Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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vrr ־.; .^.י .*־ ־. י** ‘.Seite m .__־____JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 23. Max L e v y , Epstein aus Duisburg, Kaufmann. L c v y aus Essen. Bernstein aus Elbbrfdd. Nicht vertreten waren die Ortsgruppen Mülheim (Ruhr) und Düsseldorf. Ferner fehlten die Vertrauensmänner aus Barmen; Aachen, M.-Qladbach. Siegburg und Hagen. Es wurde abseitig betont, dass seit der letzten Distriktsburcausitzung unser Distrikt Fortschritte nicht aufzuweisen habe und dass die Gruppenleiter und Vertrauensmänner es au der ermorderl'chdt Regsamkeit, teilweise sogar an jeglicher Tätigkeit haben fehlen lassen. An der Hand des Verzeichnisses der Ortsgruppen Deutschlands wurde nachgewiesen, dass unser Distrikt hinter den anderen um ein Beträchtliches ijn Rückstände 'st. Man sprach die Er- Wartung aus. dass die Ortsgruppen und Vertrauensmänner von dem Vorsitzenden des Bureaus et?cr strengeren Aufsicht unterworfen würden und dass, auch zwecks Ersparung von Kosten, das Bureau die von den Gruppen zu trefienden Verantaltungcn einheitlich regele. In den Vorsitz des Distriktsbureaus wurden Goldrc.'ch uf.id Epstein hinzugewühlt, so dass das Bureau nunmehr zu einer Kollegialen Verwaltung geworden ist. H. E. Emden. An! 15. d. Mts. fand hicrselbst eine zionistische Volksversammlung statt, In der Herr Dr. mcd. Wittkowsky aus Bingen über das Thema sprach: ״Was bedeutet der Zionismus für die deutschen Juden?“ — Trotzdem erst vor etwa H Tage Herr cand. jur. Löb einen zionistischen Vortrag in unserer Gruppe gehalten hatte, war die Versammlung wiederum sehr zahlreich besucht. Die sehr interessante formvollendete Abhandlung des Herrn Dr. Wittkowsky fand den iebhaiten Beitall der Versammlung und dürfte sehr dazu beitragen, manches Vorurteil, das hierorts noch gegen die zionistische Bewegung bestand, zu beseitigen. In der Diskussion wurden wir von Herrn Dr. mcd. Sternberg von hier, energisch angc-!griffen, aber es gelang unseren Anhängern mit leichter Mühe Herrn Dr. Sternberg zu widerlegen. Es traten mehrere neue Mitglieder unserer Ortsgruppe bei. München. Ende April sprach in einem Diskussionsabend iu unserer Ortsgruppe Herr Dr. Georg Arndt in fesselnder Weise Über ״ die körperliche Hebung der Juden“, indem er die Frage namenlich vom medizinischen- Standpunkte aus beleuchtete. Dem Vortrage, dem zahlreiche Mitglieder des .,Jüdischen Turnverein München" beiwohnten, schloss sich eine Diskussion an, an der sich hauptsächlich der Vorsitzende des ״J. T. M.‘\ Herr Dr. Strauss, beteiligte. Am 7. Mai fand eine Mitgliederversammlung statt, die sich mit dem Hamburger Dclcgiertcntagc beschäftigte. Als Delegierte wurden einstimmig die Herren Dr. Georg Halpern und Dr. Bernhard Rahn gewählt, denen auch die gefassten Resolutionen zum Delegiertentage übergeben wurden. Am H- Mai sprach im Saale des Restaurants Jochsberger Herr Dr. Rahn einen gutgefüllten Auditorium über ״Zionismus und Judenstaat.’׳ Der Referent gab einen formvollendete! Rückblick über die Geschichte des eigentlichen Zionismus, der mit der Zerstörung Jerusalems begann und zu allen Zeiten das Auferstehen der alten Zionsherrllchkeit erstrebte und so in seinem Ringen nach nationaler Selbstständigkeit stets das eigentliche Wesen des Judentums verkörperte. Er führte daun weiter aus, wie nun die Judenstaats-Idee, die ln der allgemeinen Judennot wurzelt und in Herzls ״Judenstaat" ähren eklatantesten Ausdruck findet, auf den Zionismus befruchtend wirkte und die Gründung der zionistlschen Partei zeitigte, wie also das alte Ziel in der neuen Form der Organisation die gewaltige zionistische Bewegung hervorrief. Die dem Vortrage sich anschliessende, äusserst animierte Diskussion, die verschiedene Probleme, wie Zionismim und Sozia'isnius usw. behandelte, endete spät nach Mitternacht. Am 18. April hielt Herr Dr. Halpern in! ״Verein zur Statistik der Juden" einen sehr befüilig aufgenommenen Vortrag über ״Die Lage der jüdischen Arbeiter ln London." Nicht unerwähnt möge an dieser Stelle! auch noch der ״Jüdische Studentenabend" bleiben, den der ״Achdus", eine Gruppe Jüdischer Studenten