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Jüdische Rundschau · 1904-05-27 · Heft 21 (27.5.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 21 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 237. No. 21. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Kegen irgend welche Aktionen unserer Leitung oder des Kongresscs selbst. Unser Redner mag seine persönliche Ansicht entwickeln, aber er hat die Pflicht, deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass dies keine prinzipiellen Punkte sind. Wer mit uns absolut nichts gemein hat, als nur das im Leitsatz ausgedrückte Ziel, ist uns willkommen. Von ihm dürfen wir getrost den Schekel nehmen, und er ist befähigt zur Mitarbeit bei unserem grossen Werke. Was für Anforderungen sind nun nach unserem Programm an jeden Schckclzahlcr zu stellen? Da haben wir zunächst di: L a!1 d f r a g c. De! Zionismus will die Judeuiragc in Palästina lösen. — Ich weiss nicht, oh die neueste Seeschlangc in unserem zionistischen Blättermeere, — der Territorialismus, -- irgend ein Wirkliches hezeichnet. Wenn ja, so ist zu sagen, dass Territorialsten, wie sic uns in den Fabclbüoherii einiger unserer Freunde geschildert werden, nicht von uns aufgenomineu werden dürfen. N’atiirlicli weiss ich, dass cs Leute gibt, welche sagen, dass die Judciifragc auch durch Gründung einer Heimstätte ausserhalb Palästinas gelöst werden kann, -- nur bestreite ich bis auf weiteres, dass innerhalb unserer Bewegung .von irgend welcher überhaupt in. Betracht kommenden Seite diese Anschauung vertieten wird. — Selbstverständlich aber bezieht sich unsere diesbezügliche Mindestforderung eben nur auf unser Endziel. - ■ Vollkommen gleichgiltig kann cs bei der Aufnahme für uns sein, wie der Betreffende sich zur Kolonisation in anderen Ländem sonst stellt, — ob er beispielsweise für oder gegen eine sogar von uns vorzunehincudc provisorische Kolonisation ist; vir verlangen lediglich, dass die cndgiltige Lösung als nur in Palästina möglich anerkannt wird. — Nehmen wir an, unser Kongress beschliesse die Besiedelung Ostafrikas. Dann werden eine Menge Leute kommen, wie bisweilen schon jetzt, und sagen: So, Kinderchen, — jetzt seid ihr vernünftig geworden! Hier unser Schekel!! — Diesen Schekel dürfen wir keinesfalls nehmen. Wir dürfen nicht etwa sagen: Für unsere augenhlickliehe Politik gehen wir ja denselben Weg. Wenn wir dann dort zu Hause sind, wird sich schon alles finden! — Das wäre ganz verkehrt. Denn natürlich ist es ein anderes, ein Nachtasyl, — ein anderes, eine dauernde Wohnstätte zu entwickeln: — jene Leute werden auf dem Kongresse das Ihrige tun, das Palästina- Ideal zu verdrängen. — Eine Zusammenarbeit mit diesen Leuten lässt sich ja auf anderem Wege erreichen. — — So finden wir als unsere erste notwendige Forderung an den Schckelzahler: A 11 e r k c u 11111 i s, d a s s d i c J u d e n f r a g c endgültig nur in Palästina zu lösen ist. Dann kommt der Punkt der öffcntlich-rcchtli c.11 gesicherten Heimstätte. — Fs hat den Anschein, als oh seihst in Kreisen, welche die Hochburg unserer Idee bilden, diese Forderung in ihrer Bedeutung nicht völlig erfasst ist. —־ Und doch ist gerade dieser Progranunpunkt bedeutsamer fast für uns als der oben behandelte Punkt, von dem wir unseren Namen ..Zionisten“ herleiten. — Wir sind nicht die ersten, welche Palästina als die Endstation des Leidensweges unseres Volkes bezeichnen. Aber wfir sind die ersten, welche mit dem System der