Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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« Seite 248. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 23. kann natürlich nur eine prinzipielle sein, aber es wäre uugeheuerlich, wenn ein Delegiertag nach dem VI. Kongress sich ihr entziehen wollte. Wir müssen eine vorsichtige, aber entschiedenc Stellungnahme des Zionismus herbeiführen, die vor Entgleisungen in der Agitation schützt, wie sic wirklich vorgekommen sind. — Redner legt die folgenden Resolutionen vor: Resolution zur Ostalrikafrage. Der Delegfertentag der deutschen Zfonistcn zu Harnburg fasst seine Stellungnahme zur Ostafrikafrage •in folgende Leit- Sätze zusammen: , . 4 Das Angebot der englischen Regierung ist als eminenter politischer Erfolg zu betrachten und dn diesem Sinne freudig zu begrüssen. . Da das Ziel des Zionismus Palästina ist und bleibt, hat iBe Kolonisation Ostafrikas mit unserem Programm und unseren Bestrebungen n’chts zu tun. Als ■rein philantropischc Notstandsaktion dagegen verdient das Projekt wegen seiner Grosse ernstliche Erwägung. Unter diesem Gesichtspunkt aber hat nicht' der Zionismus seine Ausführung in die Hand zu nehmen; seine materiellen und organisatorischen Mittel dürfen hier in keiner Weise iestgelegt werden. Die Ausführung des Projektes ist vielmehr Sache der bestehenden ,oder 111 gründenden jüdischen Kolonisationsgesellschaften, falls sic überhaupt möglich ist. Indem der Zionismus so nur als politischer Vermittler zwischen der englischen Reg:crung und den in Betracht kommenden jüdischen Instanzen fungiert, hat er nur seinen E־'nfluss auf die nationale Gestaltung des Unternehmens zu sichern.! I I Versagen die' Koloii'sationsgcscllschaften ihre Mitarbeit.! so ist das Ostafrikaprojekt von seiten des Zionismus fallen zu j lassen.! Die Ortsgruppe•! Berlin, Breslau, München, Regensbarg ן stellen den Antrag, dass der Dcleg'.crtentag folgende Resoj lutiou annimmt: I Der deutsche Dclcg:crtentag glaubt an dem in der letzten i Sitzung des Distriktsbureaus für Riteinland und Westfalen von j dem Vorsitzenden der Zionistischen Vcreitveung für Deutschland gestellten Antrag auf Zurückstellung des nat:01׳alen Ge- ’ dankens in der Propaganda in Anbetracht der Bedeutung des : Gegenstandes und der Stellung des Beantragenden nicht achtfos vorübergehen zu dürien. S:e sieht in dem Anträge eines der vielen ih der letzten Zeit in die Erscheinung getretenen Symptome einer Vcräusscrlichung der zioirstischen Idee und hält es für d:e nächste und dringendste Aufgabe des deutschen Zionismus, die Erkenntnis unter seinen Anhängern zu verbreiten, dass die nationale Idee Anfang und Ende li iserer Bewegung darstellt, dass der Zionismus eine, auch die west- י europäischen Juden unmUtelbar angehende Angelegenheit •ist i und dass jede phManthropischc Auffassung derselben scii! innerstes Wesen vernichtet D r. Citron ist im allgemeinen mit dein Sinn der Ostj afrikaresolution einverstanden, wünscht aber den Passus über die Beteiligung des Zionismus an der praktischen Arbeit als verfrüht wegzulassen. — In der Agitat'on sollen wir das ' nationale Moment betonen, dagegen keine langen Auseinander- Setzungen über den Begriff der Nation herbeiführen. Der Kassenbericht war wenig zufriedenstellend, einen Rechenschaftshericht haben wir überhaupt nicht erhalten. D r. Kahn will keine Vcredclungstheoric für den Zionismus. Herr Wolffsohn (Köln) rät, alle sotche Resolutionen abzulchncn, die