Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 22 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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&WJ• Seite 236. .. ..* . JÜDISCHE ־.von der Entwicklung dieser Zeitschrift niitzuteilen habe, ist recht erfreulich. Schon jetzt bietet es ffir den, der lernen wili. eine Fülle anregenden Materials, lind es wird im weiteren Ausbau ein unentbehrliches Hilfsmittel werden, um sich auf diesem Gebiete zu unterrichten. Im wohlverstandenen Interesse des Zionismus muss es grade Ihre Aufgabe als hervorragender Veitreter des deutschen Zionismus sein, diese Erkenntnis zu verbreiten, und es darf gefordert werden, dass abgesehen von einzelncn Interessierten es keine einzige zionistische Ortsgruppe geben darf, die ״Alt nculand“ nicht abonniert und ihren Mitgliedern zugänglich macht. Auch finanziell entwickelt sich unser Blatt gut, und wir dürfen hoffen, dass es schon am Ende seines ersten Jahres seinen Bedari selbst deckt. (Beifall.) Die. Palästina-Kommission hat weiter schon mit der Arbeit begonnen, spezielle Pläne wirtschaftlicher Natur auszuarbeiten. Der wichtigste ist vor dör Hand die Institution der Oelbaumspende, die Sic ja alle bereits kennen. Sie vereinigt in glücklicher Weise eine Peilte von Vorzügen. Durch die Bepflanzung der vom Nationaliond angekauften Ländereien wird die nach türkischem Recht nicht geringe Schwierigkeit, was mit diese;! Ländereien zu beginnen ist, am besten gelöst. Gleichzeitig haben wir dadurch, selbst bei äusserst vorsichtiger Bcrcchnung, die Zuversicht, nach wenigen Jahren dem NationalfonJ einen erheblichen Gewinn aus diesen Pflanzungen zuführeii zu können. Endlich wird hier eine Gelegenheit geschaffen, Tausende flcissigcr Arbeiter uivd ihre Familien mit Arbeit und Brot zu versehen. Es wird ein Ruhmestitel für den deutschen Zionismus und insbesondere iür Hamburg bleiben, dass hier zuerst die Wichtigkeit der Oelbaumspende gebührend gewiirdigt worden ist. Wir werden demnächst in eine grosse Agitation für diesen Plan auch ausserhalb Deutschlands eintreten, und wir bitten Sie um nachhaltige Unterstützung. (Grosser Beifall.) Aufgabe unserer Kommission, ist cs, auch andere wirtschaftliche Pläne zu bearbeiten und zu propagieren bis zur Bildung von Handels- und Industrie-Gcscliscliaften, von Landkaufsgenossenschaftcn u. s. \v., ferner die bestehende Kolonisation durch Ratschlag und Agitation in jedem Sinne zu ,fördern. ־ Das dritte grosse Hilfsmittel des Zionismus ist der Nationaliond. . RUNDSCHAU. * No. 22. lieber die allgemeine Bedeutung des Nationalfonds vor dieser Versammlung zu sprechen, ist unnötig. Der Nationalfand ist und bleibt unser wichtigstes Instrument zur faktischen Besitznahme des Landes. Mit den Mitteln des National-Fonds wachsen unsere Aussichten für die Zukunft. Darum bleibt es eine hervorragende Arbeit aller unserer Gesinnungsgenossen, an der Sammlung für dcn'Nationalfond und die Oelbaumspende dauernd nach ihren Kräften mitzuarbeiten. Aus den Mitteln, des Nationalfonds soll auch d i e Eiurichtung hervorgehen, ffir die die Oelbaumspende bestimmt ist: Die Errichtung von Volksdomänen. Das Land, dass aus unserem Volksschatz angekauft wird — und wir beginnen ja jetzt. Land zu kaufen —, soll auch nach altbiblischen Grundsätzen Eigentum der Volksgesamtheit bleiben. Einstweilen wird daher von der Verwaltung des Nationalfonds aus die Verwaltung der Volksdomänen abgezweigt werden, bis dieser Domänenbetrieb und das erwarten wir für eine nicht zu ferne Zeit — so angewachsen sein wird, dass er einer eigenen Verwaltung bedarf. Nach der Erweibung neuer Landes, für die immer die Fachmänner der Palästinakommission das entscheidende Wort haben müssen, wird dann die Frage entstehen, ob wir auch andere Kulturen auf unseren Volksdomäiien einführen. Wenn auf diesen Wegen eine ganze Reihe von landwirtscliaftliclicn, industriellen und kommerziellen Unternehmungen entstanden sein wird, dann ist es eine wesentliche Aufgabe des Zionismus, sie alle zu einer höheren Einheit im Interesse zielbewusster Arbeit zusammenzuscbliessen. So