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Jüdische Rundschau · 1904-06-10 · Heft 23 (10.6.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 23 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 244. «״ JÜDISCHE RUNDSCHAU Tür beide Teile, für die Baumwollinteresamten und 1» das jüdsche Proletariat, ist Schnellkolonisation ein Bedürin'־ and darum ist ei*1 Projekt in rohem Umr ss folgendes. Die Türkische Regierung tritt ein geschlossenes Qebb* zwischen Afntab, Aleppo und B'redschik längs der projektier ten Eisenbahn an die EisenbahngesoMschaft ab unter eine׳ durch (Be Dettc publique geleiteten juristischen und admn'stntiven Verwaltung, und stellt die ersten 10 Steuerraten zu! Verfügung. Die Eisenbahngesellsctiaft baut das Stück der Eisenb1h und macht mit e'ner jüdischen Kolonisationsgesellschaft ef Kontrakt, fürs erste auf 3 Jahre, wonach sich diese verpflicht:‘ jährlich 1000 FamiHen anzusiedeln und zwar gegen Abtretu ־ von 20 ha ackerbaren Landes und mindestens 10 ha Weide Landes pro Famil'e. S’e liefert den Kolonisten Wohnhaus Stall, Wagen, Pflug, Egge, 1 Paar Ochsen, 2 Kühe, Saat ui’d Nahrungszuschuss bis zur ersten Ernte. Dafür erhält 5' das Land, sowb die ersten 10 Steuerraten zur Deckung de• allgemeinen Unkosten. Brief aus Bosnien. Bosnien ist kein Land mit christlichem Volkscharakter. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung sind Muliatnedancr, die in ihren religiösen Gefühlen äuswrst empfindlich sind u*td mit denen man sehr vorsichtig umgehen muss. Die Landesregierung, wenn auch sie ihrem Beamtenstatus nach christlich ist. ist gezwuttgen religiös neutral zu bleiben. Sie hat nur zu verwaltet und verwaltet auch nur, da sie durch Betätigung politischer oder religiöser Tendenzen, sich selbst unberechenbare Schwierigkeiten bereiten würde. Bezügl'ch der Beamten ist die Regicruhg auf den Import aus Oesterreich-Ungarn angewiesen, da aus der Bevölkerung noch nahezu gar kein Material vorhanden ist. Nun meiden sich aus Oesterre'ch-Ungarn hauptsächlich aus Gallz'en, sehr viele Juden für den Landesdienst, da die Juden draussen als Beamte gar nicht, oder schwer und nur über das Taufbecken vorwärts kommen können. Christliche Beamte haben es bekanntlich n'cht notwendig, nach Bos/Ven zu gehen, und so ist die Regierung darum nicht gerade angewiesen, so doch veranlasst Juden anzustel'en. die natürlich sehr gut •ihren Dienst machen müssen, um nicht sagen \v:r, zuruckzubbiben Dass die jüdischen Beamten vollständig gleich behandelt werden mit den christlichen, d. h. schn’ttene aus der Gemeinschaft der SvnaUoge auszuschPcssen , sei, verschwand in der Versenkung. Die von HolJhcim an-! gefertigte Gottesd’enstordnung. war ebenfal's nach fremden, nach württcmbcrgischcm Muster. gearbeitet. Der einzige Beschluss von Bedeutung war die ausdrückliehe Anerkennt•.״ der Ergebn’sse aus den Bcrntun״on des französischen Sanhedrins. Das Judentum bestehe aus zwei streng getrennt::» Elementen, aus einem releiös-metaohvstechen. und einem nit'onal-port'sehen; icnes sei o׳״ig unnbi änder’ich. dieses nach Lage der Dinge ersetzbar. D'eser Gedanke, aus dem Her d e Konsequenzen c׳ezo״en wurden, war das Werk des bckrlmtcn NotabDnoräsidenteu Abn,,~*n TurtaeH eines portugiesischen Ma^anuen. •,י׳- s'ch di׳r׳'h seine üolitischcn und kommerziellen Fiihigke'teji zum Maire von! Bordeaux aufvcscMvungcn hatte und auch in Naturwissenschaft | sehr bewandert war. j Der Ansgan״ der ersten Pn.Wvnervcrsamrrlune verlief sehr l urierauickt'ch, indem viele Teilnehmer nicht gesigt haben wol'ton. was <¥e Protokolle ihnen in den Mund iec׳bn. D׳e! damaligen Prediger wollten eben d:e Gemeinden nicht mit | derartigen Neuerunecn belösteen, wie man auch heute noch s’ch alle Mühe gibt die idealste und ve־יl•ז>:׳־׳c״ח *־*■'יי• **■,״’זוו, wegung in der Judenheit totzuschweigen, damit die Gemeinden nicht itrt derartigen Neuerungen belästigt würden. Aber auch von den modernen gilt, was von denen zu I esshes Zeiten gcgölten: —Gew'ssc Prediger re’ssen sich nie vom Pöbel, aber der Pöbel reist sich schliesslich von ihnen los.