Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«< mim I Seite 358. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 33. unsere Zahl auch täglich wächst, die persönlichen Be- Ziehungen, die unsere Gesinnungsgenossen miteinander verknüpfen, werden dadurch nicht lockerer. Wir sind immer noch eine grosse Familie, und jeder!nimmt an Freude und Leid des anderen Anteil. Wenn ich irgendwo einen Fremden kennen lerne, der sich als Gesinnungsgenösse entpuppt, so rückt er meinem Herzen im selben Augenblick bedeutend näher. Nicht ohne Einfluss auf die Ausbildung dieser über den lokalen Gesichtskreis hlnausgehenden Beziehungen ist unser Nationaliond. Die Nationalfondabrcchnung der ״Rundschau“ erfüllt nebenbei die Aufgabe einer Familienchronik. Jeden Freitag gilt mein erster Blick ihr, und ich ersehe aus ihr, was in den verflossenen Wochen meinen lieben Freunden und Bekannten an Bösem und Gutem widerfahren ist. Aber was uns vor allem einander so nahe bringt, ist dies: Jeder, der in unsere Reihen tritt, weiss, dass nichts anderes seiner harrt, als wackere, ehrliche Arbeit für unsere erhabene Aufgabe. Er weiss, dass sein Nebenmann von den gleichen stolzen Empfindungen beseelt ist ,wie er selbst. Er weiss, dass wir alle unser Bestes geben, für das Höchste, das wir zu erringen haben, für unsere Freiheit. Deshalb fühlt er sich, und mag er sonst ein verachteter Habenichts sein, als Edeljuden, und deshalb betrachten ihn auch seine Kampfgenossen als einen Edlen seines Volkes. Und weil er weiss, dass wir sein höchstes Streben, seine ganze Weltanschauung teilen und uns dabei de1׳ Teufel um seinen Geldbeutel, seine Sippe und seine soziale Stellung kümmern, deshalb ist er uns ein guter Kamerad. Er ist uns und wir sind ihm von Herzen zugetan. Das ist unser Bruderbund. Naphtali. .Weitere Vorschläge zur Abänderung des Organlsatfonsstatufs d. Zionistischen Partei. Von Julius Simon -Mannheim. Durch die Veröffentlichung der Bodenheimer’schcn Vorschlage ist in dankenswerter Weise bereits fetzt schon die Diskussion über die schwerwiegenden Fragen eröffnet, die den nächsten Kongress beschäftigen müssen. Denn eine Klärung der Meinungen sollte jetzt schon nach Möglichkeit versucht werden. Ich möchte darum auch meine Ansicht sagen. — Darüber sind alle einig, dass eine Teilung all* jener Arböitslasten notwendig ist, die Theodor HcrzI allein auf seine Die Judendichtung Otto Ludwigs. §3. Inhalt des Trauerspiels ״Die Makkabäer“. Otto Ludwig hat natürlich nicht die ganze Geschichte der Makkabäer zur Verarbeitung genommen. Aus der grossen Epoche der Verwirrung, die von 167—130 v. Chr. währte, wählt er nur die ersten sieben Jahre, und hat von all den Ereignissen nur die bis zur Vertreibung des jüngeren Antiochus durch Judah Makkabi durchgeführt. ln Jerusalem bekleidet das Hohepriesteramt Onias. Jason, sein Bruder, der sich durch Bestechung bei den Syrern Straflosigkeit sichert, mordet Onias und sein Haus, lim sich den Hohepriesterhut aufzusetzen. Gegen ihn selber aber bewaffnet sein jüngster Bruder Menelaus eine Schar, ihm die geraubte Würde für sich abzujagen. So ist der eine der Priesterbrüder tot, die beiden anderen im Kampfe, beide des Amtes unwürdig. Mit dem Niedergang dieses Geschlechtes steigt ein anderes empor. Dem Gesetze nach gebührt jetzt dem Hause der Hasmonäer die Würde. Sein Haupt athatias, der in dem Städtchen Modin bei Jerusalem wohnt, ist selber zu a't. seine Ansprüche tatkräftig opferwilligen Schultern nahm. Indessen: Diese Arbeitsteilung würde dann geradezu schädlich wirken, wenn man nicht etwas von vornherein unbedingt als die