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Jüdische Rundschau · 1904-05-27 · Heft 21 (27.5.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 21 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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eine absolut von Beschlüssen oder Ueberzeugungen unabhängige Tatsache der Natur handelt. Herr Moses H. kann frei entscheiden, ob er bei der jüdischen Religionsgesellschaft bleiben, oder sich tauten lassen will, ob er den Schekel zahlen will etc., aber nicht ob er zur jüdischen Nation gehören will. — Und deshalb halte Ich im allgemeinen Diskussionen über den Begriff der Nationalität, wenn wir nicht geradezu dazu gezwungen werden, in Agitationsversamnilungcn für höchst überflüssig. — Der Wortlaut imseres Programms bezeugt, dass wir die Existenz eines jüdischen Volkes zur Voraussetzung unserer ganzen Theprle machen. In unserer gesamten Agitation suchen wir durch Klarstellung der historischen Entwickelung des Zionismus darzulegen, wie sehr wir auf nationaler Grundlage gewachsen sind. Durch unsere gatize Entwickelung liefern wir den besten Beweis für die lebenskräftige und lebenslustige Existenz unseres Volkes. Wenn aber nun jemand kommt und sagt: Ich will die von euch gewünschte Heimstätte in Palastina für die Gesamtheit der Juden schaficn helfen. Ich halte aber diese Gemeinschaft für keine Volks-, sondern für eine Religionsgemeinschaft. — so werde ich zwar keine sonderlich hohe Meinung von der Logik dieses Herrn haben, aber ich werde keinen Anstand nehmen, seinen Sctiokel zu empfangen. Denn Ich weiss einmal, dass ich ihn nicht über unsere nationale Grundlage in! Unklaren gelassen habe, ihn also nicht durch Täuschung angilockt habe, und ferner, dass er nur in den Voraussetzungen nicht aber im Endziel von uns abweicht und so auch 11! seinem Handeln mit n:׳s übeninstimmen wird. Viele Wctge führen nach Zion. — Denken wir uns, in unserem Prograinme stände nicht ״für unser Volk“, sondern ״für die 11 Millionen Juden“. Nun käme jemand und behauptete, dass es •:ur 300 000 Juden gäbe. Ich suche ihm das auszureden. — Aber er bleibt dabei, erkennt selbst Herrn Dr. Nossigs Statistik nicht au und will absolut für diese 300 000 Juden die Heimstätte schatten. - Warum soll ich ihn nicht miturbeiten lassen, wofern natürlich er das Territorium nicht beschränken will. Nicht anders liegt es hier bei der nationalen frage. - - fort mit den unglücklichen Doktorfragcu! — für uns ist es eme ausgemachte Sacht, dass wir Glieder des jüdischen Volkes sind. Wenn einzelne Neulinge unter uns. die eben aus den! künstlichen Dunkel in die helle Sonne Zions treten, noch krampthait ihre Augen schlicssen, so werden wir bald ihnen den Star stechen, werden sic bald ans Licht gewöhnen. Sie werden bald genug bei uns logisch geschult werden, um diesen fehler abzulcgen. — In dieser Richtung ist also meine Auffassung die: Jeder Schekelzahler muss wissen, dass er einer auf streng jüdisch-nationaler Auflassung beruhenden ürganlr sation augehört, — dagegen ist ein Mangel an Verständnis dieser nationalen Eigenart, selbst ein persönliches Leugnen der Richtigkeit unserer Anschauung, kein Entfernungs-, kein Ausschlicssuugsgrund. Damit bin ich auch am Ende meiner Darlegungen äugelangt, die das Ziel hatten, die Mindestforderungen abzugrenzen, weiche wir bezüglich ihrer Anschauungen au diejenigen stellen müssen, welche von uns würdig erachtet werden, den Schekel zu entrichten, das Wahlrecht zum Kongress auszufihcn. Da- 11.lt sind gleichzeitig die Leitsätze für unsere Organisation gcgeben. Jeli^erlauije^iiiir diese dahin zusaminenzuiassen: _ Bei der Propagierung des Zionismus ist die Darlegung des historischen Werdeganges der Bewegung und die nachdrücklichc Betonung der nationalen Grundlage unserer Idee unerlässlich. — Es ist ferner ausdrücklich festzti- , stellen, dass der Zionismus nicht für einenBrnclitcil sondern für die Gesamtheit der Juden arbeitet. — Der Schekel darf vor. denjenigen Juden entgegciigenommen werden, welche sowohl die öfientlich-rechtliche Sicherung der angestrebten Heinisiätte wie deren Errichtung in Palästina als wesentliche Bestandteile des .Programms anerkennen, — auch über die nationale Grundlage des Zionismus unterrichtet sind. Ich bin mir bewusst, nicht eben viel neues in meinem Referate geboten zu haben. Aber das war auch nicht meine Absicht. Ich hohe out. Einiges ־zur Klärung einer hochwichtigen fragil beigetragen zu haben. Verfahren Sic mm wie