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Jüdische Rundschau · 1904-06-03 · Heft 22 (3.6.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 22 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 237. No, 22,________ _JÜDISCHE RUNDSCHAU. reicht ist, 2J/a Millionen, bis 1iie Durchschnittsdichte Deutschlands, 105 auf einem Quadratkilometer, erreicht ist. Da nun mindestens ein Viertel des Landes Gartenland ist, so kann es eine sehr dichte Bevölkerung ernähren. Rechnet man indiesenTeilen als notwendig für eine Familie 5 Hektar, bei anderem Land 15 Hektar —- Zahlen, die absichtlich zu hoch gegriffen sind — so reicht das Land noch immer für 3 Millionen, die Industrie gar nicht mitgercchnet. Nach Pfarrer Schwöbcl, einem treffliehen Kenner der Verhältnisse, fasste Galiläa in seiner Blütezeit um Christi Geburt zirka 120 Seelen auf den Quadratkilometer; nach Josephus war es ein grosses Häusermeer, indem Hunderte von grossen und kleinen Siedlungen iast bis zur Ver- Schmelzung ineinander übergingen. Es soll allein 20-1 Städte mit mehr als 15 OCH) Einwohnern gehabt haben. Diese Angaben sind natürlich übertrieben, aber man bedenke, dass Samos (ohne Industrie) 111־, das verhältnismässig industriearmc Italien 113 Seelen auf 1 Quadratkilometer zählt, also immer noch mehr als Deutschland, uni zu begreifen, dass die Mittclmeerländer einer bedeutend dichteren Bevölkerung Raum geben als unsere Gegenden. Es ist demnach noch eine gewaltige Bevölkerungszunahme Palästinas möglich, und gar kein Grund, deswegen andere Kolonisatirmsgebietc gleichzeitig ins Auge zu, fassen. Wegen der politischen Schwierigkeiten und des langsamen Ganges der Kolonisation ist cs jedoch hei der erschreckenden Judcmiot im Osten, die eine Schnellkolonisatioo erfordert, dem Zionismus nicht möglich, sich anderen praktischen Fragen ganz zu entziehen. Darum hat der Kongress mit Recht das Ostafrikaangebot zur Untersuchung angenommen, nur ist das nun unJ ninuncr Zionismus. So ist auch Cypern zu betrachten, das allerdings nicht recht geeignet zu sein scheint, und Sic alle wissen ja, dass die Parteileitung selbst an die Kolonisation von el Arish gedacht hat. Hierher gehören auch meine Bemühungen in Anatolien, die den ersten Beweis einer billigen Kolonisation erbrachten, was zwar von äusserstcr Wichtigkeit für die jüdisebe Kolonisa'tioiisgeschichte war, mit dem Zionismus aber nur mittelbar zusammenhing. Viel näher den zionistischen Bestrebungen ist aber ein Plan, um dessen Verwirklichung ich mich jetzt bemühe, und den ich hier zuerst in der ()Öffentlichkeit entwickeln will, um dadurch ein für allemal festzulegen, dass er auf zionistischem Boden entstanden ist. Ich meine die Verbindung der Bagdadbahnfrage, der Baumwollfrage und der jüdischen Kolonisationsfrage. Sie kennen alle das Ricscnuntcrnehmen der Bagdadbahn, eines Schienenstranges von über 3000 Kilomctncr Länge. Die finanzkräftigsten Institute mehrerer Länder, voi allem Deutschlands, haben sich zusammengetan, um die Kosten des gewaltigen Projekts aufzubringen. Die Geldmittel sind vorhanden, die Kon- Zession ist erteilt, und doch meinen gut unterrichtete Fachleute: Die Bahn wird nicht gebaut werden. Die Bahn misst 1CM0 Kilometer bis Konia und Angora, 21<חי Kilometer von Konia bis zum Persischen Meerbusen. Davon sind 200 Kilometer bis Ercgli im Bau, und dafür sind schon die meisten Provinzeinnabmen als Garantie verpfändet. Die Bausununc beträgt etwa *13 Millionen Mark״ und es handelt sich doch nur um ein Zehntel der Strecke. Die Kilometergarantie betrügt 13 000 Franken Verkchrseinnahmc netto nach Abzug von 4500 Franken Betriebskosten, das macht für 2100 Kilometer 27 300000 Franken. Wie lange diese Garantie gezahlt werden muss, weiss noch niemand; die anatolische Bahn nahm :;och 1903 zirka 3 Millionen Franken Garantie ln Anspruch. Die Hauptschwicrigkeit für die Bahn ist die, dass die Bevölkerung längs ihres Zuges ausserordentlich dünn ist. Mesopotamien mit 340000 Quadratkilometer, also drei Viertel von Deutschland, zählt nur 3,2 Millionen Einwohner, d. h. 11,4 auf 1 Quadratkilometer, und gerade die von der Bahn durchschnittenen