Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3(VA ,Nr•״??•__L___ JÜDISCHE RUNDSCHAU. * J * ״ . Wir zweifeln nicht, dass jeder Jude, jede Jüdin, wo immer sie seien, ..unserem Rufe, der gebieterischen Forderung "der Ehre, folgefcisten, dass sie ihre Pflicht tun werden. > ’ Geldsendungen (womöglich nach Vereinen oder Ge- Tncinden geordnet) nehmen nur die Jüdische Kolonial- £ank (The Jewish Colonial Trust) und alle ihre Zahlstellen, . ־sowie die Administration der ״Welt“ entgegen/)ז. : * חי ׳ ־ •י ״ ־ •.. Anfragen sind an die Mitglieder des Komitees für das ״Nationalgeschenk für die Kinder Dr. Herzls resp. an den Vorsitzenden des Komitees Dr. Wolffsohn, Köln a. Rh., Karolingerring 27, zu richten. Wir e r w a r t e n e i n e . ü bie r w ä i t i g e n de Manifestation Euerer Liebe für unseren toten Führer, ׳.Euerer Achtung vor u 11 - ser e.m.Volke t.. . '; ' . ־ Das Komitee: D Wolffsohn, Köln a. R11.,. Karolingerring 27, Vorsitzenderde Komitees. Ioseph C 0 w e n , Lon- •don 66, Finchly Road. Iacob Kann, Haag, Schcweningsche Weg 52. Johann Kremcnczky, Wien, 1X7. Eisengasix* ^5• Dr; •N;•• Kätzen e 1 s011 n.,. :׳Libau. - Med. Dr. E. T s c h I e 110 w, Moskau, Jüschkowvper. .Haus Rossja. Architekt O. Marmorek, Wien, IX., . . . Maximilianplatz 4—5. Die ersten Spenden für da ״Nationalgeschenk für die Kinder Dr. Herzl’s“: D. W 01 f f s 01111, Köln 2000 Kronen; Joseph C o w e 11., London 2000.Kronen; Joh. Krenienezky, Wien, 2000 Kronen; Jakob Kann, Haag, 2000 Kronen; . Dr. N. K'a t z e n c g s 011 n , Libau, 2000 Kronen; Oskar. Ala rmorck, Wien, i000 Kronen;. J. L. G reellb.er.g, London, 1000 Kronen; J. L. Goldb e r g, v Wilna, 1000 Krone«; Dr. Alexander. M a r - •. 10» :. ,.'־ r e k 1000 Kronen. 4 Trauerrede; ׳ von ■Rabbiner Dr. Esclielbachor bei der Herzl- ־ . Gedenkfeier zu Berlin. ••׳ Geehrte Trauerversammlung. ־ Stille,: unter., dem ehrfurchtsvollen Schweigen und dem stummen •Schmerze; von tausenden treuer Sölme. Iraels, die Alle hundert Jahre im T.lonat Abh. Der ewige Jude sucht ewig die Ruh. Und alle hundert Jahre, im Monat Abh, Ergreift, er fester den Wanderstab Und pilgert riisf* ig der Heimat zu.' •*,,.« '♦•I •"*. . , D a n n ist sein Wandern k e i n Dornenweg! Hur, wenn cs jlm jagt von der Heimat fort, Brennen die Nesseln an jedem Ort, ’ .7 Sperren die.pistclij ihm'jeden Steg — ' ׳/ m muh ’ ־ Aber ostwüt'rs trägt ihn •sein Fuss im Flug! < Und cs grünt und duftet um'seinen Schritt, •י "י Die Lerclien und Schwalben, die wandern mit, Uhd Leuchtkäfer tanzen vor seinem Zug. , * •! Ünd er säumt nicht tags und er ruht nicht zur Nacht, . Seine Lippe netzt weder Spelsö noch Trank, Und es wird nicht matt ürtdrniclit lass sein Gang, ]1Sei.n Auge bleibt hell,; seine! Seele .wacht. , י ׳ ‘ ' י'* •c, . . ' י * * *־ * *! Und über Berg und Strom und Flur ' . Greift \\;ejt sein Stecken ins Land hinaus, . ■ ״ . 0י-,״ * י:«'־*. . ( * זי ihn liebten und verehrten, wie wenige Genossen unserer «Sc. geliebt und verehrt werden, Ist vor 3 Tagen der Mann ־* t Grabe getragen worden, zu dessen Feier wir uns heute ver-' sammelt haben. Keine Rede,! kch Wort der Erinnerung, des Lobes, des Dankes, des Versprechens treuen Gedächtnisses sollte an seiner Bahre laut werden. So hatte sein eigener, letzter Wiltc es bestimmt. Nur ein Psalmwort hat einerseine! Getreuesten ihm in die. offene Gruft nachgerufen. Die Worte אם אשכחך ירושלים תשבח ימיני «wenn ich Dein je vergesse, Jerusalem, versage