Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651369--01423-2658274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 27. JÜDISCHE RUNDSCHAU, Seite 285. ifW• ■V ■ *•*,*?r t **■ <■«־* י זי^*מ0*ו ■»w 1׳׳■; gyyyRyy iwiff ■ fT'f r%m fp^f1u 9*'***m %$*» . verloren, dessen blühende Jugend uns zu der Hoffnung berechtigte, dass wir ihn noch viele Jahrzehnte an der Spitze unseres Volkes sehen würden, und von dem wir hoffen durften, dass er selbst noch das Ziel mit uns erreichen würde, das er so innig herbeisehnte, und für das er sich im Dienste seines Volkes zu Tode arbeitete. Noch wissen wir nicht, was werden soll. Aber das eine verstehen wir alle, dass wir eines solchen Vaters unseres Volkes nicht würdig wären, wenn wir nicht die Pflichten auf uns nähmen, die uns als seinen Kindern und Erben zukommen. Er hinterlässt uns ein Volk, das auf ihn hoffte, und für das er eine Heimat, die Heimat im alten Vaterlande, wieder schaffen wollte. Er!unterlässt uns seine Liebe und seine Treue für das jüdische Volk. Er hinterlässt uns seine Sorgen und seinen Kummer, aber auch seine Hoffnung. Wir wären nicht wert, einen Herzl unter uns gehabt zu haben, wenn wir nicht seine Liebe durch Liebe vergelten wollten, wenn wir nicht alles daran setzen wollten, unserem Volke den unendliehen und unersetzlichen Verlust wenigstens dadurch ein wenig zu mildern, dass wir das Erbe gern und stark und freudig auf uns nehmen, ‘die Pflichten gegen unser Volk, das bei einem solchen Verlust zwiefach gerechten Anspruch hat auf unsere unermüdliche Arbeit. Als treue Kinder und gewissenhafte Erben übernehmen wir die Pflichten des hcimgegange-ncn Vaters des Jiidisehen Volkes, indem wir alle daran arbeiten, dass das hohe Ziel unseres Volkes, die Wiedereinsetzung in sein eigenes Land bald erreicht werde. Denn nicht besser können wir das Andenken unseres Geliebten ehren, als dadurch, dass wir die Fahne liochhaltcn, die seinen Händen entfiel, weil er Uebcrmcnschliches geleistet hatte. So lange das Jüdische Volk seine noch unfreiwillige Wanderschaft fortsetzt, wird es niemals der stolzesten Hoffnung vergessen, die es in seinen Exilslciden hegen durfte, wird es stets der herrlichen Zeit eingedenk bleiben ,wo es eines Herzl sich erfreuen durfte. Sein Andenken wird die Leuchte sein auf dem weiteren Leidensweg, der unserem Volke noch bevorsteht. Aber wenn es uns erst gelungen sein wird, das Ziel zu erreichen, zu dem er uns mit dem weithinwehenden Banner voranschritt, dann wird unsere schönste historische Erinnerung die edle Gestalt sein, die jetzt von uns genommen, und die in unserem Herzen und in unserer Seele niemals auch nur das Geringste von ihrem Glanze verlieren wird. Wir werden das Ziel erreichen, zu dem Theodor Herzl der Führer war. An seinem Grabe pflanzen wir die Hoffnung auf. Was sterblich an ihm ist, übergeben wir der Erde des fremden Landes, um es dereinst in ein wiedererrungenes Heimatland mitnehmen zu können. Aber seine treue Liebe vermag kein Grab einzuschlossen, nicht sein liebendes Herz, das dem Volke schlug, das ihm gehört. Und ebenso bleibt unsere Liebe zu ihm unvergänglich. So lange wir leben, werden wir ihn lieben! Heinrich Locwe. -:— t Joseph ward eingetan zu seinen Yätern. Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: ״Ich sterbe, aber Gott wird euer gedenken und euch herausfuhren aus diesem Lande in das Land, welches er zugeschworen dem Abraham, dem Jizchak und dem Jaakob.“ Und Joseph liess die Kinder Israels schwören mit den Worten: ״Gott wird euer gedenken, dann bringt auch meine Gebeine hinauf von hier.“ Und Joseph starb-und sie balsamierten ihn ein, und man legte ihn in eine Lade in Mizrajim.- (I Mos. 50, 2-1—26.) ‘ Und Moscheh nahm die Gebeine Josephs mit sich. Denn Joseph hatte die Söhne Israels schwören lassen: ״Wenn der Ewige euer gedenken wird, dann führt meine Gebeine mit euch von dannen!“ r2. mos. 13, 19.) \ (H. U sA? Herzl tot! Nach kurzem Schlafe fahre ich empor. Mit Iahtuendem Entsetzen, wie ein eherner Reif, legt sich ein lastender Gedanke mir um die Stirn: Theodor Herzl ist tot. Seit 24 Stunden wusste•ich’s, aber jetzt erst stürzt auf mich die furchtbare Wucht der Wirklichkcit. Theodor Herzl ist tot. Gefallen ist die Krone von unserem Haupte. Es weitet, weitet sich mein Fühlen. Ich bin das jüdische Volk. Mich packt seine stille Verzweiflung, sein dumpfer Schmerz. Nie sah ich ein Auge in solchem Leid wie das seine sich erheben, zum Himmel, wo mein frommes Volk mit irrem Blick seinen Gott sucht. Mein armes Volk! Mir ist, als hätten wir einen königlichen Traum geträumt. Hunderttausend Hofimingen steigen zu Grabe, und sie alle, alle muss ich mit zu Grabe geleiten. Wehe mir! Wie soll ich tragen eure Last, ihr Tausende! Wann wurde ein Mann von so viel Sehnsucht, so viel Hoffnungen seines Volkes gehoben? Welch’ herrliches Leben, so geliebt zu werden! Und nun ward er hingerafft auf der Höhe seines gewaltigen Werkes und seiner Kraft. Welche Tragik! Mancher war klüger, mancher beredter, mancher erfahrener. Aber er war weise und k ü 11 n u n d gross. Da ist kein Haus, in dem nicht ein Toter ist. Unser Vater ,unser ragender Erstgeborener ist dahingegangen. Zum dritten Male ist Jerusalem gefallen. Wie eine Feuersüulc ging er uns voran ins Land unserer Väter. Sagt, wann ist einem Volk ein solches Unglück widerfahren? Ich sah viele Menschen sterben, manchen, der mir lieb und wert war. Viele Brandungen und Wogen sind über mich dahmgegaugen. Ich bin jung und stark, und die Weisen lehrten mich, mein Herz zu bezwingen und dem Schicksal hart entgegenzutreten. Aber unser Führer und Held ist gefallen, und bitterlieh; bitterlich stürzen mir die Tränen aus den heissen Augen. Ans Werk, ans Werk! Die Zukunft unseres Volkes ruft! ״ Elias Auerbach. I! f t r I 1 ״ י יי־ t i!! 1 i f I f *'T®