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Jüdische Rundschau · 1904-07-08 · Heft 27 (8.7.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 27 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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... זי^, *tj^i!** •«*מיי■ Seite 290. jgDISCHE RUNDSCHAU. No. 27. יז*ימל־ ( blick verstandeh, ׳ was unsern Vätern in den schwersten Zeiten, die Kraft zum Ausharren gab. Eigentümlich lebensvoll trat unsere Geschichte in diesen Gestalten vor uns hin. Ich musste daran denken, wie man mir in der ersten Zeit oft entgegen gehalten hatte: ״Sic werden nur die russischen Juden für die Sache gewinnen.“ Wenn mau mir das heute wieder sagte, würde ich antworten: Das genügt! « Der Baseler Kongress. Von Dr. Theodor Herzl (Aus ״Contemporary R c v i c w”. September 1S97.) In den letzten drei Tagen des August hat in Basel ein K״ngress stattgeiuudcn, dessen Bedeutung anzuerkennen jetzt schon Freunde und Feinde ziemlich einig sind. Es war der Kongress der Zionisten. Das Wort selbst war vorher in der Oeifentlichkeit soviel wie unbekannt. In Basel stellte sich der Zionismus sozusagen der nichtjüdisehcn Welt vor, und man erfuhr aus den Verhandlungen, welche Ziele diese Bewegung anstrebt. Wer ein bischen, am öffentlichen Leben teilgenommen hat. weiss, unter welchen Missverständnissen, Anklagen,• Verlernt:־ düngen jeder politische Gedanke in die Diskussion gerät. Es kommt wohl daher, dass über allgemeine Gegenstände jeder ein massgebendes Urteil zu haben glaubt, und je weniger einer die letzten Konsequenzen zu überblicken tühig ist, um so rascher und bestimmter pflegt er sich zu üussern. Fiir den gelassenen Betrachter menschlicher Dinge ist das ein Born immer frischer Heiterkeit. Unternimmt man ein schweres Werk, so muss mau s׳clt vor allem die Freiheit der Anschauung für die Gegner bewahren. Dann dienen ihre heisscsten, auch ihre bösesten Bemühungen nur dazu, den Schaffenden zu erquicken. Ich kann sagen, dass seit ich mich um das Los meiner armen. Bi Oder bekümmere und viel Elend kennen gelernt habe, un* endlich viel mehr, als ich zu Beginn vermutet habe, die krampt'־ haften Anstrengungen der Gegner die einzige Quelle des Yergnügens für mich wäret». ״That is the humottr ni it.“ Soiist ist es eine traurige Sache. Unsere Bewegung ist aus der Kot geboren, aus der Not der Juden'in der ganzen Welt. Aber bevor ich weitergehe, will ich für die Leser, welche auch noch nicht das erste Wort von der Sache kenne:׳, die Definition des Zionismus geben. Diese Definition war in meinem vor anderthalb Jahren erschienenen Buche ״der Judenstaat“ formuliert, und der Baseler Kongress hat sie sanktioniert. ״Der Zionismus strebt die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte an für diejenigen Juden, die sich an ihren jetzigen Wohnorten nicht assimilieren können oder wollen.“ Wenn ich diesen mir schon so geläufigen Satz, den ich oft und oft ausgesprochen, unzähligcmal verteidigt habe, wieder fibcrlesc und dabei bedenke, zu welchen Kömpfen innerhalb der Judcnheit er bereits Anlass gegeben hat und wie er jetzt, wo er aus dem Ghetto hiuaustritt, von allen Seiten angepackt, gezaust und manchmal durch die Gosse geschleift wird, so muss ich mich über die Blindheit der Leidenschaften wundem. Vielleicht wird ts den unbefangenen Lesern dieser Zeilen ähnlich ergehen. Man sollte doch meinen, dass eine so bescheidene Forderung, die niemandes Rechte gefährdet oder verletzt, so wilde Stürme nicht erregen mii>$te. Es gibt dafür nur eine zureichende Erklärung: Die Judenfrage passioniert noch heute wie in alten Zeiten die Gemüter, und m diesem Jahre des Heils ist inan noch ebensowenig zu ruhiger Rede über die Juden abgeklärt, wie in den achtzehn Jahrhunderten, seit unsere besiegten Vorväter in die Kriegsgetangen- Schaft fortgeschleppt und über den Erdkreis verstreut wurden. Und da wagen es manche Juden zu behaupten, dass cs eine Judenfrage überhaupt nicht gebe. Nein, nein, die Judenfrage ist leider wirklich .vorhanden, und wer sie am Leib oder an der Seele erfahren hat. der wird den Schmerz nie wieder los. Und in solcher Lage befinden sich die meisten Juden der Welt. Es ist heute so wenig wie je vorher meine Absicht, eine empfindsatne Stimmung für die Juden hervorzurufen. Ich konstatiere einfach, dass wir leiden. Max Nordau hat das auf dem Bastler Kongress in Worten gesagt, deren edlen Schmerz und Wohlklang man nicht übertreifen kann. Er meinte: ״Das ist die sittliche Judennot. die bitterer ist, als die leibliche, weil sie ׳ höher differenzierte, stolzere, feiner fühlende Menschen heim-! sucht.