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Jüdische Rundschau · 1904-07-22 · Heft 29 (22.7.1904) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 29 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 29. J Ü Dl SC HE ‘ RUNDSCHAU. G 1'י Seite 3U.! י •י ״ ז»־ ־ * י •* ־ . ** 1 sie machen; wie Theodor Hcrzl selbst, so auch die Seinen pns teuer und liebenswert. . Das Glück hat über diesen seinen Liebling in verschwenderischer Fülle seine Gaben ausgestrent, nur die lange, Dauer der Tage hat es ihm versagt,־ aber es hat ihn ganz besonders mit denen begnadigt, die seinem Herzen die nächsten waren. Seinen Eltern war er als einziges Kind zurückgeblieben, nachdem eine Tochter ein früher Tod ihnen geraubt hatte. In tiefe Trauer und Schwermut waren sie versunken. Dann aber richteten sie sich auf an ihrem .Sohne. Sein Anblick wie der Gedanke an ihn brachten Freude und Stolz in ihr Haus. Der Väter konnte es noch in hellem Lichte strahlend sehen, bevor er starb. Die Mutter fand für ihren Verlust Trost im Sohne. Voll Verständnis ging sie ein auf seine Arbeiten und Bestrebungen. Wenn sic auf den Kongrossen erschien und am Arme ihres Sohnes dahinwandelte, beugten sich, die sie sahen, ehrfurchtsvoll vor der Greisin, denn von ihr gilt das Wort, das man von der Mutter eines der edelsten unter den Weisen des Talmuds, des Rabbi Josua, sprach: אישרי יולדתו ..Glücklich die Mutter, die einen solchen Sohn geboren hat.” Nun hat ihr Glück ein Ende genommen, sie weint fetzt mit seiner Witwe, der Erwählten seines Herzens, und mit seinen Kindern um den Solm. den Gatten und den Vater. Nur einen Trost gibt cs für sie in ihrem Leide, dass viele, viele Tränen uni sic fliessen. dass בגב־ ישראל die ganze Gemeinschaft Iracls, um ihn trauert, als um einen Helden, der Gefallen ist ״ על מרומי השד־aui den Höhen ihres Gefildes.” . . Er ist allen zu früh gestorben. Seine Partei hat den Führer verloren, den alle, die ihr angehören, als ihren besten und grössten, ja als einen einzigen unter ihnen anerkannt und neidlos über sich erhoben haben. Doch auch uns, die wir ausserhalb ihrer Reihen stehen, die wir aber ihre Entwicklung mit unserer inneren Teilnahme begleiten, legt sich die Frage schwer auf die Seele: Was hätte dieser Mann mit seinen herrlichen Gaben, mit seinem edlen Herzen, seinem grossen Geiste und seinem werten Blicke, mit all der Macht seiner Persönlichkeit für die Jugend und für die Zukunft Israels noch leisten können? Was wird aus der Bewegung werden, die er geschaffen hat? Sollte cs wahr werden, was manche kluge und kühl urteilende Männer innerhalb wie ausserhalb des Judentums fetzt schon sagen, dass sie an ihm gehangen habe, von ihm getragen worden sei und ohne ihn bald wieder vergehen werde? Wenn das geschehen sollte, wenn so viele Hofinungen umsonst erweckt, so grosse Begeisterung umsonst aufgcflammt, so viele Opfer umsonst gebracht sein sollten, wenn die Erscheinung und Wirksamkeit Hcrzls nur ein Meteor gewesen sein sollte, das glänzend aufging und rasch wieder entschwand, dann wäre das nicht nur das Aufhören einer Partei oder das Ende einer Bewegung innerhalb unserer Jugend, die zu grossen Hoffnungen berechtigte, sondern das wäre eine Enttäuschung, die viele bis ins Mark treffen, die ihnen und ihrer ganzen Glaubenskraft den Tod bringen würde, das wäre für das ganze Judentum ein Schlag, den cs nur schwer verwinden könnte. Abeir