Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 348. JÜDISCHE RUNDSCHAU. a ' No. 32. hendsten Hoffnung. Wir wünschen ihnen guten Erfolg ihrer Beratungen. Und dieser Erfolg er ist gewährleistet durch die Einmütigkeit und durch die Einheit. Gerade heute vers*ehen wir es mehr als alle Tage: ״Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr.“ Dann dürfen wir hoffen, dass wir frei sein werden, wie die Väter waren und dass wir den Kindern und Enkeln ein schöneres Los vererben können, als uns zuteil wurde. Der kleine Kongress, er tage im Zeichen der Einigkeit! Heinrich Loewe. Der Bodenheimer’sche Entwurf Kritik und Gegenvorschläge. Von L. Estermann, Hamburg. In Nr. 31 d. Bl. werden unter dem Titel ״Ein Direktorium des Aktionskomitees“ Vorschläge zur Neuorganisation der zionistischen Parteileitung veröffentlicht, die Dr. Bodenheimer in einer Denkschrift dem Aktionskomitee zu unterbreiten beabsichtigt. Die Form der Veröffentlichung lässt auf ihre Authentizität schüessen. Mit dem Grundgedanken des Bodenhcimer’schen Entwurfs, Verteilung der verschiedenen Obliegenheiten, welche unser verewigter Führer in seinem unermüdlichen Arbeitseifer auf sich genommen hatte, an die einzelnen Mitglieder eines fünf- oder siebenköpfigen Direktoriums, bin ich einverstanden, wenn Ich auch bestreiten muss, dass eine Vereinigung jener Funk-, donen in einer Person aus sachlichen Gründen unzulässig sei. Insbesondere erscheint es mir nicht allein zulässig, sondern geradezu erwünscht, dass das Präsidium des Kongresses und des Aktionskomitees nach wie vor in einer Hand vereinigt bleibt. Meine Gründe dafür sind folgende: Das Amt des Kongress-Präsidenten verleiht seinem Träger weit über die Grenzen der zionistischen Partei hinaus einen bedeutenden Nimbus und gibt ihm Gelegenheit, sein Können und Wollen im besten Lichte zu zeigen. Das Präsidinm des Aktionskomitees ist aber andererseits bei aller Ein- Schränkung, zu der wir uns nunmehr werden verstehen müssen, so verantwortungsvoll, so Vertrauen fordernd, dass wir dem Inhaber dieses schweren Amtes ohne zwingende Gründe die Möglichkeit nicht nehmen dürfen, als Kongress- Präsident mit den Delegierten in engere Berührung zu kommen, ihr Vertrauen zu erwerben und seine Befähigung für sein verantwortungsreiches Amt zu erweisen. Der Einwand Bodenheimer’s, dass der Kongress eine parlamentarische Körper- Schaft, das Aktionskomitee die Exekutive dieser Körperschaft bildet, ist praktisch ohne Belang, da bei den eigenartigen Verbältnisscn der zionistischen Partei hieraus Konflikte nicht zu befürchten sind. Dass für beide Aemter hervorragende Persönlichkeiten erforderlich sind und wir an soichcn gerade keinen Ucberfluss haben, will ich nur nebenher erwähnen. Der in der Rundschau veröffentlichte Entwurf scheint überhaupt ein noch nicht ganz durchgearbeitetes Konzept zu sein, denn er zeigt manche Unklarheiten, die wir bei Bodenheimer’schen Veröffentlichungen sonst nicht gewohnt sind. Immerhin Ist der Plan In seinen Umrissen genau erkennbar und da seine Veröffentlichung als eine Zurdiskussionstellung zu betrachten ist, so will ich schon jetzt, ohne weitere Puhlikationen abzuwarten, meine Ein wände gegen den Entwurf Vorbringen. Die Quintessenz des Entwurfes besteht darin, dass für die wichtigsten Ressorts: Organisation und Propaganda, politische und diplomatische Tätigkeit, Kolonisation und Gegenwartsarbeit je ein selbständiger Ausschuss ernannt werden soll. Die eigentliche Leitung soll in die Hände eines Direktoriums gelegt werden, dem auch die Präsidenten der eben erwähnten drei Ausschüsse angehören sollen. Die Aufgaben und Befugnisse dieses Direktoriums sind nicht näher präzisiert, doch können sie kaum andere sein, als die des bisherigen engeren A.-K. Der Zweck dieser Neu- Schöpfung ist daher nicht recht verständlich. Man könnte ebensogut das engener A.