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Jüdische Rundschau · 1904-07-08 · Heft 27 (8.7.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 27 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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״. ä*«S»״׳i»#a«1k^ ‘ZmAktk^tS^ ״ff'!: No_. 27' JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 287. ץ״ויית' ^»'1 ■1^י»ו?'יך«׳11!"!׳.■י׳ *fp׳ ׳yw ■■■ — — -«- ■-.■״■■״ mm י״?ד ry *.?»-«t» >t9 wj׳^׳!i w, *?״ *יtt ״ry Tgry y יי^^י־#! 1 Freund!“ Qott gebe, dass er nur müde war von der Last und Milbe des Tages. Und heute, da ein noch zuletzt von ihm gecintes Volk in einhelliger Trauer um ihn weint, wollen wir einen Trost darin zu finden suchen, dass er nach gut getaner Arbeit ruht, nach einem reichen Leben, das dem höchsten Streben gewidmet w׳ar: uns eine Heimat zu schaffen. Auf seinem Grabe sollten die Dichter-Worte stehen: ״Besseres nicht erringt dein Erdenmühen, Ein Stück Erdemvildnis mache blühen, Eine kahle Scholle bring’ zum Grünen Ucber die dein Pilgcrfuss hier schreitet, Dir die stiiie Wohnung zu verdienen, Die die Mutter ihrem Sohne bereitet.“ Die Mutter Erde nimmt dich auf, w׳as Staub an dir war, zerfällt. Aber ein Denkmal dauernder als Erz und Stein, hast du dir errichtet in unseren Herzen. Adolf F r i c d e m a n 11. I Aus Theodor Herzls Schriften I Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Jjdenfrage. lichkeit vorhanden, sind mit Händen zu greifen: jeder kann sich davon überzeugen. Will man also diesen Versuch einer! Lösung der Judenfrage mit einem Worte kennzeichnen, so darf, man ihn nicht ״Phantasie", sondern höchstens ״Kombination" nennen. Gegen die Behandlung als Utopie muss ich meinen Entw־urf zuerst verteidigen. Eigentlich bewahre ich damit nur die oberflächlichen Beurteiler vor einer Albernheit, die sic begehen könnten. Es wäre ja keine Schande, eine mcnschenfreundliche Utopie geschrieben zu haben. Ich könnte mir auch einen leichteren literarischen Erfolg bereiten, wenn ich für Leser, die sich unterhalten wollen, diesen Plan in den gleichsam unverantwortlichen Vortrag eines Romans brächte. Aber das ist keine solche liebenswürdige Utopie, wie man sic vor und nach Thomas Morus so häutig produziert hat. Und ich glaube, die Lage der Juden in verschiedenen Ländern ist arg genug, um einleitende Tändeleien überflüssig zu machen. Um den Unterschied zwischen meiner Konstruktion und einer Utopie erkennbar zu machen, wähle ich ein interessantes Buch der letzten Jahre: ״Freiland" von Dr. Theodor Hertzka. Das ist eine sinnreiche Phantasterei, von einem durchaus modernen, national-ökonomisch gebildeten Geist erdacht, und 1 so lebensfern, wie der Aequatorberg, auf dem dieser Traum- Staat liegt. ״Freiland” ist eine komplizierte Maschinerie mit vielen Zähnen und Rädern, die sogar ineinander greifen: aber nichts beweist mir, dass sie in Betrieb gesetzt werden könne. Und selbst, wenn ich Frcilands-Vcreine entstehen sehe, werde 1 ich cs für einen Scherz halten. , } Hingegen enthält der vorliegende Entwurf die Verwen- | düng einer in der Wirklichkeit vorkommenden Treibkraft. Die I Zähne und Räder der zu bauenden Maschine deute ich nur; an, in aller Bescheidenheit, unter Hinweis auf meine Unzbj .l-'*nglichkcit und im Vertrauen darauf, dass es bessere ausiührendc Mechaniker geben wird, als ich einer bin. Von Theodor Herzl, Doktor der Rechte. . (Februar 1S96.) Vorrede. Der Gedanke, den ich in dieser Schrift aust'ührc, ist ein uralter. Es ist die Herstellung dos Judenstaates. Die Welt widerhallt vom Geschrei gegen die Juden, und das weckt den eiugeschlummcrtcn Gedanken auf. Ich erfinde nichts, das wolle man sich vor Allem und auf jedem Punkte meiner Ausführungen deutlich vor Augen halten. Ich erfinde weder die geschichtlich gewordenen Zustände der Juden, noch die Mittel zur Abhilfe. Die materiellen Bestandteile des Baues, den ich entwerfe, sind in der Wirk- Auf die treibende Kraft kommt cs an. Und was ist diese Kraft? Die Judennot. Wer w׳agt zu leugnen, dass diese Kraft vorhanden sei? J Wir werden uns damit im Kapitel über die Gründe des Antij semitismus beschäftigen. . [ Man kannte auch die Dampfkraft. die im Teekessel durch . 