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Jüdische Rundschau · 1904-07-22 · Heft 29 (22.7.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 29 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite314־/ __ _ JÜDISCHE .den Zauber dieser Persönlichkeit schildern. Ergreifend klangen tie Psalmen, die. Oberkanfor Friedmann äusfiihrte; alte eute weinten und jüngere waren tief gerührt. i\ .■ Herr Rabbiner. D r. Jos, Eschelbach er hielt nun die eine Gedenkrede, die wir an anderer Stelle unseres Blattes;vollinhaltlich wiedergeben. Als er wehmutsvoll gccndigl hatte, ׳erscholl von neuen der Trauergesang, der ebenso wie die vorhergehende Rede alles .zu Trüncn rührte. Dann ergriff Dr. Heinrich Löwe das Wort zur zweiten Gedenkrede und sagte u. a. folgendes: ״Es ist' ein märchenhafter Traum gewesen, der ganze Theodor Herzl. Die Ideen waren schon früher da. aber wie ein Märchenprinz trat er plötzlich unter uns. wir hatten mit einemmal einen Führer an der Spitze, den wir vorher nicht gekannt hatten, und im seihen Augenblick hatte er uns alle hinter sich. Es ist eit» Irrtum, zu glauben, dass der Zionismus entstand, als zum ersten Mal der Feind unser Reich zertrümmertc, als zum ersten Mal unser heiliger Tempel zerstört wurde und die Söhne Judas zum ersten Mal in die Verbannung zogen, als Jercmia auf den Trümmern stand und sang: ״Wie sitzt einsam die Stadt, die volkreiche, einer Witwe gleich, die Herrin über Völker.” Er war der Mann, der das Elend gesehen. Er war der erste, der die unverwüstliche Hoffnung an dem Grabe der jüdischen Nation wieder aufpflanzte. Aber nicht nur,, dass,die zionistische Idee seit dem I. und 2. Untergang der jüdischen Volksseele immanent geblieben ist. nicht nur dass grosse Männer des jüdischen Volkes für die Wiederherstellung arbeiteten, sogar der politische Zionismus war schon da. bevor Herzl auftrat. Was ist also das besondere an jenem Manne, dass wir in Tränen zerfliessen, wenn wir an seinen Tod denken? Wir waren eine kleine Gruppe, in der ganzen Welt zerstreut, ohne Zusammenschluss. Erst als eine solche *Personlichkcit uns erstand, da erst war der Augenblick da, um eine Organisation zu schaffen. Herzl bat den Zionismus geschaffen, wie er heute ist. Er hat ein wollendes Volk geschaffen, er hat den Zionismus zum Vertreter des jüdischen Volks gcmacht, die anderen Völker sehen in ihm das jüdische Volk. Er hat dem Juden das Vertrauen zu sielt selbst wieder gegeben. Wie wäre cs möglich, dass ein Volk, das 2000 Jahre nur über Zion weinte und klagte, wie wäre es imstande gewesen, zu fordem, wenn nicht der Mann unter sic getreten wäre, der sie zu sagen zwang: ״Ja, das jüdische Volk gebiert noch Männer unter sich." Da hat er die zionis: ג Bewegung,'die sich über den ganzen Erdball verbreitet hat. angefacht. Er ist in unsere Mitte getreten, mit seiner Politik, die ehrlich und gctreu war. der einzige, grosse, jüdische Staatsmann seit der Zer- Störung unseres Staates. Er hat sielt selbst uns geschenkt, seine grosse Persönlichkeit, als er als gereifter Mann sich selbst für uns entdeckt. Er hat dem Zionismus seinen ethischen und ästhetischen Abglanz gegeben, so dass sich im Zionismus Ethik und Aesthctik vereinigen konnten. Vielleicht werden Pessimisten sagen, er war ein grosser und edler Mann, aber darum musste er untergehen, denn das Grosse muss auf dieser bösen Welt zu Grunde gehen. Vielleicht wird die skeptische Wissenschaft Sonncnflcckcn an