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Jüdische Rundschau · 1904-06-10 · Heft 23 (10.6.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 23 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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I v י L-r ■-.L No. 23. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 245. lassen wird Bis dahin wird man de Juden nicht leicht entbehren können. Man braifcht keine prophetische Gabe zu besitzen, um Voraussagen zu können, wie es den Juden einst auch hier ergehen wird. Die Geschichte der Juden aller Zeiten ln allen Ländern ist die sicherste Richtschnur. Es ist also auch für die Juden in Bosnien die Notwendigkeit vorhanden, für die »Zukunft zu sorgen. Es wäre von ihnen eine Kurzsichtig- Iteit, wenn sie heute dank einer lobenswerten wirklich liberalen Regierung •t|nd günstigen Umständen sich dem Zionismus, der dtoch nicht dem Einzelindividuum zu gute kommt, sondern dem ganzen Volke,1 nicht anschliessen wollten Ich kctostat'ere nun mit Vergnügen, dass der Zionismus in Bosnien weit besser Fortschritte macht, als ich zu hoffen wagte. Es werden unter den eingewanderten Juden gewiss viele sein, die Zionisten sind aus!innerer logischen Uebcrzeugung, viele denen ׳die Erfahrung, die sie draussen machten, dazu führten. Einen Lichtblick gewähren hierzulande die Spagnolen, d:e durcligehends Z?oni$ten sind, und zumeist aus herzlicher Zuneigung zum Zionismus, aus Verwurzelndem Gefühl für ihr,Volk. Die Spagnolen fühlten und fühlen sich immer als Volk und.sie haben dieses Gefühl immer hoch gehalten. Sic haben nie versucht, eine Maske zu tragen, in die Fülle eines anderen Volkes zu dringen. Dieser Umstand hat ihnen nicht geschadet, er hat ihnen liier nur genützt; der Bewe's. dass sie hier von keinem Volke verachtet werden. Ma^ hält sic als gleichberechtigtes Volk neben den Serben, Türken ur.d Kroaten und sie laufen niwtit Gefahr in den Streitigkeiten, die allenfalls v’orkommen könnet, eine undankbare Rolle spielen zu müssen. Die Stellung der hiesigen Spagnolen könnte dei Juden aller Länder als glänzendes Beispiel für die Nützlichkeit des jüdischnationatöa und zionistischen Gedankens denen. Die Assimilat:on birgt die Gefahr, erzeugt den Antisemitismus, das Misstrauen des Volkes, sie bedeutet die eingestandene Inferiorität des eigenen Volkes, von dem man sich loslösen will, und statt der Gleichberechtigung, die man erreichen wi*l, bekommt man die Zurückweisung auf den inferioren Posten, auf den mrfi sich gestellt hat. Der Zionismus stellt die Juden als Volk auf gle’che Stufe mit den andern Völkern und er flösst Achtung ein soweit er Achtung verlangt. Der stolze gerade Mensch wird immer besser behandelt werden, selbst im Bettlergewand. als der gebückt gehende Lakai im Salonanzug. Es ist mir oft vorgekommen, dass ich Spagnolen traf, die von unserer zionistischen Bewegung keine AhnüMg haben; es genügt ihnen, v4on deren Existenz nur Erwähnung zu tun. um sic zum Anschluss zu bewegen. Mit ihrem Herzen sind sie ohnedies dabei gewesen. Es handelt sich für die Bewegung darum, das reiche und gute Material, welches hier vorhanden ist, zu samtheln.*) Der Veneit Beni Cheose Zion, der sich in Serajevo für den zionistischen Gedanken einsetzt, hat ein dankbares Arbcitsfeld; er hätte eine zionistische Broschüre zu schreiben oder vorhandene an alle Spagnolen zu senden und zum Beitritt aufzufordern. Die spagnolische Zeitung müsste verbreitet w׳erden; ein Delegierter des Vereins sollte eine Wanderrcise unternehmen. Ein einmaliges Aufsuchen würde genügen. Bei dieser Gelegenheit könnten Kolonialbankaktien verkauft und Nationa’fondspcnden übernommen werden. Es würde h Jedem Orte, wo Spagnolen wohnen, der angesehenste sehr gerne die Beiträge übernehmen und opferwillig führen. Eine Agitation ist