habe ich versucht, Ihnen in grossen Umrissen ein Bild unserer Arbeitsmöglichkeiten in Palästina zu entwerfen. Da erhebt sieh nun die Frage: Reicht denn Palästina für alle diese Möglichkeiten aus, gestattet cs eine so intensive Besiedlung, dass sicli diese Pläne werden verwirklichen lassen/ Darauf kennen wir mit gutem Gewissen ein Ja1 erwidern. Palästina ist fruchtbar, aber sehr schwach bevölkert. Es hat etwa die Grösse der Provinz Posen (29 000 Qiiadratkilometer), aber nur etwa 600 000 Einwohner, 21 auf 1 Quadratkitometer, während diese zirka 2 Millionen zählt. Es könnten demnach noch Millionen• Menschen hin, bis die Bevölkerungsdichte der fast nur agrikulturcllcn Provinz Posen er- *) Diese Forderung haben wir bereits ausgesprochen und wiederholen sie aufs Nachdrücklichste. (Anm. d. Red.) sie strebten nach Absonderung der Juden und beschränkten ihren gesellschaftlichen Verkehr mit den Christen durch Ehe־ verbot und das Verbot gemeinsamen Speisern; auch hier liege״ keine wirtschaftlichen Gründe für diese Politik* vor. In Spanien sind die Juden fest angesessen; sie haben Grundbesitz. In Gallien erscheint*! sie, nach Gregor von Tours, als Kauficute, treiben auch reine Geldgeschäfte; hierin machten ihnen die christlichen Syrer Konkurrenz. Nach einigen überlieferten Zahlen müssen die Juden damals in Gallien ziemlich zahlreich gewesen sein, und es ist nicht anzunelimen, dass sie ausschliesslieh vom Handel gelebt; auch das Handwerk konnte bei der sich selbst genügenden Hofwirtschaft der Grossgrundherrschafteil für sie nicht sehr belangreich sein . Unter den Karolingern vermittelten sie den Handel zwischen Orient und Okzident, wozu sic besonders ihre ausgedehnten Spraclikcimtnissc befähigten. Am Kaiserhofe fanden sie gute Aufnahme, wie u. a. die Schutzbriefe Ludwigs des Frommen für reisende Juden zeigen. Sie waren damals noch ansässig im Fraukenreiche. Ein Hauptgeschäft war die Einfuhr von Sklaven aus dem Slavenlandc; es kam vor, dass sic für ihre Unternehmungen sich von christlichen Gläubigern Geld vorschiessen Hessen; manchmal liehen sie dagegen Geld aus. Ihr Reichtum stammte nicht vom Grundbesitz, aber sie sind noch nicht ganz von ihm abgelöst, auch in Deutschland nicht. Zahlreich Hessen sie sich an der deutschen Ostgrenzc nieder, wegen des Sklavenhandels (in Magdeburg, Merseburg, Meissen, Prag). Mit dem Warenhandel stellt das Geldgeschäft in engem Zusammenhang; in diese Verhältnisse gestattet die Autobiographie des Prämonstrateuserinönchcs Hermann, eines bekehrten Juden, interessante Einblicke: er verwendete einst Geld, mit dem er wohl Waren einkaufen wollte, als sich ihm Gelegenheit darbietet, zu einem Darlehnsgeschäft. Ebenso liefern einige neu puhlizierte orientalische Märchen gut beobachtete Züge: die Grundläge des Handels ist das bare Geld, das sich durch den Waren- Umsatz vermehrt; diese Barvorräte waren wieder äusserst nutzbar. Dr. pliil. Frhr. W. v. Landau, hier, schreibt: Die Ausgrabungen In Sidon, welche das kaiserlich ottomanische Museum mit nur unternimmt, werden in diesem Sinne von April bis Oktober in erweitertem Massstabc fortgesetzt werden. Herr Prof. Dr. Winckler wird mich wieder vertreten und die Türkei wird wieder durch Makridi Bey vertreten sein, welcher nach Beendigung dieser Ausgrabungen die Österreichs sehen Ausgrabungen in Ephesos beaufsichtigen soll. Die in der vorigen Kampagne (mit mir) gefundenen Objekte und Inscliriften sind dem türkischen Museum in Konstantinopel clnverlcibt worden und hoffe ich nach Abschluss der Arbeiten Doublctten zu erhalten. Ich selbst denke, sobald mein Gesundheitszustand es irgendwie zulässt, die Ausgrabungen gegen den Schluss der Kampagne zu besichtigen, da vorher die Hitze am Ausgrabungsort. ca. 34 Grad, wirklich unerträglich sein soll. Da reiche Gelder dieses Mal verwendet werden, hoffen wir auf noch bessere Resultate als im vorigen Jahre. Die Photographien sind aus Konstantinopel angclaugt und so kann ein Werk über die letztjährige Ausgrabung, schön illustriert, als Mitteilungslieft der Vorderasiatischen Gesellschaft in kurzem erscheinen. I