Fragen gehören nicht hierher. Wir brauchen die Masse; Schekel sollten wir von jedem Juden nehmen;. Wahlrecht soll nur der organisierte Zionist haben. — Estermanu polemisiert gegen die extremen Anschauungen auf beiden Seiten. D r. Bodenheime r weist in eingehender Rede, für die auf das demnächst erscheinende Stenogramm verwiesen werden muss, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Darauf wird die Resolution für Breslau, Berlin und Regensbürg zurückgcnommcu, Dr. Halpern und Elias Auerbach bringen eine veränderte Resolution ein. Schluss der Debatte. Persönliche Bemerkung von Kaufmann (b'reiburg) über das Vorgehen des Mannheimer Distriktsbüros in der Angelegenlieit Wurzln«rg. (Schluss folgt.) Zentral-Komite. 1. Dr B o d e n h e i m e r. 2. Dr. Wolffsohn. 3. Wolff-Köln. 4. Kaulman n-Fre;burg. 5. Dr. Adle r־Lübeck. 6. Dr. Friedemann. 7. Rechtsanw. Dr. H a n t k e. 8. Dr. Klee. 1 9. Dr. Zlocisti. 10. Dr. Franck.! 11. Dr. Elias; 12. G r o n e m a n n.; 13 Dr. Moses-Mannheim. | 14. Dr. H a I p e r 11-Münster.! 15. Schachtel. Zeutral-Büro. 1. Rechtsanw. Dr. Hantke. 3 ׳. Dr. L e s c z y n s k i. 2. Dr. S i m o n s 0 n. * Komitee zum Studium der Probleme der Innenarbeit. 1. Dr. Zlocisti. 3 ן. Elias Auerbach. 2. Dr. J u n gm a n n. i ©88 3838883 383331 ©8 i 8$ 888 3 g Aus der Bewegung. I Berlin. In gut besuchter Versammlung refererte am 2. VI. Dr. J u n gm a n n über den Delegiertentag in Hamburg. Da |a in kurzem das stenographische Protokoll erscheinen soll, so konnte Redner sieb damit begnügen, die Stimmung und den Geist zu charakterisieren, in dessen Zei hen dieser Kongress stand. Redner entledigte sich seiner nicht ganz leichten Auf* gäbe mit grossem Geschick. Wir heben aus demselben als wichtigste Punkte die Stellung des Delegiertentages zum Ost- Afrika-Projekt und die Frage des Nationalismus hervor. Gott nur — nur Er kennt sie, der sie vergraben, Wo niemals sic des Menschen Sinn enthüllt, Und sprach zum Menschen dann: Die Furcht des Herrn Ist eure Weisheit, Böses fliehn — Erk e n n t n i s. Und dann blickte Hiob rückwärts und gedachte der Tage, die dahin waren und eröffnete wiederum seinen Mund und sprach: O stand’ ich da, wie in den früher’!! Tagen, Da Gottes Hand auf meinem Haupte ruhte, Und Segen wie aus nie erschöpftem Borne Sich auf mein Haupt herniedergoss. Ein Licht Des Himmels über meinem Scheitel strahlte, Gott mit mir war au! allen meinen Wegen. Und jetzt! Ein Spottruf tönet mir entgegen, Mit Fingern auf mich zeigen sie, die einst Zu schlecht, um neben meinen Hunden sich Zu lagern auf der Weide meiner Lämmer. Mir wird so weh — es bebt in Angst mein Herz, Wo sind die Tage hin, die glücklichen? O meine Zither tönt in Klagclauten, Und meine Flöte schluchzt. — Mir ist so weh! Und stets die Frage wicderkchrt: Warum? Warum die Qualen? Brach ich je die Ehe? Bedrückt die Witwen ich? Schlug ich die Waisen? Hab’ unreell! ich im Richterspruch geurteilt? Hab’ ich auf Gold vertraut und Edelstein? Hab’ ich gejubelt, wenn mein Feind gestürzt? Hab’ ich, ein Heuchler, mein Vergeh'n geleugnet? Nein! Alles dies war fern von meiner Seele. Ö Gott, Ich habe Dir gekündet, was mich quält, Was mich darniederdrückt mit Zentnerschwere, . Was mich durchschiittert, Herr, Du weisst cs jetzt! Zu Ende waren die Worte des Hiob. Und Gott offenbarte sich dem Hiob und nahm von ihm sein Leid und seine Kränklich, Und machte ihn grösser als er gewesen war. grösser als ein anderer im Morgenlande. Hcegermühle. Lazarus Barth.