“ "ף8י fsam T-Tmr1 (־*"*־יי *"קך* Es sei unumwunden cingestanden, dass wir Zionisten das moralische Leiden der Juden für das grössere halten, obwohl wir in manchen Ländern Brüder haben, welche blutig verfolgt, misshandelt, im Erwerb und in der Sicherheit des Besitzes beeinträchtigt werden. Grausamkeiten und Notstände aller Art müssen auch andere Volksminoritäten und Individuen in der ganzen Welt erdulden, da wir noch weit sind von jenem idealen Zustande, wo jeder durch die Gerechtigkeit aller die Erdentage glückselig verbringen wird. Wir verlangen auch nicht, dass es gerade den Juden besser gehen müsse, als anderen Menschen. Nur das odiose Privileg möchten war beseitigen, dass wir eine Ausnahmestellung entnehmen sollen, weil wir als Juden geboren sind. Jedem nach seinen Werken! ist auch unser Spruch und wir sehen zur Herbeiführung dieses gerechteren Zustandes kein anderes Mittel, als die .Herstellung einer rechtlich gesicherten, dauernden Heimstätte für das jiidischc Volk. Aber dies schien ja die Vorfrage: ob es überhaupt noch ein jüdisches Volk gebe.' Natürlich leugneten das diejenigen, die ein Volk nur dort sehen, wo eine Masse von Menschen territorial geeint beisammen baust. Dass der besondere Eall der Juden individualisiert werden, und dass man vorher zur reinen Definition des Volkstums greifen müsse, das übersahen diese scharfsinnigen Denker. Ich glaube, die Nation ist eine historische Gruppe Menschen von erkennbarer Zusammengchörigkeit, die durch den gemeinsamen Feind zusammen gehalten wird. Man werfe einen Blick auf die Geschichte der Nationen und sage, ob eine einzige anders entstanden ist. Akzeptiert inan aller diese historische Definition des Volkes, so wird es schwer sein, zu bestreiten, dass auch die Juden eines sind. Sie sind sogar ein Volk %־•»!! ganz ausserordentlicher Zähigkeit der Existenz, da sie ihren Staat und den Besitz ihres Territoriums um achtzehn Jahrhunderte unter beispiellosen Qualen überlebt haben. Diese Behauptungen stellte ich schon im ״Judenstaat" auf. Heute brauchen wir ein solches Raisonnement überhaupt nicht mehr, denn an Stelle der logischen Folgerungen und historischen Nachweise ist eine Tatsache von ganz neuer Kraft tma Bedeutung getreten: Der Baseler Kongress! Auf dem Baseler Kongress haben die Juden durch konkludente Handlungen und ausdrückliche Erklärungen ihr Volkstum dargetan. Natürlich wird auch das bestritten. Alles wird bestritten, was wir sagen und tun. Es ist vielleicht noch selten vorgekommen, dass Tatsachen, die vor aller Augen liegen, mit solcher Kühnheit geleugnet werden, wie in unserem Falle. Schwarz wird weiss genannt, das Gerade heisst krumm, und Ja ist Nein. Wer das eine zcitlang durchgemacht hat, der wird völlig abgestumpft gegen den Widerspruch, besonders wenn er cs mit Gegnern zu tun hat, die nicht einmal ihren eigenen Behauptungen treu bleiben. . Von nichtjüdischer Seite wird unser Volkstum überhaupt nicht in Abrede gestellt. Mit den weiteten Konsequenzen dieses Volkstums sind freilich nicht alle einverstanden, aber gegen die Tatsachen selbst hat kein unbefangener Matsch etwas cinzuwcnden. Juden ist es Vorbehalten, sich dagegen aufzulelmen. Juden gibt es, die sich mit aller Gewalt dagegen stimmen. Warum? Es liegt hier ein Missverständnis der Angst vor, und in der Augst gehen die Herren zu weit. Sie sollten sich damit hegniigen. zu erklären,-- wenn es gerade für den Einzelnen sich als notwendig erweist, eine solche Erklärung abzugeben -־ dass sic für ihre Person dem jüdischen Volke nicht oder nicht mehr angehören. Ein derartiges Bekenntnis wird Jeder mit Aclitimg anhören; wenn im übrigen der Charakter des Bekeimers Achtung verdient: wenn er nicht verdächtig ist. aus niedrigen Beweggründen so zu sprechen. Aber das ganze Volk aus der Welt hinauszuleugucn, weil man ihm nicht angeboren will, das ist ein Ucbcrmass der Vorsicht und zugleich eiste Unbescheidenheit it׳! der Beweisführung. Herr X. oder Madame Y. sind keine Juden ־־־ vortrefflich! (In einzelnen *Fällen sogar sehr vortrefflich für uns.) Aber darum kann cs doch noch ein Volk der Juden geben. Und was die jüdischen Gegner der jüdischen Nation sonst noch fiir kuriose Sprünge macheil! Ich muss dabei zuweilen an eine Ancdkote aus dem Ghetto denken, eine jener Anekdoten, die Heinrich Heine so ergötzlich fand. Zwei Juden kommen vor den Richter. Der Kläger fordert Entschädigung für einen ausgelichencn Topf, den ihm der Geklagte zerbrochen wiederi

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