Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 268. JÜDISCHE RUNDSCHAU. N0. 25־. Störungen ernstester Natur hervorgerufen werden, Tausende von Arbeitern würden ihren Erwerb verlieren, .was wieder zu Unruhen im Innern führen müsste. Angesichts dieser sch!rmm<fו Sachlage se• Herr v. Plchwc bemüht, schon jetzt wieder ein neues Anlchcn aufzunehmen. Zu dem Zwecke habe er sich mit mehreren jüdischen Bankiers in Russland in Vcrbindung gesetzt, de sich aber geweigert hatten, Irgend etwas zu tun, bevor v. Plehwe den Juden Russlands nicht irgendwelche Zugeständnisse gemacht habe. Daraufhin erst habe der Minister ein geheimes Zirkular ah die Oouverneure in den Provinzen geschickt mit der Weisung, die Juden acht zu belästigen. Und er habe sich weiter entschlossen, das Dekret zu wkienrufen, durch das den Juden verboten w'rd, sich tanerha'b von 50 Werst von der Westgrenze niederzulassen. Trotzdem scheint aber die Anlehcnsaffürc nicht vorwärts zu gehen, aus dem einfachen Grunde, weil die massgebende.;! Persönlichkeiten Herrn v. Plehwe 11'cht über den Weg trauen und fürchte);!, er werde, wenn er seinen Zweck erst erreicht habe, alle se'mc Versprechungen rückgängig machen, unter dem Vorwand, sic seien 4hm erpresst worden. In der neuesten Nummer der in London erscheinend/.'!! Ze'tschrift ,.!־'ree Russin“ werden interessante Mitteilungen darüber gemacht, warum cs während der letzten Ostcrfclcrtag״• nicht, wie nnn mit gutem Grunde behauptet hatte, zu neuen Judenhetzen in Odessa gekommen ist. In C 1! a r k 0 w. K i s c h i n c w, J c 1 i s a w c t g r a d , N i k o I a j c w und Odessa waren für Ostern Judcnlietzen vorbereitet und namditllcli in Odessa war die Lage so bedenklich geworden, dass der Bürgermeister den Präfekten darauf aufmerksam machte. Diese Vorstellungen hätten ab?r nicht viel geholfen, wenn n'cht unerwarteter Weise bekannt geworden wäre, dass die russisehen revolutionären Sozialisten und die Sozialdemokrat()!, sowie der jüdische ..Bund“ ein Bündnis zu gcnic'nsamcr Abwehr abgeschlossen hätten. Die Zionisten gingen getrennt. Die organisierte Macht der Verbündeten soll 1200 Mann betragen haben, davon mehr als de Hälfte Christen, zumeist Odessaer Arbeiter. Die Vertreter dieser Gruppen erklärten, dass sie, falls die Behörden und das Militär eine ebensolche Haltung wie im vorigen Jahre?n Kischinew cinnähmcn, die Rcgieruligsgebäude, Polizeistationen usw. zerstören würden. Da wurden die.Behörden stutzig und boten alles auf, um eine neue Judenhetze in Odessa zu verhindern. De Wirkung hiervon machte sieh In allen anderen Städten geltend. Der Umsch’ag erfolgte so plötzl'ch. dass die jüdische Bevölkerung sich ihn gar nicht erklären konnte. fi!zwischen fet die russische Judcnhcit von einem grossen Unheil betroffen worden, das ein merkwürdiges Schlaglicht auf die ״Umstimmung des Volkes" und die ״Athahmc des russischen Antisem’tismus’׳ wirft Aus Petersburg, 17. d., wird telegraphiert: Die Stadt Minsk wurde von einer grossen Feucrsbrunst heimgesucht Das Feuer brach im Zentrum der Stadt an drei Stellen aus und richtete einen bedeutenden Schaden an. — Endlich wird der Vermutung Ausdruck gegeben, dass cs sich um eint gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Brandstiftung handle. Es liegt die Gefahr einer gänzlichen Verachtung der gpgd! 80000 Einwohner, meist Juden, zählenden Stadt vor: Aus Baden. Nach einer Bekanntmachung des Grossh. Oberrates der Israel'ten sind die W/alilen zur Synode auf den Juli festgesetzt. Wie Geh. Reg.-Rat Dr. Mayer weiterhin bekannt g"bt,.Jst die Tagung der Synode für den Oktober in Aussicht genommen. Ferner erfahren wir, dass die Summe von 10000 Mark für Aufbesserung unzulänglich besoldeter Reiigionskhrer in Voransch’ag vorgesehen ist. Dadurch w rd sich die allgemeine Kirchensteuer um 20 Prozent erhöhen. Auch wird s'ch die Synode mit einer Rabbkiats- und Bezirks- Verfassung zu!