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Jüdische Rundschau · 1904-08-12 · Heft 32 (12.8.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 32 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 353. JODlSCtlE RUNDSCHAU. י t i 1 % ׳<# I 0 י Aus der Beweguijtf. r »?P «3Ü;»ATg^Ssfe r,*; l'• I 1• I•' r; ־־ '1 •y I " . Anlässlich des Heimganges unseres grossen und unvergesslichen Führers Dr. Theodor H e r z 1 sind dem Aktions-Komitee aus allen Weltrichtungen, von Zionisten und Nichtzionisten, von Juden und Nichtjuden unzählige Beweise der Teilnahme und Sympathie zugekommen. Sie alle einzeln zu beantworten sind wir ausserstande. In unserem eigenen Schmerze sind uns diese Kundgebungen ein tröstlicher Beweis, dass Dr. Herz! nachhaltige Spuren hinterliess, die weit hinaus wirken werden, wenn auch sein Leib nicht• mehr unter den Irdischen weilt. Innigsten Dank für diese Kundgebungen. Das zionistische Aktionskomitee. Mitteilungen des Zcntralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Das Büro und die Lesehalle befinden sich zu Borlin, Friedrichstrasse 58 If. Fernsprecher: Amt I, No. 2604. Dienststunden: an den Wochentagen von 2—8 Uhr. 2. Büro und Lesehalle befinden sich im Zusammenhange mit den Räumen des Restaurants Baumann. Wir machen darauf auimerksam, dass Herr Baumann unter der Aufsicht des Rabbinats der Jüdischen Gemeinde in Berlin (Rabbiner Dr. Eschelbacher) steht 3. Das Zentralbüro hat die Sammlung und die Ko!1trcllc aller für zionistische Zwecke in Deutschland eingesandter Beiträge, insbesondere der Nationaltondsammhingen, übernommen. Infolgedessen sind sämtliche Gelder nur noch an den Schatzmeister des Zentralbüros Herrn Max Wolisteiner zu Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, zu senden. 4 Briefe für das Zentralbüro sind an die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Zentralbüro zu Berlin W.8, Friedrichstrasse 58, Postanweisungen. Geldbriefe und eingeschriebene Briefe dagegen ausschliesslich an den Schatzmeister Herrn Max Wollsteiner zu Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, persönlich zu adressieren. Kennen L P. Hier hat sich Donnerstag. den 4. d. Mts., in einer Versammlung von 15 Schekelzahlern eine zionistische Ortsgruppe konstituiert. Zum provisorischen Vorsitzenden wurde Herr Kaufmann Rafael Freund gewählt. Der Ortsctuope traten bis letzt 20 Schekelzahler bei. Natinnaffond 2 Mark. Breslau. Nachdem vor kurzem die öffentliche synagogale Trauerfeier stattgefunden hat. versammelten sich am 1. August die Breslauer Zionisten im Saale des Cafe Fahrig zu einer internen Gedenkfeier. Eröffnet wurde diese durch den Vortrag einer ergreifenden Trauerode, die von unserem Mitglied. Herrn S fl b e r g 1 e i t. gedichtet war. Herr Zahnarzt Schachtel schilderte alsdann die Empfindungen und Eindrücke, die er am Tage des Begräbnisses Theodor Hcrzls in Wien empfangen. Herr Dr. Sandler skizzierte in längeren Ausführungen die verschiedenen Lebensanschauungen, denen die westeuropäischen Zionisten in der vorherzlischen Zeit gehuldigt, zeigte deren Unklarheit (!), ihre ethischen und logischen Schwächen (!) und rückte so das Verdienst Herzls am unser eigenes Lebcnsglück in ein grelles Licht. Die Feier schloss mit einigen ergreifenden Worten, die der Vorsitzende, Herr Schachtel, den Manen des grossen Toten weihte. Mülheim!Ruhr). Hier fand am 28. Juli eine Herzfgedeukfeier statt. Es sprachen der Vorsitzende unserer Ortsgruppe, Dr. Cahn und Epstein-Duisburg. Berichtigung. Aus Dessau wird uns ein von unserer Dar- Stellung in der vorigen Nummer etwas abweichender Bericht mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zugestellt. Danach hat der Dessaucr Gemeindekantor, der zur Mitwirkung an der Trauerfeier für Hergl höflichst aufgefordert war. noch drei Tage vorher eine höfliche, aber die Gründe verschweigende, ablehnende Antwort zukommen lassen. Noch jemand anders zu gewinnen, war es dann zu spät. »- Rundschau. Gerade in dem Augenblick wo die Preusslsche Regierung durch einen Wohnungsgesctzentwurf zeigt, wie gross ihre soziale Fürsorge doch ist, hat der Hausbesitzer