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Jüdische Rundschau · 1904-07-08 · Heft 27 (8.7.1904) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 27 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ä5»Ä1aÄ:-y No. 27. P״ JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 2S9. i׳1|11y?!׳.׳^׳״y*l;^?p*g י ^מיייי MbmJ ImJ **wywiw•!ייייןךי■ 1L *י^יי^<יי7ן^?י,^י י ־«i׳־ —^&ייי L״ cs sich Jetzt schon beurteilen lässt. wird in diesen drei Tagen eine Ucbersicht über den gegenwärtigen Stand der Judenfragc geliefert werden. Der gewaltige Stoff gliedert sich unter der Hand unserer Referenten. — —ד —- Man war in der Welt von Jeher schlecht über uns unterrichtet. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches man uns so hüufig und grimmig vorwarf, es war in voller Auflösung begriffen, als uns der Antisemitismus anficl. Dieser hat cs wieder gestärkt. Wir sind sozusagen nach Hause gegangen. Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins J u d c 111 a n d. Wir heimgekehrten Söhne finden int väterlichen Hause manches, was der Besserung bedarf; wir haben namentlich Brüder auf tiefen Stufen des Elends. Man heisst uns aber in dem alten Hause willkommen, weil cs wohl bekannt ist, dass wir nicht den vermessenen Oedanken liegen, an Ehrwürdigem zu rütteln. Das wird sich bei der Entwickelung des zionistischen Programmes zeigen. Schon hat der Zionismus etwas Merkwürdiges, ehedem iiir unmöglich Gehaltenes zu Wege gebracht; die enge Verbindung der modernsten Elemente des Judentums mit den konservativsten. Dass sich dies ereignet hat. ohne dass von der einen oder der anderen Seite unwürdige Konzessionen gemacht, Opfer des Intellekts gebracht worden wären, ist ein Beweis mehr, wenn cs noch eines Beweises bedürfte, für das Volkstum der Juden. Ein solcher Zusammenschluss ist nur möglich auf der Grundlage der Nation. Es werden auch Debatten stattfinden über eine Organisation, deren Notwendigkeit jeder einsicht. Die Organisation ist der Beweis des Vernünftigen in einer Bewegung. Hier ist aber ein Punkt, der nicht deutlich und energisch genug herausgearbeitet werden kann. Wir Zionisten wünschen zur Lösung der Judenfrage nicht etwa einen internationalen Verein, sondern nur die internationale Diskussion. Der Unterschied ist für uns von der grössten Wichtigkeit, wie ich Ihnen nicht erst auscinanderzusctzen brauche. Dieser Umstand legitimiert auch die Einberufung unseres Kongresses. Es kann sich bei uns nicht um Biindelcien, geheime Interventionen und Schleichwege handeln, sondern nur um eine ' freimütige Erörterung unter der beständigen und vollständigen Kontrolle der öffentliehen Meinung. Es wird einer der' nächsten, schon Jetzt in grossen Umrissen wahrnehmbaren Erfolge unserer Bewegung sein, dass wir die Judenfrage in die Zionsfrage umwandeln werden. Eine so grosse Volksbewegung muss von vielen Seiten angepackt werden. Der Kongress wird sich daher mit den geistigen Mitteln zur Wiederbelebung und Pflege des Jüdischen Nationalbewusstseins beschäftigen. Auch auf diesem Punkte haben wir mit Missverständnissen zu kämpfen. Wir denken nicht daran, auch nur eines Busses Breite von erworbener Kultur aufzugeben, sondern denken an ein weiteres Vertiefen der Kultur, wie cs jedes Wissen bedeutet. Darum soll Aufklärung und Beruhigung von diesem Kongress ausgehen. Ucbcrall soll man erfahren, was der Zionismus, den man für eine Art von chiliastischcm Schrecken ausgab. in Wirklichkeit ist: eine gesittete, gesetzliche, menschcnfreundliche Bewegung nach dem alten Ziel der Sehnsucht unseres Volkes. Was die einzelnen unter uns schrieben oder sagten, konnte und durfte man achtlos übergehen — nicht mehr das. was der Kongress hervorbringt. Möge