Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 30. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 323. Berlin. Zu unserem Bericht über die Trauerfeicr in Berlin ist hinzuzufügen, dass Vertreter fast aller grösseren Korporationen der hiesigen Judenheit erschienen waren. Für das R e p r ä s e 111 a n t e 11 k 011 c g 1 u m der jüdischen Gemeinde war Herr Geh. Rat Blumcnthal, für den Hi lfs verein der Deutschen Juden, dessen Prüsidcnt Herr Paul Simon; für die Grossloge des B u e i B u 111 ־ O r d e n s Herr S i 0 g m u n d B e r g a I, für den Zentral verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Herr Rechtsanwalt D r. H 0 r w i t z und für den Verband d c u tscher Juden Herr Justizrat D r. Fr i c d c m a n n, erschielten. Ferner waren Vertreter des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde, Adasslsrael, des R a b b i n c r s e m i n a r s, des Palästina'Vereins ״E s r a“, der Bund der jüdischen Korporationen u. s. w. erschienen. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar Bochba veranstaltete am 13. d. Mts. eine Trauerfeier für Theodor Herzl. die einen überaus würdigen Verlauf nahm. Nach den einleitenden ernsten Klängen des Harmoniums, das Kapellmeister Schmer] spielte, sprach Frl. Amolski einen Prolog. Die Gedächtnisrede hielt cand. nied. E 1 i a s Auerbach. Mit der Melodie ״Dort wo die Zeder" schloss die Feier. Königsberg I. Pr., 2*1. Juli 190*1. Auch in der neuen Synagoge wurde gestern das Andenken Herzl’s geehrt, in dem Rabbiner Dr. Perles in Anknüpfung an den Sahbath Nachamu ein Bild von dem Streben und Wirken des früh Vollendeten entrollte. Wenn auch der grosse Traum seines Lehens bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen ist, so־ habe er doch nicht umsonst gelebt. Denn die Wirkungen, die von ihm ausgegangen sind, haben sich schon aut allen Gebieten jüdischen Lebens so segensreich fühlhar gemacht, dass selbst die schärfsten Gegner heute sein Andenken segnen. Gleiwitz. Zu einer Gedenkfeier für Herzl hatte sich gestern abend im kleinen Saale des Theater- und Konzerthauses ein zahlreiches Publikum cingefundcn. Nachdem Herr Rechtsanwalt S t c i 11 i t 7. die Anwesenden begriisst, leitete Herr Ober- Kantor Davidsolt 11 die Feier durch Orgclspicl und Gesang wirkungsvoll ein. Hierauf entwarf Herr Morgenstern, ein Mitglied der hiesigen zionistischen Ortsgruppe, mit grosser Begeisterung und ausserordentlicher Beredsamkeit in kurzen Zügen ein •Lebensbild des genialen Mannes. Mit dem ergreifenden Vortrage eines Trauerpsalms durch Herrn Ober- Kantor Davidsohn und dem Schlussworte des Vorsitzenden endete die erhebende Feier. ——■ ■hitttih ~»11»y־n1 " ׳ ■»* ■י"י"» 1 ״Das fremde Kostüm objektiviert, während das südliche Blut die Grösse der Leidenschaft stark motiviert. Das Italienische vertritt als Ideales dem Nordländer das Allgemein- Menschliche“*). Etwas Aehnliches wird sich den Bearbeitern jüdischer Stoffe, den Kennern jüdischen Milieus und jüdischen Wesens ergeben haben,. das sie veranlasste, allgemein menschliche Probleme in Gefässen südländischjüdischer Eigenart zu kultivieren. Besonders bei Ludwig liegt diese Vermutung nahe, da es sich jhm in seinem Schaffen ja stets vornehmlich darum handelt, menschliches Schicksal, so verborgen auch seine Wurzeln im unausschöpfbaren Sceleninnern Grund fassen mögen, nach aussen in seinen sichtbaren Auslebeformen in möglichster Anschaulichkeit zu mimisch-plastisch-rethorischer Darstellung zu bringen. Zu solcher fand er die jüdische Wesenheit ausnehmend geeignet, die alles, was Gefühl und Leidenschaft bedeutet, weder zurückzudrängen noch zu verschleiern hebt, und der daneben das poetisch so dankbare Umsichschlagen der Phantasie gleicherweise nicht fremd ist. Dergestalt sind die psychologischen Voraussetzungen der Otto Ludwig’schen Judendichtung, die uns die ״Makkabäer“ bescherte. Im folgenden werden wir die historischen Grundlagen dieser Dichtung zu bezeichnen haben. (Fortsetzung folgt.) *) Otto Ludwig, ״Shakespearestudien“, Ausg. Grunow, B. V., p. 225. Beuthen. Am Montag den 11. d. Mts., 8% Uhr Abends fand im ״Deutschen Hause" in dem vom Besitzer Herrn \Vciss würdig dekorierten grossen Saale eine T rauerfeier für Theodor Herzl statt. Trotz des ungünstig, gewählten Zeitpunktes der Ferien und Reisen war die Beteiligung doch eine recht zahlreiche. Als Vertreter des Gemeinde- Vorstandes war der Präses, Herr Amtsgerichtsrat Lcvy. erschienen, ebenso hatten die Vorstände der Ortsgruppen aus den umliegenden Städten _|hre Deputierten entsandt. Nach einigen einleitenden Worten des zweiten Vorsitzenden. Herrn Lesse r, brachte das Vorstandsmitglied Herr Lewa»!