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Jüdische Rundschau · 1904-06-03 · Heft 22 (3.6.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 22 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 22. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 233. 1 rechtliche Sicherung, darum ist unser oberstes Ziel, die Erlangung des Charters. Aber auch nach Erlangung des Charters ist unsere Arbeit eine andere, ab man oft hört. Man sollte nicht von Grosskolonisation, sondern von Schnellkolonisation sprechen.!: Bis zur Erreichung des Charters aber dürfen wir nicht müssig sein. Das Land muss zu einer zukünftigen Schnellkolonisation erst vorbereitet werden. Unter diesem Gesichtspunkt, im Hinblick auf das Ziel, muss unsere Arbeit eingerichtet sqin. . Wir sollen nicht selbst kolonisieren, aber die Kolonisation, die besteht, auf Jede Weise fördern. Eine solche Förderung .kann nicht durch Geldspenden erfolgen, denn damit erzieht man nur unfreie Schnorrer. Das System der Unterstützung muss vielmehr eine Hilfe mit Rat und Tat sein. Dafür kann sehr viel und Nützliches geschehen. Man muss durch wohlunterrichtete Fachleute, die mit Land und Leuten vertraut sind, die Bodeneinküufe erleichtern, Baucrlaubnis erwirken, zahlreiche administrative Schwierigkeiten, die den Unkundigen zu Grunde richten, aus dem Wege räumeiK Statt der Geschenke an fond perdy muss ein solides Kreditwesen eingerichtet werden. * Ausserordentlich wichtig ist die Bildung von Genossenschaften aller Art; sie verbessern die Lebensbedingungen und erhöhen ungemein den festen Zusammenhang des Einzelnen mit der Gesamtheit. Hierher gehören Genossenschaften zum Betriebe von Kellereien, Meiereien, Maschinengcnossenschaften, Verkaufsgenosscnschaften, bei den Handwerkern Einkaufsgenossen־ schäften. Was bei alledem aber strenge vermieden werden muss, ist Wohltätigkeit und unverdiente Nachsicht. Ein gewaltiges Gebiet schliesst sich eng hieran, die Wohlfahrtseinrichtungen. So Ist cs eine wichtige, in ihren Erfolgen gar nicht abzuschätzendc Aufgabe, das Verständnis für persönliehe und soziale Hygiene zu wecken. Erst so wird es möglich sein, wirksam die grossen Volkskrankheiten zu bekämpfen und den Tierseuchen wirksam entgegenzutreten. Es müssen P01ir kliniken eingerichtet, Hospitäler gebaut, Asyle geschaffen werden. Es würde zu weit führen, gerade hier alles anzuführen, was geschehen kann. Aber das Eine werden Sie schon jetzt sehen: Es lassen sich eine Anzahl fruchtbarer Arbeiten für die Kolonisation beginnen, auch ohne dass man selbst kolonisiert. Und das sind alles praktische Einzelarbeiten, die schon Jetzt geschehen können. Wir können mit Stolz sagen: Ueberall, wo in Palästina Bestrebungen dieser Art kundwerden, sind cs zionistische Vertrauensmänner, an die sich die Kolonisten werden. Gerade wir Zionisten, deren leitender Gedanke die einstige und möglichst schnelle Kolonisation grosser Massen in. Palästina ist, müssen das Hauptaugenmerk darauf richten, das Land für die Aufnahme grosser Massen vorzubereiten. Diese wichtigste Arbeit gliedert sich in Erkundungen, Versuche und Verbesserung der Produktionsbedingungen. Wir müssen, das ist eigentlich selbstverständlich, genau unterrichtet sein über die Natur des Landes und seine Möglichkeiten. Zunächst muss eine genaue Vermessung des ganzen Landes vorgenommen werden, wie sie der Palestinc Exploration Fund und der Deutsche Palästina-Verein in Angriff genommen haben.; •}■*• ' Ebenso wichtig ist es aber auch für die Besiedlung, dass wir den landwirtschaftlichen und klimatischen! Charakter Jedes Landstriches bis in die einzelnen Parzellen hinein genau kennen, dass wir durchaus vertraut sind mit den rechtlichen Bedingütigen der Türkei besonders mH Rücksicht auf die adminidrativen