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Jüdische Rundschau · 1904-08-26 · Heft 34 (26.8.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 34 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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——t Seite 370. JÜD1SCME RUNDSCHAU No. 34. angezeigt, seinen Standpunkt zum § 23 kundzutun. Er meint, die Verantwortung hat nur das Orosse A.-K., es ist daher das Exekutivorgan des Kongresses. Da das Grosse A.-K. selbst die Geschäfte nicht leiten kann, übergibt cs einen Teil der Verantwortung dem Engeren A.-K. Dies geschah immer und geschieht auch heute, wenn wir die grosse Lücke, die Dr. HerzI zurückgclassen hat; durch eine Kommission ausfüllen wollen.* Qreenberg erblickt in der Absendung der Expedition eine Lebensfrage für den Zionismus. Sollte die Expedition recht abgehen, so würde die Bewegung aufs tiefste geschädigt werden. Nach den bisherigen Vorbereitungen könne die Expcdition Mitte Oktober abgehen, das Resultat kann schon anfangs März vorliegen; der Kongress muss demnach für März einberufen werden. Dr. J e 1 s k i bittet, die ganze Sorge der Einberufung des Kongresses zu widmen. Der Kongress könne nur für_die Zeit einberufen werden, wo voraussichtlich schon ein Resultat der Expedition vorliege. Der Kongress müsse aber so vorbereitet werden, dass alle Zufälligkeiten, welche den Gang der Verhandlungen stören könnten, fortfallcn. Nach einer Replik der Antragsteller Dr. Kokcscii und Dr. Budenheimcr wird zur Abstimmung geschritten. Es liegen Anträge vor: 1. Antrag Dr. Kokcsch namens des Engeren A.-K•: ״Das Grosse A.-K. wählt aus seiner Mitte einen aus fünf Mitgliedern bestehenden Ausschuss, der durch periodische Zusammenkünfte, und zwar alle zwei Monate, gleichberechtigt mit dem engeren A.-K. beständigen Anteil an der Leitung der Bewegung nimmt. Die von diesem Ausschüsse gemeinsam mit den Engeren A.-K. gefassten Beschlüsse werden vom Engeren A.-K. ausgeführt.” 2. Antrag Dr. Bodenhcimer: ״Das Grosse A.-K. wählt aus seiner Mitte einen politischen Ausschuss von drei bis fünf Mitgliedern mit gleiche« Rechten wie das Engere A.-K.“ Antrag Dr. Alex. Marmorek gleich den! ersten, nur mit Hinweglassung der Bestimm.ung ״aus der Mitte". 3. Antrag Greenbcrg: ״Die Papiere Dr. Herzls dürfen bis zum nächsten Kongress nicht geöffnet werden.” Der Antrag des Engeren A.-K. wird angenommen, alle anderen Anträge werden abgelehnt. Ebenso wird ein Zusatzantrag Dr. Bodenhcimer angenommen: ״Das Komitee erhält die Vollmacht, in Gemeinschaft mit dem A.-K. sämtliche Aufklärungen über die politische Sachlage einzuholen." In die Kommission werden die Herren Dr. Alexander Marmorek, Dr. Tschlcnow, Dr. Bodcnheimcr, Ing. Ussischkin und Mr. Greenberg gewählt. Hierauf wird dem Engeren A.-K. das Vertrauen mit Akklamation erteilt. Rede Fellce Ravennas am Grabe Herzls. Ich bin von Italien gekommen, um diesen Kranz im Namen der zionistischen Föderation Italiens auf das Grab unseres angebeteten Präsidenten niederzulegen. Dieser bescheidene Tribut unserer Dankbarkeit für den unsterblichen Führer hat Jedoch eine sehr hohe Bedeutung; er beweist, dass auch für uns das Grab von Dr. Theodor HerzI der Wallfahrtsort von Israel ist. Heute wiederhole ich im Namen aller italienischen Zionisten den Schwur, mit welchem Sie ihn am Tage seiner Bestattung gegrüsst haben: Wir schwören in Deinem heiligen Namen mit all unseren Kräften Dein Werk bis zur Zeit fortzusetzen, wo die von der heutigen Sklaverei befreiten Juden Deine heilige Leiche nach Palästina tragen werden, wie einst Israel