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Jüdische Rundschau · 1904-08-19 · Heft 33 (19.8.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 33 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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N. Seite 364. JÜDISCHE RUNDSCHAU. 9 No. 33. klage abgeben kann, wenn wir durch Spenden unsere Sy וזזpathie für die armen Bewohner eines Landes, das wir einst das srsere nannten, and das in seinen heiligen Hügeln die teuern L’eberreste unserer Vorfahren birgt, dariegen, und das um so weniger in einem Zeitalter, wo zwei der erleuchtcsten Völker Earopa's eines Grabes wegen so viel zur Gründung einer Kirche in der heiligen Stadt verwenden. Auch in staatsökonomischer Hinsicht haben wir von einer Veröffentlichung nichts zu furchten, indem alle Gemeinden Israels ihre heimischen Armen voUkörnen unterstützen, es daher nicht zum Vorwurf gemacht werden kann, dass sie diese den fremdländischen hintansetzen. Möge diese mahnende Aufforderung den Doppclzweck erreichen, das amsterd. Komitee aus seinem heimlichen, die Öffentlichkeit scheuenden Verstecke aufzuregen, damit solches nicht mehr, aus stolzer Bescheidenheit, sein so segensreiches Wirken für' unsere in Schmach und Elend darbende Brüder, h» nächtliches Dunkel hülle; andrerseits aber auch bewirken, dass edle Menschenfreunde in Israel fortfahren, ihre Brüder im Osten reichlich zu unterstützen.“ Einem Abtrünnigen. Heinrich Heine, Buch der Lieder. O du heH’gen Jugendmutes! O wie schnell bist du gebändigt! Und du hast dich, kühlen Blutes, Mit den lieben Herrn verständigt. Und du bist zu Kreuz gekrochen. Zu dem Kreuz, das du verachtest. Das du noch vor wenig Wochen In den Staub zu treten dachtest! O das tut das viele Lesen Jener Schlegel, Haller, Burke — Gestern noch ein Held gewesen. Ist man heute schon ein Schurke. Lustige Ecke. Dass Herr Professor Flesch versucht. Goethe als Vertreter des Germanentums hinzustellen, zeugt zum mindesten von einem ausserordentlichen Mangel an kritischem Urteil. Goethe war keineswegs ein Vollblut-Deutscher, sondern ein Mischling von hervorragend semitischem Typus. Aber da sitzen nun die gelehrten Häupter an ihrem Schreibtisch und orakeln herüber und hinüber: ״Warum ist Goethe nicht populär?” Und doch brauchten sie ihm nur einmal forsch ins Gesicht zu sehen, dann würde sich ihnen dies schwierige Rätsel von selbst lösen. Goethe konnte niemals populär werden, er musste dem deutschen Volke stets fremd bleiben, weil der Grundzug seines Wesens, Lebens und Schaffens absolut undeutsch war. Mit Schiller verhält es sich ganz anders; dieser ist wohl der populärste aller deutschen Dichter. Aber er war auch durch und durch ein deutscher Mann, und es ist eine Schande für die deutsche Nation, wenn sie es duldct,dass dieser, unser grösster Dramatiker, ein Mann von reinster und idealster deutscher Gesinnung, beständig von einem in jeder Hinsicht semitisierten Goethe in den Schatten gedrückt wird, zumal dieser, ohne den Starken Antrieb, den er, wie er selbst cingestanden hat, durch Schillers feurigreineiv Geist erhielt, es überhaupt nie zu irgend nennenswerten Schöpfungen gebracht haben würde. •Sieht man nun Goethe an: diese vorquellenden, dunkelbraunen Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Oberleib mit den kurzen Beinen, welchen selbst ein leicht wehmütiger Zug nicht fehlt, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen Abrahams vor uns. Goethe war Mischling durch das Blut seiner Mutter und nicht nur in seinetn Aeussern prägt sich seine Abstammung von den alttestamentarischen Helden ab, sondern auch in seinem gesamten Wesen. Seine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise und fragwürdige Ehe. der er erst ganz heimlich die Weihe geben liess, als Napoleon, der gewiss kein Abstinenzler und Tugendbold war, sich eine etwas ironische, bezügliche Frage gestattet hatte; sein Servilismus gegen Fürsten, der seinem steifnackigen, deutsch gesinnten Vater so zuwider war, sein völliger Mangel an Vaterlandsliebe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignissen seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge, die selbst Lewis, der seine Vergötterung Goethes in jeder Zeile, die er schreibt, zu erkennen gibt, nicht verschweigen kann, reden eine za deutliche Sprache, als