ihm entdecken, vielleicht in späten Zeiten beweisen, dass er gar nicht gelebt hat. Und es werden Märchen und Sagen sich an ihn anknüpfen, jüdische Dichter und jüdische Lieder werden seine Gestalt fcsthatten und seine früh dahingestmkene Jugend- Schönheit beklagen. Und alle Tränen, die im ganzen Volk um ihn flicssen, werden in einem Strahlenkranz sich um ihn winden. -- . Das Testament, das soeben eröffnet worden ist. ist bei Gelegenheit des ersten Kongresses geschrieben. In diesem Testament hat er hinterlassen, an seinem Grabe sollten keine Reden gehalten werden. Er will kein Loh, sondern als Dank die Arbeit in seinen: Sinn. Klagen und Reden,' Jammern lind Weinen tun es nicht, sondern einzig und allein die Arbeit in seinem Sinn. Er hätte nur nicht zu erwähnen brauchen, wie er beerdigt sein wolle, und das jüdische Volk, davon konnte er überzeugt sein, hätte ihn begraben wie keinen seiner anderen Söhne. Er hat verordnet, dass sein Begräbnis letzter Klasse sein solle. Er will nicht mehr haben als der ärmste. Er will auf dem Döblinger Friedhof ruhen, liehen seinem Vater, ohne Sang und Klang wollte er beerdigt sein, und doch waren über 10 000 Menschen aus alten Teilen Europas hcrbeizecilt. dass das judenfeindliche Wien den Hut abzog vor diesem Trauerzuge, der sich in stummem Schmerz voriiberbewegte. Und er kannte sein jüdisches Volk; Nicht gebeten hat er darum, dass er in Palästina begraben sein wolle, er w u s s t c, dass man ihn dorthin mitiiiliren würde, und nicht allein wollte er dort sein, sondern wenn wir alle hingchcn, da will er mitgeführt werden, zu unserem Land, 7.u unserem Volk. Ein Irrtum ist es. zu glauben, dass mit Herzls Tod die Bewegung zu Ende ist. Wenn dem so wäre, dann wären wir nicht wert, dass Herzl für uns gelebt hätte. Wir werden treu I! ג . RUNDSCHAU. v'5 1 *( No. & *. ' *: •: ו? :: . ־ * * - 'י• ־■'* .־.\ f *«*• . bleiben und seine Arbeit weiter fortfüfiren. Ein Denkmal, dauernder als Stein und Erz, wird nur sein wiederhergesteütes Volk in Palästina sein, wenn das jüdische’Volk auf eignem Grund und Boden sitzen wird. Jn• dieser1 ganzen Zeit1 des Ooius wird maii jn dieser. unserer^ itafioimlcn Trätferzeit, da schon zweimal unser,' Reich zcrstörF'wordeiü auch noch diesen neuen . Trauertag, den 20. Tdrfms. mit Trauer begehet», mit Liebe gedenken des Märchenfürstcn im jüdischen Exil, und diese Liebe ist gross und,.unendlich. ,Das ganze Volk wird weinen um Theodor Herzl,. um die: schönste Mü'rchcngcstalt im Exil. Noch ist die Hoffnung nicht verloren. Aut dem Grabe unseres Geliebten pflanzen wir die .Hoffnung auf. indem wir ihm nachrutcn: Wie er sich, zu Tode gearbeitet hat für sein Volk, so wollen wir schwören: •" ' ''•.׳־ ״Wenn ich Dein Vergesse, Jerusalem, so verdorre meine Rechte!” . Unter dem Eindruck dieser Rede verliessen die Versammelten erschüttert den Sank.• Die sccldichte. ergreifende Verj Sammlung war zu Ende. | Berlin.'• Am Sonnabend, dem 9. d. Mts. fand in der hiesigen j zionistischen Gemeinde ״Ahabat Zion” eine eindrucksvolle Gedenkfeier für Dr. Theodor Herzl slatt. Im Anschluss an den Morgengottcsdienst hielt Herr R a b b i 11 a t s* k a 11 d i d a t Martin Joseph eine Predigt, in der er in beredten Worten der Verdienste des Dahingcschiedcncn gedachte. ״Das tiefe Mitleid mit den unglücklichen Brüdern. 