Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 33. Seite 362. JÜDISCHE RUNDSCHAU. hott; denn wir hegen den innigen Wunsch, dass der religiös . so talentvolle Schriftsteller möglichst weit von uns seinen Platz! findet Jedenfalls wird er von uns als Christ niemals so unangenehm empfunden werden können, wie wenn er mit jüdischer Kunst kokettierte. Im übrigen haben wir der Kirche Dank za wissen, die eine so gute und zuverlässige Abnehmerin dessen ist was dem Judentume in seinem Innern wenig zuträglich ist Zuweilen scheinen aber auch die Juden Abnehmer von abgelegten Gegenständen aus der Kirche zu sein. Wenigstens deutet darauf ein Brief hin, den Erzherzog Franz Ferdinand als Schützer kirchlicher Altertümer geschrieben hat. Die klerikaten und antisemitischen Blätter veröffentlichen eine Zuschritt, welche im Aufträge des Erzherzogs Franz Ferdinand dessen Flügeladjutant, an das Ordinariat des steierischen Bistums Gurk richtete ,und worin der Erzherzog sich für eine sorgsamc Konservierung kirchlicher Altertümer und gegen jede Veräusserung derselben ausspricht. Die Zuschrift schliesst mit folgenden Worten: Seine kaiserliche und königliche Hoheit berührt es stets sehr unangenehm, bei Juden und ausläiidischeu Antiquitätenhändlern aus Kirchen stammende Kunstgegenstände zu finden. Dafür gehört er auch einem Laude an. in dem die K r o a - t e n zu Staatsstützen gehören. Graf Isolani und seine würdigen J Nachfolger spitzbübischen Andenkens aus dem siebenjährigen! Kriege haben cs den Juden In Esseg angetan. Dort wurde eine J zionistische Konferenz der Juden der südslavischen Länder von j den Ass&nilationsjudeu kroatischen Volkstums gesprengt. Die ו kroatisch-nationalen Juden, die nur Kroaten mosaischer Konj fession ohne alles konfessionelle Beiwerk sein wollen, sind der würdige Resonanzboden für die Reformgeiger der Berliner Judenheit. Aber selbst in1 heiligen Russland werden doch bisweilen Versuche gemacht, sich dem Russentume zu assimilieren. Sogar die Kischinewer Mordgeschichte musste unter dem Beistände westeuropäischer Hiüsvereinc dazu Hilfe leisten. Denn die Verwendung der für die Kischinewer Geplünderten gesammelten Gelder zur Gründung einer soeben von Zar-Väterchen genehmigteu Judenkolonie auf dem früher üinsburgschcn Gute in Bessarabien bedeutet einen solchen Angleichungs- und Annäherungsversuch einiger Kischinewcr Grossjuden an die Kazappen. Nur schade, dass bei allen diesen zu nahen Annäherungen immer die armen Juden bluten müssen. Überhaapt hat ja die Freisprechung der Angeklagten von den vorjährigen Kischinewer Metzeleien, von welcher die Strafkammer ausgiebigen* Gebrauch gemacht hatte, zur Folge, dass in den Augen der Bevölkerung die Juden jetzt als vogelfrei gelten. Kein Wunder daher, dass in Bessarabien Gewalttaten gegen Person und Eigentum der Ju^en in letzter Zeit zu den alltägliehen Erscheinungen geworden sind. Wie aber die Behörden auf solche Gewalttaten reagieren, ist aus folgenden! Vorfälle, der sich jüngst in Kischinew ereignete, zu ersehen. Beim Friedensrichter von Kischinew kam ein Zivilprozess zwischen einem jüdischen Kleinhändler Reschko und einer christlichen Kleinbürgerin, Orlowa, zur Verhandlung. Während des Verhörs stürzte sich Orlowa au! ihren Gegner mit den Worten: ״Verfluchter Jude!