am 21. Mai in den Prinzensälen veranstaltete. Von den! musikalisch-deklamatorischen Aufführungen des Abends, denen sich ein fideJer Ball anschloss, war besonders die Wiedergabe eines Dramas im jüdisch-deutschen Dialekte bemerkenswert. Und.zwar ging ״Zerscit un zerschpreit", c:‘1e Tragikomödie aus dem jüdischen Leben in 2 Akten von ״ Scholem Aleichcn (Rabinowitsch) unter der Regie des Herrn Bagg trefflich in Szene. C. B. endete! oci-öb Golusblüten. §f§§ fÜQE♦ XstPadlfitöM I Ehepaare werden ‘nach'vorangegangener Ziviltrauung durch Rabbiner getraut. Chalizah und andere antiquierte religiöse Hindernisse kommen nicht in Betracht. Angebote unter F A Z 569 an Rudolf Mosse! Köln! erdeten. ״Kölnische Zeitung“ 3. Juni 1903. Wir überweisen dies Inserat dem ״Liberalen Wahlverein für die Jüdische Gemeinde" für die nächste Nummer seiner ״Mitteilungen“. | Kleine Chronik. | *43 frafr«fr«fr«fr«fr«fr«fr«fr« נא3>ן נא fr« 3א fr« >3 fr« fr« Stiftungshaus In Breslau. Gemäss den letzwilligcn Bcstimmmigen des am 10. Januar 1896 verstorbenen Kaufmauls Heinrich Neumauii. ist auf dem Grundstück Viktoriastr. 33 ein Wohngebäude errichtet worden. In demselben sollen weniger bemittelte, ehrbare, zu Breslau wohnhafte Personen jüdischen Religionsbekenntnisses ohne Unterschied des Geschlechts, mit und ohne Familie, gesunde Wohnungen gegen Zahlung eines hi'ligeren als des ortsüblichen Mictszmscs erhalten. Es sinu in dem Gebäude gcchaffen worden: Itn Vorderhause: 15 W011mutgen zu je 3 Zimmi ״׳ nebst Küche. Badezimmer und Zubelicr. In den Seitenflügeln und dem Hinterhause: 8 Wohnungen zu je 2 Zimmern nebst Küche und 16 Einzelzimmer hezw. 8 Wohnungen zu 2 Zimmern. Die Wohnungen sind zum I. Juli 190-4 beziehbar. Wir erfahren von gut unterrichteter Seite: Vor kurzem fand in Frankfurt a. M. eine Versammlung von orthodoxen Rabbinern statt, die eingehend das Thema Äonismus discutierten. Der Vorsitzende, das Haupt der deutsehen Orthodoxie, begründete seino.1 ablehnenden Standpunkt mit scharfen Worten: ßs sei hohe Gefahr <im Verzüge, man dürfe der Ausbreitung des Zionismus nicht länger untätig gegenüberstchen, insbesondere rechneten die strenggläubigen Antizionisten in Russland auf Hilfe 1L1d Rückhalt bei den deutsehen orthodoxen Rabbinern. Eine offizielle Stellungnahme sei dringend geboten. Der Redner forderte die Versammelten auf. einen gedruckt vorliegenden Protest gegen den Zionismus zu unterzeichnen. Alle Abwesenden schienen cinverstauden. bis auf 2 norddeutsche Rabbiner, d'e. ohne selbst Zionisten zu sein, die Bedeutung und die Erfolge der Bewegung zu würdigen verstanden und vor einer unüberlegten Bannerklärung mit Nachdruck warnten. Nach erregter Debatte ging die Ver- Sammlung um Mitternacht ause'nander. ohne eine«! Beschluss gefasst zu haben. Der einzige ״Erfolg” war der. dass ein anwesender frommer Rabbiner, der auf dem letzten Baselei Kongress Delegierter war. demütig seinen •Fehltritt bekannte und schien Austritt aus der z!c/.1istischen Organisation ankündigte. Ein heiteres Vorkommnis trug sich, wie der Strassb. Ztg. von hier geschrieben wird, letzten Sonntag kurz nach 9 Uhr am hiesigen Bahnhofe zu, als der Weihbischof Zorn von Bulach zur Erteilung der Firmung hier eintraf. Eine zahlreiche Menge hatte sich zpm Empfange eingefunden, die ganz gewaltig über den ״miserablen Ocnicinderat" schimpfte, der kein anderes Mitglied zum Empfang des hochwürdigen Bischofs schicken konnte, als den ,.dreckigen Juden Dr. Elias". Erst als ein ״Ketzer" ihnen auseinandersetzte, dass der Herr, welcher den Wcihbischot empfing und der seinem ״Gesichtsvorsprung" nach der israelitischen Rasse angehören könnte, nicht der jetzige Stadtrat Dr. Elias, sondern der frühere Stadtrat Dr. Bra2is sei, gaben sich die beunruhigten Schäflcin zufrieden. Es geht nichts über die vielgepriesene Toleranz! ״Freie Presse“ in M ü 1 h a u s e n i. E. Ktschlnew. Die offiziellen ״Bassarabskija Oubernskiia Wjedemosti" publizieren eine Verordnung des Qouverneurs von Bessarabien, wonach über 32 Juden, welche sich am 30. März versammelt hatten, um übor Massnahmen zum Schutze der Juden gegen eventuelle Judenexzesse zu beraten, verschiedene Arrest- und Geldstrafen verhängt werden.