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Jüdische Rundschau · 1904-06-10 · Heft 23 (10.6.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 23 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 242. JÜDISCHE RUNDSCHAU. I No. 23. ländischen Frauenverein übrig haben, der ohne Unterschied der Konfession die jüdische Armut regelmässig übersieht! Für das grausige politische und soziale Eiend ihrer Millionen Brüder und Schwestern von dem gleichen Fleisch und Blut haben sie vielleicht Empfinden, aber nicht das Interesse zu helfen und für eigene nationale Ehre ihres als Volk entrechteten Stammes haben sie allerhöchstens ein Stückchen . theoretisehen Kampfes im Sinne einer schwächlichen Abwehr der allerschwersten Angriffe und Eingriffe in das private Leben. Für die Ehre und Grosse ihres eigenen Volkes empfinden sie ebenso wenig, wie die weitaus grösste Masse der Frauen überhaupt für die weite Tragweite des weiblichen Kampfes um die Menschenrechte weder Gefühl noch Verständnis zeigt. Freilich sollte die Energic, mit der der weibliche Kampf um das Recht eingesetzt hat, ihnen den Weg weisen, äui welchem allein auch das jüdische Volk daran denken kann, eine eigene Ehre und eine eigene Freiheit zu haben, die stürmtest und tinerschütterlich allen Stürmen trotzt, wie der Boden auf dem die Völker stehen und den unsere Nation sich auch erst wieder erkämpfen muss. Es ist nun bezeichnend, dass im Anschluss an den internationalen Frauenkongress auch ein .,Deutsch-Israclitischer Frauenverband“ ins Leben gerufen werden soll, die vor allem die vaterländischen Frauenvereine, die sich vielfach schamhaft so nennen, um nicht jüdische Frauenvereine zu heissen, zu einem Verbände zusammenzufassen, so weit sie eben nur Jüdinnen als Mitglieder zählen. Dass es sich bei diesem Zusammenschluss auch erst um einen ersten noch verschämten Versuch handelt, sich cfien zum Judentum zu bekennen, wird dadurch zur Genüge klar, dass man sich den Entschuldigungsnamen ״Israelit“ aussucht, während man den Kampfnamen, den Namen Jude, unter dem wir doch angegriffen werden, noch meidet. Und doch wird ein Verein, der sich des Namens ״Jude“ geniert, niemals bei Jud’ und Christ geachtet sein können. Denn wer was gelten will, muss kämpfen. Und wenn die jüdischen Frauen etwas mehr wollen, als nur die doch oft laue und flaue Tätigkeit der Frauenvereine zusammenzuschliessen, wie der seit seiner kaum erst erfolgten Geburt fast schon vergessene Verband deutscher Juden die Tätigkeit des Zentralvercins unter einer zweiten Firma dittographiert, so sollen sie in erster Linie verstehen, dass sie den Namen stolz auf ihre Fahne schreiben sollen, unter dem wir verfolgt und wegen dessen wir angegriffen werden. Sie mögen dann keinen deutschisraelitischen Frauenverband, sondern einen Bund jüdischer Frauen ins Leben rufen. Das Deutsche ist dann ja genügend ausgedrückt in der Sprache, in der sie sich benennen. Aber nicht der Name tut es allein. Die Sache, dasProgramm ist es, dass dem neu zu begründenden Bunde den Wert geben wird. Das Programm aber sollte ein sehr weites und doch enges sein, weit, wie das ganze Gebiet, das sich die Frauenbewegung im weitesten Sinne geteckt hat, eng aber in dem Sinne des Schillerschen Wortes: ״Was liegt dem guten Menschen näher als die Seinen? Giebts schönere Pflichten für ein edles Herz, als seines eigenen Volkes Schirm zu sein?