Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-08-19 · Heft 33 (19.8.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 33 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651375--01557-2658420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 363. I No. 33. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Der Grund des Auflaufes war die Absicht der Juden, einen in Ljubtin getauften Juden zu verbergen. Bei dem Zusammenstoss mit der Polizei wurden 20 Personen leicht, aber niemand schwer oder tötlich verwundet.” Wir halten demgegenüber unsere Mitteilungen aufrecht, wenn schon von amtlicher russischer Seite so viel zugegeben wird, wie in diesem Bericht, so ist auch das ein weiterer Beweis dafür, dass die Krawalle einen sehr bösartigen Charakter getragen haben. Was man von der ganzen offiziösen Darstellung zu halten hat, zeigen die Angaben über die Unruhen in Partschew; dort soll die Polizei ״ohne Qewa.ltniassnahmen” eine Ansammlung von Juden auseinandergetrieben haben, und trotzdem wurden dabei nach dem Eingeständnis der russischen Telegraphcu-Agentur 20 Personen verwundet. Und das ohne Anwendung von Gewalt! Die russischen Offiziöser, müssen das Lügen noch besser lernen. Sic müssen der Wahrheit noch mehr der Lügen suppeditieren, gemäss den russischen Kriegsberichten aus Ostasien. W o 1 f F c n r i s. Allerlei. Wie man vor Zeiten über die Chalukafi dachte. (Aus dem Jahre 1S-10.) Efu Wort zu seiner Zeit, über die Spenden nach Palästina. ״Ihr sollt rein dasteheu vor Gott und Israel.” Schon zweimal hat ein öffentliches Organ (Josts Anfialcn 18*10, S. 219, 18-11 Ko. 28—30) in den wohlwollendsten Absichten, das in Amsterdam behuis der Besorgung der Spenden nach dem heiligen Lande bestehende Komitee aufmerksam gemacht, seinem Bevollmächtigten in Jerusalem, dem es alle eingehenden Gelder zur Verteilung an die Armen Palästina's zuschickt, kein unbedingtes Zutrauen zu schenken, und überhaupt über die zweckmässige Verwendung so vieler und bedeutender Spenden, die diesem Komitee von allen Seiten zufliessen, sorgsamer als es bis jetzt geschah, zu wachen. Statt diese angeregten Besorgnisse, wenn ungegründet, auf die leichteste und einfachste Weise, durch Darlegung eines genau detaillierten und gehörig belegten Rechnungsabschlusses und der betreffenden Korrespondenz, mit einen! Schlage zu entkräften, zog cs jenes Komitee vor, zu sehr auf den wohibegründeten Ruf seiner Mitglieder vertrauend, eine hervorgerufene Dankad resse aus Jerusalem als Rundschreiben zirkulieren zu lassen. Um so leichter wurde daher die öffentliche Meinung von dem aus Jerusalem abgesandten Aron Selig, der im Aufträge seiner Committenten das westliche Europa durchzog, um Beiträge zur t Erbauung einer Synagoge zu sammeln, und der vom amsterd. Kontitee allerdings manche unverdiente Verfolgung und Kränktng erlitt, gegen das amsterd. Komitee bearbeitet, und durch manche angeblich authentische Dokumente der Verdacht hervorgerufen, als ob ein gewisser Jesaias Pinzkcr, welchem vom amsterd. Komitee die Verteilung aller Spenden vorzugsweise zt.gcteilt ist, zum Teil solche zur Erlangung irgend eines I tyrannischen Einflusses und zu Zwecken, die gewiss nicht kn Sinne der Geber lägen, ver vende. Ein wohlbekannter Schriftsteiler hat sogar schon zur öffentlichen Begründung und Darj legung aller desfailsigen Beschwerden, die ihm zugänglichen { Aktenstücke gesammelt, an deren dokumentierte Wahrheit nicht zu zweifeln sein sollte. Wenn auch jeder, dem der gegründete Rai und die persön- Ütheu Tugenden der Mitglieder jenes Komitec's, für genügende Pelege ihrer umsichtigen Verwaltung gelten, jenen Anschul־ digutigen im höchsten Grade misstrauen mag, so haben dennmcli io den Augen vieler, die sich nicht an Personalitäten, sondern an vorliegende Tatsachen halten, die