Zustände. Auch hier würde es zu weit führen, wenn ich Ihnen viele Einzelheiten aufzählen wollte. Um es kurz zu sagen: Alles, was man wissen muss, um sich einer gennuen Kenntnis des Landes rühmen zu können, das müssen wir erkünden, und es ist nicht zu viel gesagt, wenn ich behaupte, dass wir erst am Anfang dieser Kenntnis stehen. Das zweite, was einer Kolonisation im grossen Umfange vorausgehen muss, sind Versuche agrikultureller und technischer Natur. Für diese Arbeiten, die zweckmässig mit den Erforschungsarbeiten vereinigt werden, brauchen wir unbedingt eine Versuchsstation. Gestatten Sie wegen der Wichtigkeit und Dringlichkeit der Frage, dass ich auf diese Institution etwas näher eingehe. Der Hauptfehler der bisherigen Kleinkolonisation In Palästina war der, dass alle Sicdlungsvcrsuche sozusagen ins Blaue hinein gemacht wurden, , dass kein System in ihnerf steckte. Man kaufte Land, ohne seine Eigenschaften gründlich zu kennen, man pflanzte Kulturen auf ihm an, ohne ihre speziehe Eignung für dieses Land zu erproben, und man legte die Leitung der Arbeit in die Hände yon Leuten, die viel guten Willen, aber geringe Fachkenntnisse, besonders an Ort und Stelle erworbene, besassen. Vielen dieser Uebelstände wird eine gut geleitete Versuchsstation ablielfen können. Sie muss Klugheit den Zionismus ein wenig mundgerecht dem Publikum bereiten wollen. Wenn er mit seinem ungezähmten Temperament losfährt, geht es wie ein erfrischender Windstoss durch die Versammlung und alle, auch die Andersdenkenden, freuen sich an der Ehrliciikeit seines Gefühls. Nr. 9 kam als Besiegter und ging als Sieger. Alle, die während des Jahres unzufrieden mit seiner Leitung gewesen waren, vergassen plötzlich Ihre Bedenken und Vorsätze, als sie seiner lauteren und reinen Persönlichkeit gegeniiberstanden, die ihnen Sympathie einflössen musste. Wieder wird ein Jahr vergehen, in dem viel über ihn geklagt werden wird, und wieder wird er dann vor ihnen stellen und warten, wie sic wählen werden: fiir ihn oder gegen ihn. No. 10 ist ein prächtiger Mensch. Trotz seiner grossen Jugend nimmt er bereits eine führende Stellung ein, weil die Klarheit und die konzentrierte Energie in seinem Wesen Einfluss ansüben muss. Ohne jede Phrase geht er auf den Kern der Sache ein und sucht allen Erscheinungen gegenüber objektive Stellung einzunehmen. Die Einheit und Harmonie seines Charakters, vereint mit seltener Leistungsfähigkeit, gibt uns das wohltuende Oeftihl, das wir nur wenigen gegenüber empfinden, wenn ihre Liebes- und Lebensträuine nicht erfüllt werden. Und weil er ihr eine so tief innere Sache ist, etwas, das .sie hinaushebt über alles Kleine und Triviale, ist sie traurig über sich, dass er sie nicht ganz beherrscht und dass nocli andere Empfindungen emporkommen: Gefühle der Eifersucht und des Neides auf Frauen, die mehr beachtet werden, das Gefallen an vielen Männern. Empfindungen, die sie als unwürdig ansieht, die sie quälen und die ihr zum ersten Male klar machen, wie wenig Wollen und Können, Selbstzucht und Verachtung harmonieren. Vielleicht werden die Selbstverachtung und die Zweifel derartig wachsen, dass ihr eines Tages das Leben ganz wertlos erscheint. — Bel No. 4 wittere ich keinen Konflikt. Obgleich er extra zum Delcgiertentage gekommen ist, findet er sich zu den Beratungen nur ein, um sich mit No. 5 schleunigst zu entfernen. No. 5, 6, 7 sind junge Mädchen, die sich weniger für den Zionismus als für seine männlichen Anhänger intcressicren. Nr. 8 ist ganz radikal. Leidenschaftlich veranlagt, ist er einer der stürmischsten Anhänger. Ein Daraufgcher, dem es verächtlich erscheint, auch nur die kleinste Konzession zu machen, der alle heftig angreift, die aus \ יוי

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