Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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***,**•:,ו».' Mmm ■n!.M' A Seite 288. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 27. 1-il. n: apwu.m1^ ■״! מו־^י״דימייל^? f m&u2& w#wrg^gqpBV Ich bin;lm Tiefsten davon überzeugt, dass ich Recht habe — ich weiss nicht, ob ich in der Zeit meines Lebens Recht behalten wfcrde. Die ersten Männer, welche diese Bewegung ,'beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. 1 Aber schoii durch das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das Glück der innerlichen Freiheit in ihr Dasein. •-.׳ Um den Entwurf vor dem Verdacht der Utopie zu schützen, will ich auch sparsam sein mit malerischen Details der Schi!־ derung. Ich vermute ohnehin, dass gedankenloser Spott durch Zerrbilder des von mir Entworfenen das Ganze zu entkräften versuchen w׳ird. Ein im übrigen gescheiter Jude, dem ich die Sache vortrug, meinte: ״das als wirklich dargestellte zukünftige Detail sei das Merkmal der Utopie". Das ist falsch. Jeder Finanzminister rechnet in seinem Staatsvoranschlage mit zukünftigen Ziffern und nicht nur mit solchen, die er aus dem Durchschnitt früherer Jahre oder aus anderen vergangenen und in anderen Staaten vorkommenden Erträgen konstruiert, sondern auch mit präzcdcnzloscn Ziffern, beispielsweisc bei Einführung einer neuen Steuer. Mau muss nie ein Budget angesehen haben, um das nicht zu wissen. ‘Wird man darum einen Finanzgesetzentwurf für eine Utopie halten, selbst wenn man weiss, dass der Voranschlag nie ganz genau cingehalten werden kann? Ich selbst halte meine Aufgabe mit der Publikation dieser Schrift für erledigt. Ich werde das Wort nur noch nehmen, wenn Angriffe beachtenswerter Gegner mich dazu zwinge:!, oder wenn cs gilt, unvorhergesehene Eimvündc zu widerlegen, Irrtürner zu beseitigen. Ist das, was ich sage, heute noch nicht richtig? Bin ich meiner Zeit voraus? Sind die Leiden der Juden noch nicht gross genug? Wir wurden sehen. Es hängt also von den Juden selbst ab, ob diese Staats- Schrift vorläufig nur citi Staatsroman ist. Wenn die jetzige Generation noch zu dumpf ist, wird eine andere, höhere, bessere kommen. Die Juden, die wollen, wurden ihren Staat haben und sie wurden ihn verdienen. Aber ich stelle noch härtere Zumutungen an meine Leser. Ich verlange von den Gebildeten, au die ich mich wende, ein Umdenken und Umlernen mancher alten Vorstellung. Und gerade den besten Juden, die sich um die Lösung der Judenfrage tätig bemüht haben, mute ich zu, ihre bisherigen Versuche als verfehlt und unwirksam anzuscheii. In der Darstellung der Idee habe ich mit einer Gefahr zu kämpfen. Wenn ich all’ die in der Zukunft liegenden Dinge zurückhaltend sage, wird cs scheinen, als glaubte ich selbst nicht an ihre Möglichkeit. Wenn ich dagegen die Verwirklichung vorbehaltlos ankünJigc, wird alles vielleicht wie ein Hirngespinst ausschcn. Aus dem Schlusswort. Und welcher Ruhm erwartet die selbstlosen Kämpfer für die Sache! Darum glaube ich, dass ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde wachsen wird. Die Makkabäer werden wieder aufstchen. Noch einmal sei das Wort des Anfangs wiederholt: Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben. Wir solien endlich als freie Männer auf unserer eigenen Scholle leben und in unserer eigenen Heimat ruhig sterben. Die Welt wird durch unsere Freiheit befreit, durch unsern Reichtum bereichert, und vergrössert durch unsere Grösse. Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt machtvoll und beglückend hinaus zum Wohle aller Menschen. Darum sage ich deutlich und fest: ich glaube an die Möglichkeit der Ausführung, wenn ich mich auch nicht vermesse, die endgiltigc Form des Gedankens gefunden zu haben. Der Judenstaat ist ein Weltbedürfnis, folglich wird er entstehen. Aus der Begrüssungsrede Theodor Herzls vom ersten Zionistenkongress. Von Irgend einem einzelnen betrieben, wäre cs eine recht verrückte Geschichte. aber wenn viele Juden gleichzeitig darauf eingehen, ist es vollkommen vernünftig, und die Durchführung' bietet keine nennenswerten Schwierigkeiten. Die Idee hängt nur von der Zahl ihrer Anhänger ab. Vielleicht wurden unsere aufstrebenden jungen Leute, denen jetzt schon alle Wege versperrt sind, und denen sich im Judcnstaatc die sonnige Aussicht auf Ehre, Freiheit und Glück eröffnet, die Verbreitung der Idee besorgen. (Basel, r9. A u g u s t‘ 1S97.) Geehrte Kongress-Mitglieder! Als einem der Einbcrufcr dieses Kongresse ist mir die Ehre zugcfallcn. Sie zu begriissen. leb will cs mit wenigen Worten tun, denn jeder von uns dient der Sache gut, wenn er mit den kostbaren Minuten dos Kongresses spart. In drei Tagen haben wir viel Wichtiges zu besorgen. Wir wollen den Grundstein legen zu dem Hause, das dereinst die jüdische Nation beherbergen wird. Die Sache ist so gross, dass wir nur in den einfachsten Worten von ihr sprechen sollen. Soweit Herzl gab auch dieser Partei den Glanz seines Geistes, und in allen Weltteilen war sein Name als Schöpfer des jetzigen Zionismus bekannt. Mit ihm verschwindet eine vielseitige Persönlichkcit, ein Schriftsteller mit starker Eigenart, eine hervorragendc Individualität, ein lieber und guter Mensch. zionistisches Tendenzstück von Herzl aufgeführt ״Das neue Ghetto" und unser Schauspielhaus brachte einen Einakter Herzls, sowie sein Schauspiel ״Solo:: in Lydien" auf die Bühne. Aus dem ״Berliner Börsen-Courlr.’ Vicrundvierzig Jahre alt ist gestern plötzlich Dr. Theodor Herzl in Wien gestorben, der bekannte Schriftsteller, das Haupt der Zionisteu-Partci. Theodor Herzl, ein Mann von auffallend interessanter Erscheinung, ein fesselnder Charakterköpf, war in Berlin nicht unbekannt. Seine schriftstellerischen Erstlingscrfolge hatte er in Berlin zu verzeichnen, hu Mai 18('() in Budapest geboren, studierte Theodor Herzl auf österreichisclicn Hochschulen, empfand aher bereits früh die starke Hinneigung zu publizistischer Betätigung. Durch fein pointierte witzige Plaudereien, denen and: meist ein ernster Gedanke ־ zu Grunde lag. erregte er lebhaftes Interesse. Herzl lebte längere Zeit in B e r I i n als Mitarbeiter einer hiesigen Zeitung und liier auch ist er als Dramatiker zum ersten Male auf der Bühne erschienen. Unter der Direktion Hasemann kam im ״Wallncr-Thcatcr" sein Charakterlustspiel ״Seine Hoheit das Geld" zur Auiiiihrung. Die Vorstellung ist auch dadurch bcmerkenswert, dass in ihr als Vertreterin einer sentimentalen Rolle Else Lehmann zum erstenmalc in Berlin die Bretter betrat. Später brachte auch das ..Berliner Theater" unter der Direktion Barnay ein Lustspiel Theodor Herzls ״Der Bernhardiner" zur Aufführung. Im ״Thalia-Theater" wurde ein Aus dem ״Berliner Lokal-Anzeiger”. ׳ «-•ץ ן*?• *״ I * W * »11. ■» ry-r jA Ik »• Dennoch war das Theater nicht eigentlich das Feld, auf dem die Erfolge Theodor Herzls blühten. Als Redakteur der ״Neuen Freien Presse” in Wien zeigte er sowohl durch die Leitung des Feuilletons wie durch seine eigenen Arbeiten viel Geschmack, vornehme literarische Bildung und eine seltene Formgewandtheit. Am bekanntesten war Theodor Herzl aber als Führer der Z i ״ n i s t e n - P a r t c i. als welcher er auch mannigfache diplomatische Beziehungen ankniipfte. In Koustantinopcl verhandelte er mit dem Sultan wie mit dem türkischen Ministerium, in Petersburg mit der russischen Regierung, in London mit den offiziellen Kreisen. Mit aufrichtigem Entlmsiastmis und ehrlichem Glauben an die Sache arbeitete er unermiidlieli au der Verwirklichung der zionistischen Ideen, an dem Plane, einen jüdischen Staat in Palästina wieder zu errichten. Ein ehrliches Streben, ein starker Idealismus, vielleicht mit einer ganz kleinen Beimischung von persönlichem Ehrgeiz, kcnnzciehueten den trefflichen Schriftsteller und Parteimann. der nun so früh seinem Berufe und seiner Familie entrissen wurde. Eine Herzmuskel-Entzündung soll ihn so vorzeitig dem Leben und Wirken entrissen haben. L. Theodor Herzl, der Wiener Schriftsteller, der, wie wir gestern meldeten, im Alter von 44 Jahren verstorben ist,; w—■ *- i־־