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Jüdische Rundschau · 1904-07-15 · Heft 28 (15.7.1904) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 28 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 28. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 299. unfruchtbar bleibe, müssen wir uns'aufraffen, in seinem Geiste weiterzuarbeiten. Fiir Herzl kann es nur ein würdiges Denkmal geben: Sein ausgeführtes Werk. Nord au. ZangwIU depcschfcrt: ״Nicht gestorben - weil unsterblich. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Aus Köln: Tief erschüttert von dem ungeheuren Unglück, das Sie und uns betroffen, drücken wir Ihnen unser innigstes Beileid aus. Unser Schmerz und unsere Trauer ist grenzenlos und Hisst sich durch Worte nicht wiedergeben. In tiefster Verehrung das Zentral-Komitec der zionistisehen Vereinigung für Deutschland. Aus Berlin: Tieferschüttert haben wir die Trauerbot־ schaft von dem Hinsclieiden Ihres Gemahls, unseres Herzl. empfangen; möge es Ihnen, gnädige Frau, zum Tröste gereichen, dass tausende deutscher .luden mit Ihnen an der Bahre des grossen Toten in unermesslichem Schmerze trauern. Zionistischc Vereinigung fiir Deutschland. Z e n t r a l b u r e a u Hantke, Leszinsky, Simonson. Die •Charkower Zionisten: Tief erschüttert durch den furchtbarsten unersetzlichen Verlust, durch das neue grausamste Unglück im leidvollcn Leben unseres unglücklichen Volkes, haben wir wirklich keine entsprechenden Worte, um den Grad unserer Trauer und unseres Kummers auszudrücken. Da wurde eilte mächtige junge• Kraft von einem unerbittlichen j Schicksal gerade aus dem Seelenkern unseres Volkes gerissen j und hinterlässt auf lange Zeiten eine tiefe blutende Wunde in; unserem Organismus. Doch nichts geht in der Welt gänzlich verloren, und wir hegen die tiefste Uebcrzeugung. dass die j grenzenlos unermüdliche, iiir die Regeneration unseres Volkes ausgegehene Energie des grossen Verstorbenen unbedingt und * sicher unsterblich bleibt und a'l׳? Flanken Israels als ein Ganzes freundschaftlich vereinigt für das gemeinsame Ziel, das so tief durchgefühlt lind in der Geschichte unserer Ahnen herausgcfiinden der grosse Meister. Nun ist er plötzlich durch den Tod aus unseren Reihen herausgerissen worden: die ewige Erinnerung an den treuen Bruder wird uns die Aufgabe aut- : erlegen, an seinem Grabe einander Hand in Hand den Eid zu leisten, dass wir nicht irüher ruhen und immer eifriger arbeiten, bis wir das allgemeine heilige Ziel erreicht haben: eine öffeut- ' lieh rechtliche, gesicherte Heimstätte auf unserem historischen Boden für unser Volk. ln Aufträge der Zentrale der Char-! kower Zionisten: j D r. J.a k o I) Bernstcin-Kohan, Rechtsanwalt j Alexander Ncniirovsky.- : Aus Odessa: Tief erschüttert von dem unersetzlichen Verlust, den die Zionisten und das ganze jüdische Volk in der Person ihres grossen Sohnes, Mannes' und Vaters erlitten, drücken wir Ihnen unser tiefstes Beileid aus. Möge das Bewusstscin, dass zusammen mit Ihnen das ganze jüdisch1? Volk am Grabe Ihres Sohnes, Mannes und Vaters mitweint. Trost und F.rlcichtcrung bieten. Aktionskomitee-Mitglied S a p i r im Namen aller •13 Odcssaer Vereine. Bodenhelmer. Aus Köln: Liebe Kollegen und Brüder! Ich kann die Stunde der Beisetzung unseres unvergesslichen Führers nicht Vorbeigehen lassen, ohne Euch zu sagen, wie schmerzlich es mir ist, in dieser schweren Stunde nicht bei Atemnot ein wenig abhclfcn. Er seufzte. ״Weisst du,“ sagte er, ״ich habe immer geglaubt, Schrecken und Grausen zu kennen. Aber alles das, was es gibt, und was man sich auch denken kann, ist ein Kinderspiel gegen den furchtbarsten Schrecken, gegen den Lufthungcr. Ah, so recht leicht und tief atmen zu können -!“ Ich tröstete, so gut ich cs vermochte, beteuerte, dass mit dem Verschwinden des Katarrhs auch die Atemnot schwinden würde und reichte ihm das Schlafmittel. Er sass wieder aufrecht, w׳eil die Hustcnstösse häufig kamen und betrachtete immer, wenn er ausgehustet hatte, das blutige Sputum. ״Mein Blut,“ sagte er, ״ich habe nicht gedacht, es s o hingeben zu müssen!“ Der Schlaf Hess auf sich warten. Endlich kam ein leichter Schulmmcr. Aber nach kauf fünf oder zehn Minuten trieben die Hustenstossc den Kranken wieder in die Höhe und verstört sah er um sich. Wenn er mich dann neben sich sah, wurde er ruhiger. Er nahm meine Hand und schlummerte wieder ein. Ein paarmal gelang es ihm, fast eine halbe Stunde zu schlafen. Hie und da murmelte er im Schlafe. Dann fuhr er wieder auf und sah mich starr au. ״Hast du Cowcn verständigt?“ Ich antwortete: Ja. ״Schreibe ihm, er möge warten und die Sache vorläufig nicht zu Ende führen.