Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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{,* •׳■־״ i 11) * * « *..v• ״ *״ <**־ * *W# # Seite 278. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 26. als Christo» Jude» bleiben, Juden bis auf die Knoche». Und so lange sic Jude» bleiben, wird auch der Hass gegen sie bleiben. Wollen die Judai '11 Kischincw die Judenfrage für sich endgiilt'g lösen, so müssen sie sich über ganz Russland zerstreuen. Hin jeder von ihnen muss ein»; vollblütige Russ’n heirate», ebenso ihre Kinder und Kindeskinder. Erst in der 4., 5. oder 6. Ocncrafo», wenn 1,1 den Adern Ihrer Nachkomme»‘ das jüdische Blut nur noch sehr verdünnt fliesst, wenn niemand mehr ihre Abstammung kennt, erst daisi hört für sie die Judenfrage auf. Oder mit anderen Worte*.!, wen» der letzte Jude von der Erde vorschwunden, st auch das Leiden der Juden verschwunden, wie die Leiden eines Kranken mit dem Tode aufhören. Die Assimilation iiihrt '11 letzter Konsequenz zum Taufbcckcn und das Taufbecken zum Grabe des Judentums. Die Assimilation «ist entschieden •e'n radikales Mittel, das tinfehlbar die Leiden des jiid'schen Volkes heseit'gt. aber mit den Leid■;» auch die Seele. Das andere radikale Mitte', das geeignet ist. d e tiimatürliehe Lage unseres Volkes unfehlbar zu beseitigen, ist der Zionismus. Während die Assimilation׳ unser Heil in der Entnationalisier!!!!« sieht, sind unsere Nationalisten fest überzeugt, dass unser Unglück nur dann aufhört. wenn wir e'tie richtige Nation werden. Wir sollen nicht alles, was uns spezifisch eigen ist, abstreiien. sondern ■im Gegenteil, w'r müssen alles, was uns von unserem nationale» Wesen iihrig gcb'iebc» ist. kräftig entwickeln. Wir wollen nicht darnach streben, unseren Nachbarn immer verwandter zu werden, sondern im Gegenteil, wir wollen uns noch mehr »!!sondern, aber nicht durch einen lange» Kaftan oder lange Peü!h, sondern wollen uns räumlich absondem. W ir wolle» 1 ein ■c'gncs Land haben. Unsere Leiden begannen mit dem Tag, wo wir unser Land verloren, und unsere Leiden werden auch an dem Tage auihören, wo wir wieder ein Land unser eigen neunen. Wenn jemand bei fremden Leute*; zu Mete wohnt und er bei den Mitbewohnern unbeliebt ist. weil vielleicht seine Nase oder seine Augen den Leuten n'clit gefallen, wen'.i er fortwährend verspottet und beleidigt wird, so wird er gewiss das unfreundliche Haus verlassen. Weiii er aber im 2., 3. und 4. Haus die gle'che Erfahrung macht, was wird er dann tun? Ohne Zweifel wird er den festen Beschluss fassen, sich ein eigenes Häuschen zu bauen. Dieses Häuschen kann zwar nur klein sein, wird!nicht alle Bequemlichkeiten haben, cs wird aber sein eignes sein und wird ihn vor Spott und Beleidigung schützen. V'cllciclit hat er nicht genügend Geld, vielleicht ist der nötige Platz noch nicht frei, jedenfalls wird sein ganzes Streben dahin gerichtet seit, das nötige Geld zusammen zu br'ngcn, den Platz zu erwerben, um doch endlich ein eigenes Häuschen zu besitzen. In dieser Lage befinden auch wir uns. Wir wohnen bei fremden Völkern zu Miete. Schon sehr oft haben wir unsere Wohnung gewechselt, aber überall sind wir unbelebt. Wir müssen uns cMdlich cm! eigenes Heim gründen. Ein eigenes Land, das ist es. was der Z'onismus will. Hier auf fremdem Boden ist alles, was wir tun, wie wir sprechen, wie wir uns regen und bewegen, irgend jemandem im Wege, belästigen ihn, drängen uns irgend jemandem auf. 111 eigenem Lande können %vr uns bewegen, wie wir wollen, ohne jemanden im Wege zu sein. Im oigenen Laude können wir niemahden bewuchern, ausbeuten oder betrügen. Hier auf fremdem Boden ist die jüdische Kultur nur verkrüppelt ifad verkümmert, wo'l Öhr der nationale Boden fehlt, weil sic von fremdem Einfluss ganz erdrückt wird. Nur aui eigenem Boden kann das jüdische Volk eine richtige