Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 22 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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« JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 22. Seite 234. aas einer Reihe von meteorologischen Beobachtungen gesarnmelt werden, indem an verschiedenen Punkten des Landes Beobachtungsstationen eingerichtet werden. Sie muss die Bodenarten genau studieren. Auf einem genügend grossen Landgebiet, das für die Versuchsstation erforderlich ist, werden Versuche mit der Kultur verschiedener Pflanzungen gemacht, Züchtungen und Veredelungen von Pflanzen und rationelle Viehzuchtversuche betrieben. Sehr zweckmässig kann mit der Station ein medizinisch-hygienisches Laboratorium verbunden werden, indem Versuche über die Bekämpfung der häufigsten Menschen- und Tierseuchen angcstellt werden. Von hier aus können auch, 'wenn Gefahr im Verzüge ist, die nötigen Vorschritten für die Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes durchs Land gehen. Wie viel Unheil, wie viel Schaden an Leben und Out hätte vermieden werden können, wenn wir schon fetzt eine solche Station besässen! ' Eine Versuchsstation, mit der eine Versuchsfarm zu verbinden wäre, könnte auch beträchtlich mitarbeiten an einer weiteren notwendigen Vorbereitungstütigkeit, der V c r b e s - serung der Produktionsbedingungen. Für die intensive Landwirtschaft kommt die Verbesserung der atigebauten Arten in Betracht. Für die extensive Landwirtschaft kann viel geschehen durch Bodenbearbeitung, rationelle Düngung, sachgemässes Wechseln der Kulturen. Man sollte cs nicht glauben, dass in jüdischen Kolonien noch hie und da mit den allerprimitivsten Mitteln, wie sic der Araber benutzt, der Boden für die Aufnahme der Saat zurecht gemacht wird. Hier kann ein? geschickte Verwendung europäischer Technik ausserordentlich segensreich wirken, durch Einführung landwirtschaftlieber für Palästina geeigneter Maschinen und maschineller Einrichtungen können die Ertrüge vervielfacht werden. — Wenn man erst die Lebensbedingungen der Pflanzen besser kennt, wird man auch die Pflanzenschädlinge besser bekämpfen können. Man wird möglichst die Einführung solcher Sorten vermeiden, die besonders stark befallen werden, und man wird zweckmässige Vorkehrungen gegen die Schädlinge selbst zu treffen lernen. — Es muss für Einführungen tüchtiger Zuchttiere gesorgt, Gestüte eingerichtet. Versuche mit Strausscnzucht unternommen werden. Und nun endlich noch eine gewaltige Arbeit, deren fnichtbringende Folgen gar nicht abzuschen sind; die Sorge für eine geregelte Bewässerung. Es Ist ein Märchen, dass dass wir es mit. einem Menschen aus einem Guss, ohne Jeden inneren Riss, zu tun haben. In No. 11 haben wir einen streng orthodoxen Rabbiner, der einen Schopenhauerkommentar herausgehen möchte, Aufsätze voller pessimistischer Weltanschauung schreibt und trotzdem Predigten über Gottes Gerechtigkeit und die Vollkommenheit der Schöpfung hält, der von allen Denkern gelehrt hat. den Inhalt über die Form zu stellen und trotzdem die Vernachlässigung irgend einer Zeremonie für eine Totsündc hält, der den Meifschen mit grosser Verachtung gegenilberstcht und trotzdem mit naivem Vertrauen immer wieder an sie herangeht. . No. 12 ist ein anderer Schlag. Der liebt das Leben und wurzelt fest in ihm. Er ist der Realist der Bewegung, welcher weiss, dass aller Idealismus und alle Begeisterung nichts.erreichen können, wenn nicht das Notwendige, das man diskret durch wiederholtes Aneinanderfahreu von Daumen und Zeigefinger andeutet, vorhanden ist. Darum ist sein Gebiet die praktische Arbeit, die er mit ansteckender Freudigkeit bewältigt. No. 13 ist ein ganz iunger Mann, der gekommen fst, weil er sich an der