“ Ich versprach es. Er schlief wieder, unruhig und fortwährend durch den Husten gestört. Dann richtete er sich wieder einmal plötzlich auf. Die Augen Euch sein zu können, um mitzuhelfen, mitzuberaten. Ich bitte, fasst jetzt keine folgenschwere Beschlüsse! Beruft die Jahreskonierenz, aber keinen Kongress! Der Hüter Israels schlummert nicht, er wird uns auch einen neuen Führer erwecken, einen Theodor Herzl wird es niemals mehr für uns geben. — Mit brüderlichem Zionsgruss, Euer treuer Genosse Dr. Bydt« ־ heiincr. D r. Tschlenow, Moskau: Krank, ans Bett gefesselt, bin ganz durch Ihre Nachricht niedergeschmettert, habe keine Trostworte. Armes, armes Volk ־״ du hast deinen' Besten, Einzigen verloren. S'erebt Zion, Riga: Unser grösstes Unglück seit Zer- Störung beklagt tief gebeugt ״Zion”. Die Jüdische Kolonialbank in London war am Donnerstag, dem Tege des Leichenbegängnisses, geschlossen. Schwarze Fahnen gebe«« son dem Trauerial! Kunde . Chief-Rabbi von London Dr. Adler hat der zionistischen Federation einen Beileidshiie.' gesendet. Nächsten Mittwoch, am letzten Tage der Sehiwwah, wird in der Londoner Hauptsynagoge ein Trauer- ־ gottesdienst stattfinden. Beide jüdischen Volksumvcrsitäten In Paris sind zum?.׳. ic'’c’: d־׳r NotionaUraucr geschlossen. Die ״Oestcrrelclilsch-lsraelitische Union” in Wien: Tief ergriffen durch das unerwartete Hinscheiden Ihres Präsidenten, des Herrn Dr. Theodor Herzl, spricht der Vorstand der .,Oesterreichiscli-Israelitischen Union" dem geehrten Aktionskomitee und der gesamten Zionistischen Partei ob dieses unersetzlichen Verlustes sein innigstes Beileid aus. Wir bedauern in dem Pahingeschiedeneu eine der schönsten Blüten und edelsten Zierden des Judentums, der dem jüdischen Namen in der ganzen Welt zu neuem Ruhme und Glanze verholten hat. Auch wenn er nicht eine mächtige Bewegung zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes angeregt hätte, würde Theodor Herzl durch seine glänzenden Geistesgaben, durch den hervorragenden Platz, den er sicli als Schriftsteller erworben und durch sein edles Menschentum unserer Glaubcnsgcmeinschaft zur höchsten Ehre gereichen. Sein Andenken wird auch in unserer Mitte dauernd fortleben und gesegnet bleiben. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung: ״Oesterrcichisch-Israelitische Union", der Präsident Sigmund Mayer, der Sekretär Siegfried Fleischer. Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Basel: Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Basel übermittelt Ihnen und der Familie des verstorbenen Dr. Herzl den Ausdruck seines tiefempfundenen Beileids. Wir beklagen, Zionisten und Nicht- Zionisten, ׳mit Ihnen in dem Dahingeschiedenen, dessen Wirken wir aus nächster Nähe zu bewundern den Vorzug hatten, den kraftvollen Sohn des *udcntunis, den genialen, sich aufopfern־ den Vorkämpfer fiir die erhabensten Interessen seiner Stammesgenossen und wir sind vom Gedanken beherrscht, dass Israel auch in der Zukunft solche Führer erstehen möchten. Zadoc Kahn, Grandrahbin von Frankreich. Die traurige Nachricht erschüttert mich tief, teile ihre Trauer um den hewundernswürdigen Dr. Herzl. Zadoc Kahn. weit geöffnet, den Oberkörper gestrafft, sass er da, als ob er horche. Dann rief er plötzlich mit tönender Stimme: Ad loca! Ad loca! Und die Rechte klopfte auf die Decke, als ob sic den Hammer schwänge. Ich war aufgesprungen und hielt meinen Arm um ihn geschlungen. Als ich ihn an mich drückte, kam er zu sich. ״Du?“ sagte er, ״duwarst ja gerade“ . . . das andere verlor sich in einem Murmeln. Ich Hess ihn sanft auf das Polster gleiten. Er biieb eine Zcitlang wach, die Augen noch immer mit dem Blicke, der fiir das Nahe blind ist und Fernes sieht. Und die Lippen bewegten sich lautlos und die Rechte klopfte wieder, einmal, zweimal . . .. Dann wieder Schlummer. Ich aber sass und schaute mit brennenden Augen auf ihn. Ich suchte zu erraten, was sich hinter dieser Stirne eben jetzt abspiclte. Und ich sehe den Baseler Kongresssaal. Die dichte Menge der Delegierten im Festkleid, die Galerie zum Brechen voll, vorne die Journalisten erwartungsvoll um die Tribüne geschart, oben das Präsidium, Kopf an Kopf, und vorne Herzl in seiner ganzen Würde und Anmut, das Papier in der Hand. Ich höre ihn lesen, langsam, laut, und die wichtigsten Stellen mit markiger Kraft hervorhebend. Und nun ein Beifallssturm ohne Ende. Und er steht aufrecht, umtost von immer erneuten Beifallsstürmen und Hochrufen und schaut ernst und unbewegt auf die tobende Menge und — und plötzlich n:

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