“ und stiess ihm ein Messer in den Leib. Reschko wurde gleich nach dem jüdischen Kraukenhausc gebracht, wo er trotz der baldigen ärztlichen Hilfe starb. Die Täterin wurde nicht verhaftet. Bei der Obduktion der Leiche äusserte sich der Untersuchungsrichter Rodsewitsch in An- Wesenheit der Ärzte des Krankenhauses, dass Reschko infolge fahrlässiger ärztlicher Behandlung starb, in einem christlichen Krankenhause wäre er am Lehen geblichen, die jüdischen Ärzte haben absichtlich den Juden Reschko nachlässig behandelt, um seinen Tod auf die Christin Orlowa zu wälzen. Die Obduktion ergab aber, dass Reschko an der von Orlowa ilnn beigebrachten Wunde und nicht infolge angeblicher fahrlässiger Behandlung starb. Als der Oberarzt dem Untersuchungsrichter über dieses Ergebnis berichtete, hiess ilm letzterer schweigen, denn hier habe nur er. der Untersuchungsrichter, zu befehlen. Der Arzt hat Beschwerde eingereicht. Die Täterin ist immer noch frei. Sie wird auch weiter so freibleiben! — Zu den in voriger Woche von . uns berichteten neuen Judenverfolgungen In Russland teilt die offiziöse russische Telcgraphen-Agcntur mit: .,ln der amerikanischen Presse war behauptet worden, in Ostrowez, Gouvernement Radom, und in Partschew, Gouvernement Sjedlez. seien Judciituassacres vorgekommen: in Ostrowez seien am 13. August 20 Personen getötet, in Partschew am 12. August 100 verwundet worden: die Zahl der in Partschew umgehrachtcu sei nicht bekannt. Eingezogene Erkundigungen hätten nun folgendes ergehen :.Am 4. August ereigneten sich in Ostrowez antisemitische Unruhen, die vier Stunden dauerten. Ein Jude wurde schw er verwundet und starb am folgenden Tage; 22 wurden leicht verwundet. Die Unruhen waren dadurch entstanden, dass ein jüdischer Knabe einen rechtgläubigen Katholiken geschlagen hatte, was das Gerücht hervorrief, ein Christ sei durch Juden e rmordet worden; nun wollten die Arbeiter an den Juden Rache nehmen. Was die Vorgänge in Partschew betrifft, so hatte die Polizei am 5. ds. Mts. einen Haufen Juden ohne Ocwaltmassnahnicii ausciiiandcrgctrichen. einem solchen besonders glücklichen Falle sind wir Otto Ludwig gegenüber, dessen Nachlass für die Vorgeschichte seiner Werke in d$r Tat überaus reichliche Materialien liefert.1) Wir stehen vor Dutzenden seiner Versuche und verlassenen Modelle, und es ist von einem seltenen Reiz, in diesen untergegangenen, weil lebensunfähigen Formen, schon tausend Keime für das andere vollendete Lebendige zu entdecken. Eine Keitngeschichte der ״Makkabäer״ von solchem j Gesichtspunkte aus wird vielleicht nicht unerhebliche Erj kenntnisse liefern. j Eine ganze Reihe der unserer Tragödie voraufgegangenen Skizzen und Fragmente weisen mehr oder | weniger Spuren und Andeutungen von Motiven und Jdeen . der ״Makkabäer“ auf. Wenn wir sie festlegen, sei damit nicht! gesagt, dass Jrrschlüsse ausgeschlossen seien, in vielen Fällen werden wir uns durchaus mit Vermutungen genügen lassen müssen. . ״ (יNachlassschriffen OltoLudwig’s“ von Moritz Heydrich. Lpzg. 1974. ״O. L. gesammelte Schriften.“ Lpzg. 1892. Schon im Sujet eines seiner am frühesten geplanten dramatischen Vorwürfe, schon in seiner bereits 1835 unter dem Titel ״Der Liebe Verklärung“ bearbeiteten ״Agnes Bernauerin“ ist ein Motiv urkräftig angeschlagen, das, w enn auch nur leise angedeutet und der Haupthandlung durchaus untergeordnet, in unserer -Tragödie wiederkehrt: Die Mesalliance zwischen einem reich ׳ geborenen Manne und einer Frau von niedriger Abkunft. Wie Herzog Albrecht einen konventionell unerhörten Schritt tut, indem er die schöne Baderstochter zu sich emporhebt, so hat Judah. der Davidsspross, in seiner lieblichen Naemi ebenfalls einen Abkömmling geringeren Ranges sich verbunden, und wie dort den Liebenden Herzog Ernst, so steht hier Lea ihrem Sohn und Naemi gegenüber, nur dass dort mehr die verletzte Staatsraison, hier dagegen die gekränkte Muttereitelkeit sich gegen das Glück der Jungen auflehnt. — Lange in unzähligen Bearbeitungen hat Ludwig mit diesem Motfv gerungen; es verlangte dichterisches Leben, und so schlich es sich, auf einem Umwege zwar (denn erst war das Verhältnis Lea-Naemi ganz anders gedacht) und in einer