nein, so wird es nicht geschehen. Ein hartes Schicksal hat Theodor Hcrzl früh uns genommen; kein seltenes Schicksal. Es hat grössere, als ihn noch betroffen. Auch unser grosser Lehrer Moses ist gestorben, bevor er sein Werk abgeschlossen, und seine Augen konnten nur aus der Ferne das Land sehen, dem er sein Volk entgegengeführt. Israel ist das Volk der Propheten, der Männer, deren geistiger Blick in die Weite der Zeiten schaut, in denen er das Gute und Wahre vollendet sieht. Erst langsam, in kommenden Jahren kann cs wachsen und reifen. Sic aber tragen es in ihrer Seele, dort strahlt es als eia Licht, das auch die Augen anderer erhellt. So hat auch Herzl sein Ideal, wie sein Schicksal vorausgeschaut. Er hat in seiner Schrift ..Der Judenstaat“ es aus-, gesprochen. ״Ich bin im Tiefsten davon überzeugt, dass ich Recht habe, ich weiss nicht, ob icli in der Zeit meines Lebens Recht behalte. Die ersten Männer, welche diese Bewegung beginnen, weiden kaum ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch' das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das Glück der innerlichen Freiheit in ihr Dasein." Er hat das Werk begonnen, und, wir dürfen es wohl sagen, das Beste, das er dazu geben konnte, hat er auch gegeben, eine fruchtbare Lehre, ein edles Vorbild. Eine fruchtbare Lehre! Es sind vor ihm und neben ihm auch andere warmherzige Männer für die Juden eingetreten und haben ihnen Hilfe zu bringen gesucht Sie sind dafür cingetreten mit dem was sic besitzen, mit der Fülle von Hab und Gut. Dank und Anerkennung sei ihnen dafür. Sie haben manche Not gelindert und viele Tränen getrocknet Aber dauernde und wirksame Hilfe haben sic selten bringen können. Die Macht des Geldes ist beschränkt, es kann die Menschen nicht ändern, ihren Geist und fhre Anschauungen nicht umgesiaiten. Es sind andere *•»;- ,:••W,.; :.■יי•! , ־׳;'••.ס;-■־ m«t!1hrem;tinfl1i.ss. J)ei ,den. Grossen, und Mächtigen für uns eingetreten.׳.und־:wieder andere haben auf das Erstarken der Humanität und auf die Güte der Völker hingewiesen, unter denen wir wohnen. Auch ihnen können wir vielfach zustimmen und freudig begrfissen wir es, wo immer Gerechtigkeit Vertrauen, Freundlichkeit und Liebe uns entgegentreten. Aber nicht allzuhäufig begegnen sie uns und stärker ist oft die Feindschaft der Hochmut, die Bosheit oder auch nur die Kälte, das ungünstige Vorurteil, als das freundliche Entgegenkommen, Und in manchen Ländern haben sie die volle Herrschaft und greifen uns an Leben und Ehre, sic verbittern uns die Gegenwart und lassen uns die Zukunft triibc und unsicher erscheinen. Der Gedanke, der Herzl leitete, war es, den Blick der Juden unbekümmert um Freund und Feind auf. sic selbst zu richten, das Beste für iltr Schicksal von ihrer eigenen Volkskraft zu erwarten. Er hat erkannt, dass gute und edle Fälligkeiten still und unentwickelt in ihnen ruhen. Er hat die Wolke von Vorurteilen, die wir selbst vielfach gegen uns hegen, verscheucht. Er sah durch den Kaftan des russischen Juden hindurch in sein Herz. Er fand cs trotz alles Druckes, trotz aller Einschnürung und Verkümmerung, der cs ausgesetzt ist gesund und gut. Er entdeckte in den gebeugten Männern ein inniges, treues Gemüt und einen Geist voll schöner, verheissuugsvoiler Anlagen. Darum konnte er sie auffordern, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und den Bau ihrer Zukunft auf eigenen! Grund