1 die Liebe zu seinem Volke, das folgerichtige Erfassen des | jüdischen Volkstums, das tiefe Verständnis für die Kulturauf- I gäbe unserer Nation, der Mannesmut und der Stolz auf das Verdienst Israels um die Menschheit sind die Gesichtspunkte.! von dem aus man sein Wirken und Schaffen begreifen kann." Sehr eindrucksvoll wirkte auch der Schluss, in dem der Redner die Gemeinde aufforderte. TI1. Herz! bald eine dauernde Ruhestätte zu . bereiten, da er auf fremdem Boden sie picht finden kann. Mit einem ZVi“*. אל פ*לא schloss die erbebende ן Feier. 1 Königsberg. Auf Sonntag Vormittag um II Uhr war fm j Artushofe eine Trauerfeicr für Theodor Herzl angesetzt, veranstaltet von der hiesigen Zionistischen Vereinigtuig; bereits vor der festgesetzten Zeit war der Saal trotz der drückenden Hitze bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Würde der Feier entsprechend war der Saal mit Blattpflanzen und Trauerflor reichlich drapiert, und im Hintergründe hatte ein Bild des zu Feiernden Aufstellung gefunden. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Gesänge des Psalm 16. der von dem hiesigen Syuagogenclior unter Harmoniumbegleituiig recht wirkungsvoll zur ׳Ausführung gebracht wurde. Hierauf hielt Herr Dr. med, Hoppe eine tief empfundene, zu Herzen i geltende Gedächtnisrede. Der Redner schilderte den Werdej gang des so frühzeitig aus dem Leben Gerissenen, feierte ihn! als Schrittsteller und als Künstler, um schliesslich seine un-; vergesslichen Verdienste um die zionistische Bewegung eingehend zu würdigen. Seine in Paris entstandene Schritt ״Der Judcnstaat”. welche er mit seinem Herzblutc geschrieben, bedeute die Lösung der modernen Judenfrage. Wenn die darin ausgesprochenen Gedanken auch nicht neu gewesen, so habe er doch in dem Buche die Möglichkeit ihrer Ausführung gezeigt, indem er sein staatsmäiiiiisch-nationalökononiisches Programm entworfen, welches die Grundlage der zionistischen Bewegung bilde. So sei Herzl der Mittelpunkt der zionistischeu Bewegung gewesen, und er habe cs um so mehr sein können, da er auch als Mensch die hervorragendsten Charaktcrcigenschaften in sich vereinigt habe. Wenn Herzl gesagt habe: ״Ich weiss nicht, wann ich sterben werde, aber der Zionismus wird nicht sterben", so wollen seine Anhänger ihm jetzt das Versprechen gehen, dass sie sein Vermächtnis nie vergessen und sein Werk vollenden werden. ״Und wenn wir sterben sollten, so sollen unsere Kinder und Enkelkinder sein Werk fortfülircn. das schwören wir.” Hierauf sang Ober- Kantor Birnbaum mit seiner prächtigen Stimme, und ein vom Synagogeuclior vorgetragener Psalm schloss die würdig verlaufene Feier. Kiel. Auch in unserer Stadt fand an» Sonntag d. 17. d. M. morgens 11,•e Uhr in der Synagoge ein Trauergottesdienst für unseren sei. Theodor Herzl statt. Vor einer für hiesige Verhältnisse recht zahlreich besuchten Ver- Sammlung eröfinete Herr Lehrer K a t z die Feier mit dem Vortrage von ״Ma tobu״, worauf der Psalmvcrs ״Schubi uafschi" rezitiert wurde. In längerer. Rede gab dann Herr D r. ru e d. Adler aus L ü heck, der sich uns in licbenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt hatte, in der ihm eigenen, innigen Art mit beredten Worten ein Lebensbild unseres grossen Heimgegangenen, den er uns als bedeutenden Schrittsteller, weitblickenden Politiker, treuen Sohn, liebevollen Gatten und nirsorgenden Vater schilderte. Besonders aber wies der Herr Vortragende darauf hin, was der Zionismus dem grossen Toten gewesen ist. Vor der geöffneten heiligen

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