-K. - Direktorium benennen. Worauf es ankommt, das ist lediglich, in diese Körperschaft die geeigneten Personen zu wählen und die Arbeit zweckmässig auf die einzelnen Mitglieder zu verteilen. Doch dies ist nebensächlich; bedenklich erscheint mir dagegen die Schaffung der oben erwähnten Ausschüsse, die Verselbständigung ein- J 1־ I if ד!?! י 1־ •1 f• I fl ן ר־־ז Literaturbericht. Dächer der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion augesandt werden, finden eingehende Besprechung. סך Die Relsebeschrelbuhgen des R. Benjamin von Tudela nach drei Handschriften, aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammend, und älteren Druckwerken ediert und übersetzt, mit Anmerkungen und Einleitungen versehen von Dr. L. Grünhut, Jerusalem und Markus N. Adler, London. Teil II. Einleitung, Uebersetzung und Register. Jerusalem )!903. Verlag J. Kaufmann, Frankfurt a. M. Preis 2,50 Mark. Die jüdische Wissenschaft wird zu leicht begrenzt auf das in christeinder Weise fälschlich theologisch genannte Gebiet. In Wahrheit aber umfasst die Jüdiche Wissenschaft das ganze grosse Gebiet, das die Juden in ihrer Eigenschaft als Juden geschrieben haben, wenn wir auch zugeben wollen, dass jüdisches Wissen und jüdische Kunst nur insoweit auf das Konto der Judenheit .und des Judentums geschrieben wird, als man glaubt, das Judentum tadeln zu müssen. Was getaufte und ungetaufte Juden Schlechtes schreiben, wird man ohne weiteres zu den jüdischen Sch iften rechnen, aber nichts Gutes. Denn nicht die Gerechtigkeit regiert die Welt, sondern die Liebe. Aber gar im Mittelalter hat sich jüdisches Wissen nicht auf rabbinisches Wissen beschränkt, und alle Wissensgebiete sind in minder oder mehr bedeutendem Masse von den Juden als Nation gepflegt worden. So gehört das Reisewerk Benfamlns von Tudela durchaus zur spezifisch iüdisehen Literatur, wie Ludwig August Frankls ״Nach Jerusalem“ durchaus ln der deutschen Literatur nichts zu suchen hat Es Ist das eine sehr wichtige geographische Quelle, die noch lange nicht genügend erschöpft wurde. Sie ist־ aber ein ganz I besonders wichtiges Dokument nationalen Selbständigkeits-! strebens der jüdischen Nation im schlimmsten mittelalterlichen I Leiden. Sie ist ein schöner Beweis von der geographischen י Exaktheit mit der die Juden hinter ihren grossen arabischen Zeitgenossen nicht zurückstanden. Man sollte den Benjamin von Tudela in Zusammenhang mit andern jüdischen Reisenden wie dem ..Nordlandsforscher“ fshiiq Ihn Ja’aqüb betrachten. Bei dieser grossen Wichtigkeit ist es doppelt erfreulich, dass uns endlich einmal eine gute deutsche Uebersetzung des berühmten Reisewerkes vorgelcgt wird, die auf exakter Hand- Schriftenforschung beruht. Bis jetzt war man ja ganz ausschliesslich auf Asher angewiesen, der bei allem Fleisse und aller Sorgsamkeit doch eben 60 Jahre alt und recht veraltet ist. Grünhut hat durch die vorzügliche neue Ausgabe eine für weite Kreise jüdischer Gelchrtenwelt viel willkommenere Gabe bcreitet als durch die vielen vortrefflichen Ausgaben der Midraschim. die wir ihm zu verdanken haben. Denn wenn in dem Buche der Herausgeber von sich als ״ich“ spricht, während auf dem Titelblatt zwei verschiedene Herausgeber genannt sind, so darf man wohl nicht ohne Grund atmehmen, dass der Herausgeber Grfinhut ist, während Adler wohl nur eine Londoner Handschrift für ihn kopiert hat. Die Uebersetzung ist mit der bei Grünhut bekannten philologischen Akribie hergestellt und die Anmerkungen geben teils Fingerzeige für den Laien, teils wertvolle wissenschaftliche Hinweise. Natürlich ist auch manches auszusetzen. So macht er auf Seite 96 die Bemerkung, dass Kenaan auch Kaufmann hiesse. Hier hätte er anstatt Hosea XII, 8 vielmehr den Sprachgebrauch in Rase bis Bibelkommentaren heranziehen sollen, wo Rasch! wiederholt hebräische Wörter durch solche Im Leschon Kenaan erklärt, die meist niederdeutsch, einigemal auch slavisch sind. Seite 95 Ist wohl besser statt Pisfngas (Hitzingen) Ftfisingen zu lesen.