Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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^®*öiarrite י z^^’zcr^^^r;r: No. 31. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 337. 1. Dem Komitee für das Nationalgesclienk wird der Dank'der Zionistischen Vereinigung für Deutschland für sein schnelles Eingreifen ausgesprochen. 2. Es soll ein Aufruf, der von den Mitgliedern des Z.-K. unterschrieben ist, in der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht werden und an sämtliche Ortsgruppen und Vertrauensmänner versandt werden, ln dem Aufruf soll aufgefordert werden, überall Sammlungen für diesen Zweck zu veranstalten. Der Aufruf wird in dieser Nummer der Rundschau abgedruckt und jeder Ortsgruppe uncntgcltlieh in beliebiger Höhe zur Verfügung gestellt werden; Bestellungen sind möglichst schon jetzt an das Zentralhiiro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin W., Friedrichstr. 58, zu richten. Tilsit. Sonntag, den 24. Juni veranstaltete die ,.Tilsiter zionistische Vereinigung” im schwarz dekorierten Saale des Hotel Kaiserhof eine Trauerfeier für Theodor H c r z I, die von über 100 Personen besucht war. Herr Kantor Schidorowsky sang einleitend Psalm 49, worauf Herr D r. Hoppe in einer formvollendeten Gedenkrede des Verstorbenen Bedeutung als Schriftsteller, Mensch und Führer unseres Volkes würdigte. Mit dem Vorträge des El male rachamim schloss die würdige Feier, der auch Rabbiner Dr. Ehrlich beiwohnte. Memel. In der alten Synagoge fand am H. Juli abends eine G c d ä c h t n i s f c i c r für unsern verewigten Führer statt, welche von deutschen und russischen Juden sehr zahlreich besucht war. Nach Abhaltung der Liturgie gedachte Herr Kaufmann Strunin in cinstiindiger Rede der Taten des grossen Verewigten und verstand cs mit seinen zu Herzen dringenden Worten, die ergriffen lauschende Zuhörerschaft tief zu bewegen. Ein Gebet beschloss die würdige Feier. Kolbcrg. Letzten Sonntag fand hier, dank den Bemühungen mehrerer Gesinnungsgenossen eine Zionisten-Vcrsammlunc statt, zu der Damen und Herren zahlreich erschienen waren. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, von einer öiientliehen Herzl-Gcdcnkfeier Abstand zu nehmen — aus besonderen Gründen — dagegen ein geselliges Beisammensein zu veranstalten. Dieses fand denn auch am Mittwoch statt. Der kleine Moses’schc Saal war dichtgefüllt, viele hatten keinen Zutritt gefunden. Nach den Begrüssungswortcn des Herrn Arnoldi-Stcttin hielt Herr Auerbach-Posen ein formvollendetes Referat über Herzl. Tosender Beifall lohnte den Redner. Darauf wurde noch das von Jracl Auerbach verfasste Gedicht: ,.’dem toten Fürsten” stimmungsvoll vorgetragen, und cs begannen der 2. Teil des Abends, die Geselligkeit Verschiedene Vortrüge, auch gesangliche, folgten, eine Sammlung ergab einen ansehnlichen Betrag zur Hcrzlstiftung, und das gemeinschaftliche Absingen der Nationalhymne schloss die schön verlaufene Versammlung. Lübeck. Am 13. Juli versammelte sich die hiesige Ortsgruppe zu einer Trauerfeier für Theodor Herzl, welche in ihrer Schlichtheit einen tiefen Eindruck bei allen Teilnehmern hinterlicss. Unser verehrter Herr Dr. Adler entwarf in ergreifenden Worten ein Lebensbild des uns allzufrüh entrissenen, geliebten Führers. Breslau. Die hiesige zionistische Vereinigung veranstaltete Sonntag Nachmittag mit Genehmigung des Synagogcn-Vor- Standes im Storch-Tempel auf der Antonienstrasc eine Trauerf c i e r für T h c o d o r H c r z I. an der auch eine grosse Zahl Niehtzionisten teilnahm. Das Empore, auf welchem die Feier vor sich ging, war mit einem prächtigen. Blattpflanzcn-Arnngement umgeben, das von der Chcbra kadischah freuiullichst zur Verfügung gestellt war. Nach dem vom Oberkantor Cer i n I rezitierten Totcugcbet und einem Chorgesaug .hielt Rahbiner Dr. K u r r e i n - Teplitz eine ergreifende Gedenkrede. In der er den so früh Verstorbenen als Menschen und Führer des jüdischen Volkes charakterisierte und die andächtige Traucrgcmcinde durch die phantasiereichen Worte bis ins Innerste erschütterte. Oberkantor Cerini trug dann das ״El male rachamim" vor, Dr. K u r r e i n sprach ein Gebet, ..Michtam!,David" und den Kaddisch. Chorgesaug .,Es gleicht das Menschenleben” schloss die würdige Feier. Der Tempel war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Dessau. Am Sonntag, den 31. Juli fand eine Trauerfeier für Theodor Herzl statt, bei der Herr D r. Israel Auerbach - Berlin die Gedenkrede hielt. Rom. Felice Ravenna, Ferrara, teilt folgende Beschlüsse der ״Fcderazione Sionistica Italiana" mit: 1. Die Federation wird ein Jahr lang die Trauer anlcgcn. 