tag stattgefunden. Das war so ungefähr das Gegenteil altruistischen sozialen Empfindens. Der anhaltinischc Landtagsabgeordnete, Rechtsanwalt Dr. Cohn-Dessau, wagte es, Forderungen der Vernunft. Gerechtigkeit und Billigkeit dort vorzutragen, aber ohne irgendwelchen Erfolg. Wir freuen uns. dass ein Jude es %var, der einen Teil jener Anschauungen vortrug, die ein nobile oüicitmi der Jüdischen Nation sein sollten. Denn es ist ein wesentlicher Teil jüdischnationalen Wesens, für die Einführung einer auf Bodenbesitzreform beruhenden sozialen Gerechtigkeit wirksam mittätig zu sein, wie ia ein Judenstdat auf zionistischer Grundlage ohne die Bodenreform undenkbar ist. Wir wissen dem Dr. Cohn deshalb für sein Auftreten Dank, wenn er vielleicht auch sonst gerade in jüdischen Fragen vielleicht ganz anders denken und handeln mag. als wir cs für die Jüdische Nation für crspriesslich erachten. Ja in dem was für die JuJcnheit von Nutzen ist. und nicht nur für einige zufällig recht reiche Juden, sind wir oft ganz anderer Meinung als die ״mjssgebendsten Kreise“. Das hat sich jetzt ja bei unserer Nationaltrauer wieder drastisch gezeigt. Dabei sind drollige Geschichten pasiert. bei denen Lachen und Tränen mit einander kämpften. Am Tage nach einer würdigen und ergreifenden Trauerfeier und drei Tage, nachdem sie unsern Herz! ins Grab gebettet hatten, fand in Dulsbur״ eine mehrstündige Sitzung des Repräsentantcn-Kollegiums der Gemeinde statt, die sich ausschliesslich mit einem Protest befasste, den ein Teil der hiesigen Ocmeindevertreter gegen den Vorstand wegen der Bewilligung der Synagoge für unsere Feier, gerichtet hatte. Man scheute sich nicht, aus der Unterschrift unserer Einladungen ״Zionistische Vereinigung. Der Vorstand“ herauszulesen, wir hätten damit den Anschein erwecken wollen, dass neben der Zionistischen Vereinigung auch der Gemeindevorstand die Einladungen unterzeichnet habe. Man behauptete, die Be- Strebungen Herzls seien gegen das Judentum geric.net gewesen (wörtlich!) und die Synagoge sei kein Ort für zionistische Propaganda. Als auf den Einwand, es sei nicht angängig, politische Persönlichkeiten in der Synagoge zu feiern, unser Freund Salomon Levy darauf hin wies, dass für den toten Lasker ln einer Berliner Synagoge eine Trauerfeier veranstaltet worden sei und dass man ihm sogar die aussergewöhnlichc Ehrung habe zuteil werden lassen, seinen Sarg in den Tempel zu schaffen, da erwiderte man ihm, Lasker könne nicht als Präjudiz gelten, Lasker sei nicht, wie Herzl, für das Judentum politisch tätig gewesen! Unser Freund Levy, der in der wärmsten Weise unsere Sache verfocht, bemerkte noch. dass, wenn der grosse Tote dieser Sitzung beigewohnt hätte, ein leises, vielleicht etwas trauriges Lächeln seine Lippen umspielt haben würde. — Der Protest hatte keinen Erfolg. Zu dieser Duisburger Goluspurimgeschichte wird uns aus Würzbwrg ein frommes Andlr.sron mitgctcilt. das uns zeigt, dass Frömmigkeit nicht vor Witzigkeit schützt. Der orthodoxe Kollege des Münchener Reform- und Protest Rabbiners Dr. Werner der kgl. bayerische Distrikts-Rabbiner Nathan Barnberger in Würzburg hat, als er vom Tode unseres Herzl hörte, einen Ausdruck gebraucht, den wiederzugeben die Erziehung einem nicht ebenso ״frommen" Mensehen nicht gestattet. Der Ausdruck war flicht witzig, und doch Kann er so witzig sein, der Rabbi, wie er auch erst vor einigen Bonden die Worte hn Keriath Scnetna: לבבכם ולא תתירו אחר übersetzte: ״Ihr sollt nicht nachfolgen Eurem Herz I.“ In der ״Zukunft" des früheren polnischen Juden Isidor Witkowsky wird dafür gesorgt, dass die ungetauften Juden in ihrer Judentumsfeindlichkeit nicht allein stehen. Sie macht mobil dagegen dass etwa Juden die Unteroffizterskarrlöre einschlagen könnten. Da.® getaufte Judentum weiss sehr wohl, dass es für die Juden viel geringeren Wert hat, wenn ein Dutzend! reicher Tiergartenjuden an der Spitze einer Kompagnie ihr Monokel tragen darf, als wenn dem jüdischen Mittelstand der י Eingang in die Subaltcmlaufbahn eröffnet wird. f If"1 ■ *tw* mmum

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