auch mir meine Rechte,“ die er in seiner Schlussrede auf dem jüngsten Basler Kongresse als cincVerpflichtung für sich ausgesprochen,- hat dieser als eine Verpflichtung für seine Schüler und Jünger wiederholt. . ... Aber jetzt, da die Gruft über ihm sich geschlossen hat, da' vom Grabe hinweg das ihn suchende Auge zu seinem ganzen nunmehr abgeschlossenen Leben sich wendet, da es überschaut, was er war, was er gewollt, was er getan, was er ersehnt und erstrebt hat, erklingt eine mächtige, aus der Tiefe des Herzens kommende Trauerklage durch die weite Welt, überall wo Juden wohnen. Es klagt die •jugendlich blühende und aufstrebende Schaar seiner Gesinnungsgenossen ■um ihn, den Schöpfer der grossen Bewegung, i!1 der sie stehen, der ihr Name und Losungswort gegeben, der ihre Fahne erhoben,־ der in Wort uni Schrift für sie gekämpft und daran .gearbeitet hat, ihr fernes Ziel in eine greifbare Nähe zu rücken. .Sie klagen um ihren begeisterten lind begeisternden Führer, auf den sie geblickt haben in einmütiger Bewunderung, der ,;wie die lichte Verkörperung ihrer Hoffnungen ihnen vor Augen stand, ־ für den ihre Herzen schlugen in freudiger Liebe und stolzem Hochgefühle und der der heiligen Sache, der er sich geweiht hatte, treu war' bis in den Tod und über den Tod hinaus. Und mit ihnen trauern weite Kreise unserer Glaubensgcnossenschaft, viele derer, die seinen Wünschen und Zielen nicht glaubten zustimmen zu können und dem kühnen Fluge seiner Phantasie die Zweifel und Bedenken des nüchtern prüfenden Verstandes entgegensetzten. Auch sie haben mit wachsender innerer Teilnahme seine Wege verfolgt, die er fest und beharrlich ging, und aufmerksam auf die Worte ge־, lauscht, die er mit ergreifender Beredsamkeit zu seinen Zuhörern sprach und die weit über diese hinaus in zahllosen jüdischen Herzen einen mächtigen Wiederhall gefunden haben. Auch sie ergriii ein schweres Bangen um dieses Leben, als es bekauut wurde, dass er von einer gefährlichen Krankheit bedroht sei. Und als die Botschaft über die Lande ging, dass der Tod ihn seinem Wirkungskreise entrissen habe, da lösten ■sich, vor diesem Ereignisse alle Gegensätze der. Parteien, da ‘.empfänden cs alle, dass einer der besten Söhne unseres Volkes mit ihm ist dahingegangen, dass wir. ärmer geworden sind um ein Herz von seltener Güte und Treuef um einen Geist .voll hoher Gedanken und weitgesteckter Ziele, um einen Mann von starkem Willen und sich selbst aufopfernder Tatkiaft. Und wer cs noch nicht wissen sollte, dem rufen wir es zu mit den Worten des Königs David an der Bahre des Feldherm Abner: הלא תדעו' בי שר ונדול נפל היום הזח בישראל . Klingt durch manche Gasse, klingt vor manchem Haus, Doch kein menschlich Auge sieht seine Spur. .. Bis dass er naht dem heiligen Land! Da klopft sein Herz und stockt sein Stab, Da zieht er zitternd die Wanderschuh ab Und küsst inbrünstig den heiligen Sand. — Im Monat Abh, alle hundert Jahr, Da fällt des ewigen Juden Los: - Da!(imint ihn der Friede in seinen Schoss,, Oder weiter wandert er immerdar! *־ * Und so geschieiit’s: wenn in Feld und Wald Der Fuchs noch, haust und der Maulwurf gräbt, . Wenn im kahlen Gefels noch die Natter lebt, Und der. Araber noch seine Büchse knallt, Wenn weit und breit in Feid und Wald - Der Fremde noch Haus und Scheuer baut — Dann wird ein Stöhnen und Klagen laut,. Dann muss Ahasverus zurück in die Weit. ־ t * Wetuis aber blinkt über Berg und Tal