“ Sic sollen gewiss im weitesten Sinne für Frauenbildung eintreten aber auch einsehen, dass niemand ausserhalb unseres Assimilationskreises es verstellt, dass die Bildüng eines Juden und einer Jüdin um so höher und feiner ist, je weniger er vom eigenen Volksstamm und von der Sprache, Kultur und Litteratur seiner Nation weiss. Für Frauenerwerb und Frauenberuf sollen sic gewiss eintreten und wir schätzen es, dass gerade auch Jüdinnen hier im Vordertreffen stehen, aber sie seilen darüber nicht vergessen, dass mehr als in irgend einem andern! Volke und weit mehr als in einer andern Bevöikerungs- Klasse die jüdische Frau und das jüdische Mädchen der bürgerlichen Kreise gezwungen sind, sich durch einen Beruf durch das Leben zu schlagen. Sie sollen dazu beitragen, dass ihre Fürsorgeeinrichtungen aus dem engen, alten Rahmen kleiner Hilfe heraustreten, aber sie sollen auch begreifen, dass das wirtschaftliche Elend in unserem Volke, dessen soziale Not viel, grösser ist, als die aller andern, dadurch flicht geheilt wird, dass man für die allgemeine Wohlfahrt sorgt. Sie mögen als leichtfassliches Musterbeispiel die Wirksamkeit der Frauenvereine betrachten, die ohne Unterschied der Konfession nur so weit geht, als man reiche Jüdinnen, die viel Geld geben sollen und können, so lange im Vorstande duldet, als sie verstehen, dass sie eben dort nur geduldet sind, dass aber die Unterschiedlosigkeit in der Konfession niemals so weit geht, dass auch für jüdische Arme einmal ein Picnnig von der Weihnachtsbescheerung zu einem Chaimkahgeschenk übrig bleibt. Wie dieFrauen für die rechtliche Stellung de* Frauen kämpfen, so sollen die Jüdinnen für die rechtliche Stellung.der jüdischen Frau insbesondere kämpfen; denn alle Frauenrechte reichen nicht aus, den Makel des Judentums von ihnen abzuwasehen. Und sie sollten gross genug sein und gross genug fühlen, um zu verstehen, was es bedeutet, dass die Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme überhaupt als ein Makel gelten kann. Wir begrüssen den Frauenkongress als eine jener grossen Bewegungen der Neuzeit, die altes Unrecht wieder gut machen wollen, nicht’ durch Gnadengeschenke und nicht durch Erschleichung einer ärmlichen Emanzipation, sondern aus eigener Kraft. Wir sehen in ihm einen Freiheitskampf und deshalb etwas Verwandtes zu unserem Zionismus. Und wir hoffen, dass er in seinem weiteren Kampfe dazu beitragen wird, die jüdischen Frauen selbstbewusst genug zu machen, dass sie sich nicht hinter einer deutsch-i sr a e 1 i t i s ch e n Firma verstecken werden, sondern frei und offen ihr Judentum bckennen und dass sic lernen werden, dass auch unser Volk den Kampf u!n die eigene Ehre nur erringen kann aus eigener Kraft und dass es zu diesem Kampfe aller seiner Kinder bedarf. In diesem Sinne begrüssen wir den internationalen Frauenkongress und die Gründung eines jüdischen Frauenbundes. Eljäqim. Unsere Aufgaben in Palästina und ' Syrien. ־ש«»».) Die Kolonialgesellschaft macht mit den Ansiedlern e'm'i Vertrag, nach dem sic die Kosten an Land, Inventar und Vor- Schüssen zu verzinsen und in jährlichen kleinen Raten zurückzuzahlen haben. Erst nach völliger Rückzahlung gehört ihnen Land und Inventar. Die Gesellschaft baut die Dörfer, errichtet 111 jedem die ersten Anstalten zur Bearbeitung der Baumwoll und besorgt ,den Einkauf bis zur Rückzahlung der Vorschuss .'. Die Bauniwoll’nteresscntcn erachten eine Baumwollv׳•.׳- suchsstation und eine grosse Presse in Aleppo und stellen de! Kolonisationsgesellschaft die nötigen Pressen, sowie Saatgut zum Selbstkostenpreis zur Vertagung. Die Versuchsstation würde bei 50 ha für 3 Jahre ca. 100 000 Mark kosten Inklusiv Landkauf, Gebäuden, Maschinen etc. Möglicherweise könnt sie sich sogar rentieren. So haben Sie c'nen Plan auf praktischer Grundlage. e׳\ Hilfswerk in eilten» Lande näher ats Ostafrika; gestützt ״ der einen Seite durch das volkswirtschaftliche Bedürfnis, auf der anderen Se'tc durch die entsetzliche Not, in der V׳;• .hidenheit schmachten . (Grosser Beifall.) . ־

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