Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 30. Seite 325, JÜDISCHE RUNDSCHAU veranstaltete erhebende Trauerfeicr. Dr. Schauer hielt die Trauerrede. Selbst tief ergriffen, verstand es der Redner, seinen Zuhörern ein Bild der erhabenen Grösse Herzls vor Augen zu führen und dem Schmerze aller Zionisten um dessen Heimgang einen rührenden Ausdruck zu Verleihen. Die allen tief zu Herzen gehende Rede klang in ein Gelöbnis der Treue aus. Rabbiner Dr. Salfcld widmete dem grossen dahingcschiedcncn Führer in Israel warme Worte des Nachrufs. Cantor NUssbaum sang ein hebräisches und ein deutsches Traucrlied. Ein Gebet und das Kaddisch beschlossen die würdig verhauene, gut besuchte Feier. Freiburg f. B. Die Trauerfeier für Dr. Herzl wurde gestern vormittag 11 Uhr unter zahlreicher Beteiligung im Bctsale der isr. Gemeinde abgehaltcn. Herr Rabb. Dr. L e w i n , sowie fast der gesamte Vorstand waren anwesend. Der Verein Jiid. Studenten war vollzählig erschienen. Herr Kantor Sommer leitete die Feier ein durch Rezitation des Psalm Michtorn 1' Dovid; daran!' hielt Herr Julius Simon- Mannheim die tiefgefühlte und ergreifend wirkende Trauerrede. Daran schloss sich das El molc rachamin und mit einem Kaddisch endigte die.erhebende Feier. Strassburg I. Eisass. Eine e!.fache, aber niehtsdestoweniger Imposante Trauerfeier veranstalteten die hiesigen Zionisten Sonntag Abend im kleinen Aubettc-Saal zu Ehren ihres verstorbenen Führers T h e o d o r Her z I. D r. Kal eb, ein persönlicher Freund des Verstorbenen, hielt eine Trauerrede. — Dr. Dannenberg aus Mülhausen sprach in bcgeisterten Worten aus, was Herzl dem Zionismus und den Zionisten war. Regensburg. Am Sonntag den 10. er. (27 Tarntiz) hielten wir für unseren grossen Toten eine Trauerfeier ab. Eröffnet wurde dieselbe mit dem Vortrage des Psalms ״Michton 1'David” durch Cantor J. Jddsoim, der eine weihevolle Stimmung hervorrief. Sodann hielt in zu Herzen geltender Weise unser erster Vorstand, Herr R. W einer, die Trauerrede, bei der so manches Auge Trüt.cn vergoss. — Herr Cantor trug null wieder das ergreifende Lied ״Adonai me adam" Vor, worauf D i s t r i k t s - R a b b i n c r, Herr D r. S. Meyer, unserem unsterblichen Führer in formvollendeter Rede einen Nachruf hielt, der um so bemerkenswerter war. als der Redner dem Zionismus zwar sympathisch gegenübersteht, jedoch noch Immer nicht in unseren Reihen kämuft. Mit einem neuerlichen Vorträge des ״El molc rachamim" schloss die erhebende Feier. Der Saal war mit dem Bildnis ״unseres Herzl”, umgeben von Blattpflanzen, geschmückt und machte mit den umflorten brennenden Lichtern einen feierliehen Eindruck. München. Die zionistische Ortsgruppe München vcranstaltete am Sonntag, den 17., vormittags eine Gedächtnisfeier für Theodor Herzl im grossen Saale des ״Russischen Hofes”. Nach dem Vortrage des Zion-Ps:Imcs durch Kantor Schott, ergriff D r. Moses aus M a n!1 h c i m das Wort, um in tiefempfundener und formvollendeter Weise das edle Charakterbild unseres entschlafenen Führers zu zeichnen. Nach dem Vortrage des ״El ־Male Rach am im" schloss die Trauerfeicr niit dem gemeinsamen Gesang der jüdischen