hier nicht Notwendig, da niemand überredet werden muss; nur der Führer fehlt, der Zeit genug hat um auch die Mittel und dei Opter bringen zu können, die die Führung beanspruchen. Eli glänzender Erfolg ist ihm sicher: nahezu alle Juden des Landes dn der Gefolgschaft zu haben, ein prächtiges, moralisches Beisp'el für alle Juden der Welt zu bieten, den Zionismus materiell und mehr moralisch unterstützend, um dadurch dem ganzen jüdischen Volke zum Heile zu gereichen. Prijcdor (Bosnien.) Gustav Seidemann. *) Den vorstehenden Artikel habe feit schon vo׳• längerer Zeit geschrieben. Es wäre 113d1zutra״en. dass der Verein jüdischer Hochschulen in Wien ״Bar Giora“ die Agitation in de HcJid genommen hat. dass derselbe im Verein mit den Vertrauensmänner in Serajevo. Ba.ijaluka. Bihar, Brka. Dolni Vakus. Delni Türrier u. a., darunter der rührige Herr Rosenzweig in Banjaluka, recht fleissig arbeitet, und dass recht ansehnliche Erfolge, hauptsächlich Schekelsammeln und Nationaliondsspenden, erzielt würden. Es handelt sich nur darum, die bestehenden losen Verbindungen zu e^ner einheit* liehen Organisation zusammenzufassen. Der Verein jüdischer Hochschüler aus den südsfavischen Länder ,.Bar Giora" in Wien betreibt auch d!c Agitation in Kroat’en tf.id Slavonicn. Wenn auch dort das Feld nicht so günst’g liegt wie hier in Bosnien, da die Juden dort die unselige Politik betreiben. Kroaten oder Magyaren sein zu wollen, so ist ein schiless'icher S'cg des Zionismus nicht zu bezweifeln, denn wenn d!e Juden selbst nicht dort zur Ein־ sicht gelangen, so werden die guten, kroatischen oder magyarischen Freunde än mehr oder nr'nder liebenswürdiger Weise behilflich sein, ihnen dipse Einsicht beizubringe׳,!. Stell’ eine Wage auf, dann lass’ uns wägen, Und lass das Zünglein laut’re Wahrheit künden! Lass meine Schuld die eine Schale füllen; Doch in die and’re werf’ ich dann mein Elend, Den nie ermess’nen Jammer meiner Seele, Die Qualen, die hinab zur Gruft mich drücken! Dann sieh! Schwer wie der Sand des Meeres senkt Sich diese Schale dann hernieder .... Stell’ eine Wage auf, 0 Herr, mein Gott! Doch nein. Wie wag’ ich wohl, mit Dir zu rechten, Der weisen Sinn’s ist, unermesslich stark! Du, der der Sonne winkt und sie geht auf, Die Sterne hältst mit einer Hand, die Erde Aufrüttelst, dass erbeben ihre Säulen, Du, der den Himmel, die Planeten schufst, 0 Herr, wie wagt’ icli denn, mit Dir zu rechten. Denn raffst Du hin, denn steigt des Zornes Eifer In Deinem Busen auf, hebst Du die Hand Und schmetterst in den Abgrund, dem Du zürnst — Wer sollte dann sich Dir entgegenstelien Und mahnend fragen Dich, was Du getan? Ruf’ ich Dich an, wirst Du wohl auf mich hören? Nein, Deine Allmacht liessest Du mich fühlen Und schwängest Deine Geissei über mir.! Und wüsch’ ich meine Schuld von mir und stände * Rein wie des Winters Schnee vor Dir Du würdest Hinab mich in den Schlamm der Erde schleudern. Weh’ mir, wie wagt ich wohl, mit Dir zu rechten? 0 nimm die Angst von der gequälten Seele, Dann würd’ ich reden, Herr, von meiner Unschuld, Wie Wasser goss’ ich meine Worte aus Vor Dir, zeig’ mir Dein gnädig’ Antlitz, Gott! So aber, Herr, was soll ich vor Dir reden? Sieh, vor mir liegt mein Leben. Ich veracht’ 2s! Ich stoss’ es von mir, Herr! O steh’ mir Rede, Warum mir diese Strafen? Warum mir? Hast Du denn Augen, wie der Mensch? Siehst Du. Hörst Du wie Menschen? Ist Dein Leben kurz, Dem Menschenleben gleich, dem flüchtigen? Warum verfolgst Du Deiner Hände Werk? Warst Du es nicht, der mich dereinst geformt, '1 Die Glieder mir erschufst und in die Nase i Den Odem seiner Göttlichkeit geblasen? j Und nun, da ich zum Mann herangereift, | Nun strömst Du immer schrecklichere Plagen I Auf mein upschuld'ges Haupt herab —!- i 1

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