Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ו«'« 00 C\ © Abonnementspreis (Zusendung inbegriffen) Vierteljährlich 1 1. darelt die Expedition: a) in Berlin M. —,9a b) nach auswärts M I,— c> für das Ausland M. 1,5a t. im Poutabonnement M.!,?5 f. bei Sammolhezug daroh die Ortsgruppe M -j6a Inserate die viergespaltcne Peiiueile 2S PL Inseratonbellagen 15 AL i \ ן I! I? Organ drr Zionistischen Vereinigung für gculsehbni Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag 3üdisd1e Rundschau, E. 0. m. b. H. Berlin 0 54, Huguslsfrasse Or. 49 a. Sprechstunden: r *—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Du Heinrich Ltoewe, Berlin nW. 10, üehrterstrasse 14/15. ‘ Unverfangfe Manuskripte werden nur bei Belieguaa genügenden Rückportos zurüdtgesandL No. 32. Berlin, 12. August 1904. 1. Ellül 5664. ix. Jahrgang. Der Kleine Kongress. Zuin ersten Male treten die Mitglieder unseres Aktionskomitees und die Vorsitzenden der Zionistischen Parteikommissionen in Wien zu der Jahreskonferenz zusammen, ohne dass der Mann unter ihnen weilt, dessen starke Persönlichkeit allein imtande war, nach seinem Belieben anzuspannen und zu lockern. Es fehlt zum ersten Male das regulierende Moment bei der Jahreskonferenz, die nicht zu Unrecht der ,.Kleine Kongress“ genannt wird. Denn in dem kongresslosen Jahr hat die Jahreskonferenz eine Reihe von Vollmachten, die sonst nur dem Kongress zustehen. Und die Jahreskonferenz, die in der Zeit zwischen dem fünften und sechsten Kongresse in Wien tagte, hat gezeigt, welche grosse Bedeutung dieser Zusammenkunft beikommt, deren Schwergewicht durch die gleichzeitige Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank noch gestärkt wird. Wenn aber die Jahreskonferenz gewissemiasseri der Versuchsballon ist, den man vor dem Kongresse steigen lässt, so trifft das in erhöhtem Masse jetzt zu, wo wir dem Kongresse wie einem grossen Dunkel gegen8 übtrstehen. Denn noch wissen wir nur das eine, dass in alter Weise unentwegt fortgearbeitet werden soll und muss, und dass der bittere Schlag, der den besten aus unsren Reihen und von unserer Spitze fortgerissen hat, keinen Augenblick auch nur einen einzigen in unseren Reihen wanken oder zweifeln Hess. Wie bisher, so werden wir weiter nur das eine Losungswort kennen: ״Vorv. arts, vorwärts nach Zion!“ Aber doch, wie jetzt die Arbeit verteilt werden soll, wer es sein solj, der auf sich die Last nehmen will, unter der zwei machtige Schultern ermüdet zusammengeb rochen sind, ob ein einziger das grosse Erbe des grossen Mannes antreten soll, oder ob man es aut verschiedene verteilen soll, darüber hängt noch ein undurchdringlicher Schleier. Vieles, was in dieser Richtung dem Kongresse, der vielleicht schon um die Zeit des Makkabäerfestes stattfinden mag, vorliegen wird, kommt auf der Jahreskonferenz zur Besprechung und zur vorläufigen Beschlussfassung. Sie wird auch nicht umhin können, ein Provisorium zu schaffen, damit die bisher weiter geführten Arbeiten nicht ins Stocken geraten. Aber auch sonst wird die Jahreskonferenz das; Prognostikon sein, unter dem der Kongress später tagen i * r-- . ••. ־--1 wird. Denn sie wird zeigen, dass die Zionistische Partei eine einzige, geschlossene Masse darstellt und dass der schon ausserhalb der Partei steht, der glaubt, innerhalb der Partei Eigenbrödelei treiben zu können. Und wenn es vielleicht Differenzen gegeben hat, so sind die in dem- ־ selben Augenblick verschwunden, wo der Tod in unsere Reihen trat und uns unseren Führer raubte, in dem wir ' unsere Einheit sehen durften. In diesem Augenblick ver- ‘ stand jeder, wie gross, wie •wichtig es für die Partei sei, dass die absolute Einheit gewahrt würde! Es ist da kein einziger in der ganzen Partei, in allen Ländern und in ־ allen Gruppen, welche Anschauung er immer hege, und welche Lieblingswünsche er gern noch besonders vef- ‘ wirklichen, möchte, der nicht verstanden hätte, dass in keinem Augenblick der Zionistischen Partei mehr die unantastbare Einheit eine solche Lebensfrage sein wird, wie jetzt, wo es gilt, die Partei zu konstituieren, ohne * den Mann, der in seiner Person die Parteikonstitutioir.- war. . .. Darum wissen wir, dass alle unsere Freunde, die in״״ Wien jetzt Zusammenkommen, alle Sonderwünsche zurücktreten lassen vor dem einen grossen Gedanken der unantastbaren und unverletzlichen Einheit des Zionismus. Und darin wird der kleine Kongress der echte Vor8 läufer des grossen Kongresses sein, dass er unter dem Zeichen der Einigkeit tagt, in dem Gedanken, dass wir keine Zeit für Trauer haben, sondern dass wir alle Kraft zusainmennehmen müssen, um den letzten Willen unseres geschiedenen Vaters zu erfüllen, sein Gebein jnit einem glücklichen Volke in eine glückliche Heimat über- Zufuhren. Jede Uneinigkeit führt vom Ziele ab. - Die schwarzen Raben hocken am Wege gierig auf Leichen- frass. Sie hoffen, dass viele sich vom graden Wege zum / hehren Ziele vertieren und abirren, dass viele in. ihre Klauen fallen werden, weil der Führer geschieden, : der den graden Weg voranschritt, dessen hohe Gestalt : weithin sichtbar war. Sie Errett sich. Der Führer ist־ uns entrissen worden. Aber wir drängen uns um so ePi׳er einer an den andern, und indem wir niemals die Fühlung mit einander verlieren, werden wir auch vom .-־ Wege nicht abirren, den wir sehr wohl kennen. ' Wir begrüssen die Freunde und Brüder, die in.Wien . zu. ernster Beratung zusammeiitreten. Wir w eilen bei' ihnen in Gedanken mit unseren heissesten Gefühlen; mit : unseren bangsten Sorgen! aber, auch mit unserer glü- ״ ״ * « . ** ״r * * •׳ , ' י ־