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Jüdische Rundschau · 1904-08-05 · Heft 31 (5.8.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 31 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 31. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 333. Fahne weithin sichtbar dem jüdischen Volke voranzu* tragen und die Zionistische Bewegung ins unpersönliche zu erheben. Wenn die an die Spitze der Bewegung zu stellende Körperschaft nach der Fähigkeit ihrer Mitglieder ihre Kraft für unsere Sache einsetzt, so wird sie sich auch in kurzem die Autorität und das Vertrauen der Gesinnungsgenossen erwerben, das zur Leitung der Zionistischen Bewegung erforderlich ist. h. Zionismus und Staatsbürgertum. (Schluss.) Häufiger, ja sogar zahlreich finden wir Juden in der zweiten Schicht, im Mittelstände. Sie können ganz gewiss treue Anhänger des Zionismus und zugleich dabei gute Patrioten in ihrem Sinne sein. Kein Zionist leugnet die Macht und den Einfluss, den Erziehung und Ausbildung auf den Menschen üben. Die Sprache, die unsere Muttersprache ist, muss uns ewig teuer bleiben; die Schätze der Litteratur, die wir in dieser Sprache kennen gelernt haben, sind uns festester und sicherster Besitz geworden, den wir nie wieder aufgeben wollen. Die Kunst, wie sie im Lande unseres Aufenthalts gepflegt wird, muss uns am meisten anzichen und fesseln, weil wir in diesem Lande das Leben am besten kennen, und die Kunst ja nur ein Abglanz des Lebens ist. Gegen alle diese Wahrheiten verschliesst sich kein Zionist, und dem Zionismus liegt cs vollkommen fern, das Judentum mit einer chinesischen Mauer zu umgeben. Im Gegenteil, wir Zionisten, die wir an der Wiedergebürt des jüdischen Volkes arbeiten, haben nur das eifrigste und redlichste Interesse an dem Fortschritt der Kultur in allen Ländern und an der regsten Teilnähme jedes einzelnen von uns an den Fortschritten der Kultur in seinem Lande. Wir wollen von allen Staaten und von allen Nationen lernen, um stets auf der Höhe menschlichen Wissens zu stehen, an der Spitze menschlicher Kultur zu marschieren. Wenn deshalb die Juden in ihren Wohnländern sich patriotisch betätigen, indem sic sich an Kulturarbeiten aller Art beteiligen, so nützen sie damit zugleich auch der jüdisehen, der zionistischen Sache. Patriotismus in diesem Sinne und Zionismus schliesscn sich nicht aus, sondern gehen in einander auf. Die Judendichtung Otto Ludwigs. §2• Die historischen Voraussetzungen der ״Makkabäer“. Die Historie der Makkabäer geht zurück auf Berichte in zwei apokryphischen Schriften des Alten Testaments genannt das erste und zweite ״Buch der Makkabäer". Zu* gründe liegen Ereignisse, die sich um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts abspielten und einen Zusammen* stoss griechischer und jüdischer Kultur darstellen. Bis auf Antiochus IV. von Syrien hatten die Nach* folger Alexanders des Grossen an der Praxis der Toleranz festgehalten, die es dem macedonischen Eroberer so leicht gemacht hatte, den mehr oder weniger barbarischen Völkern Kleinasiens griechische Sprache und griechische Sitten zu vermitteln. Diese griechische Kultur hatte freilich durch die Vermischung mit soviel rohen und heterogenen Eie* ן menten ein etwas zweifelhaftes Gepräge angenommen. Immerhin hatte sie auch in ihren späteren Daseinsformen, die durchaus die Farbe bachantischer Lebensbejahung trugen, nach aussen hin noch soviel Bestechendes, dass sie Und nun noch von der Mengerschen Entwickelung zum Patriotismus der ärmeren Volksschichten. Die