Wohltätigkcitskolonisatio!», brechen. mit der Almosenpoiitik, mit der Kleinkolonisation als Endzweck. — Es ist tief bedauerlich, wem» hie und da in der zionistischen Welt sich Stimmen, und Stimmen von Klang, erlichen, die. vorkünden, dass die Kleinkolonisation au sich geeignet sei. das zionistische Streben zu befriedigen, wenn sic. nur In Palästina geschehe. Es zeugt von einer gänzlich verfehlten Perspektive, wenn man entrüstet vom Verrat am Zionismus schreit, weil ausserhalb Palästinas eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heim- Stätte, nach Meinung dieser Herren angestrebt werde, - und dabei für das Land Palästina zwar aber unter Aufgebot des Verlangens nach re c h 11 i c 11 c n Garanticen eintritt. wenn man durch allerhand Kolouisationsmäkelu und -Spielereien die Erreichung der politischen Ziele vollständig gefährdet. •־־ Unhedingt ist von jedem Schckclzahlcr als zweites die Erkenntnis zu fordern, dass eine Lösung der Judciurage wie. nur in Pa- Uistina, so 1111 r a u f ö f f c 1111 i c!1 - r c c 1111 i c h e r Grundläge zu schaffen ist. Wer da glaubt, auf diese verziclitcn zu können, gehört nicht zu uns. — - Auel» hier ist wieder zu beachten, dass alle unsere Anforderungen sich mir auf das Ziel beziehen. — Wer also etwa der Meinung ist« dass unser Endziel sich gerade durch Klcinknlonisation erreichen lasse, - - dass solche die öffentlich-rechtliche Sicherung nach sich zu ziehen vermag, spricht damit keine. Abweichung vom Programm aus u:vJ wird in unserem Rate seine Meinung vertreten dürfen. Nun aber kommen die beiden Punkte, deren Behaüdluug in der Agitation!»*•sonders viele Klippen bietet. Es handelt sich einmal um die Frage: ״Für wen arbeitet der Zionismus?“ und ferner um die 1 Frage der indischen Nationalität. Beides!miss « * * * * ... * ■ ־ ־, 1 bei Interpretation der Worte ״für das jüdische Volk“ erörtert | werden. * j F ii r w e n a r b c i t c ״ w i r? — Diese Frage sollte gewiss 1 nicht streitig sein und doch hören wir von unseren deutschen I Zionisten oft recht verwunderliche Antworten. Sclbstvcrstäud- I lieh arbeiten wir nicht für die armen Juden Russlands oder | Rumäniens, — überhaupt nicht für die armen Juden,'-- übethaupt nicht für irgend eine Kategorie von Juden, sondern wir arbeiten, wie das Programm unzweideutig erklärt, für die Ge- J sämtlich der Judyn, für das jüdische Volk. Wer anders intcr*- pretiert, — versündigt sieh schon gegen den Geist des.Ziontsmus. Aber ebenso selbstverständlich und oft genug von massgeltendster Stelle unter einstimmigem Beipflichtcn des gesamten j Kongresses ausgesprochen ist es, dass wir niemanden zwingen \ w ollen, - - wie absurd ist auch der Gedanke, — von de;r jedem j gewährten Möglichkeit Gebrauch zu machen. Wir wollen eine . f leiinstätte schaffen, die jedem Juden offen steht. Ob er sie | aufsuchcn will, steht in der Hand jedes einzelnen^ ln der j Praxis wird sich vermutlich zeigen, dass aus jenen Ländern.; in denen der Jude sich am wenigsten wohl fühlt, Verhältnis- 1 mässig der ZusJrom am stärksten sein wird. — Das wird sich , dei einst zeigen und cs lohnt sich w irklich nicht, MutmassupRci!! da!über anziistellen oder darüber sch zu streiten. Wir habtut! dtnui. die Aufschluss verlangen, diese unsere Anschauung aus- 1 imauder/usetzeu, aber es kann; uns gleichgiltig seht, wie der j den Schekel Entrichtende darüber denkt. Gewiss werde ich : bei einer Propagandaredc nie sagen dürfen: ״Wir arbeiten mir | für Jen Juden des Ostens,“ — aber wenn jetzt ein Herr aus ■ dem Publikum aultritt und nun sagt: ״Ich bin in allem einverstanden und will meinen Schekel unter voller Anerkennung des Pingramms entrichten, aber ich meine und wünsche, dass nur | östliche Juden jene Heimstätte aufsuchcii werden.