Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-06-10 · Heft 23 (10.6.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 23 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651365--01355-2658202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

f I, » No. 23. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 247. Am Dienstag VormlttagVird zunächst die Resolution Posen beraten. : Resolution der Ortsgruppe Posen zu Punkt 5 der Tagesordnung: Der Delegiertentag empfiehlt den Ortsgruppen dringend, den Fragen des jüdischen Qemeindelebens, der Stellung der deutschen Juden zu deri gesetzgebenden Faktoren, defci politischen Parteien und überhaupt zu den politisehen Ereignissen, wie den besonderen wirtschaftlichen Interessen der deutschen Juden beständig die grösste Aufmerksamkeit zuzuwendeh und diese Fragen in den internen Sitzungen und namentlich In öffentlichen Versammlungen immer wieder zur,. Diskussion zu stellen.. Rechtsanwalt Kollinscher (Posen) vertritt sic mit besonderem Hinweis auf die Verhältnisse der Provinz Posen. Rechtsanwalt Jacoby (Königsberg) spricht dagegen. Dazu ist der Verband der deutschen Juden eben gegründet worden. Wir würden nur den Gegnern Waffen liefern. Auch Esterm a n n ist gegen den Antrag Posen. Wir wollen kein׳ Staat im Staate sein. Ausserdem werden wir praktisch die I.agc der deutschen Juden damit nicht im geringsten fördern. Endlich waren hierin ausländische Gesinnungsgenossen verhindert, im deutschen Zionismus mitzuarbeiten. — Auf Antrag von (D r. Zlocisti wird beschlossen, diese Frage jetzt von der Tagesordnung abzusetzen, dagegen auf dem nächsten Delegiertentag ein Referat über <Me Stellung des Zionismus zu den polnischen Angelegenheiten halten zu lassen. Frau Lina W a g n e r - T a u b e r spricht über die Mitarbeit der Frauen. Man müsse mehr als bisher die Gründung von Frauenvercinen in die Hand nehmen. Das Hesse sich in vielen grösseren Städten machen. Besondere Aufgabe dieser Vereine wäre soziale Arbeit, vor allem aber Erziehung der jüdischen Jugend. Hicriiir ist in Berlin schon der Anfang gemacht worden. Auch innere Arbeit im Sinne der Auerbach'schen Anregungen haben wir uirtcr unsern Mitgliedern begonnen. Nach kurzer Debatte über diesen Punkt referiert Assessor Orcnemann über den Schekel (s. vorige Nummer der ״Rundschau“,) Leitsätze. I. Bei der Propagierung des Zionismus ist die Darlegung des -historischen Werdeganges der Bewegung und die nachdr&ckllchc Betonung der natid.ialen Grundlage unserer Idee unerlässlich.. Es ist ferner ausdrücklich festzustellen dass der Zionismus nicht für einen Bruchteil, sondern für die Gesamtheit der Juden arbeitet. . 2. Der Schekel dari von denjenigen Juden entgegehgeiiommcn werden, welche sowohl die öffentlich-rechtliche Sicherung der augestrebten Heimstätte wie deren Errichtung in Palästina als wesentliche Bestandteile des Programms anerkennen. — auch über die »nationale Grundlage des Zionismus unterrichtet sind. Resolution Qronemann. Sodann wird die a 11 ge m c i ne Diskussion über die Reden des Vorsitzenden, von Dr. Klee und Assessor Gronemann begonnen. Anträge der Mitglieder der Breslauer Zionistischen Verelnlgung zum VIII. deutschen Deleglcrtentage. 1. Die Mitglieder der Breslauer Zionistischen Vereinigung bitten den Delegiertcntag dagegen Verwahrung cinzulegen, dass gegen ein Grundprinzip unserer Bewegung, die nationale Selbsthilfe, insbesondere seitens offizieller Personen verstossen wird, wie es durch eine Einladung des Vorsitzenden der Kölner Vereinigung und in der Rheinländischen Distrikts-Komitec-Vcr- Sammlung geschehen ist. Vielmehr sollte in der Agitation schärfer als bisher das nationale Moment betont werden. 2. Die Mitglieder der Breslauer Zionistischen Vereingung bitten um Wiederabschaffung der versuchsweise eingeführten neuen Schekelblocks, weil dieselben unpraktisch eingerichtet sind und weil die auf dem Umschläge befindliche Verheissung von Ehrenzeichen eine Lächerlichkeit darstellt. 