Josefs Leiche von Aegypten nach dem heiligen Lande trug. Dieser Kranz sei die ewige Erinnerung unseres Eides. Die Jahreskonferenz. Die Jahrcskoniercnz wurde Mittwoch den 17. August 1904 vormittags eröffnet. Ausser den bei den Aktionskomitee- Sitzungen angeführten Herren waren noch anwesend: Ingenieur T e in k i 11 (Elisabethgrad). Feldstein (Warschau), Dr. Hantke (Berlin), Podlischewski (Warschau), G e w i t s c h (Wien), L. M o t z k i n (Berlin). Die Bankdirektoren Wolffsohn (Köln), Barbassch (Odessa), Urysohn (Moskau), Dr. N. Katzenellen so hn (Libau), Prof. War bürg (Berlin), Dr. Franz Oppenheimer (Berlin), Dr. S. Soskin (Berlin), Dr. J. W. Marmorek (Wien), Dr. Weitzmann (Manchester), W. I d e 1 s o n, Manager Hirsch (London). Die Sitzung eröffnet der Alterspräsident Dr. Lippe (Jassy). Er schlägt das gleiche Bureau vor, das die Verhandlungen des Aktionskomitees präsidiert. Hierauf eröffnet Dr. B od c n h e i m e r die Sitzung, indem er sagt: Unser Führer ist nicht mehr. Der Führer, der zu uns kam, in dem Augenblick, wo wir ihn brauchten, der׳ heranwuchs mit der Bewegung zu einer ungeahnten Gösse, hat uns auch in dem Augenblick verlassen, wo wir ihn am allernotwendigsten brauchten. Wir stehen trauernd da und wissen Judahs in den gleichzeitig begonnenen Makkabäern“. Auch auf eine zweite Parallele macht Ludwig’s Biograph uns aufmerksam, auf die Gegenüberstellung des Helden zu einem eifersüchtigen Rivalen. ״So erinnert der Inguiomar, der neidisch, fieberhaft erhitzt durch die Geistes- und Gemütsvorzüge Armins, ihn hasst, ihm trotzt, * seinen Ruhm, seinen Wert im übertriebenen Selbstgefühl herabsetzt, sehr lebhaft an Eleazar und an dessen feinausgeführten Charakter.- kontrast zu Judah“. Auch Julian Schmidt konstatiert*: ״Armins Oheim Ingomar stellt sich zu dem Helden der Nation ungefähr wie Eleazar zu Judah.‘) Vielleicht wäre dem hinzuzufügen, dass von der Gegnerschaft Ingomars zum Helden auch auf den Eiferer Jojakim etwas übergegangen ist, der nur den Moment erwartet, wo sein im Hintergrund lauernder Neid und Hass die Leidenschaften des Volkes gegen den verhassten Allzugrossen auszuspielen vermögen. — Auf noch eins aber ist hinzuweisen, ln der Persönlichkeit Armin’s selber dünkt uns, liegt der Gegensatz Judah-Eleazar schon andeutungsweise beschlossen. ״Er sucht durch List und Verstellung“, heisst es in Heydrichs! >) J. Schmidt ״Charakterbilder Lpg. 1875, p. 18 •. Analyse, ״zum Ziele zu kommen, die jedoch nicht in seiner Natur liegen, er kommt dadurch mit sich selbst im tragisehen Widerspruch“.b Dieser selbe tragische Widerspruch, in zwei getrennte Individualitäten gebannt, kehrt in den Makkabäer-Brüdern wieder. Judah entspricht der wahren geraden Adlernatur Armin’s, mit der die umwegsuchende Politik Eleazars, der sich ins feindliche Lager begibt, um von dort aus und mit den Kulturwaffen der Feinde für sein Volk zu wirken, gleich dem zweiten Proteusgesicht Armin’s, in Kampf gerät. Nur, dass wie bei freiwaltendem dazu noch unbewusst erfolgendem Umschaffen der Phantasiekräfte natürlich, die Parallele nicht bis in die letzten Kon- Sequenzen zu stimmen haben. So verfällt Eleazar bald vollständig der Fremde, während bei Armin sein besserer, sein deutscher Teil dauernd Sieger bleibt gegen das Römertum. Neben dem ist auch die Art der technischen Behandlung der Dichtung als historische Tragödie für die der ״Makkabäer" bezeichnend. Ludwig hatte das herrlichste Vorbild in dem Drama Kleistens vor sich; aber im Umfang ') Heydrich, Sk. u. F, p. 234 77.

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