dass ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugung verschlicsscn könnte, dass Goethe weit mehr Semit als Deutscher w׳ar, ja, von der germanischen Eigenart, die uns bei Schiller sofort in die Augen springt, ein deutsches Gemüt erwärmt und hinreisst, nur sehr wenig besitzt, Goethes dichterische Erzeugnisse sind zum grössten Teil durchtränkt von Sinnlichkeit, orientalischer Lüsternheit; im zweiten Teil des ״Faust” paaren sich talmudische Spitzfindigkeit mit phantastischer Verschwommenheit, während selbst seine bei den Deutschen beliebtesten Lieder, w׳ie das ״Haideröslein” und der ״ungetreue Knabe" nicht aus seinem Innern geschöpft worden, sondern nur Nachbildungen bereits vorhandener deutscher Lieder sind, und sich auch nur darum die Volkstümlichkeit erworben haben. Das deutsche Volk hat stets mit scharfem Instinkt herausgcfühlt, dass Goethe nicht zu ihm gehörte, für deutsche Art und deutsche Gesinnung nicht das rechte Verständnis besass, und ihn darum abgelehnt. Seine Bewunderer, obwohl sie nicht anders können, als an seiner stark ausgeprägten, undeutschen Sinnlichkeit einigen Anstoss zu nehmen, bedecken diese stets mit dem Mantel der Liebe, indem sie ihn in dieser Hinsicht als griechisch bezeichnen. Sie vergessen jedoch, dass die Griechen grade in ihrer Sinnlichkeit den Beweis liefern, dass sie bereits völlig semltisiert waren, und ihr Untergang demzufolge auch schon besiegelt war. Aus: Hans Hermann: Das Sanatorium der freien Liebe. Berlin-Steglitz 1904. Seite 138—HO. B ” ־ l | B 1—1־ Sprechsaal. 1—r Für die Mitlcilungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetzliche Verantwortlichkeit. Hamburg, den 7. August 1904. Sehr geehrte Redaktion! Vor mir liegt die Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ vom 29. Juli. in welcher Sie, dem ״Frankfurter Israelitischen Familienblatt“ entnommen, den Statutenentwurf, sowie eine demselben vorausgehende Erklärung der ,.M i s r a c h i“ zum Abdruck bringen. Wenn Sie zu diesem Entwurf, nur eine kurze, übrigensrecht zutreffende Erklärung abgeben, so finde ich das aus mancherlei Gründen begreiflich. Gestatten Sie mir jedoch, dessen Beruf es allerdings nicht ist, die Feder zu führen, da sich aber inzwischen Berufenere in dieser Sache nicht zum Worte gemeldet haben, folgende Bemerkungen. Ich halte die Gründung der Misrachigruppe für den Zionismus und dessen gedeihliche Weiterentwickclung in Deutschland für durchaus nicht angebracht, im Gegenteil, bin ich der Ansicht, dass in dieser Gründung der Keim zu einer späteren Spaltung liegt. Bisher haben in allen mir bekannten zionistischen Ortsgruppen. Juden aller religiösen Schattierungen einträchtig und sich gegenseitig in ihren Ueberzeugungen achtend, für unser grosses Ideal gemeinsam nach Kräften gewirkt. Ja, man darf cs wohl ohne Übertreihung sagen, dass gerade der Zionsgedankc viele Gegensätze. w׳clche früher bestanden haben, durch den persönlichen Verkehr innerhalb einer Ortsgruppe, vollständig verwischt hat. Es wird sogar nicht wenige in religiöser Beziehung freisinnigere Zionisten geben, denen durch den Verkehr mit frommen Zionisten, alte liebe Erinnerungen geweckt wurden und mancher, mag er auch in seinem äusseren Leben keine merklichen Änderungen vorgenommen haben, stellt sich innerlich wieder mehr auf den Boden unserer alten erhabenen Lehre und deren Grundsätze, was sich am meisten in der Erziehung seiner Kinder zeigt. Wenn-es nun auch in dem Statutenentwurf der ״Misrachi" § 2 ausdrücklich betont wird, dass der Misrachi-Zionlst gleichzeitig Mitglied der zuständigen Ortsgruppe sein soll, so kann ich doch nicht glauben, dass er die Interessen seiner Ortsgruppe s o wie bisher, als er nur dieser Gruppe allein angehörtc, fördern wird, er wird sich vielmehr als Vollmitglied der ״Misrachi-Gruppe" fühlen und mehr hospitierend der zuständigen Ortsgruppe zugehören. Dies gilt in noch weit stärkerem Masse für die, von der .,Misrachi״ neu gewonnenen Mitglieder, denen wahrscheinlich jede wirkliche lebendige Fühlung mit der Ortsgruppe fehlen wird, sie werden dieser eben nur als rein zahlende Mitglieder angehören. Bedenkt man ferner, dass gerade in den ärmeren Schichten unseres Volkes die gesetzestreuen Juden am meisten vorhanden sind, so wird man jeder.

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