3. Die Mitglieder der Breslauer Zionistischen Vereinigung bitten den Verlag des ״Jüdischen Volkskalenders“ in Brünn dahingehend zu beeinflussen, dass der Jüdische Volkskalendcr volkstümlicher gestaltet und zu einem billigeren Preise herausgegeben werde, damit nicht erst eine Konkurrenz wie der von Mannheim gealante Kalender erstehen müsste. 4. Der Delegicrtentag spreche sich iür die Herabsetzung des Preises der Nationalfondmarken verj 5 Pi. auf 2 Pf. analog den Preisen in den anderen Ländern, aus. verpflichte sich, diesen Antrag auf dem siebenten Kongresse durch die deutsche Landsmannschaft verfechten zu lassen. 5. Die Mitglieder der Breslauer Zionistischen Vereinigung ersuchen den Delegicrtentag zu beschlossen, dass die Tagesordnung zu dem nächstjährigen- Delegiertentage spätestens einen Monat vorher, die Tlie.sen des Referenten spätestens 3 Wochen vorher bekannt gegeben werden. 6. Die Mitglieder der Breslauer Zionistischen Vereinigung stellen den Antrag, den nächsten Delegiertentag ln Breslau stattfiiidc/1 zu lassen. Schachtel (Breslau) warnt davor, jeder Auseinander- Setzung über die nationale Frage aus dem Wege zu gehen. Es ist richtig, man braucht nicht immerfort sie zu betonen. Aber leider ist in breiter Oefientlichkeit von verantwörtlicher Stelle das Gegenteil geschehen, auf der Sitzung des Distriktsbüros für Rheinland und Westfalen. Die hiergegen gerichtete Resolution der Ortsgruppe Breslau wird zu Gunsten einer gemeinsam von Berlin, Breslau. München. Regensburg cingebraclite:!. zurückgezogen. — Warum stellt auf der Schekelquittung nicht das Baseler Programm? Elias Auerbach: Die Worte unseres Herrn Vorsitzenden, au dessen nationaler Gesinnung wir nicht zweifeln, lassen Missdeutungen zu. Wir müssen endlich klar unterschcidch zwischen nationalem und opportunistischem Zionismus. Auch Dr. Gronemamt verpflichtet durch seine Leitsätze nur zur Anerkennung der praktischen Ziele des Zionismus, damit aber haben wir noch keine Zionisten. Ini östlichen Zionismus tritt das politische Moment zu sehr zurück, im westlichen das national-kulturelle. — Die Diskussion über die Ostafrikafrage Mit meinen Augen schau’ ich ihn. Nicht iremd ן Wird er mir sein und wird mich segnen — segnen . .; Hört auf! Ihr spottet weiter meiner Qualen? , Was soll ich euch erwidern, Ncumnahveise? ״Du hast gesündigt, weh! Du hast gesündigt!" So wiederholet euer ekler Chor. 0 könnt’ ich finden ihn, den ew’gen Richter, O möcht’ er sprechen, dass ihr all' es hörtet, Er würde meine Unschuld künden, nicht Als strenger Herr - als Vater zu mir reden. . Ihr aber müht euch, Zweifel in mein Herz, Das grambeschwertc, einzusäen. Ja! Es ist, Wie ich im Unmut es gesprochen habe: Der Dieb, der gierig raubt und grausam mordet. Der Ehebrecher, der die. Nacht benützt Zu seinem Frevel und am Morgen weicht, Wie oft blüht ihnen Glück und langes Leben, Wie oft dem Frommen Elend -- bitt're Not ... .; Wollt ihr dies leugnen, die mit seichten Worten Ihr euch erhebt, den Mund beständig öffnet Zu einer einz’gen falschen Melodie? Jetzt endlich schweigt ihr, da den eiuz’gen Pfeil, Den ihr für mich gehabt, ihr hundertmal In diese offne Wunde habt geschleudert• War Weisheit das, was ich von euch gehört? War Weisheit eure Weisheit?-Hört mich an! Ihr wisst, wo man das Silber findet, Tief in der Erde Schacht, da wächst es auf, Da wächst das Gold, da wächst des Kupfers Erz, Der Menschen F11 s s weiss nichts von jener Stätte; Geheimnis hält den Pfad verhüllt, der Aar, Des Habichts Auge hat ihn nie erschaut — Bis man den Schacht hindurcligräbt und ein Glanz Wie tausend Sonnen durch das Dunkel bricht. Doch sprecht, wo wird die Weis heit denn gefunden? Wo ist der Ort, da die E rke!1 n tui s wächst? Habt ihr den Schacht gegraben bis zu ihr? Hat sie sich euch enthüllt in ihrer Schöne? Nicht tauscht man gegen Ophirgold sie ein, Nicht gegen Onyx und Saphir und Silber. Ihr spracht Ja: ״Einsichtsvoll war uns’re Rede!־* So kündet mir den Ort, der Weisheit Wohnung. Ihr schweigt? Ihr kennt sie nicht? Nicht einmal ihr, Nein, glaubt es mir, sie ist vor uns verborgen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.