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Jüdische Rundschau · 1904-07-15 · Heft 28 (15.7.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 28 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. No, 23. Srite 304. er sich der Sache widmete, und dank der unbestrittenen Reinheit seiner Absichten bald eine führende Rolle ein. Sein Buch ״Der Judenstaat“ hat zwar, wie die ganze zionistische Riehhing, im Judentum selbst vielen Widerspruch gefunden, trotzdem scharten sich aber die Zionisten um Dr. Herzl, der in den. letzten Jahren auf den zionistischen Kongressen neben Max Nordau den Vorsitz führte- Basler Nachrichten. (Im Auszuge.) Und das ist gewiss, mögen auch Herzls poetische wie feuilletonistische Arbeiten mit dem Tage kommen und gehen und ihren ephemeren Charakter nicht verleugnen, als Vorkämpfer des Zionismus hat ihr Verfasser eine Bedeutung, die weit über die seines literarischen Schaffens hinausreicht und in der geschriebenen und ungeschriebenen Geschichte seines über den Erdball zerstreuten enteigneten Volkes ihre Spuren lassen wird. In Basel w׳ar man Zeuge der tiefgehenden Bewegung, die durch den Zionismus unter der Judenheit hervorgerufen worden ist. Eine Bewegung, von oft leidenschaftlicher Hitze, so dass bei den Kongressen die Geister auf das heftigste aufeinanderplatzten, wenn über die Existenzbedingungen und die Rechts- Verhältnisse dieses jüdischen Zukunitstaatcs debattiert wurde. Noch auf jedem Kongresse kam cs zu ernsten Zwistigkeiten, die mit süglicher Lebhaftigkeit diskutiert wurden, aber bei dem Chaos der Meinungen, das von den russischen, polnischen, westeuropäischen und amerikanischen Zionisten entfesselt wurde, behielt 'der ständige Vorsitzende und Führer dieser Kongresse und dieser Bewegung, Dr. Theodor Herzl, stets seine imponicrcnde Ruhe. Aber wie cs auch kommen mag, Herzl hat die nationale Bewegung unter seinem Stammesgenossen mächtig entfacht, und mancher, der sich heute wieder mit Stolz Jude nennt, verdankt dies dem Einfluss des Mannes, der vor den Sultan Abdul Hamid und zu Fürsten und Staatsmännern gegangen ist, um seinem Volke, so weit cs einer Heimat bedarf, diese auf dem alten Boden Zions wieder zu verschaffen. Der Schlag, den heute der Zionismus inlt Herzls vorzeitigem Tod erlitten hat, ist ungeheuer. Ob die Zionisten ohne ihren klugen Führer noch zu praktischen Zielen kommen, muss die Zukunft lehren. Verteufelt nahe der Wahrheit kommt das ״Deutsche Volksblatt“, Wien, wenn es konstatiert: ״Es ist kein Geheimnis, dass seinen Bemühungen der jüdisclic Grosskapitalismus Hindernisse auf Hindernisse entgegentürmt, und wenn darüber noch ein Zweifel bestanden hätte würde er durch die Nachrufe beseitigt werden, die die jüdische Presse dem toten Zionistenführer widmete. ..Herzl hing — so schreibt ein.jüdisches Abendblatt — einer trügerischen Fata Morgana nach; durch die antisemitische Bewegung war er auf den Rassenstandounkt gedrängt worden, sein früher Tod ersparte ihm die bitterste Enttäuschung; cinzusehen. dass sein Plan ein aussichtsloser gewesen, dass die Hervorkehrung des jüdischnationalen Standpunktes für die Juden nur Nachteile mit sich bringen kann, nur dazu angetan ist, die Kluft zwischen Juden und Nichtjudcn zu erweitern." Und at!_anderer Stelle: ..Es ist die jüdische Presse selbst, die die jüdische Rasse tief unter das Niveau der europäischen Völker stellt, und da mutet man uns zu, dass wir uns mit dieser Rasse vermengen sollen dass wir vergessen sollen, dass ihre Eigentümlichkeiten sic weit unter unsere Kulturstufe stellen. Das kann und wird iiie geschehen.. Auch die Herolde der Assimilationsthcorie sind Träumer. Phantasten". Man wird aber ruhig weiter bchauDten, dass die Zionisten es sind, die den Antisemitismus bestärken. Auf gleicher Höhe wie die ״Frankfurter Zeitung" hält sich natürlich das ״Berttner Tageblatt“. Ueber einen seiner Berichte setzt cs den vielversprechenden Titel: ״Das Testa mentcincsSchwfirmcr s“. Ein ander Mal, da cs ja von und für getaufte Juden geschrieben ist, hält cs für dringend nötig, in einen allgemein kursierenden Waschzettel über die Leichenfeier in Russland zum besonderen Verständnis seiner Leser eigens cinzuschieben, dass auch ”..Messen" für den Verstorbenen gelesen wurden. Ist Herr Levysohn im Kreise seiner Stammesbrüder das so gewohnt? Kein Wunder, dass die gleiche Presse allen abenteuerliehen Gerüchten über die Zukunft unserer Partei weit offen steht. So welss das .,Berl. Tagehl." als erstes von der Nachfolge des amerikanischen Juden Oskar Strauss auf Herzls Präsidentenstuhl zu melden, und von hier aus hat dam; «erselbe