Nationalhymne ״H a t i k w a h". Die gesamte Münchener Presse berichtete eingehend über die Gedenkfeier, der aber weder der. Vorstand der Kultusgcrycindc, noch das Rabbinat beizuwohnen für nötig erachtet hatten. Dem Protest-Rabbiner Dr. Werner, war selbst der tote Herzl noch zu gefährlich. An dem Wiener Leichenbegängnisse war unsere Ortsgruppe durch die Herren Dr. H. Haipcrn und Dr. E. Haiperu und Dr. E. Pinczowcr vertreten. Basel. Letzten Sonntag vormittags!1 Uhr versammelte sich auf Einladung des Schweiz. Zionistenverba 11des, sowie der zionistischen Ortsgruppe Basel im obern Kasinosaal eine zahlreiche, ernste Yerchrcrschar Herzls. um den grossen Toten in würdiger Weise 71׳ iciern. Namens des Schweiz. Zionistcnverbandcs begriisste D r. E d m. Wormser die Versammlung, indem er dem schweren Vcrlust, den die zionistische Bewegung erlitten hat. mit bewegten Worten Ausdruck verlieh. Als Held in der Schlacht ist Herzl gestorben. Der Tod Herzls sei ein furchtbarer Schlag für den Zionismus und das ganze jüdische Volk. Zum Schlüsse verlas Dr. Wormser ein teiinahmvoiles Schreibender Basler Regierung, das er als Ausdruck der Anerkennung und Würdigung des Zionismus verdankte. Mit rührender Begcisterung und warm empfundenem Verständnis trug hierauf Herr cand. Iu r. Franz Arnstein ein Gedicht ״Weine, o weine Tochter Zions” von Donath vor, das manchem der Anwesenden die Tränen in die Augen trieb. Herr D r. j u r. Oskar Meyer sprach dann in einer längeren Rede über Herzl als Mensch und als Führer des Zionismus. ״Es übermannt uns hier ln Basel der Schmerz, wenn wir zurückdenken an die letzte Augustwoche ucs Jahres 1S97, da Herzl zum ersten Mal in diesem Saal zu einer auserlesenen, begeisterten Schar gesprochen hat: ״Wir wollen den Grundstein legen zu dem Haus, das dereinst die jüdische Nation beherbergen wird.” Herzls Plan drang mit ungeheurer Gewalt in die diistern Ghettos Ost-Europas, in die schauerlichen Stätten eines geistig und körperlich geknechteten Volkes: Die Ketten lösen sich, der Jude darf frei sein, darf die Erfüllung seiner Sehnsucht durch eigene Kraft herbeiführen! Herzl wurde geliebt von den JUcicit im Osten, wie nie ein Mensch zuvor geliebt worden ist Die hier skizzierte Rede gab der Trauerfeier ihre Bedeutung. Bern. Sämtliche Berner zionistischen Vereine veranstalteten am 7. Juli in der hiesigen Synagoge, die von der Gcmcindc hergegeben war, eine ergreifende Trauerfeicr. Der erste Vorsteher der Gemeinde, sowie Herr Cantor Bloch waren als deren Vertreter erschienen. Ein Trauerzug der zionistischen Studenten begab sich von der jüdischen Lesehalle, ein zweiter der Kadimah von ihrem Vcrcinslokal aus. schwarze Fahnen voran, nach der Synagoge. Herr Kantor Bloch hielt eine Ansprache und trug hebräische Gebete und das ״El mole rachamim" vor. Zum Zeichen der Trauer setzten sich die Versammelten auf der Erde nieder. Kein Auge blieb trocken. Lemberg. Die zionistischen Organisationen Lembergs haben eine 30 t ä g i g e T r a u e r angelegt. In den Synagogen finden Trauerfeiern für den verstorbnen Führer statt. Die zionistischen Hochschiilcr und viele andere Gesinnungsgenossen tragen