Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1i,r׳*f**• '■«ו */*'׳''' י"*"־ ' *<|t * .\*r±*t?* ■.. . ■III ^1« Seite 340. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 31. <•*־־ wahrscheinlich ein Aufstand der Eingeborenen sein. Keine englische sich selbst regierende Kolonie würde jemals die Errichtung einer Niederlassung von Leuten dulden, die weder die englische Sprache noch die der Eingeborenen verständen. Major Evans-Gordon erklärte, dass vorläufig diese ganze Niederlassungsfrage noch sehr .schattenhaft sei Der Baseler Zionistenkongress habe anerkannt, dass das Erbieten der engfischen Regierung ausserordentlich grossmütig sei, aber ein Teil des Kongresses sei der• Ansicht gewesen, eine Ansiedlung in Ostafrika werde von dem wahren Ziele der Zionisten, der Niederlassung in Palästina, ablenkea. Trotzdem sei man übereingekommen, an Qrt und Stelle zu untersuchen, inwieweit die Idee einer Ansiedlung durchführbar sei, die Schwierigkeiten seien jedoch so grosse, dass es als fraglich bezeichnet werden müsse, ob auch nur eine einzige jüdische Familie wirklich die AnsiedSung versuchen werde. In dieser Frage eine Bedrohung des englischen Weltreichs zu erblicken, sei einfach lächerlich. Ea׳l Percy, der Unterstaatssekretär des auswärtigen Amts, erklärte, die Annahme, dass England Staatsgebiet an die jüdisehe Nation abtreten wolle, sei vollständig irrig, es habe sich immer nur um die Frage einer Landverpachtung gehandelt. Der Antrag Wason's, sich über diese Frage als Zeichen der Missbilligung zu vertagen — wurde natürlich abgelehnt. Kieme Chronik. ■״ Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund eröffnet mit dem Wintersemester 1913-105־ w ieder Vorbereitungskursc für solche akademisch gebildete Herren und Damen, dje sich dem Unterricht in der j ü d i s c h c n R e 1 i g i o n an hohem Schulen widmen wollen. Diese Kurse sind unentgeltlich. Anfragen und Meldungen zu richten: an das Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W., Steglitzer Strasse Nr. 85. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hat seinen Gcsamtvorstand auf dem Wege der Kooptation ergänzt. Hierzu schreibt die ״StaatsbOrgcrzcitung” mit vergnügtem Schmunzeln: «Mitfreudiger Ueberraschung fanden wir unter den neuen Vorstandsmitgliedern der Judenschutztruppe auch den Reichstagsabgeordneten Lenzmann, der seinerzeit den Ausspruch tat: ״Ein bischen Antisemit ist jeder, ich mag die Juden auch nicht leiden, aber Ihr seid mir zu reaktionär.” Sollte das Blatt ausnahmsweise einmal die Wahrheit sagen, so wäre das in der Tat ein interessanter Beitrag zu der bekannten Echtheit der Judenfreundschaft des deutschen Freisinns. Manchen. (Statistischer l.ehrkursüs.) Auf Veranlassung des Vereins für die Statistik der Juden wurde von Herrn Doktor Singer, Sekretär am städtischen Amte, für die Mitglieder des Vereines ein Lehrkurs, ״Einführung in die Arbeitsmethoden der Statistik“, abgehalten, der etwa von zwanzig bis dreissig Teilnehmern, meist Studenten, Aerzten, Nationalökonomen etc״ besucht wurde. ' Prag. Die'hiesige polytechnische Hochschule hat durch den frühen Tod des berühmten Mathematikers Professor Dr. Wilheim Weis einen grossen Verlust erlitten. Wciss w׳ar selbstbewusster Jude, und hat u. a. dem Prager ״Verein Jüdischer Studenten” viel Interesse und Förderung angedeihen lassen. Russland. Die abgebrannten Juden in Wiikomir, Dombrovitza und Korostyschew sind von der Alliance israclite Univcrseile mit 3000 Franken unterstützt worden. Ramintat Für arme jüdische Eltern in Rumänien hat die Alliance Israölite die Summe von 10CO Franken neuerdings bestimmt zur Bestreitung derjenigen Schulauflagen. deren Zahlung den Kindern das Recht zum Schuloesuch gibt. Ohne Schulbesuch gib( cs keine Zeugnisse und nur der Knabe, der Schulzeugnisse besitzt, darf von einem Handwerksmeister als Lehrling angenommen w’erden. Tanger, 19. JuU. Infolge des Angriffes, den Eingeborene gegen das Haus ders Engländers Levlson machten, sandte heute der Vertreter des Sultans, Muhammed-el-Torres, eine starke Truppenabteilung zur Bewachung des Hauses ab. Hfifsvereln für die notleidende jüdische Bevölkerung ln Galizien. .. Jüdische Glaubensgenossen! Eine halbe Million verhungernder galizischer Juden ruft um Hilfe, um Arbeit, um Verdienst! . Das Elend, in dem die Mehrzahl unserer Glaubensgenossen in Galizien dahinsiecht, spottet jeder Beschreibung. Wenn schon In früheren Jahren ein grosser Teil der dortigen Juden — zumeist aus Mangel an ständiger Beschäftigung — •mit seinem Erw׳erb auf den Zufall angewiesen war und s׳cl1 infolgedessen in arger Lage befand, hat in den letzten Jahren die bitterste Not auch jene Schichten ergriffen, die