2. Die Federation wird durch ihren Präsidenten den Vorschlag machen, dem seligen Theodor Herzl ein Denkmal In Palästina zu errichten. 3. Die Federation wird einen ehernen Kranz auf sein Grab legen. (Israelit.) Vaslul. Trauergottesdienst abgehalten. Subskription veranstaltet zur Errichtung eines Denkmals in Rischon l'Zion. (Israelit) Frankfurt a. M. In der im Juni abgehaltenen, gut besuchten Mitgliederversammlung wurde nach einem Referat von Herrn FritzSondhcimer über ״das nationale Moment im Zionismus" folgende Resolution mit allen gegen eine Stimme angenomtiicn: Die versammelten Mitglieder der Frankfurter Zionistischen Vereinigung erkennen das nationale Moment als die Grundlage des Zionismus an und wünschen, dass in den Propagandavcrsammlungen die nationale Seite des Zionismus nachdrücklich betont wird. Kopenhagen. Unser Gesinnungsgenosse D r. Karl T h i cb e r g e r, bisher Rabbiner in Komota u, ist zum Rabbiner in Kopenhagen gewählt worden. Mauschel obenauf. Mauschcl erwacht. Er hat es schnell gewittert, dass sein grösster Feind tot ist, vor dem er sich ängstlich zum Winterschlaf verkrochen hatte. Jetzt kriecht er aus und schleudert heldenmütig seinen Unrat nach dem stillen, wehrlosen Schläfer. Nicht einmal die erste Grablegung Hessen sie ruhig vorüber gehen und nun stören sie mit ihren Unkenschrcien unsere Totenklagcu. ״Mauschcl, nimm dich in acht!” war der Warnruf unseres toten Herzl, und wir, seine Kämpfer, wiederholen ihn. Für heute hängen wir Mauschel aus schwarze Brett, damit seine Taten nicht verloren gehen: München. Noch sind die Trauerklagen über unseren verblichencn Führer nicht verstummt, da schon hat der getreue Chronist die wenig angnehtne Pflicht, eine Tat an den Pranger zu stellen, die geeignet ist, nicht nur in zionistischen, sondern in allen jüdischen Kreisen heftigen Unwillen zu erregen. Auch die zionistische Ortsgruppe München beabsichtigte in einem Gotteshausc das Trauergebet für Theodor Herzl sprechen zu lassen. Während aber beim Tode Herzls selbst langjährige politische Gegner, wie Dr. Hirsch Hildesheimer oder gar Rabbiner Dr. Saniuct in Essen, ihre wärmste Teilnahme bezeigten, während die grössten jüdischen Gemeinden, wie London. Wien etc. mit ihren offiziellen Rabbinaten cs als ein nobile officium ansahen, ihr Beileid öffentlich kundzutun, während an der Wiener jüdischen Gemeinde Herr Rabbiner Dr. Feuchtwager, in Berlin Herr Rabbiner Dr. Eschclbacher die offiziellen Trauerreden hielten, glaubt der sattsam bekannte Münchener ״Protest-Rabbiner", genannt Dr. Werner, es seinem mosaisch-bairischen Patriotismus schuldig zu sein, jeden Tribut der Ehrung dem Herzischen Genius zu versagen, indem er cs kurzweg ablehnte, bei einer Trauerfeicr fiir Herzl zu fungieren. Als aber dann die zion. Gruppe beabsichtigte, im Betsaale des Vereins ״Linath Hazedek" das Trauergebet für unseren teuren Toten sprechen zu lassen, hat besagter Herr Dr. Werner es mit der Würde eines Rabbi für vereinbar gehalten, auch diesen Versuch einer Ehrung des Andenkens Herzls durch allerlei Ausflüchte zu hintertreiben. Diese ebenso intolerante, wie unjiidischc Handlungsweise richtet sich zu sehr selbst, als dass sie eines weiteren Kommentars bedurfte. In Hannover, der Stadt, wo gewisse Juden einen ' antiwölfischen Hurrahpatriotismus anscheinend am nötigsten haben, hat die Ankündigung unserer Trauerfeier, die in den lokalen Blättern erschien, einen Alarm der Entrüstung hervorgerufen. Schon der tiefinnige Nachruf, den Herr Rabbiner Dr. Gronemann in der Synagoge unserem Herzl in der Sabbatpredigt gehalten, hatte gehörigen Unmut bei den ״Grossen” entfesselt. Und nunmehr entblödete mau sich nicht, schriftlich ergangene Einladungen einfach zurückzusenden, manche mit Blaustift wütend durchkreuzt, einige sogar mit den gröbsten Randglosscn verziert. An eine Inanspruchnahme der Synagoge