Voraussetzung für ein wertvolles Zusammenwirken festhalten vrürde. Die Einheit d e s O r t s. Das bedeutet selbstverständlich, dass Zangwilt's wahres Wort, dass unsere Bewegung nicht mehr von überlasteten Männern ausserhalb ihrer Berufstätigkeit geführt werden könne, nun in die Praxis umgesetzt wird. Was bereits für Herzl notwendig schien, muss jetzt umsomehr gefordert werden. Ich weiss sehr wohl, dass dies uns finanziell stark belastet. Denn ich denke an ein völliges Freimachen unserer Pührer und also au erheblich grössere Summen, als sie Herr Estermaim vorsieht. Mit Dr. Bodenheimcr stimme ich trotz der vorgebrachten Bedenken nach wie vor darin überein, dass die Exekutive von der Legislative zu trennen ist, dass also Kongresspräsident und Präsident der Exekutive nicht mehr ein und dieselbe Person sein soll. Dies ist nun meine Ansicht: Das Exekutiv-Organ des Kongresses . . . hat seinen Sitz in London. Ich denke hier freilich nicht darum an lauter Engländer als Mitglieder der Exekutive. Die Besoldung wird uns wertvolle Persönlichkeiten von überall gewinnen lassen. Ich persönlicli möchte gerade einen unserer russischen Freunde in der Exekutive nicht missen. Die Mitglieder der Exekutive sind: 1. Der Präsident der Jüdischen Kolonialbank als Vorsitzenden und Leiter der Finanzen. 2. Der Leiter der äusseren Angelegenheiten. 3. Der Leiter der inneren Angelegenheiten. Jedem Mitgliedc der Exekutive werden die notwendigen Hilfsarbeiter zugeteilt. Ihre Wahl geschieht durch den Kongress. Hiervon erwähne Ich nur: a) Einen Verwalter des Nationaliond (z u g c t e i 11 dem Leiter der Finanzc ti). b) Einen Sachverständigen für die palästinischen Augelegenhcitcn (zugeteilt dem Leiter der äusseren Angclegenheite n). c) Je ein korrespondierendes Mitglied für alle Länder, die auf dem Kongress vertreten sind. <N3. Hierbei wäre Russland in Rayons cin/uteilen. Ferner ־ ־ wäre fOr jede vom Kongress anerkannte 'l'iaktion (oder für jede Fraktion von so und soviel .Mitgliedern) ein eigenes korrespondierendes •Mitglied zu bestellen. 1 den Vorsitzenden des Ausschusses für die Fragen der Hebung (zugetcilt dem Leiter der inneren Angelegenheiten). Die Exekutive hat mit der Gesamtheit aller ..Hilfsarbeiter“ allvicrteljührlich Tagungen zu pflegen. Der Vorsitzende der Exekutive präsidiert diesem Gesamtorgan, das unserem heutigen Grossen A.-K. entsprechen würde. geltend zu machen; so ist es an seinen Söhnen, sie zu verfechten. Nur zwei derselben scheinen dafür geschaffen: Judah, der Gewaltige, und Eleazar, der Schöne, Bestechende. Aber des ersteren Art entspricht es nicht, eine Scheinmacht zu bekleiden und eine Zwischenstellung einzunehmen, wie sie das Hohepriestertum in diesem Momente bedeutet. Früher, vom Vertrauen und der Verehrung des Volkes getragen, hatte es auch seiner Wahl unterlegen; jetzt aber ist es käuflich beim Syrer und verächtlich geworden. Doch Eleazar sieht die Schatten hinter dem Glanze nicht. Er ist menschgewordener Ehrgeiz, und mystische Träume seiner ähnlich gearteten Mutter haben seinen hochtliegenden Sinn weit ausschweifen lassen. Wie seine Mutter im Traum, sieht er um den Priesterhut schon den Königsreif laufen, sieht sich schon vom geistlichen zum weltlichen Herrscher seines Volkes werden. Unter des Vaters Rat und Segen, unter seiner Mutter Verzückung und vorgreifender Huldigung, zieht Eleazar an den Hof des Antiochus. Im Lande, insbesondere in Jerusalem wird der syrische Einfluss immer mächtiger. Griechisch-syrische Sitten verdrängen das jüdische Leben, dieses mus sich in versteckte Winkel zurückzieha, wenn es sich erhalten will. Alle