bis dahin im Kleinhandel und Kleingewerbe ihr häufig nur kümmerliches Auskommen gefunden hatten. Offen und geheim wird darauf hingearbeitet, den Juden die Existenzbedingungen zu unterbinden: Massnahmen der Gesetzgebung und der Verwaltung tun noch das Uebrige. Unter mächtigem Schutze und mit Unterstützung der Landesbehörden breiten sich über das ganze Land Konsum- und Handelsvereine aus, denen die jüdischen Krämer unterliegen; der Saizverkauf. der fniher Hunderte ernährte, ist monopolisiert, die Propinationspachtungen sind er- Schwert und verteuert; im Wettbewerb um Verkaufslizenzen, um öffentliche Arbeiten, um Dienststellungen werden die Juden hintangesetzt; die zahlreichen jüdischen Handwerker erhalten von Nichtjuden nur selten Beschäftigung, abgesehen davon, dass sie, sowie auch die jüdischen Kleinhändler, die ohnedies den Samstag auf das strengste feiern, durch die Sonntagsruhe auch noch einen zweiten Tag in der Woche für ihre Arbeit verlieren — %kurz, die Juden werden unbarmherzig, geradezu systematisch ausgehungert. Tausende Existenzen wurden so vernichtet, tausende von Familien an den Bettelstab gebracht. Vom Hunger getrieben, wandern d׳e Btjammernswerten, Erwerb suchend, in Scharen aus den Gärfern in die Städte, aber nur mit dem Erfolge, dass sie ׳las Eiend der dort ansäsfigen Juden vergrössern und sc! :sslich nul diesen zusammen in Not und Krankheit verkommen. Eine derartige, zum Teil zielbewusst herbeigefiihrte Verelendung so grosser Menschenmassen kam: in ihren schreckliehen Folgen nicht auf Galizien allein beschränkt werden. Die Gefahr, die es mit sich brächte, wenn sielt diese ver• hungernden Menschen in Bewegung setzten, um in den Nachbarländern die Rettung zu suchen, die sic daheim nicht finden — diese Geiahr braucht nur andeutet zu werden, um als eine furchtbare erkannt zu werden. Aber schon jetzt oder gar bald müssen es Industrie, Handel und Verkehr des ganzen Reiches am eigenen Leibe verspüren, dass eine ׳halbe Million Menschen ihre Bedürfnisse an den Erzeugnissen der Land- Wirtschaft und der Industrie nicht ausreichend zu befrieden vermag. Um dieser unerhörten Not Schranken zu setzen, hat sich bereits im Jahre 1901 der Hüfsverein für die notleidende iüdische Bevölkerung la Galizien mit dem Sitze in Wien gebildet. Ihm gilt es, allen jenen, die durch ehrliche Arbeit ihr Leben zu fristen fähig sind. Gelegenheit zur Arbeit zu ver- «:haften. Er will allen, die arbeiten wollen — und die galizischen Juden, welche auch die anstrengendsten Handwerke betreiben und die schwersten Berufe als Lastträger, als Erd- Wachsarbeiter etc. ausflben. scheuen wahrlich keine Arbeit — durch Erhaltung und Weitercntwickelung der vorhandenen Handwerke und der Ansätze zu solchen Hausindustrien, die dort von Juden betrieben werden, oder durch Einführung neuer Industrien Erwerb vermitteln; er will insbesondere das heranwachsende Geschlecht, die Jugend, detr Handwerke und womöglich dem Ackerbau zuführen. So soll den Juden in ihrem Elend beigesprungen, ihr wirtschaftliches und damit zugleich ihr sittliches und geistiges Niveau gehoben und ihnen eine glücklichere Zukunft eröffnet werden. Schon hat der Hilfsverein seine Absichten zu verwirklichen begonnen. Er bat die Haarnetzindustrie in Galizien cingeführt. in der in fast 100 Ortschaften mehrere Tausend jüdische Frauen und Mädchen als Heimarbeiterinnen einen verhältnismässig lohnenden Erwerb finden; andere Exportindustrien. die einer weiten Ausdehnung fähig sind, wurden bereits eingerichtet oder sind zur Einführung ins Auge gefasst; : gerade jetn wird mit der Unterbringung von Absolventen der Baron Hi,schschulen in Galizien bei Handwerksmeistern an gefangen und eine schriftliche EnquGc über die Frage der Zuführung galizischer Juden zur Landwirtschaft ist im Zuge. Aber die Mittel des Hilisverems sind viel zu Klein, als dass damit in absehbarer Zeit ein fühlbarer Erfolg erzielt werden könnte. Wohl hat er derzeit 6 Wiener und 36 Provinzial- Ortsgruppen mit rund 35(30 Mitgliedern: allein, an seinen grossen Aufgaben gemessen, ist die Zahl seiner Mit-iieder und sind seine Einnahmen viel zu gering. Eine halbe Million verhungernder und verkommender Juden ruft um Arbeit, um Verdienst: darf es da einem Vereine, der sich die Aufgabe gestellt hat diesen beiammerrswerten Menschen Brot zu verschaffen, an Mitteln fehlen? Jede iüdische K״ltus״emeinde, jeder jüdische Verein, dessen Satzungen es zulassesn. jeder Jude. Inländer oder Ausländer. Mann oder Frau liincline oder Mädchen, muss es als Pflicht erachten, dem Hilfsverein als Mitglied anzugehören: jeder Jude, dem Tatkraft innewohnt, muss sich gedrängt fühlen, falls in seinem Wohnorte eine Orts- ■ייי fr