darum der Kongress, der fortab der Herr seiner Debatten ist. als ein weiser Herr wirtschaften. Und endlich wird der Kongress für seine eigene Dauer sorgen, damit wir nicht wieder auseinander laufen, spurlos und ohne Wirkung. In diesem Kongresse schaffen wir dem jüdischen Volke ein Organ, das es bisher nicht hatte, das es aber dringend, zum Leben dringend braucht. Unsere Sache ist zu gross für den Ehrgeiz und die Willkür einzelncr Personen. Sic muss ins Unpersönliche hinaufgehoben werden, wenn sie gelingen soll. Und unser Kongress soll ewig leben, nicht nur bis zur Erlösung aus der alten Not, sondern nachher erst recht. Heute sind wir hier auf dem gastlichen Boden dieser freien Stadt, — wo werden wir übers Jahr sein? Aber wo wir auch seien, und wie lange unser Werk bis zur Vollendung daure. unser Kongress sei ernst und hoch, den U11glücklichen zum Wöhle, niemanden zum Trutz, allen Juden zur Ehre und w'ürdig einer Vergangenheit, deren Ruhm w׳ohl schon fern aber unvergänglich ist. Aus Herzls Schlussrede beim ersten Basler Zionistenkongress. An dem Tage aber, wo wieder der Pflug in der erstarkten Hand des jüdischen Bauern ruht, ist die Judenfrage gelöst. Russische Juden. Aus einem Artikel Theodor Herzls in ״C o n t c mp 0 r a r ־ל Review” Ende September 1S97. .So briygen sie es fertig, aufrecht und echt zu sein. Und es sind doch Ghettojuden, die einzigen Ghettojuden, die es in unserer Zeit noch gibt. Da haben wir bei ihrem Anwird nicht nur von den ״Zionisten” betrauert werden, die zu ihm, der machtvollsten und zugleich interessantesten Persönlichkcit jener seltsamen Bewegung wie zu einem Messias aufblickten. Auch die deutsche Bühne hat Ursache, das Hinscheiden des tüchtigen Mannes zu beklagen. Zwar ist er auf diesem Gebiete niemals als ״Grosser” angesprochen worden, aber es gab eine Zeit, da man nicht ganz ohne Bercchtiguiig von ihm eine frische Wiederbelebung unseres Lust- Spiels erwartete und erwarten durfte. Denn Herz.l. der bereits durch einige humorvolle Biihncnwerkc hervorgetreten w׳ar (darunter mit den ״Wilddieben", die am Burgtheater einen grossen Erfolg gefunden batten), war einer der witzigsten Köpfe Wiens, ein trefflicher Kenner des Thentprs zudem und ein hervorragender Künstler der Bo״׳•׳ Es mag immerhin seltsam erscheinen, dass der Abgott der Zionisten seine literarisehe Laufhalm, die er zuletzt der Idee des Zionismus dienstbar gemacht hatte, als Redakteur eines — Witzblattes begann, des ״Bloh" . , . Seine dramatischen Anfänge standen ganz und gar unter dem Einflüsse der Franzosen, an die auch der sprühende, ״mit Geist" kokettierende Dialog sehr lebhaft eriuncrtc. Später hat sich Herz.l aus diesem Banne befreit, er wurde ernster, gehaltvoller, freilich auch weniger amüsant. Seine Satire verlor mit der Oberflächlichkeit auch die Leichtigkeit, als käme sie nicht mehr aus dem Kopfe, sondern aus dem Herzen, nicht mehr aus dem blossen Beilagen am Witz, sondern aus seinem ehrlichen Zorne heraus. Es ist ordentlich schwer, sich den Verfasser von ״Solon in Lydien” (im Berfilier Schauspielliause aufgefiihrt) als Autor der kleinen Scherze ״Der Flüchtling” oder ״Causa Hirschkoni" zu denken oder gar einen Zusammenhang zu finden zwischen solchen Schnurren und dem bitter ernst gemeinten Schauspiel ״Dr. Kolm", das — wegen seiner zionistischen Tendenz — in Berlin nur Befremden erregte.*) *)״D r. K 0 h n" ist bekanntlich ein Werk Max Nordaus und nicht Herzls, das bisher in Berlin übrigens schon deshalb w'enigcr Befremden erregte, als der ״Lokal-Anzeiger" vermutet, weil cs in Berlin nicht aufgeführt ist. (Redaktion der ״Jüd. Rundschau".) & .a—«t- 1 4ii «Km 1 I ייי״יקיי י; ׳ypu ^וליייומ

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