Florschlcifen. Prag. Die Prager zionistischen Korporationen veranstalten gemeinsam eine grosse allgemein zugängliche Trauericier für D r. Theodor Her z I. Die Feier findet Sonntag Vormittag statt. Näheres wird noch bekannt gegeben werden. In Karlsbad fand die Trauerfeicr Samstag im Tempel statt. Das Gotteshaus war dicht gefüllt. Rabbiner D r. Zieg- I e r hatte für seine gewöhnliche Predigt das Thema ״Duldung und Duldsamkeit” gewählt. Als er am Schlüsse seiner Rede auf Dr. Herzl zu sprechen kam, erhob sicli das ganze Auditorium und hörte den Nachruf stehend au. Dr. Ziegler schloss die wirkungsvolle Rede mit dem Schwur, im Sinne Dr. Herzls weiterzuarbeiten. — In Koraolau fand ebenfalls Samstag in der Synagoge eine Gedenkfeier statt, zu welcher sich zahlreiche Gemeindemitglieder eingefunden hatten. Der Prediger der Gemeinde, Herr Rabbi ncr-Dr. T h i e b c rgor schilderte in warmen Worten das Leben und Wirken des Verblichenen, welcher-in jungen Jahren so jäh aus seinem Schaffen gerissen wurde. D r. Herzl habe'cs verstanden, nicht nur die Jugend für sein Streben zu begeistern, sondern auch bei Herrschern auf dem Throne Verständnis und Interesse zu gewinnen. Teplitz. Gestern wurde auf Veranlassung der hiesigen Zionisten im hiesigen Tempel ein feierlicher Trauergottcsdicnstfßr den verstorbenen Zionistenfiihrer D r. H e r z I abgehaiten. Rabbiner Dr. Kurrein hielt die Gedenkrede. Herr B. Schlesinger sang mit Orgelbegleitung (Keil) Dvoraks ״An den Wassern von Babylon”. Die vielhundertköpfige Menge folgte der ernsten Feier in lautloser Andacht. Brünn. In der Sitzung vom 18. d. Mts. des hiesigen Kultusvorstandes hielt der Präses Dr. H. Fialla einen warmen Nachruf auf Dr. Theodor Herz!, der von der Versammlung stellend aiigehört und im Protokolle verewigt wurde. Zugleich wurde beschlossen, Herrn Dr. Grfmfcld zu ersuchen, am nächsten Sabbat, am 23. d. Mts., mit der Predigt eine Gedächtnisrede auf den Verblichenen zu verbinden. Galatz. Am Begräbnistage fand eine grosse Trauerfeicr im hiesigen Tempel statt. Die Geschäfte waren geschlossen. - Eine zweite imposante Trauerkundgcbung erfolgte am 9. Abh. im Vcrcinslokalc der ״Kadimah", bei der die Herren Sam. Pineies, H. Fleischmann. B. Katz, J. Frisch und L. Goldstein die Gedenkreden hielten. Die Kultusgemcinde in Czernowitz: Die zu einer Trauer- Sitzung versammelte Vertretung der jüdischen Kultusgemcinde in Czernowitz gibt ihrem aufrichtigen Schmerz über das Hinscheiden des Dr. Theodor Herzl Ausdruck. Wir sind uns voll bewusst des schweren Verlustes, der das Judentum betroffen und beklagen mit Ihnen, dass die edelste und glänzendste Persönlichkcit des neuzeitlichen Judentums so frühzeitig von dem Schauplätze ihrer Tätigkeit abberufen wurde. W'ir beklagen mit Urnen, dass der Mann heimging, der die Rcgeueration des jüdischen Volkes so erfolgreich begonnen, der unsere Seele gestärkt und die nie ganz erloschenen Hoffnungen wieder entfacht hat. Möge sein Werk nicht mit ihm untergeben, mögen seine Jünger, nacheifernd den grossen Tugenden des edlen Toten, erfolgreich dort fortsetzen, wo Theodor Herzl gliickvcrheissend begonnen hat. ' Der Präses Doktor Strauche r, r