Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 246. JÜDISCHE Bericht über die Verhandlungen des! Delegiertentages. I Das itenographlsche Protokoll des Hamburger Delegiertages erfordert weit mehr Zeit, als wir in Aussicht genommen Hatten. Wir wollen deshalb doch jetzt wenigstens kurz auf live Resultate der Tagung hä?r zuriickkommen. Kaulmann(-Frciburg): Zur Organisationsfrage. Aus der heutigen Debatte habe sich die Notwendigkeit, unsere Organisation zu verbessern, zurOcniige ergeben. Einer der wichtigsten Punkte sei eine neue Regelung der Beziehungen zwischen dem Zentralkomitccs und den Distriktsbüros, da sich gezeigt habe» dass das gegenwärtige Verhältnis ein unhaltbares sei. Der Mannheimer Entwurf verlange die Schäftung eines Zentrall üros, dem alle Verwaltungsarbeit Zufällen soll. Der Refcreitt befürwortet diesen Vorschlag, jedoch mit der ModitikaFon, dass das Zentralbureau e'n Organ des Zentralkomitees selbst sein solle. Ein solches Büro würde von grossem Vorteil für die Zusammenfassung der Arbeit und für die Unter- Stützung der Oruppentätigkeit sein. Pie Pistriktsbüros brauchten sieb dann nicht mehr mit der eigentlichen Büroarbeit zu befassen und könnten sieh mehr der Propaganda und der Mitarbeit in den einzelnen Gruppen widmen. Eine besonders w.'elitige Frage sei. ferner die Regelung der Beziehungen der Schekelzahler zur Landes- Organisation, die bisher keine genaue se\ Dabei komme auch die fmanzic’le Se'tc in Betracht. Ferner empfiehlt der Referent, die auf die Ortsgruppen bezüglichen Bestimmungen gesondert zusammenzustellcn und so zu ergänzen, dass sic den Ortsgruppen als ein Leitfaden für 8'hrc Organisation und ihre Arbeiten dienen könnten. Ein Versuch dazu sei von dem Rcierenten gemacht worden. Es solle damit der Uehelstaud beseitigt werden, dass ncugegrfmdete Ortsgruppen sehr häufig fiberliaupt nicht wussten, wor.n ihre Tätigke't bestünde und welche Pflichten sie auf sich zu nehmen hatten. Aut die Erörterung von Einzelbestinunungen werde erst In der Spczialik-lnitte entzügelten sein. Der Referent empfiehlt die Einsetzung einer Kommission, welche die gemachten Vorschläge einer Prüfung unterziehen und dem Delcgfertentagc darüber berichten solle. Die א a c 11 nt i 11 a g s s i t z u n g am Montag brachte vor allem die wichtige Diskussion über die Organisation und über den Mannheimer Antrag. Bemerkenswert sind die Ausführungen Kaufmanns -Freiburg der die innere Arbeit du 1 Distriktsbiireaus übertragen wissen will. Sondhcimcr- RUNDSCHAU. No. 23.; Frankfurt a. M. befürwortet die Beibehaltung, des alten Status ו mit einigen Aenderungcn. Bodenhelmcr bedauert ,dass! man nicht einmal dem geschäftsführenden Ausschuss von dem; neuen Orgamsationsstatutchtwurf Mitteilung gemacht habe. Gegen ein Zentralbureau zum Zwecke der Propaganda sei nichts• einzuwenden, auch dagegen nicht, dass es nach Berlin verlegt werde. Aber man soll ein erst junges Statut nicht umwälzen, ehe man seine Wirkung geprüft habe. Das lange ׳ Jahre in Köln bsstchcndc Zcntralbureau habe gezeigt, wie man arbeiten müsse. Gronemann, auf dessen Standpunkt sich auch der gescliäftsfiihrd.ulc Ausschuss stel't, wünscht das alte Statut ׳ beizubehalten, dabei aber ein Zentralbureau in Berlin errichtet zu sehen. E. Auerbach betont nachdrücklich, dass der Schwerpunkt der Organ'sat'ott «in der festgefügten Ortsgruppe liegt. Diese Festigung kann ähr nur durch innere Arbeit gegeben werden, für die ein eingehendes Programm aufzustellen ist. Technische Verfeinerung der Organis-atiou hilft allein gar nichts. Ein Antrag Hantkc auf Einsetzung einer siebcnglicdrigcn Kommission zur Abänderung des alten Statuts wird abgelehnt, ebenso ein Antrag Lcvis’on erst zum nächsten Delegiertentag Bericht erstatten zu lassen. Cd t r o n - Berlin bittet jede