Gebiete sind zum Teil fast menschenleer, litte Zweigbahn nach Aleppo führt gleichfalls durch meuschenarmes Gebiet. Darum nützen alle Kilomctergarantiecn nichts, die Bahn kann sieh so nicht rentieren. Der Personenverkehr kommt kaum in Frage, und der Güterverkehr kauft solange nicht ins Gewicht fallen, als nicht längs der Bahnlinie Menschenmassett sitzen, die die Güter produzieren. So ist die Kolomsation längs der Bahn die Lebensfrage der ßagdadbahn. Andererseits hat die Türkei das vitalste Interesse daran, dass die Bahn auf irgend eine Weise gebaut wird, da sie von unermesslichcr militärischer Wichtigkeit ist. Die türkische Regieru:1g ist also sicherlich zu allerlei Zugeständnissen bereit, wenn nur die Bahn zustande kommt. (Schluss folgt in nächster Nummer.) ®®®®®®®©©©®«®®®<*®®®©®*©®*©®©®#®®$®®$®®©® I Aus der Bewegung. I ®®®©©®®®®®©®®®®©®©®©©®®!®©®**©©®®®©©®®®S Von den zahlreichen Telegrammen und Begrüssungen, die beim Dclegiertentagc entliefen, seien nur die folgenden herausgegriffen: Berlin: Jüdischitationalc Frauenvereinigung. B e u 111 c n: Zionistische Ortsgruppe. B o n n: Ortsgruppe. B r a u 11 s c hw e i g: Zionistischer Verein, ß r ei t c 11 s t ei n: Architekt Marmorck. Breslau: Breslauer Zionistische Veremigtmg. D u i s b u r g: Ortsgruppe. Emde r!: Lcma'an Zion. Frankfurt a. M.: Gustav Schwabe-Varel. F r e i b u r g: Zionistische Ortsgruppe. Hannover: Verein Dorsche Schloni Zion. Inspektor Meyer. Königsberg i. Pr. Telegramm folgenden Inhalts: Spende Eintragung deutsche Landsmannschaft Goldenes Buch. Oelbau nt spende zwanzig Mark. Gedenket Agitation Ostorcusscn. Zionsgruss Sambursky. Lemberg: Marta Bacr- Hamburg. München: Nationalinndkommission (Postkarte von Nationalfondmarken). Strassburg I. E.: Strassburger Zionistische Verein. Stuttgart: Zionistische Ortsgruppe. Wiesbaden: Dr. Friedemann. Dr. Freundlich. Wien: Liebwerte Gesinnungsgenossen! Sehr geehrte Herren! Empfangen Sie unsern besten Dank für die liebenswürdige Einladung zu ihrem Parteitage. Leider verhindern uns Arbeiten dringendster Art, an Ihren Beratungen teilzunehmen und wir müssen uns begnügen. Ihnen auf diesem Wege für alle die guten Dienste, die Sie im vergangenen Jahre unserer guten Sache geleistet haben, hcrzlichst zu danken. Wir erwarten von Ihrer Konferenz einen weiteren Aufschwung unserer Bewegung in Deutschland, die festgefügt in einheitlicher Organisation schon viel rühmliches geschaffen hat, vor sich aber noch eine grosse Arbeit sicht. Möge cs Ihnen gelingen, und es wird Hüten gelingen, bald die ganze Judcnscliaft Deutschlands um Zions Fahne 71! sammeln. Mit Zionsgruss für das Aktionskomitcc: Kok esc 11. Schriftführer. O. Marmorek. für den Obntanu. J e k a t c r i n o s I a w: Meinen westlichen Brüdern herzlichen Oruss! Glückwünsche Ihren Beratungen zur Einigkeit unserer Reihen und Arbeit nur für Palästina. IJ s s i s c h k i n. Hamburg. Von Seiner M a j e s t ä t dem deutschen Kaiser ging folgendes Telegramm ein, das mit grosser Freude entgegeugenonunen wurde: Potsdam. Seine Majestät der Kaiser und König lassen den dort versammelten Zionisten für den Huldigungsgriiss danken. Auf allerhöchsten Befehl der Geiteimc Kabinettsrat von Lucanus. Hamburg. Auf Mittwoch Vormittag 10 Uhr hatte die Ortsgruppe Hamburg-Altona, deren Verdienste tun die würdige und vornehme Ausstattung des Delcgiertentages garnicht 01't gettug hervorgehoben werden können, die Delegierten und Gäste zu einer Hafenrundfahrt und zur Besichtigung der Auswandererhallen der Hamburg-Anterikalinie cingeladen. Wunderbares Wetter begünstigte uns und machte die Fahrt für die mehr als 60 Damen und Herren, die an ihr reilnahmen, zu einem überaus angenehmen Abschluss unseres Hamburger Aufenthaltes. Hochinteressant war der Gang durch die Auswandererinnen. Wir ttafett dort eine grosse Schar russischer Stammesbrüder, die im Begriff waren, nach Amerika auszuwandern. Ihr Antlitz erhellte sich, als sie itt uns nicht nur Juden, sondern auch Parteigenossen erkannten. Viele von ihnen waren In Ihrer Heimat für den Zionismus tätig gewesen, der eine als Ein-

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