Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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״—יne■1 yrr: ,;־ Seite 324. 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 30. Eingeleitet war die Trauerfeier durch den stimmungsvollen Vortrag des ״Enosch Kechazir“ durch unseren Oesinnungsgenossen, Herrn Karl G o 1 d s c h m i t z. Hamburg. Dienstag, 19. Juli, abends 8% Uhr fand im Theatersal des Couventgartcns, eine Trauerfeier für Theodor Herzl statt. Die Feier, an der auch viele Nicht- Zionisten teilnahmen, nahm einen würdigen Verlauf. Ein Quartett des Synagogenchors der Bcncckestrassengcmcindc utrd der Oberkantor der grossen jüdischen Gemeinde, Herr Süsskind hätten den gesanglichen Teil, Herr Beit die Begleitung übernommen. Bremen. Unsere Ortsgruppe veranstaltete heute Abend eine Gedächtnisfeier für unseren grossen verewigten Führer Dr. Herzl. In unserem schwarz dekorierten Vercinssaal stellten sich eine grosse Anzahl Mitglieder und Nichtmitgliedcr ein. Die Feier war eine erhebende und eindrucksvolle. Unser stellvertretender Vorsitzender, Herr J. F i s c h b c i n j r.. eröffnete die Trauerfeier. Herr Cantor Mehrgut saug einen Psalm. Herr E. Schragenheim hielt einen Prolog. Dann nahm Herr Rabbiner Dr. Roscnak das Wort. In einer zu Heizen gehenden Rede schilderte er unseren grossen verewigten Führer Dr. Herzl als Juden. , ״Wie der Tempel in Jerusalem, so war auch Dr. Herzl der Anziehungs- Punkt für viele Hunderte und. Tausende des Judentums. Wer vorurteilsfrei denkt und ehrlich ist in seinem Urteil, der muss, ob er Anhänger der zionistischen Idee ist oder nicht, vor dem Bilde Theodor Herzls mit Bewunderung und Hochachtung, ja mit Verehrung stehen. Denn eines ist, trotz aller Bedenken, die man gegen den Zionismus, sei es vom Standpunkt der Religion oder der Politik, haben mag, doch nicht weg zu disputieren: Dr. Herzl hat cs verstanden, die ganze zivilisierte Welt für die Not und das Elend seiner Glaubcnsbriider zu intercssicren. Mit aller Entschiedenheit müsse sich jeder sittlichdcnkendc Mensch gegen den von mancher Seite erhobenen Vorwurf wenden, Herzl habe zum Teil aus egoistischen Gründen an dem Zionistischen Werke gearbeitet. Nein, das grosse Mitleid war es in erster und letzter Reihe, was ihn dazu antrieb." Dann nahm Herr Bernhard Fischbein aus Hannover das Wort. Er zeigte uns unseren grossen Führer als Zionist. Wir sind nicht nur eine Religionsgemein- Schaft, wir sind eine Nation, die zerstreut ist und haben das Recht auf eine öffentlich gesicherte Heimstätte. Unser grosser Herzl hat erkannt, dass es so, wie cs jetzt ist. nicht weiter gehen kann.״ Der Redner, der die Bremer Verhältnisse gut kennt, wies die Versammlung auf das Elend hin, welches wir täglich in Bremen bei den durchziehenden Stammesbrüdern beobachten können. Herzl verlangte nicht, dass wir alle auswandern, wohl aber verlangte er, dass alle Stammesbrüder initarbeiten. das grosse Werk zu erreichen. Herr Bernhard Fischbein schloss: ״Unser grosser Herzl ist tot. Was der Erde gehört, haben wir der Erde gegeben. Herzl’s Geist lebt und wird weiter leben. Wir werden das Ziel erreichen und die Gebeine unseres Führers mit nach Zion nehmen." Mit einem Gesang unseres Cantors schloss die eindrucksvolle Feier. Hannover. Zu einer improvisierten Trauerkundgebung kam es in der Synagoge. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann gedachte Theodor H e r z 1 s in bewegten Worten. Die Gemeinde erhob sich von den Sitzen. Gestern fand im Verein ״Dorsche Schloin Zion“ eine Traue’rfetcr satt, die gut besucht war. Herr R e ch t s a n w al t Grone in a 11 n hielt die Ansprache. \ Essen. Am Sonnabend, den 9. Juli, gedachte Rabbiner Dr. amucl in seiner Kanzclredc mit Worten der Wehmut und Anerkennung unseres heimgegangenen Führers. In einem an die Zionistische Vereinigung Duisburg gerichteten Schreiben sprach er dieser in wärmster Weise seine Anteilnahme aus. Hannover. Am 17. Juli fand hier in der Aula der hohen Schulen die Trauerfeier für Theodor Herzl statt. In dem stimmungsvoll ernst dekorierten Saale, auf dessen Tribüne das Struck'scUe Herzl-Bild Platz gefunden hatte, war ein zahlreiches Publikum versammelt, welches in sichtlicher Ergriffenheit den Reden der Herren Rechtsanwalt G r 0־ n e m a n n und Dr. Israel Auerbach lauschte. Rechtsanwalt Gronemann schilderte den Eindruck der Unglücksbotschaft und erklärte namens der Hannoversehen Zionisten, die Treue zu dem Ideal, für das Dr. Herzl gestorben; Dr. Auerbach entwarf in feinen Zügen ein charakteristisches Bild des heimgegangenen Grossen. Vor den Augen der tiefbewegten Hörer entstand noch einmal Jene edle, fürstliche Gestalt, die als Personifikation altjüdischer Sehnsuchtsideale plötzlich unserem Volke erschienen — ihm den Weg zum Glücke gewiesen und dann, bevor es zum Ziele gelangt war, es hatte lassen müssen. Stimmungsvolle Gesänge der Herren Pransky und Rachmicl gaben der Feier einen wirkungsvollen Rahmen. Duisburg. Sonntag, den 10. Juli, fand hier in׳der sehr gut besuchten Synagoge, verunstaltet von der Zionistischen Vercinigung, eine weihevolle Trauerfeier für Theodor Herzl satt. Die t׳ef empfundene Gedenkrede hielt Harry Eppstein. Köln a. Rh. Die Trauerfeier der zionistischen Vereinigung Köln, für Theodor Herzl, die Dienstag abend in dem zu einer Trauerhallc umgestaiten Saale der Biirgcrgcsellschaft statt* fand, war von etwa 500 Personen, darunter sehr.vielen Damen, besucht. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Rcchtsanwalts Dr. Bodcnhcimcr, der in kurzen Worten die Verdiente Herzls um die zionistische Sache und die verfolgten Juden schilderte, trug Kantor Cohen den• Psalm 139 vor. Ein ergreifendes Bild der Persönlichkeit Herzls wurde vonHcrrn Wolfsoll n entworfen. Er hob besonders die Uneigennützigkeit des Führers hervor, der sogar den grössten Teil seines eigenen, nicht unbeträchtlichen Vermögens für die zionistische Sache geopfert habe. Die Zionisten betrachteten es alseine Ehrenpflicht des jüdischen Volkes, den Hinterbliebenen dieses Vermögen zurück- /!!erstatten. Herr Berger, der Vorsitzende des jüdischen Turn- Vereins, pries Herzl als den Vater der jüdischen Jugend, der sie zum Judentum zurückgetiihrt und ihr Selbstbewusstsein. Vcrtrauen auf die Zukunft und auf die eigene Kraft gegeben habe. Die würdig verlaufene Feier schloss mit einem Gebet des Kantors Cohen und einem von dem Synagogenchor unter Leitung des Dirigenten Ster 11 borg vorgetragenen Psalm. Bad Ncnena.hr. Sonntag vormittag fand in der hiesigen Gttneindesyiiagoge eine in der Knrliste und in allen jüdischen Hotels «!!gekündigte Trauerfeier für Theodor Herzl statt. Zu Beginn der Feier wurde ein Psalm rezitiert. Dann hielten Herr S. M. R a b i n o w i t s c!!-Königsberg und Herr D r. Albert G 01 d b c r g-Ncuenahr die Trauerreden. Die Feier schloss mit dem üblichen Gebet für den Toten und dem Kaddisch. Frankfurt a. M. Eine erustwiirdigc Trauerfeier zum Andenken an Theodor Herzl fand gestern Abend in der Frankfurt-Loge statt. Die Trauerdekorationen machten in ihrer Einfachheit einen tiefen Eindruck; auf dem Podium leuchtete aus Palmen- und Lorbccrarrangements die Büste des grossen Toten. Man fragte nicht, wer die Strophen gegossen zum Lobe dessen, ״der den letzten grossen Traum geträumt", und man sagte nicht, wer sie so wirkungsvoll sprach — sie waren eine hehre Totenklage — um ״einen Helden, der ein Kind war." Danach sprach Assessor Dr. Fried man 11 über den Lebensgang Herzls. Theodor Herzl. den man in der imponierenden Einfachheit des Armensargcs aus seiner Villa hinaustrug, den die Tausende, die seinem Sarge folgten, instinktiv und intuitiv als Führer des Jungjudentums anerkannten, hat ein Herzleiden jäli fortgerafit. Das Pflichtgefiihl, seinem armen misshandelten Volk eine Heimat zu schaficn, trieb ihn vorwärts. Einfach und schlicht blieb er. bis er ein müder Mann wurde. Es gab klügere, erfolgreichere Männer; aber sein harmonisches Wirken als Schriftsteller. Diplomat und Führer machten ihn zu einer seltenen Erscheinung. Er war eine wunderbare Mischung von Idealist und Realist, wie sic nur im Judentum Vorkommen; er hat begriffen, dass alles nur ausklingen dürfe in einer endlichen Harmonic. In Schönheit hat er gelebt, in Schönheit ist er gcstorben. Sein Tod war ein Tod für sein Volk, seine Ideen werden weitcrlcben. — In wirkungsvoller Weise sprach nachher Rcv. Wiesel aus Cincinati über den Dahingegangenen. Theodor Herzl ist nicht tot — er lebt im Andenken des jiidisehen Volkes. Nach einem wirkungsvollen Harmoniutnsvortrag wurde die Feier geschlossen. Mannheim. Am Montag, den 11. ds., veranstaltete die Ortsgruppe die Gedächtnisfeier für unsern grossen Führer im Sitzungssaal der August Latney-Loge. Der feicrliehen Stimmung, die die kleine Gemeinde im Bann hielt, wurden, auch äusserlich, die würdigen, ernsten Formen des Saales gerecht. Unser Vorsitzender, Herr Götzl, sprach zum Eingang einfache, schöne W'orte. Harmoniumklänge leiteten daun die Gedächtnisrede ein. D r. Moses sprach sie, voll Geist und Herz. Es war eine tiefempfundene Rede,‘ die alle ergriff. Nichts in ihr von Pathos; aber hohe, stolze Worte auf diesen Grössten. Selbst Fernstehende empfanden da die Grausamkeit des Schicksals, das ihn uns nahm. Ernste Akkorde des Harmoniums beschlossen die einfache Feier. ' S. Mainz. Die hiesige zionistische Ortsgruppe elirte das Andenken unseres grossen unvergesslichen Theodor Her z 1 durch eine atn Dienstag, 12. Juli, abends in der Liedertafel־ 4 ... * ,..-י ' * י ** * V t i « %