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Jüdische Rundschau · 1904-08-05 · Heft 31 (5.8.1904) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 31 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 339. No. 31. Vor kurzem sind die Jerusalemer Jünglinge an Bcn-Jchuda mit dem Ersuchen herangetreten, die ״Maschkafah” zweimal wochentlich erscheinen zu lassen und erklärten sich bereit, die Mehrkosten aus eigenem zu bestreiten, welchem Wunsche auch entsprochen wurde. So erfreulich cs ist, dass die paUistinensische Jugend im Begriffe ist, aus eigener Kraft dem demoralisicrcnden Chalukadascin ein Ende zu machen, so sollten doch alle Juden es als ihre heilige Pflicht erachten, deren Vorhaben nach Kräften zu unterstützen. Insbesondere sollten schon aus politischen Gründen bei Anlegung neuer Kolonien vor allem die Einheimischen berücksichtigt werden. Eine türkische Anleihe bei der Jüdischen Koionlalbank. Das Petersburger Jargon-Tagblatt ״Der Eraind” bringt 101־ gende Nachricht: Die Verwaltungsbehörde in Jerusalem hat mit Zustimmung der Zentrale in Konstantinopel bei der Filiale der Jüdischen Kolonialbank in Jafia (Anglo-Palestinc-Cotnpany) eine Anleihe von 80 00U Ers. aufgenommen. Als Garantie wurde bei der Bank die Viehsteuer verpfändet, deren Erträgnis nunmehr täglich au die Bank abgeiiihrt wird. (Aus der Wiener Monatsschrift ..Z i 0 n".) Rundschau. Russland. Eine Reihe von Blättern, darunter solche, welche durchaus nicht philosemitischcn Neigungen huldigen, wollten des allgemeinen Interesses halber das Bild des kürzlieh dahingeschiedenen Zionisteuführcrs llerzl bringen; die Zensur hat es jedoch bis dato noch nicht gestattet. Es soll über diese Slaatsfrage erst in einer Plenarversammlung des Konsci!s der Oberpressverwaltung beraten werden! Warschau, H. Juli. Hier fanden anlässlich des Todes Theodor Herzls Manifestationen der jüdischen Bevölkerung statt, die von der Polizei unterdrückt wurden. Paris 29. Juli. Das Attentat auf den russischen Minister Plehwe hat selbstverständlich in der in Paris stark vertretenen Gemeinde der russischen Revolutionäre einen IcbhnUcn Eindruck hervorgerufen. Man gibt, nach der ״Frkf. Ztg.”, in diesen Kreisen ohne weiteres zu, dass es sich um einen Akt der Terroristen handelt, besonders weil ein Bombenattentat vorliegt, während ein individuelles Attentat mit einer Wafie begangen worden wäre. Dass ein Israelit das Attentat begangen haben soll, wie gestern eine offiziöse Depesche glauben machen sollte, wird für ganz unwahrscheinlich erklärt, weil das terroristische Komitee trotz wiederholter Angebote bisher niemals Juden zur Ausführung eines Attentates bestimmen wollte, um eben zu verhindern, dass die Juden im allgemeinen dafür verantwortlich gemacht würden. Dass Plehwe einem Attentat zum Opfer fallen würde, war in letzter Zeit voraus- Zusehen, weil die russischen Revolutionäre besonders erbittert waren durch die übertriebene Strenge und Grausamkeit, weleher die politischen Gefangenen in der letzten Zeit in den Gefängnissen ausgesetzt waren. Man glaubt auch, dass der Tod Plchwes in den grossen Städten Russlands von spontanen Kundgebungen begleitet sein wird. In den Revolutionskreisen nimmt man an. dass ein liberales Regiment unter Witte wahrschcinlichcr ist, als eine Fortsetzung der reaktionären Politik unter Pobjcdonoszcw. Die revolutionären und nihilistischen Parteien würden aber Witte auch mir dann nicht bekämpfen, wenn er sich sofort zur Einleitung einer konstitutionellen Aera anbieten würde. New-York, 28. Juli. Zu Tausenden umlagerten Polen. Finnen und russische Juden die von den Zcitimgcncn ausgcbängten Depeschen, welche die Nachricht von der Ermordung Plchwes brachten, die sic mit wildem Frcudcngcschrci begrössten. Dann begaben sich die. welche die Nachricht erfahren hatten, nach Hause, um sic weiter zu verbreiten, die Sonntagskleider anzu/ielien. mit ihren Familien einen Feiertag zu veranstalten und Vorbereitungen zu festlichen Umzügen und Freudenfesten unter Verwendung von Feuerwerk zu treffen. Die polnischen und die jüdischen Gesellschaften sandten ihren Mitgliedern Aufforderungen, sich ,zu Dankgottesdiensten für die Ermordung des russischen Ministers, verurteilen icdoch die Elemente unter den Juden verhehlen nicht ihre Billigung der Ermordung Plehwcs einzufinden. Selbst die konservativen Veranstaltung von' besonderen Feiern. Die Agitation des jüdischen Arbeiterverbandes für Polen, Litauen und Russland. Au der Hand offizieller Parteiberichtc veröffentlichen polnische Journale Einzelheiten über die Tätigkeit und Organisation des allgemeinen jüdischen Arbeitenderbandes in Litauen, Polen und Russland, Dieser Verband, kurz ״der Bund״, wurde im Jahre 1897 als selbständige jüdische Arbeiterorganisation gegründet und entwickelt in