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Jüdische Rundschau · 1904-08-19 · Heft 33 (19.8.1904) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 33 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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i No. 33• JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 359. 1 I I 1' Die Klnderausfluge, eine zionistische Kleinarbeit. Die Ferien sind vorüber und mit ihnen die Nachmittagsaus־ fiüge, die die ״Jüdisch-nationale Frauenvercinigung״ während dieser Zeit mit armen, jüdischen Kindern veranstaltet hat. Allwöchentlich zogen 130 Kinder unter Beaufsichtigung von 8—10 Damen, lachend und jubelnd in den Wald hinaus, um sich dort zu tummeln und zu spielen. Wenn die Freude ihren Höhepankt erreichte, dann schmetterten 130 Kehlen ״Dort wo die Ceder״, oder ״Auf, mein Volk״, oder andere jüdische Lieder zum blauen Himmel empor. Herzerquickend war es, die Kinder zu bewirten, ihnen den Nachmittagskaffee und Kuchen und Abends das Abendbrot zu reichen. Wie röteten sich die schmalen, blassen Wangen und wie glänzten die müden Augen wieder in Lust und Freude. Oft brauste in überströmender Dankbarkeit plötzlich ein donnerndes ״Hedad" auf die jüdisch-nationale Frauenvereinigung, auf alle mitarbeitenden Damen und auf das ganze Judentum. Nur auf Herz!, unsern Herzl nicht mehr. . . . Cs war auf dem ersten Ausflüge, tief traurig hörten die Kleinen von unserem grossen Verluste, von dem Schmerze, den das ganze jüdische Volk betroffen hat. Herzl war den Kindern seit Jahren kein Fremder mehr. Alle kannten sie den Namen dessen, der gleich einem Mose kam, um seinem Volke Freiheit und Leben zu geben. ״Seht Kinder.” sagte ich unter anderem zu ihnen, ״als Moses von seinem Volke schied, da liess er den Josua zurück, dass er allein sein Werk vollende. Herzl aber hinterliess ein ganzes Volk zu seinem Nachfolger. Auch ihr werdet gross und stark werde.1, und jeder von euch soll ein Josua werden, freudig bereit, alles, alles, selbst euer Leben für euer Judentum zu geben.” Ein kleiner Knabe, der zum ersten Male in unserer Mitte weilte, wandte sich tränenden Auges au eine Dame mit der Frage: ״Ist alles, was wir härten, auch wahr, oder ist es nur ein Märchen?” — —-״ Auch manche kleine heitere Episode begegnete uns oit auf unseren Wanderungen. So stiegen wir vom Grunewald kommend in die Stadtbahn. Es war ein besonders starker Verkehr und wir durften nicht lange wählen. Flugs heisst es einsteigen! In unserem Abteil sassen einige Damen, die sichtlich erfreut waren, mit solch lustiger Schar fahren zu können. Da fangen die ,Kinder an ״Dort wo die Zeder” zu singen. Die Damen sind* entsetzt. Dergleichen ist ihnen noch nicht passiert. ״Empörend.” sagte die c'ne. ״also so weit ist es schon gekommen, dass man schon sogar mit Kindern Zionismus treibt.” Jetzt wissen wir, dass die Damen Jüdinnen sind, denn Christinneu wären wohl erstaunt, aber nicht empört — Die Kinder merken den Braten. Kaum haben sie aufgehört so fangen s.e wieder von neuen! an. Jetzt singen wir ״Noch ist Juda nicht verloren”, ruien die Kleinen. Solche jüdische Lieder sind aber nichts für ״deutsch-israelitische" Ohren. Die Damen steigen um, von dem Wunsche begleitet, vom Regen tu die Traufe zu kommen. Wir haben nämlich nicht weniger als 6 Kupees besetzt. * Ein anderes Bild. Der Zug braust Bahnhof Friedrich- Edlen im Volke trauern über den unseligen Zustand; aber solange es ihnen nicht an den Lebensnerv geht, an ihr Gesetz oder ihr Blut, haben sie nicht die Kraft, sich zur Empörung aufzuraffen. Umsonst klagt Mathatias und knirscht sein Juda die Zähne. Wenn der Löwe zuspringen dürfte! Aber er darf noch nicht, wenn er auch den Retter des Volkes in sich fühlt; denn ihm fehlt noch das Volk. Endlich aber soll das Gewitter zum losbrechen kommen. Antiochus der Alte wagt doch zuviel. Er überfällt die Hauptstadt, erbricht den Tempel,' raubt seine Schätze, entweiht den Altar und zerreisst die Gesetzesrollen in der Bundeslade. Und Scharen seiner Reisigen schickt er durchs Land umher, die das Volk zum Abfall Und zu heidnischen Opfern zwingen sollen. Jetzt hat Judah sein Volk und den rechten Augenblick. Auch nach Modin kommen Syrer und verlangen Gehorsam und Opfer. Da schlägt Makkabi, ״der Hammer“, los, tötet den Abtrünnigen, der