Nonsens durch alle judenliberalen Blätter schleunigst die Runde gemacht. Besonders leicht geneigt zu sensationellen Enthüllungen erscheint bei all seiner sonst teilnehmenden Haltung das ״Prager Tagblatt“, das mit Vorliebe wörtlich sein sollende Aeusserungen Herzls zitiert, und überhaupt allzuviel genaues wissen möchte, Demgegenüber hat dann insbesondere das Wiener Blatt ״Die Zelt“. das unserer Bewegung wohl von allen nicht rein Jüdischen Blättern am nächsten steht, ein ausführliches Dementi für am Platze gehalten. Dagegen schliesscn sich die Hakatlsten- Blätter, wie der ״Hannoversche Courier” und die ״Magdeburgische Zeitung" ihren antisemitischen Schwestern christileher und halbchristlicher Konfession durchaus ,würdig an. Der Pariser ״Temps“ vom 5. Juli veröffentlicht folgenden Nekrolog, der uniso bemerkenswerter ist, weil zum erstenmalc Er nahm die Idee auf, welche vor ihm manche Denker ausgesprochen haben, die Juden nach Palästina zurückzuführen, ausgesprochen haben, die Juden nach Palästina zurückzuführen und schrieb die kurze und tief durchdachte Broschüre ״Der Judenstaat". Er schuf aus einem Guss die zionistische Bewegung, dann verliess Theodor Herzl die literarische Karriere, die sich glänzend vor ihm öffnete und widmete sich voll und ganz dem grossen Werke, das auszuführen er für möglich hielt. Die religiösen Doktrinen des Judentums hatten keinen Einfluss auf ihn gehabt und er machte aus der Judenfrage eine Nati.onalitütenfrage. Dr. Herzl hat in seiner Eigenschaft als Chef der zionistischen Bewegung mehrmals bei Regierungen als Vertreter des Jüdischen Volkes interveniert. Theodor Herzl war ein Mann von grosser Bedeutung und sein Tod bedeutet einen höchst fühlbaren Verlust für die zionistische Bewegung, die er geschafien*hat und deren Seele er war. Der Newyork ״Herald“ vom 4. Juli bringt neben dem Porträt Dr. Herzl’s folgende kurze Depesche: Dr. Theodor Herzl's Tod in Wien. Der Begründer der modernen Bewegung zur Rückkehr der Juden nach Palästina ist der Ueberanstreneung erlegen. Er ist als Opfer seiner unermüdlichen Energie für den Zionismus gestorben, für den er alle Hauptstädte Europas durchlief und in dessen Interesse er mit allen Staatsmännern und Staatsoberhäuptern, sogar mit dem Papst und dem Sultan Unterredungen hatte- Daily Telegraph: Aus Edlach Reichenau kommt eine Nachrieht, welche mit aufrichtigem Bedauern aufgenommen worden ist. Dr. Theodor Herzl. der Begründer der zionistischen Bewegung, ist tot. Er starb im frühen Alter von 44 Jahren an einer Lungenentzündung. Er lebte nicht lange genug, um die glänzende Erfüllung seiner Mission zu sehen, das Bestreben, das nichts weniger oder mehr war, als die Wiedervereinigung des jüdischen Volkes in Palästina. Aber es gelang ihm, andere aus seinem Volke mit seinem eigenen Enthusiasmus zu erfüllen. Niemand kann sagen, was sein Verlust für die Bewegung bedeuten wird, aber diese ist längst hinaus über das Stadium, welchcs wir als ein Stück mit einer Glanzrolle betrachte 1t und es ist kein Mangel an gelgneten Führern, um sc'n Werk weiter zu führen... . Als der Zionisten-Kongress in London zusammentrat, wurde ihm eine ausserordentliche Ovation zuteil und vor einem Jahre erst erhielt er von Seite der britischci Rcgiciung das Angebot eines grossen Landstriches in Britisch-Otsafrika für eine jüdischc Siedlung unter englischer Souveränität. Sein Tod ist ein grosser Verlust für die Sache, denn er war ein Mann von grosser persöniieher Anziehungskraft und ein geborener Führer, eines Volkes.“ Hamburger Corrospomlcnt. Am Donnerstag wird Theodor Hctz\ begraben werden. Tausende werden Tränen weinen um den Menschen, den Juden, den Dichter, den Künstler. So?ross ist seine Gewalt über die Leute gewesen. Er hat ihnen nur gutes getan. Er hat geholfcn, wo zu helfen war, hat tausende durch seine Feder entzückt, tausende durch seine Worte begeistert, durch seine groses Idee, in Palästina eine rechtlich gesicherte Heimstätte für die Juden zu schaffen. Wer ihm nahestand, weiss, wie ernst •־s ihm mit dieser Idee gewesen. An ihr hing er wie an einem Kinde, das man über alles liebt. Wenn er vom Zionismus sprach, verklärten sich seine grossen dunklen Dichteraugen und daun sagte er oft — ich gedenke dessen in tiefster Erregung — mit einer Stimme, deren vollen Klang man niemals vergisst: ״Es wird einmal sein . . Er sprach so, wie er schrieb, wie er schuf: edel und wahr. Er ist ein Muster gewesen als Mensch und als Künstler. Man muss es miterlebt haben, um schildern zu können, wie oft Hunderte und Tausende an seinem Munde

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