Litauen, Kongresspolen und Russland eine überaus rege Tätigkeit. Während der letzten zwei Jahre veranstaltete der ״Bund” viele Strassendemonstrationen wie auch Kundgebungen in Synagogen und Theatern, an denen 71 500 Arbeiter tcilnahmcn. Ueberdics organisierte der ״Bund” sechs politische Streiks und 260 Ver- Sammlungen. An 127 vom ״Bund” organisierten Wirtschaftliehen Ausständcn haben 8632 Arbeiter teilgenommen. Von diesen endeten 80 mit einem vollständigen Sieg der Arbeiter, 12 mit der Niederlage. In den übrigen Fällen wurde bloss ein Teil der Forderungen erfüllt. Der ״Bund” verfügt über mehrere Gcheimdruckercien in Russland und eine in Genf. Ausser zehn Nummern des Parteiorgans ״Arbeiterstimmc", die in 21 000 Exemplaren verbreitet wurden, erschienen in den letzten zwei Jahren viele Proklamationen des Zentralkomitees und eine grosse Zahl lokaler Agitationsschriften. Das ausländisclie Komitee des Bundes hat ein Organ ״Jüdischer Arbeiter” und viele Broschüren herausgegebon. Im Juni 190-1 erschien die erste Nummer des Parteiorgans in polnischer Sprache ״Glos Bundu". Der ״Bund” zählt nach minimaler Schütdung zirka 30 000 Mitglieder. Von diesen wurden anlässlich verschicdcncr Strassendemonstrationen, die in den zwei Berichtsjahren veranstaltet wurden, 2180 Arbeiter verhaftet. In der letzten Zeit fand der ״Bund" auch im russischen Heere viele Anhänger. Der ״Bund” hat auch im Heere seine Organisation und veröffentlicht Manifeste an die Rekruten. Wer die skrupellose Praxis der Ucbertreibung und der Erfindüng beim ״Bund” ans Erfahrung kennt, weiss, welcher Prozentsalz der ״offiziellen" Angaben abzuziehen ist, bis die wahren Fakten übrig bleiben. -!'״!gende wirklich erlebte Anekdote mag illustrieren. Bundist: ״Sie glauben die Sache nicht? Sie hat doch aber Im Bund gestanden!" Zionist: ״Das beweist noch nicht viel. Wer hat es denn geschrieben?■’ Bundist: ״No, ich selber!” Die revolutionäre Gesinnung unter den Juden Russlands greift tatsächlich stark um sich. Aber nicht der ״Jüdische Arbeiterbund” ist es mehr, um den die Unzufriedenen sich scharen. Seine zweideutige, scheinheilige Stellung dem jüdisch-nationalen Prinzip gegenüber bat nach rechts und links viel Misstrauen erweckt, und in seine eigenen Reihen unheilbare Spaltung getragen. Königsberg. I. Pr. Ein neuer charakteristischer Beitrag zur russischen Judenpolitik wird uns soeben geschrieben. In Petersburg erschienen bis vor kurzem vier Zeitungen in hebräischer Schrift, zwei davon in hebräischer Sprache, zwei in jüdischem Idiom. Seit dem 1. v. M. alten Stils (M. v. Mts.) sind alle diese vier Zeitungen gezwungen worden, ihr Erscheinen einzustellen. Die Ursache liegt darin, dass die russische Regierung die jüdischen Schriftsetzer als Künstler (!) erklärt hat, die nach dem Ansiedelungsgesetz sich nicht im limerti Russlands, sondern nur in den Grenzrayons auflialten dürfen. Sämtliche jüdischen Schriftsetzer haben infolgedessen die Hauptstadt verlassen müssen, und da andere Setzer mit den hebräischen Lettern nicht umgehen können, haben die Zeitungen wohl für alle Zeit zu erscheinen aufhören müssen. (Königsberger Hartungsche Zeitung.) Eine neue Form der Datierung für Schnorrer und Verschwerer haben die allerhöchsten Behörden der Universität unserer Reichshauptstadt cingeführt. Der Student der Mcdizin Silbcrfarb ist bekanntlich von der Berliner Universität exmatrikulirt worden. Auf der ihm erteilten Exmatrikcl ist bescheinigt worden, dass er vom 31. Oktober 1902 ״bis zu seiner auf Verfügung des Polizeipräsidenten vom 16. März 190-1 erfolgten Ausweisung aus Preussen" Studierender der Medizin an der Berliner Universität gewesen ist. Im Aufträge des Herrn Silbcrfarb hat sich dann ein hiesiger Rechtsanwalt an den Rektor und Senat der Universität gewandt mit dem Ersuchen, die Ausweisung aus der Exmatrikel zu streichen und lediglich zu bescheinigen, bis zu *weichem Tage Silberfärb Studierender gewesen sei. Der Rektor und Senat der Universität haben aber einstimmig beschlossen, den Antra? auf Streichung des Vermerks über die Ausweisung abzulchnen. unter der merkwürdigen Begründung, die Behörden seien angewiesen, jeder Exmatrikcl den Zeitpunkt des Abganges hinzuzufiigen. — Silbcrfarb ist Zionist. ־ Die Ostafrlka-Fragc. Im englischen Unterhause sprach am Montag der Abgeordnete Cathcart Wason gegen das Projekt einer zionistischen Niederlassung in Ostafrika. Er fürchte, dass die Durchführung dieses Planes Unruhen hervorrufeu werde und tadelte das auswärtige Amt, weil es versäumt habe, dem Hause über diesen Punkt nähere Aufklärung zu geben. Die Bevölkerung des Landes, behauptete der Redner, sei im höchsten Grade erregt über den Gedanken, dass das Land an russische Juden ausgeliefert werden solle. Die Folge werde

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