Begeisterung begeistern wollte, weil er sich von der einen starken Empfindung der Grösse der Palästina wasserarm ist. Wo ödes Landjst, fehlt es fast durchweg nur an der Benutzung der natürlichen Wassermengen, denn viele hundertausend Kubikmeter gehen unbenutzt verloren. Dass man im Altertum der künstlichen Bewässerung wohl sein Augenmerk zuwandte, zeigen die Reste der Wasscranlagcn. zum Teil von grossartigem Umfange. Die Anlegung von Wasserleitungen, die Errichtung von Stauwerken kann den örtlichen Ueberfluss nutzbar machen, zahlreiche Wadi’s, die nur während der Regenzeit Wasser führen, können benutzt, Sammelbecken für das Regenwasser angelegt werden. Auch von der Bodenfeuchtigkeit lässt sich noch vieles erwarten, wie in der Sahara ein artesischer Brunnen ein Oase schafft, so kann es auch in Palästina geschehen. — Andererseits wird für die Entwässerung von Landstrichen zu sorgen sein, die durch Vernachlässigung versumpft sind. Regulierung der Flussläufc, Anlegung von Kanälen und Dralnierungsgräben, Pflanzung von Eukalyptusbäumen sind hier die souverainen Mittel. Alles in allem betrachtet, ist die jährliche Feuchtigkeitsmenge Paliistiitas nicht geringer als die vieler Gegenden Deutschlands. Wenden wir uns von der Landwirtschaft zur Industrie. In dieser Hinsicht liegt das Land fast jungfräulich vor uns, und doch hat es hierin vielleicht eine grosse Zukunft. Schon die Bibel spricht von den Bodenschätzen des Landes, und eine geologische Durchforschung mancher Gebiete wird wahrscheinlich die Einführung von Minenindustrien als möglich erscheinen lassen, trotzdem das Land im Wesentlichen aus jüngeren Schichten besteht. Auch das sind Arbeiten, die man schon jetzt beginnen kann. — Und dann bedenken Sie die ungeheuren industriellcn Möglichkeiten, die allein das Tote Meer eröffnet! Es birgt eine fast uncrschöpftc Menge kostbarer Bromsalzc, Schwefeiverbindungen. Hier werden schon jetzt die besten Asphaltsorten der Erde gewonnen. Es ist auch höchst wahrscheinlich, dass sich reiche Petrolcumschätze finden werdet*. — Andere Industrien, deren Einführung durchaus möglich ist, sind: Oclrr.ühlen, Getreidemühlen, Seifenfabriken, Parfümfabriken, Fabrikation von Konserven und Marmeladen, Fabriken für Obstverwertung, Eiweisfabriken. Düngerfabriken. Zementfabriken, Ziegeleien, Brennereien, Gerbereien, Glasfabriken, Eisanlagen, Glasanlagen etc. Besonders hinweisen möchte Ich auf die reiche Möglichkeit zur Einrichtung clcktrischcr Anlagen, für die die unbenutzten Wasserkräfte des Jordans und seiner Nebenflüsse, des Kisons u. s. w. zu Ocbote stehen. Idee, ihrer Herrlichkeit und Unsterblichkeit berauschen lassen wollte. Nun sitzt er da und hört, aber was er hört, ist nicht so grossartig, wie er es hoffte. Er vergisst, dass die. die schon Jahre lang in der Bewegung stellen, sich nicht mehr in einem fortwährenden Taumel befinden können, und kehrt deshalb ernüchtert und enttäuscht nach Hause zurück. — Ich kam! hier nicht alle 101 Delegierte abmalen, denn sonst würde auf dem nächsten Dcleciertentage der ..Rundschau" der Vorwurf gemacht werden, der Ihr bisher erspart blieb: nämlich langweilig zu sein. Ich will nur noch erwähnen, dass es einen gab. der wiederholt den inneren Drang zum Reden fühlte und Arme und Flisse gleichzeitig dazu gebrauchte, dass es einen anderen gab, der sich wie ein Held vorkam. als er sich das Wort zu einer Bemerkung geben Hess, die, nachdem er sic hervorgestottert, total ignoriert wurde; das versdtiedene vorhanden waren, die wütend waren, dass das gewünschte Resultat nicht zustande kam und dennoch verbindlich lächelten, dass cs manche gab, die schwiegen, obwohl sie hätten reden sollen, und dass cs nocii viel mehr solche gab, die redeten, obwohl sie hätten schweigen sollen.