Grenzen aller drei Mengerschen Klassen sind selbstverständlich nicht ganz streng nach dem Leben gezogen. Auch in den Klassen, denen die kulturelle Hebung am Herzen liegt, besteht der Wirtschaft liehe Kampf um das Dasein; und umgekehrt ist nicht überall die wirtschaftliche Not so bitter, dass sie alle geistigen und sittlichen Interessen unterdrückt hat. Nur die überwiegende Tendenz soll der Massstab für die Dreitcilung der Klassen sein. Dies vorausgeschickt^• werden wir die Juden trotz aller gegenteiligen Behauptungen von antisemitischer Seite zum allergrössten Teile in die Klasse der ärmeren, schwer im Daseinskämpfe ringenden Masse weisen müssen. In allen Ländern sind die Juden von den Stellen, die eine wirtschaftlich gesicherte Position mit sich bringen, gesetzlich oder tatsächlich ausgeschlossen. Ueberall stehen sie auf dem Markte des Lebens an den gefahrvollsten Ecken und haben im wirtschaftlichen Kampfe ihre schwer bedrohte Existenz zu schützen, vielfach noch unter einer Gesetzgebung, die, sei cs aus Tendenz, sei cs nur in der Wirkung, ihnen den Kampf überaus erschwert. Da treiben sie auch den Patriotismus, den Menger für diese Schicht empfiehlt: sic arbeiten an der Besserstellung ihrer wirtschaftlichen Lage. Man wende nicht etwa ein, dass das Egoismus und nicht Patriotismus sei. Die Be־, trebungen betreffen ja nie die Lage eines Einzelnen, sondern stets den Stand, die Klasse, der der Einzelne argehört, und die, nach der Meinung dieses Einzelnen wenigstens, ein wesentlicher Bestandteil des Staatsganzen ist. Deshalb sind die Bestrebungen, die auf Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in gewissen Berufskreisen, in gew־erblicl1en. industriellen. Handelskreisen hinzielen, patriotische Bestrebungen. Die Juden haben natürlich alles Interesse an diesen Patrebungen teil zu nebmen. Sie umspannt das wirtschaftliche Netz ihres Wohnlandes ebenso wie alle anderen und an iedem Faden dieses Netzes häncren ihre Interessen ebenso wie die ihrer Mitbürger. Preissteigerung und Preissturz, Finfuhrzoll und Ausfnhrnrämien. Frachttarif und Lohnskaja berühren den Juden in trlei^her Weise wie den NichtUiden. Und den Zionisten? Man braucht die Frage nur zu stellen, um sie ans ledern Munde beloben zu hören. Die Stellung des Zionisten zu den mcnscheinem Völkchen, das bisher in strengster Abgeschiedenheit mehr den ernsten Forderungen des Himmels als den Genüssen der Erde gelebt batte, sein innerstes Gefühl wohl verwirren konnte. So bildete sich im Schosse des Hebräertums eine hellenistische Partei, d׳e ihr eifrigstes Bestreben darein setzte, sich möglichst rein ihres nationalen Wesens zu entäussern, und es in Gesinnung und Gesittung dem syrisch-hellenischen Auslande gleichzutun. Das bedeutete Zerstörung der jüdischen Weltanschauung aus ihrem Kerne heraus. Anbetung des Fleisches gegen Anbetung des Geistes, Wollust gegen Heiligkeit, philosophischer Skeptizismus gegen kindlich religiöse Gläubigkeit — nie rückten sich zwei urfeindliche Geistestypen so beengend nahe auf den Leib. Das führte zum Zwiespalt, zum politischen aus dem psychologischen heraus. Die neue Strömung fühlte die Macht hinter sich und rief sie zuhlife, um sich durchzusetzen. Aus dem Ringen um die Hegemonie in der Heimat wurde schliesslich ein Einfall von aussen her. Aber hatte sich das judäische Volk eine politische Botmässigkeit bis dahin gefallen lassen — seit dem Sturze seines ersten Reichsbestandes kannte es eine politische Selbstbestimmung

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