“ Tuba!.״ No. 23. dass bei gleicher Qual ifikation nicht der christliche Beamte die schlechtere Station bekommt ist so selbstverständlich und begreiflich, dass man darüber gar nicht sprechen muss. Schliesslich ist der jüdische Beamte, der von draussen •herci^־ kommt, beschodcn genug froh zu sein, wenn er bei guter Dienstleistung nicht präteriert wird, sondern mit den andere^ Vorwfirtskommt. Ich bin überzeugt, dass die Gerechtigkeit und Objektivität der bosnischen Regierung auch dankbar anerkannt wird, und dass sic mit ihren jüdischen Beamten zufrieden sein kann. 1 Der jüdische Kaufmann, der aus denselben Gründen, wie der jüdische Beamte nach Bosnien kommt, »etabliert sich in Gegenden und Orten, wo ein christlicher Kaufmann von draussen nie hingehen würde, selbst wenn er es so notw׳endig hätte, w׳ c der Jude. In solchen Orten, wo man von dem einheimischen Kaufmann gar n'chts bekommen Mm, bietet der jüdische Kaufmann Waren aller Art. die die Beamten sich sonst w׳eit teurer und beschwerlicher v'on draussen bestellen müssten. Man kauft bei ihm, weil man bc' einem anderen n'cht kaufen kann, man verkehrt auch mit ihm, weil er oft der einzige intelligente Mensch ist, mit dem man verkehren kann. Der gcgdiwärt’gc Zustand ist also für den Juden hierzulande günstig. Diesen günstigen Zustand verdanken die Juden, wie gesagt, nicht ■ihrem eigene׳! Werte, auch nicht dem Gerechtigkeitsgefühle der nichtjiidlschcn bosn'schen Bcvölkerung, sondern zwei Umständen: dass es hier mehr als ein Drittel Türken gibt und dass Bosnien noch nicht annektiert wurde. D e christliche Bevölkerung in Bosnien, die Oricnt-Ortliodoxen und die Rönvschcn Katholiken haben gewiss antisemit»'־ sehe Neigungen. Die ersteren. die Serben, mehr als die letzteren, wc'l von ihnen zum grössten Teile der Kaufmannsstand gestellt wird, well sie d e jüdische Konkurrenz zu fürchten haben. Die Türken sind hierzulande die Grundbesitzer, reprüscnt'eren das kaiservative Element, welches überall von den Regierungen geschützt wird. Die Bürgermeister h Bosnien sind Türken; die Regierung wird also, so lange sic bosnisch, d. 11. n'cht österreichisch oder ungarisch »st,.die Christen hier n'cht be- Vorzügen; sie wird dieselben gleich allen anderen behandeln. Wenn Bosnien annektiert wird, besteht für die Regierung nicht, mehr im vollem Masse die Notwendigkeit, alle Bewohner g’clch zu behandeln. Ich bin s'ogar davon überzeugt, dass, wenn die Regierung auch dann die Türken noch gut behandeln müsste, sic die Juden den Serben gegenüber fallen H'ob. Als die Freunde sieben Tage und sieben Nächte Hiob stumm angestarrt hatten, da öffnete er seinen Mund und sprach: Fluch sei dem Tag, der mich geboren! Er sei verflucht, Verflucht wie die Nacht der Empfängnis! Es decke schwarze Finsternis sein Licht, Er sei erloschen, Herr, in Deinen Sinnen, Wälz’ Dein Gewölk auf ihn. Er sei verflucht! Fluch sei der Nacht, da ich empfangen wurde, Kein Jubel tön’ in ihr, nur Klag’ und Stöhnen. Auf ewig finster seien ihre Sterne, Um nicht zu sehen sie, die Goti verflucht| O warum starb ich nicht im Mutterschoss? Warum hat mir des Tages Licht geleuchtet? Warupi empfingen mich der Mutter Brüste? Warum.....? 1 O warum leb’ ich, um euch dies zu fragen? Stell’ eine.Wage auf, o Herr, mein Gott, I

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