- dowski in wirkungs- und stimmungsvoller Weise den Irauergesang ״O, Herr, was ist der Mensch, dass du seiner gedenkest" im Urtext zu Gehör, worauf der 1. Vorsitzende. Herr Koplowitz, das Podium betrat, um in 1/^ständiger Rede der yersammlting in scharfen Umrissen das Lebensbild unseres .heimgegangenen Führers zu entrollen. Unter gerechter Würdigung der hervorragenden, seltenen Charaktereigenschaften beleuchtete der Redner mit feinem Verständnis das im innersten Wesen des Verstorbenen wurzelnde Gefühl kindlicher Liebe zu seinen Eltern, aus dem das potenzierte Empfinden für das grosse, unermessliche Leid und das tausendjährige Weh seines Volkes entsprang. Ein grosser Sohn seiner Eltern und noch grösserer Sohn seines Volkes, so wird sein Andenken fortleben unter den Geschlechtern. An diese warinempfundenc Rede schloss sich der Vortrag des in altjüdischer, ergreifender Weise rezitierten Psalms ״M i c 11 t 0 m 1 e d a v i d" des Kantor Lob und das ״El male rachamim“ an, das die würdige und wirkungsvolle Trauerfeicr beschloss. Gross-Strehlitz. Am 9. Juli veranstaltete die hiesige Ortsgruppe eine T r a u e r 1 e i e r I i c h k e i t für D r. H c r 71. In Anwesenheit eines zahlreichen Publikums hielt nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Pictrkowski, unser neues Mitglied Herr Borger eine glänzende Rede, in der er den Zionismus vor und nach Herzl beredt schilderte. Zum Schlüsse wurde der Artikel von York Steiner aus der Welt; ״Iin Traiicrliausc" vorgclesen, der sichtlichen Eindruck auf alle Zuhörer machte. MUtwctda. Donnerstag den 1*1. Juli hat der hiesige ״Verein jüdischer Techniker” eine Trauerversammlung für Theodor Herzl abgehalten. Herr D r. W. F r ä 11 k e 1 aus Chemnitz hielt die ergreifende Trauerrede. Dresden. Am Mittwoch, den 1. Abh. — am Tage, wo die alttraditioncllen Trauertage in Israel ei!1setz‘en — versammelten wir uns hier, damit ״Zion seinen besten Sohn Herzl beweine”. In dem schwarz umflorten Saale (Helbies Etablissement, Tiieaterplatz) leuchtete uns das von Struck verewigte teure Bildnis des Verblichenen entgegen. Um 9 Uhr abends cröfmctcn die ersten Weisen des Harmoniums und der Psalm Hl die Feier.. Hieran schloss sich dann die Ansprache des Herrn D r. tu c d. W a 11 e r F r ä n k c I ausChc m n i t 7. an. ln kurzen, aber ausdrucksvollen und klaren Worten u:1terstrich Redner besonders das unermüdliche, hervorragende Wirken des so schnell aus unserer Mitte herausgerissenen Parteiführers. Er schilderte die einzelnen bedeutungsvollen Entwickchmgsetappeii des HerzLschcn Zionismus. Den feierlichen Abschluss bot die eigentliche religiöse Andacht, deren Inhalt der El male rachamim, ein Schlussgcsang und der Kaddisch bildeten. Den ganzen zeremoniellen und gesanglichen Teil hatte Herr Kantor Hofstein von hier unter Begleitung unseres Vorstandsmitglieds, Herrn W i I h. Z w i 11 e n b e r g, in dankenswerter Weise übernommen. Wir hatten einen besonders zahlreichen .Zuspruch von Gästen, unter denen wir auch die hiesigen Rabbiner D r. W i n t e r und D r. Stein bemerkten. J. L. Leipzig. Die hiesige zionistische Vereinigung hat am vorigen Sonntag eine sehr würdevolle Trauerfeier für Her 7.1 veranstaltet. Die Trauerrede hat Herr Rabbiner D r. Nobel gehalten. Die Zahl der Anwesenden dürfte auf 250-270 Personell geschätzt werden. UalberstaiU. Am Donnerstag, den 14. Juli veranstaltete die hiesige Ortsgruppe ״Tikwat Zion" eine Trauerfeier für Theodor Herzl. Herr Rabbiner D r. Anton N o b e 1 - L e i p z i g hielt die Trauerrede. Er zeigte die ßedcutung Herzls. der in klarer Erkenntnis der Gefahr, die dem Judentum durch den Abfall der westlichen Juden einerseits und durch die immer fortschreitende Verelendung der östlichen Juden andererseits drohte, in seinem Judeiistaät ein!Mittel angegeben habe, um beiden Ucbeln wirksam zu steuern. ״Herzl, den Künstler, habe die Schönheit dieses Gedankens wohl zuerst gelockt, und der Zionismus habe darum auch Bedeutung als eine ätherisch vollendete Idee eines Künstlers. Herzl war einer von den wahrhaft genialen Menschen, von denen der Talmud sagt: ״Nicht sie haben die grossen Ideen, sondern die Ideen haben sie."