode des Helden“. Von der Gärung gegen die Syrer an beginnen nun auch die Ereignisse der Makkabäer und alles Hin und Wieder bis hinter die Entscheidungsschlachten ist in ihnen behandelt. Auch hier also sind Berührungspunkte nicht zu verkennen. — —־ (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht. BflcJier der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion xugesandt werden, finden eingehende Besprechung. Jung»Juda. •Zeitschrift für unsere Jugend. Zusammengestellt von Rabbiner M. Freund, Bodenbach. Herausg.: Philipp Leben har t, Prag. Verantwortlich für die Redaktion:- Sigmund Springer. Jahrgang IV. Prag 1904. Mit dem Ende des Jahres 5664 ist der vierte Jahrgang der vortrefflichen Jugendzeitschrift vollendet. Das Titelblatt, das soeben nebst einenf ausführlichen Register den •Lesern übergeben wird, dient einem stattlichen Bande als Aufschrift, der von grossem pädagogischem Werte ist. Wenn natürlich eine solche Jugendzeitschrift nicht parteizionistisch sein kann, so wirkt doch jede Nummer so sehr in echtnational-jüdischem Sinne, dass es eine Ehrenpflicht ist» für die grösste Ausbre'tung des Blattes in allen jüdischen Kreisen energisch Sorge zu tragen. Nur dadurch, dass man das Blatt immer mehr in weitere Kreise einiührt, kann man es bewirken, dass es die Mittel erhält, auch in einem Umfange zu erscheinen, der die Möglichkeit der Quantität neben der Qualität bietet. Das soll nicht heissen, dass jeder Beitrag schon eine Perle jüdischer Jugendliteratur wäre. Das erstrebe!! die Herausgeber, die mit dem Möglichen rechnen, auch gar nicht. Aber es sind so viele vorzügliche Beiträge vorhanden« dass auch die schwachen dem Blatte in! ganzen keinen Abbruch tun können. Ein direkt grosses Verdienst erwirbt sich Hugo Bergmann durch seine hebräischen Erzählungen. Aber er sollte im neuen Jahrgang auch kleine hebräische Gespräche aus dem täglichen Leben bringen und vielleicht auch Zusammenstellungen vou sachlieh zusammeugehörenden Vokabeln aus dem Haushalt und dergleichen. Der junge Leser wird sich sehr freuen, alle Möbel, und die junge Leserin alle Küchen- und Wfrtschaftsgerate auch hebräischbenennen zu lernen. * Es wäre Sache f