und Boden zu errichten. Und diese Lehren haben Wurzel geschlagen. Ist das Endziel dem er entgegenstrebte, auch ferne, verliert es sich auch für viele in nebelhafter Weite — schon der Anfang des Weges dahin erweckte frohe Hoffnungen in verdüsterten Gemütern, regte ihre Kräfte au und hat uns bereits werts’olle Arbeiten gebracht auf dun Gebiete praktischer Tätigkeit wie auf denen der Kunst und der Dichtung. Erwartungsvoll sehen wir weiteren entgegen. Und mit seiner eigenen Person seinem Leben und seinem Wirken hat Herz! »ms ein edles Vorbild gegeben, das seinen Tod überdauert und weit iu die kommenden Zeiten hineinleuchtet. Ein Lehrer und Erzieher ist er den Seinen und vielen Juden ausser ihnen geworden. Er hat gewirkt, wie alle grossen Männer in Israel gewirkt haben, Schüler hat er gebildet und wackere Mitarbeiter gewonnen. Sie haben von ihm gelernt, unter und neben ihm sind sic in ihre Arbeiten hineiugewaehsen. In ihnen lebt die Begeisterung f 11 r den Meister weiter und die Liebe zu dem Werke, das er begonnen hat. Sie werden cs fortführen, auf anderen Wegen vielleicht, mit anderen Mitteln, aber iu seinem Geiste. Und die Vereinigung ihrer Kräfte wird Ersatz bringen für die Grösse seines Verlustes. Nicht ein Meteor wird Hcrzl dann gewesen sein, sondern ein Stern, der, wenn er auch untergegangeu ist, doch leuchtende Spuren seines Daseins zurückgclasscn hat, ein Lehrer und Erzieher, an dessen Vorbild sich seine Schüler erheben, dessen Worte und Werke auch kommenden Geschlechtern noch Mahnung und Beispiel geben. Vieles hat er uns gegeben ,Vieles haben wir ihm zu danken, die Nichtzionisten wie die Zionisten. Reich an Frucht und Segen ist trotz seiner Kürze dieses Leben gewesen. Darum können wir auch die schwere Pflicht erfüllen, die unsere Religion selbst angesichts der Bitterkeit des Leides uns auferlegt, dass wir Gott erkennen und verstehen als den gerechten Richter und den erhabenen Walter unseres Schicksals, dass wir ihm fiir das Gute danken, das er uns! gegeben hat auch dann, wenn er cs uns wieder nimmt. Ja. wir danken dir. Ewiger, unser Gott, dass du uns in einer Zeit schwerer Geiahren für unseren Bestand und unseren Glauben, in einer Zeit, der Feindschaft, der Verfolgungen und (Bedrückungen von aussen, der Schwäche, der Verzagtheit, der Untreue und des Abfalls von innen in Theodor Herzl einen Mann gegeben hast, der in heiliger Liebe fiir unser Volk erglüht ist, der auf seine Kräfte hat vertraut, an seine Zukunft hat geglaubt, der zu Mut und Zuversicht es hat aufgerufen und auf ein hohes Ziel hat hingewiesen. Und wir beten zu dir^NT^'2 בגדתו ירבו ״Lasse seinesgleichen mehr erstehen in Israel.“ Wir sagen von ihm זבד צדיק לברכה Rpr. 10, 7. ״Das Andenken des Gerechten blcihc zum Segen. Wir segnen und preisen das Andenken Theodor Hcrzls als das eines Helden .und Führers, eines Fürsten und Grossen in Israel." יש לם ד׳ פעלו nach Ruth 2, ותהי משגרתו שלמה מעב ד׳ אל ישראל יו ״Gott vergelte ihm, was er getan, und sein Lohn sei vollkommen von Ewigen, dem Gotte Israels." Seine Seele weile im Schatten des Allmächtigen, die Erinnerung an ihn aber bleibe unvergänglich unter uns, sic wirke zum Segen und zum Heile für kommende Zeiten und Geschlechter. בלע הנוות לנצח ומהד, ד׳. דמעה'Ges. 25, 8.מעל בל פנים והרפת עמו יסיר מעל בל האדן כי ד׳ דבר,.So nehme der Herr den! Tode feg

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