1 ן Erhitzung des Wassers entstand und den Deckel hob. Diese |; Teekesselerschcinung sind die zionistischen Versuche und i I viele andere Formen der Vereinigung ״zur Abwehr des Antij semip’smus". I Nun sage ich, dass diese Kraft, richtig verwendet mächtig!! genug ist. eine grosse Maschine zu treiben. Menschen und; 1 Güter zu befördern. Die Maschine mag aussehen. wie man will. , zu rechtfertigen. Man glaubte Zeuge zu sein dieser furchtbaren Tragödie, w0׳ Reputationen, die durch ein Menschenalter erworben und aufgebaut wurden, in wenigen Minuten zertrümmert waren. Nicht minder packend und fesselnd w׳ar seine Darstellung jener Sitzung, in welcher französische Minister gleichsam von der Ministerbank selbst auf die Anklagebank geschleppt wurden, darunter auch Rouvier, der jetzige Finanzministcr, gegen den jedoch nach seiner Rechtfertigung die Untersuchung eingestellt wurde. Den stärksten publizistischen Eindruck machte jedoch die reizende Schilderung einer Zeugin, die im Panama-Prozess vernommen wurde, der Madame Cottu. Er hat diese Frau herausgearheitet, wie nur ein feiner Psychologe sie auizufassen, ein scharfes Auge sie zu sehen und eine virtuose Darsteilungskraft sie zu schildern vermochte. Madame Cottu stand vor uns, eine witzige, geistreiche Französin, welche die Polizei, die Richter, die ganze hohe Justiz und die' ehrwürdigsten Gesetze ins Lächerliche zog und durch ihren Spott das ganze Publikum zu gewinnen wusste. Dr. Theodor Herzl war einer der brillantesten Pariser Korrespondenten, und eine bleibende Frucht seines Pariser Aufenthaltes ist das Buch, in welchem er die markantesten Persönlichkeiten des damaligen Frankreich und besonders der französischen Kammer und des Senats meisterhaft gezeichnet hat. Es hat Dr. Herzl an grossen Erfolgen auf der Bühne ebenfalls nicht gefehlt. Einzelne Stücke, die er zum Teil allein, zum Teil mit Hugo Wittmann verfasst hat. sind, wie die .,Wilddiebe”, im ständigen Repertoire des Burgtheaters gcblieben. Die Aufführung des ״Neuen Ghetto" am Karl-Theater war ein sensationelles Ereignis. Noch höher jedoch als den Dramatiker Dr. Herzl möchten w׳ir den Fcuilletonistcn stellen. ■ Er hatte einen eigenen Ton, wie die grossen Maler ihren eigenen Pinselstrich haben: er w׳ar ein Künstler als Stilist und bcsass den modernen Einschlag der leisen und feinen; Ironie, der Skepsis des Weltmannes, den eleganten Humor, in j welchem immer etwas Bitteres steckt. In jeder Zeile, die er j schrieb, zeigte sich seine Persönlichkeit. In den kleinen Bei-! trägen, die er in Momenten guter Laune für die Chronik 1 unseres Blattes schrieb, brachte das Talent zum Grotesk- Komischen, von dem auch meisterhafte Szenen ווו seinen I Stücken Zeugnis geben, reizende Kabinettsstiickcben hervor: wie um nur einen Fall zu erwähnen: die Entrcfilcts über die Zeitung in Arizona und der liebenswürdige Witz, mit dem er voll Teilnahme die Schicksale eines Reporters darstcllte, um das Publikum leise, beinahe vorsichtig darüber zu unterrichten, wie schwierig, wie aufopferungsvoll der journalistische Beruf [ selbst auf den ersten Stufen der Karriere ist. » Frühzeitig ist Dr. Herzl aus dem Leben geschieden, das ihn mit einer Fülle von Glück und Erfolgen zu umgeben schien. Sein letztes Stück war ״Solon in Lydien", und er selbst teilte bis v.u einem gewissen Grade das Schicksal des lydischen Fürsten, denn sein Lebenslauf brachte ihn von Gipfel zu Gipfel, bis er jäh unterbrochen wurde durch ein wirklich namenloses Unglück. Sein früher Tod erschüttert alle seine Freunde aufs tiefste, und dazu gehören die vielen Tausende.! die in ihm nicht allein den Schriftsteller und Menschen vorj ehrten, sondern auch den Führer der Zionistischen Partei, die er vor einigen Jahren durch sein Buch über den ״Judcnstaat" { aus kleinen Anfängen zu einer grossen Verbreitung gebracht j hatte und der ein wesentlicher Teil seiner Kraft, seiner Energie | und seines Organisationstalents gewidmet war. Dr. Theodor 1 “$•|יי..Ti:■״*״ *w<*״״ •-«׳ 1 J

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