Sie wollen: Aeeepticren Sic meine Leitsätze oder stellen sic bessere auf. Aber schaffen Sie die notwendige einheitliche Grundlage für die Propagandaarbeit. Der Schekel, den Moses erhob, ward, wie die Schrift berichtet, verwendet, um die Püssc hcrzustellcn, auf denen das Heiligtum ruhte und die Haken, welche die einzelnen Taile verbanden. Bedenken wir, dass der Schekel und der Schekelgedanke dte über den Erdteil Zerstreuten einigen und verbinden solle. ־ Erheben wir künftig den Schekel mit dem Bewusstsein, dass wir die Grundlage für unser Natioualheiligtuin schäffen sollen, — dass, wenn wir minderwertiges Material herbeischaffen,• wir die Sicherung des Ganzen gefährden. Wenn wir das im Auge behalten und unseres Programmen nie auch nur einen Moment vergessen, daun kann bei uns keine Differenz über die Natur des Schekels entstehen. Dann wird das Wort Schekclzahlcr endlich durch ein anderes, schöneres Wort ersetzt werden können, das gleichbedeutend sein soll und dann gleichbedeutend sein wird — durch das Wort Zionist. — Und Zionist wieder dürfen wir getrost bei fortschreitender Erkenntnis bald definieren: Zionist ist derjenige Jude, welcher seine Pflicht tut. Referent von Prof. Warburg: Unsere Aufgaben in Palästina und Syrien. Der Referent führte etwa folgendes aus: Wenige Jahre erst bestellt der Zionismus, und schon beginnt er seine praktische Tätigkeit. Er hat sehr schnell den Weg von den grossen programmatischen Gedanken in das Getriebe der Einzeln rbeit gefunden. Aber sein System ist en anderes als das der bestehenden jüdischen Kolonisierimgsgesellschalten. Sie arbeiten mit Wohltätigkeit mul Infiltration ein- /einer Bauern, der Zynismus mit dem Gedanken der Sozial- Politik und zielbewusster Volkskolonisation. Aber auch in unseren Reihe « muss Klarheit geschahen werden über den Begr'.fi der ״Grosskolonisation". Eine Grosskolonisation im S'nne von Massenvvandcriing von Anfang an gibt es nicht und hat es nie gegeben. Die grössten Kolonisationen, Amerika, Australien, Kapland, haben klein begonnen. Sic entwickeln sich •וווי natürlichen Lauf der Dinge auf Grund der gegebenen Bedingungen. Massenkolonisation kann nicht ,.gemacht‘• werden, das zeigen die Pläne Baron Hirsch's in Argentinien und ihr wirkl'eher Ausgang. Bedingung jeder grossen Kolonisation ist allerdings die rechtliche Sicherung, darum ist unser oberstes Ziel, die Erlangimg des Charters. Aber auch nach Erlangung des Charters st unsere Arbeit eine andere, als mau oft hört. Man sollte; nicht von Grosskolonisation, sondern von Schncllkolonisatioii! sprechen. ־ Bis zur Erreichu'ig des Charters aber dürfen wir nicht miissig sein. Das Land muss zu einer zukünftigen Schnelli kotonisatiou erst vorberetet werden. Unter diesem Gesichtspunkt, im Hinblick au! das Z el, muss unsere Arbeit eingerichtet sein. Wir sollen nicht selbst kolonisieren, aber die Kolon *sation.־ die besteht, auf jede Weise fördern. Eine solche Pörderung kann nicht durch Ge’dspeiiden erfolgen , denn damit erzieht man nur unfreie Schnorrer. Das System der Unterstützung muss vielmehr eine Hilfe mit Rat und Tat sein. Dafür kam*, sehr viel und Nützliches geschehen. Man muss durch wohluirterriclitete Fachleute, die mit Land und Leuten vertraut sind, die Boddieiukäufe erle'ehtern. Banerlaulm's erwirken, zahlreiche administrative Schwierigkeiten, die den Unkundigen zu Grunde richten, aus dem Wege räumen. Statt der Geschenke au fond perdy muss einsolidesKrcditwesen eingerichtet werden. Ausserordentlich wichtig ist die Bildung von Genossenschaften aller Art: sic verbessern die Lebeusbedngungen und erhöhen ungemein den festen Zusammenhang des Eilizcluen mit der Gesamtheit. Hierher gehören Genossenschaften zum Betriebe von Kellereien,!Meiereien, Maschincngcnossenschaftcii, Verkaufsgenossciiscliaften, bei den Handwerkern Eiukaufsgenossenschäften. Was bei alledem aber strenge verm'edeh werden muss, ist. Wohltätigkeit und unverdiente Nachsicht. Hin gewa’ftges Gclvet sehliessrt sich eng hieran, die Wohlfalirtseimichtuogeii. So st es eine wichtige, in ihren Erfolgen gar nicht abztischätzende Aufgabe, das Verständnis für persünliehe und soziale Hygiene zu wecken. Erst so wird es möglich sc 1: wirksam die grossen Volkskrankhciten zu bekämpfen und den Tierseuchen wirksam entgegen/.utrekm. Es müssen Polikliiükcn ü’ngcrichtet. Hospitäler gebaut. Asyle geschaffen werden. Es würde.zuweit führen, gerade hier alles aofzuführeii,

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