Orgairsationsändcrung a limine abzu’clmen. dagegen in Auerj bachscher Richtung einen Versuch der Vert'efung zu maehe(1. Die Resolution Posen solle berücksichtigt werden. Aber man hätte sich ausdriieken können, dass wir ein anderes Zentralkomitec wol'eii. W 11 1 d e r I i e h - Oppcju verlangt kleinere j Distriktsbiireaus neben einem Berliner Ze.itralbureau. Arth, i 11 a n t k e - Berlin führt aus. dass, w enn der geschüitsiiihrendo; Ausschuss hätte arbeiten wollen, er das mit den 1311 Mark | sehr wohl hätte können. Anregungen seien immer von Berlin! ire von Köln aus gekommen. Man solle Leuten, die arbeiten körben, auch die Befugnisse geben, in Köln sei Bodcnlreimer der einzige. Wollen s:e die Möglichkeit der Arbeit geben, so müssen die Statuten das gestatten und muss Ge’d vorhanden sein. Vereinfachung der finanziellen Zentren ist notwendig.! Um auf Bodenlieimers Person nicht zu verzichten, hat man! den Kompronrssautrag aus Mannheim gestellt. Danach wird ■ eine Kommission gewählt und .mit der Ausarbeitung beauftragt. ־' Hieran schliesst sich das bereits abgedruckte Referat j Robert Hantkes über ״N a t ä 011 a 110 n d und O e I ־ baumspend c“. ln der anschliessenden D:skussio!1 wird ' von a'len Seiten die Oelbaumspcnde als das wichtigste Gegen-! wartsprogramm, besonders für die deutschen Zionisten hinge- I stellt. Von besonderen Anregungen se;ea erwähnt, der Antrag von Schachtel- Breslau, die Nationalfondmarke auch bei! uns zu Lande auf 2 Piennig auszugeben und die Anregung i W a g 11 e r - Berlin, die jüdischen Familienseste. die Challahi eelder. die Spenden für Hazkarat neschamot dem National- 1 fonds und dem Volksdomäncn dienstbar zu machen und die verschiedenen Anträge betr. der Nationalfondbüchsen. Die S'tzung sch’oss gegen acht Uhr. Abends fand dann ein grosser Kommers statt, dem Zlooistl »präsidierte und bei den! Heinrich loewc in der Form eines Toastes auf Dr. Hcrzl die eigentliche Festrede hielt. Was Ist des Menschen Leben denn auf Erden? Arm mir an Tagen, aber reich an Kummer. Erblüht wie eine Blume und verwelkt. Ein Schatten fliegt dahin .... j Das ist der Mensch!; Der Baum im Walde er hat Hoffnung. Wenn ■ Die Axt ihn fällt, noch einmal sprosst er auf. } Das Wasser spielt um seine Wurzeln, Jtigcndkrait i Durchrinnt die Adern ihm, neu lebt er auf. j Allein der Mensch. sinkt er ins Grab hernieder. Mit eh’rnen Bauden hält es ihn, hält ihn, Bis dass die Himmel einst versinken werden ..... .Was ist des Menschen Leben denn auf Erden! Und was bin ich! Verwirrt mein Geist! Meine Tage erloschen! Rings gähn! das Grab! Vom Haupt gerissen wurde mir die Krone. Zertrümmert ich, entwurzelt wie der Baum. Weil Gottes Heer anstürmte wider mich. Mich zu vernichten!! Seht! Aufstreif’ ich mein Gewand, Seht her! 1 ־ '; ׳ ׳ Seht, wie die Hau! verfault an meinem Körper, Als frässen Wurm und Raupe mir am Fleische. Steigt meines Mundes Atem euch entgegen. Ihr wendet euch und fliehet mich. Nur ihr? Nein! Meine Knecht' und Mägde bleiben fern. Ich rufe, doch sic hören nicht. Mein Weib Verhüllt ihr Antlitz, um mich nicht zu seh’n! Sch't und merk't auf! Dies alles tat mir Gott. Warum? Ich schwör’ es euch, ich weiss cs nicht. Und doch, noch gieriger, als jene Pest An meinem Fleische frisst, noch gieriger Ist euer Zahn, ihr drei, die ihr gekommen. Um meiner Qual zu spotten, seid ihr drei. Die ihr euch meine Freunde nennt, ihr drei. Die mm auf. mich euch stürzet, gift’ge Worte Zu schleudern mit der Sehne eurer Zunge. Und deshalb seht! Autquäl' ich mich vom Lager, Auf das mich meine Schmerzen warfen. Seht. Hier steh’ ich nun vor Gott, der mich gezüchtigt. Zu dem ich dennoch flieh vor euch, vor euch! Ich weiss es jetzt, dass mein Erlöser lebt. Der einstens wird ersteh’n. Und wenn dies Fleisch, Wenn diese Maut dereinst im Grabe rulif,