“ - so werde j ich mit innigem Vergnügen den Schekel nehmen und sagen:; Das ist nicht unsere Sache! Hoffentlich werden wir bald Ge- 1 leyenheit haben, das festzustellcn!“ Freilich wird mir dann | bald gesagt werden, ich züchte Rachmoneszionisteii. — Nim. j ich glaube, von alltvi möglichen Schlagworten, die unsinnig! gebildet und unsinnig angewendet werden, ist dies das unj sinnigste. — Das Wort ist nrr dann zutreffend, wenn damit { jene von mir schon früher in dieser Rede gekennzeichneten Leute gemeint sind, die ohne jedes Nachdenken aus purem ן augenblicklichen Mitleid ihre Mark entrichten, aber wir wo!- : len doch nicht «; dahin kommen lassen, dass, wie der Schic- (!nie! es jüngst sehr nett parodierte, als das Schlimmste, was einem Zionisten nachgesagt werden kann, das Rachinones angesehen wird. Schliesslich sind wir alle Rachmoneszionisteii. Wir haben Mitleid mit dem armen, jüdischen Volke. — Mitleid mit dem armen, dem nicderlicgenden Laude unserer Väter. Nur wollen wir dieses unser Mitleid vernünftiger, durchgreifender betätigen, als es andere getan haben: — wir verschmähen das Betteln und Atmoscngcben, wir setzen an deren Stelle das Arbeiten und das Fordern unseres Rechtes. An die Stelle der Privatwohltätigkeit vor allem lassen wir die Wohl-! tätigkeit in der Form treten, wie sic eines Volkes würdig ist. und betreten so das Gebiet der Politik. - - Und nun die nationale Frage! — In unserem Prograinui ist vom jüdischen Volke die Rede. — Unser Programm | schafft nicht das Volk, cs konstatiert auch nicht das Bestellen j des Volkes. -- sondern es setzt das Bestehen des Volkes als j selbstverständlich voraus. Das zeigt uns. wie dieser Punkt zu | behandeln ist. — Das Bestehen oder Nichtbestehen des jüj disclun Volkes ist eine Tatsache, an welcher durch Majoritätsi beschliisse nichts zu ändern ist. Gäbe cs koin jüdisches Volk,! so könnte selbst des Dr. Faust gelehrte Famulus ein solches nicht konstatieren, da es aber ein jüdisches Volk gibt, so ver- J möge״ die Beschliisse aller noch so mächtigen Korpoiationcn ׳ lind Verbände seine Fxistenz nicht aus der Welt zu schaffen. I Unser Zionismus ist nicht etwas Willkürliches, nicht etwas am 1 griinen Tisch auseehccktcs. — Er ist ein Produkt historischer j Entwickelung, stellt eine Phase unseres nationalen Lebens-; prozesses dar. Ein Zionismus ohne jüdische Nation Ist ein! ebensolcher Idiotismus, wie die Idee einer jüdischen Religion j ohne ein indisches Volk. Das wissen wir alle. — das ist etwas I Selbstverständliches! — Aber über Selbstverständlichkeiten i redet man nicht, ausser in der Generalversammlung gewissem! gemeinnütziger Vereine. Wer die Aufgabe hat. das Wesen des j Zionismus auseinaiidcrzusetzcn. der kann garnicht anders, als die historische Entwickelung zu skizzieren, der muss die nationatc Grundlage berühren, muss auf das Unzweideutigste unjwre Nationalität bekamen. Aber eine Ucbert'liissiekcit und eine Konzession ist es eigentlich, erst noch n a c h z 11 w eise 11. dass es eine Indische Nation giht. -- Wohl. - - wenn jemand ihr Vorhandensein bestreiten w'olltc. muss mau ihn ad absurdum führen, aber nia^i darf doch nicht vergessen, dass e? s(ch tim

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