Kultur entwickeln und dadurch auch zugleich zur Entwickelung der Menschhe't beitrage.!. Vielen erscheinen die Bestrebungen des Zionismus als eine Utopie, als de Ausgeburt einer ausschweifenden Phantasie. Das sind sie keineswegs. Gewiss ist das Ziel ein ausserordcntl’ches, für welches wir ln der Geschichte kein Beispiel finden. Aber auch unsere ganze Geschichte ist eine aussergewöhnliche, beispiellose, auch u11se»־e Lage ist eine aussergewöhnl'che. Wolle» wir uns aber aus unserer aussergewöhnliehen, unnatürlichen Lage herausreissen, so darf uns das Aussergewöhnlichc •des Zieles nicht abschrecken. Wir haben gesehen, dass wir zwo; radikale Mittel besitze», um den Leiden des jüdischen Volkes ein Ende, zu machen. Das Judentum siecht schon seit v'clcn Jahrluindcrten hin, und cs wird noch gewiss einige Jahrhunderte hinstechen, wenn cs in dieser Lage bleibt. Wollen wir cs aus dem Siechtum befreien, so müssen wir eins der beiden Mittel anwenden. Sind w'r zu der Ueberzeugtmg gekomnven, dass das Ziel des Zionismus unerreichbar ist, oder glauben wir, dass der Weg nach Zion für das Judentum n'clit wiinschenswert sei, oder sind wir der Ansicht, dass die jüdische Nation zum Untergänge verurtelt sei, dann müssen wir den Weg der Assimilation betreten. Es ist jedoch unsere Pflicht, den Assimilationsprozess, der das Judentum unfehlbar zum Gral»e führt, so gut als mögl'ch abz.uMirzcn. Wenn das Judentum einmal sterben muss, so ist cs besser, dass es einen schnellen Tod stirbt. Ersparen wir ihm den Todeskampf, haben wir den Mut und versetzen wir ihm den Gnadeustoss, damit cs recht bald sterbe. das erreichen wir am besten, wenn wir direkt zum Taufbecken schrc'ten, statt einen grossen Umweg zt: machen. Wer» wir am Judentum verzweifeln, wenn wir meinen, dass die Juden als Volk nicht mehr zu retten se'cn, dann ist es eine Sünde, wem! w'r unsere Kinder im Judentum erziehen, dam! sind w ir daran schuld, dass unsere Kinder, unsere Enkel und unsere ganze Nachkommenschaft noch den verachteten Namen Juden tragen. Was nützt cs, dass wir bestrebt sind, unseren Kindern eine gute Erziehung zu geben, wenn wir imen zugleich mit dieser gute!! Gabe auch den Namen Jude a's Erbschaft mitgeben? Wenn uns das Wohl unserer Kinder teuer ist, so lassen wie sie in! Christentum erziehen, daun eisparen wir unseren Nachkommen Schmach und Leid. Ist uns jedoch das Judentum noch zu l eb, wollen wir nicht, dass unser Volk absterbe, wolle» wir, dass es zu einem neuen Lebet 1 erwache, dann müssen wir uns um die Fahne Zions sammeln. Nur Zion kann unser h'tisicchcndes Volk zu neuem Leben erwecken. Wer werden überall verspottet und verachtet Wir verdienen auch diesen Spott, diese Verachtung, wenn wir nicht Kraft genug besitzen, uns aus unserer unnatürlichen, sclimachvollen Lage zu befreien. Wir verdienen die Verachtung, wenn wir in den Tag hineinlebcn und die Verachtung, die wir gemessen, auf unsere Nachkommen vererbe». ©©®®©®©©©©©©©®©t©©®©®i©®B®©®x;®3©©®©©®©©© 6 © י Aus der Bewegung. g ©©©®©©®©©©©®®®©®®©®©©©©5©®®®i$®©®©®®®©®8» werden nochmals mit den' verein- Sämtliche Inhaber von Schckelblocks dringend ersucht, dieselben postwendend nr/imten Geldern abziilielcrn. Berlin. Montag, den 4. Juli, abends 8*• Uhr, findet beivDräscI, Neue Friedrichstr. 35, die Generalversanim•- lung der Berliner Zionistischen V e r e i 11 i - gung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. Erteilung der Deeluargc. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. Anträge. Anträge sind dem Vorsitzenden vor Beginn der Generalversammlung cinzureichen. Alle Mitglieder werden dringend um ihr Erscheinen gebeten. Berlin. Das Zentralbüro der Zionistisehen Vereinigung für D e u t s c l a n d, mit dem ein zionistisches Klublokal und eine Lesehalle verbunden sein wird, wird im Laufe des 2, 3. 4. 1 1 1 ״*< l *t. % * * *•' I