«schuftigen haben. Gespannt durfte man auf die Ankündigung eines neuen Gebetbuchs se’n. Dieses soll nun aber der nächsten Synode nicht vorgelegt werdd!. NV(e mitgeteilt wird, beansprucht die Drucklegung noch ein Jahr. Dann soll es der Oeffentlichkeit übergeben werde(». Für die Prüfung und Beurteilung wird ein weiteres Jahr vorgesehen und noch eines für die Durchsicht und VerarbeTtung der Kritiken und Verbesscrungsvorschläge, so dass erst de übernächste ordentliche Synode mit dem Entwurf des 1. Bandes wird befasst werden können. Inzwischen w'rd der 2. Band (für Neujahrsfest und Versöhnungstag) bearbeitet. Zum Schluss gibt Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Mayer ctic beruhigende Erklärung, wonach der Oberrat jeden Zwang bei der Benutzung des neuen Gebetbuchs, sei es In der Schule, sei es im Gottesdienst ausschliesscn werde. Die Gegner der Gebctbuchsrefomi werde» trotz dieser Beruhigung sich!ficht davon abhaiten lassen dürfen, schon bei der diesjährigen Wahl zur Synode Stellung zur Gebetbuchfrage zu nehmen. Für uns Zionisten muss es darauf ankommen, rechtzeitig einer Tendenz ditgegcnzutretcn, welche die kräftige Betonung des jüdischen Volkes in den Gebeten durch ein verschwommenes Menschentum ersetzen will. Wir müssen w'oitcrhin die Tdudenz bekämpfen, welche die uralte und nie erloschene Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Bcfroimg. Einigung und Erhebung im Lande der Väter als etwas Unbequemes und Unmodernes abtun und dadurch den! Judentum einen seiner grossen weltgcsch'chtlichen Züge nehmen will. Gerade in der Gegenwart, die die Beziehungen zu Palästina wieder enger geknüpft werden, da nicht nur Zionisten, sondern auch Koloni'aitrcuudc aus allen Lagern in unserer al’en Volksheimat wieder festen Fuss zu fasse! suchen, muss das Bcstreben. Palästina aus unserem Herzen auszuschaiten. als gar׳»״ unverständlich erscheinen. Wir müssen auf der Hut sein: denn gerade bei den offiziellen Vertretern unserer ״kirchlichen“ Angelegenheiten haben wir bis jetzt am wenigsten Verstundüs für das neue Erwachen des jüdischen Geistes gefunden. K. w *r: sss Für die Mliteilu Sprechsaal. tcllungen an dieser Stelle Cb Cbernimm! die Redaktion nur die plreisaesculichc Verantwortlichkeit w . Die ״Welt" berichtet über den jüngsten Schweizerischen Delegiertentag, der am 5. Juni in B a d c n in der Schweiz stattiand. Aus dem Berichte, der von Herrn M. Levy verfasst ist. erfahren wir, dass Herr Dr. Pasmanik, ״der sehr gut unterrichtet zu se:n scheint“, eine sensationelle Mitteilung zu machen wusste, darüber, dass ״eine Untersuchungskommissldn für Palästina, weiche ihren ständigen Wohnsitz dortselbst nehmen wird, in wenigen Tagen die Reise dorthin antritt," dass ״djeser wissenschaftlichen Kommission binhen kurzem eine Handclskommission folgen wird, deren Hauptaufgabe cs sefn wird, die Privatnit ative aller Art von Unter!!chmungen i!1 Palästina anzuregen und zu unterstützen,’’ dass ״schon m! nächsten Jahre die erste׳ Ansiedlung auf Grundlage des vom Prof. Dr. Franz Oppenheimer vorgesfchlagcnen Kooperativ- Systems ihren Anfang nehmen soll." Ueber fliese Mitteilungen, die in andere Nacht- Parteibiätter übefgegangen sind, sehr erfreut, wandte ich mich an die Palästinakonimission, die in Berlin ihren Sitz hat, mit der Bitte um nähere Angaben über diese hochinteressanten Unternehnuingen, erhielt aber zu meinem Bedauern die Antwort, dass der zion’stischen Palästinakommission nichts davon bekannt geworden sei. Es scheint also, dass noch weit über das hinaus, was der Berichterstatter* Herr Levy, mitteilt, Herr Pasmanik ״gut" ufiterriciitct ist, da er sogar Mitteilungen über Sachen weiss, von denen den zuständigen Kommissionen und Arbeitsstellen )licht das geringste bekannt ist. Sollte aber wirklich nur dem Herrn Pasmanik von diesen Dingen etwas zu Ohren gekommen sein, während sonst die Sache auf nichts beruht, so ist es!in! Interesse des Friedens und der Arbeit, dass Nachrichten nicht von Delcgierteütagcn in die Presse lanziert werden, deren Unkontro'licrthe't dazu beiträgt, Misstrauen gegen wirklich vdrgcnommcne ernste Arbeit zu säen. Dert/1 wenn wir Vertrauen zu unsern Unternehmungen in Palästina habet! sollen, so ist es das erste Erforder-