verbreiteten Gerüclitc leider so viel bewirkt, dass viele sehr edle Männer für den Augenblick ihre gewöhnlichen Spenden für dorthin zurückhalten. Wenn daher das amsterd. Komitee nicht in möglichster Schnelle eine genau belegte Bilanz aller Einnahmen und Ausgaben des im Jahre 5585 gestifteten Vereins zur Unterstützung unserer armen Brüder im heiligen Lande, nebst der auf den Gegenstand bezug habenden Korrespondenz, dem kontribuicren_ den Publikum vorlegt, so wie auch über die Verwendung der so reichlich eingegangenen Beiträge für die durch das Erdbeben im Jahre 5597 heimgcsuchten Städte Zetath (Saied) und Tiberias, öffentlich berichtet, womit allein auf die legalste Weise die in: Dunkeln geschürfter Heile der Böswilligkeit unschädlich gemacht werden, wem! es dieser gerechten Forderung nicht Genüge leistet, und vielmehr |ortf;ihrt. auf die selbstgescliafiene Amtswürde gestützt, die öiieutiiche Stimme nicht zu achten, dann hat es nur sich selbst anzuklagcn, wenn die reichlichen Quellen der europäischen Wohltaten für die fremdländischen! Brüder zu versiegen beginnen. » Das amsterd. Komitee hat zwar an einen seiner Korrespondenten zur Entschuldigung seines Verfahrens und zur ferneren Abweisung der verlangten Rechnuitgsablage die Befürchtung ausgcdrückt, cs könne dein jüdischen Interesse nachteilig sein, wenn die Summen bekannt würden, die wir alljährlich zur Unterstützung unserer Brüder nach Palästma senden. Diesem Schcingrundc entgegnen wir offen und frei, dass es für unsere vaterländischen Gesinnungen nicht einmal den Schein einer Angeringfügigen Stellung, aber doch lebensvoll In die Makkabäer-Geschichte ein. Einen Frauenkontrast überhaupt sinnlich fruchtbar darzustellen, lag Ludwig ebenfalls schon lange am Herzen. Bereits in ״Burgund’s Ausgang*‘ (zum ersten Mal gefasst im Jahre 1837, von neuem bearbeitet bezeichnender Weise 1851) war ein Versuch dazu vorhanden. In der sinnlichen Gräfin von Burgund und Eckards Tochter Alma oder Blanda sollte ein solcher Kontrast auf die Bühne kommen. Es verschlägt nichts, dass die Art, die Idee dieses Gegensatzes später andere gänzlich modifizierte wurden: die Grunderscheinung eines solchen erlosch jedenfalls nicht in dem Dichter, das Motiv wirkte unterirdisch weiter. Noch etwas anderes in ״Burgund“ mahnt leise an die ״Makkabäer“. Von Burgund selber, dessen Charakterisierung die Hauptsache werden sollte, heisst es in dem Bericht von Erich Schmidt über O. L. Fragmente:. ״Das Volk ist ihm wie ein Ross, ein Schwert.“ Sollte nicht in etwas Aehnlichem ein Funken der tragischen Schuld unseres Judah ruhen? In ganz anderer Weise mit unserem Gegenstand in Berührung steht der Christus-Plan vom Jahre 1840. Hier offenbart sich nämlich zum ersten Male die Absicht des Dichters, ein jüdisches Milieu-Drama zu schreiben. Schon damals scheint ihm die jüdische Volkspsychologie ein Vorwurf, wert innerlichster dichterischer Vertiefung, und das Parteileben des niedergehenden Judenvolkes hat bereits sein Interesse. ״Das Entgegenstemmen (gegen Jesus) der jüdischen Schriftgelehrten, verschiedene Charaktere und also verschiedene Bedingnisse des Widerstandes, hierin kann eine ganze Kulturgeschichte liegen“. In diesen Worten des L. Tagebuches lag schon eine Ahnung davon, dass der Dichter später einmal jüdische Schriftgelehrtentypen zeichnen sollte, wie den Jojakim der ״Makkabäer“, die bewaffnet mit ihrem Gesetz gegen die fortschreitende Entwicklung, gegen die freiere Art Judah’s kämpfen sollten. Ob nicht auch die Stellung des Verräters Judas zu Christus etwas von dem Gegensatz Eleazar-Judah in sich einschloss, sei nur angedeutet. Jedenfalls war Ludwigs schöpferische Phantasie einmal in Palästina gewandelt, und das trug seine späten aber desto reiferen Früchte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.