da opfern will, gertritt den Altar und das Götzenbild und verjagt die syrischen Hauptleute, angesichts seines sterbenden Vaters. Von hier und von jetzt nimmt die Volkserhebung ihren Ausgang. Strasse ein. Der ganze Fahrsteig durchhallt von dem Liede: ״Auf, mein Volk, zum edlen Tun”. — Wie elektrisiert bleiben einige Herren stehen, um neugierig In alle Wagen zu schauen. Schon setzt sich der Zug wieder in Bewegung, da erblicken sie uns und etwas wie leuchtendes Erkennen blitzt in ihren Augen auf. Sie schwenken ihre Hüte und rufen uns Hedad nach. Ob diese Ausflüge im Sommer von nachhaltiger, zionistischer Wirkung einst sein wprden, will ich nicht untersuchen. Eines ist aber gewiss, indifferent w׳erden diese Kleinen, wenn sie hcrangewachsen sein werden, nicht sein. Die Eindrücke, die man in der Kindheit empfängt, wurzelt in der Regel für das ganze Leben fest, und die Kindesseele ist ja bekanntlich doppelt empfänglich für alles Gute und Schöne. Diese Kleinen, die wir lehren, den eigenen Wert zu kennen, werden hoffentlich ־ ohne Kämpfe und Ringen zu uns — zu sich selber kommen. Aber nicht nur zionistisch, sondern auch sozial sind diese FerienaLsflüge. Denn es sind meist Kinder der armen und ärmsten Kreise, die w׳ir hinausführen in Gottes freie Natur. Die Kleinen, die Tag ein Tag aus auf dem engen, schmutzigen Hofe, oder auf der staubigen Strasse sich selbst überlassen sind, bedürfen doppelt der Erholung. Hier gehen zionistische; und soziale Aufgaben Hand in Hand. Und so gibt es unzählige Gebiete, auf welchen die zionistische Frau sich betätigen kann, ן wenn sie will. : Die Gründung eines zionistischen Kinderhortes ist Sache i der Frau. Die Gründung einer Näh- und Flickschule für schulj entlassene Mädchen ist gleichfalls Sache der Frau. Ebenso ein Klubhaus für junge, in Geschäften arbeitende Mädchen, damit diese von des Tages Last und Mühen abends Belehrung, Unterhaltung und Erholung finden. Es sind dieses alles soziale j Einrichtungen, die in zionistischem Sinne geleitet werden könneu, und durchaus nicht als Kleinarbeit zu bezeichnen sind. Im; Gegenteil, gross, unendlich gross und praktisch wäre diese Ar- 1 beit. Wir würden andere Zionisten gewinnen, als solche, die I nach einer schönen Rede in einer Volksversammlung zu uns ן kommen und ihren Zionismus nur durch Zahlung ihres Beitrages! dokumentieren. | Nicht nur zahlende, sondern arbeitende Zionisten wollen i wir. Mehr als je sind wir jetzt zur Arbeit verpflichtet, jeder; nach seinem Können, jeder auf seinem Gebiete. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat wollen wir agitieren, indem wir Zionismus in die Herzen der Jugend pflanzen, ihn dort pflegen und hegen, damit wir einst herrliche Früchte ernten können. Lina Wagner-Tauber. Mitteilungen vom Zentralbüro _ der Zionistischen Vereinigung _ | für Deutschland. I j 1. Wir weisen nochmals darauf hin, dass Postj anweisuiuien, Geldbriefe und Einschreibebriefe an un- ן seren Schatzmeister Herrn Max Wollsteiner zu Berlin, I N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, persönlich adressiert wer- In der Wüste sammelt Judah die zuströmenden Getreuen, dann bricht er gegen die Syrer los und schlägt sie Schlag auf Schlag. Zwei grosse Heere unter Gorgias und Nikanor erliegen seinem Haufen, und schon ist der Weg nach Jerusalem den Befreiern offen. Juda steht auf der Höhe seines Ruhmes. Die Römer, zu denen seine Taten dringen, schicken Gesandte aus, ihm ihren Schutz anzubieten. Aber der Lowe des Kampfes hat auch des Fuchses Klugheit. Er durchschaut die selbstsüchtige Politik Roms, die von Freundschaft zur Herrschaft zu gehen pflegt. Und so lehnt er stolz, im Gefühl seiner Stärke, das schlaue Bündnis ab. Bald aber muss er erfahren, auf wie schwankendem Boden doch diese seine Stärke ruht. Dass sein Volk wahrer Freiheit nicht fähig ist, dass törichter Fanatismus alle seine Kräfte lähmt. Von dem glaubenswütigen Jojakim, einem Brudersohn Judah’s aufgestachelt, weigert es sich, bei einbrechendem Sabbat zu kämpfen, trotzt seinem Führer, lässt sich wehrlos hinschlachten und bringt sich mit eins um die Frucht aller vergangenen Siege. Aller Heldenmut Judah’s vermag nichts zu retten, und knirschend steht er am Ruin seines Lebenswerkes. — Eine

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